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TASCHENBUCH
 
Trimborns Plan
Verfasser: Michael Dullau (11)
Verlag: Stiftungs- und Initiativenverlag (11)
VÖ: 11. Januar 2016
Genre: Historischer Roman (3708)
Seiten: 160 (Taschenbuch-Version), 162 (Kindle-Version)
Themen: Desertation (12), Deutsche Demokratische Republik (142), Pläne (187), Soldaten (442)
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Wenige Zeit später traf Generalleutnant Lorbeer am Kommandostand ein, von dem aus Major Lüders seine Kompanie dirigierte.
     Der Generalleutnant war ein Berater des Verteidigungsministers und ein alter Kampfgefährte Erich Honeckers. Auf seiner Visite wollte er sich über den Stand der Schießausbildung der Grenztruppeneinheit von Majors Lüders informieren. Lorbeer, ein kleiner untersetzter Mann Anfang 70, kam schnaufend die eigens für diesen Besuch gezimmerte Holztreppe hinauf. Begleitet wurde er von seinem Adjutanten, Oberstleutnant Zwickel, einem Mann mit dichten, buschigen Augenbrauen.
     Der Major salutierte, wie es nur ein Ausbildungsoffizier vermochte, und starrte dabei begehrlich auf den zweiten goldenen Pickel auf den Schulterstücken des Oberstleutnants. Lüders, der dem Generalleutnant noch nie begegnet war, glaubte im ersten Augenblick, der General trüge eine Sonnenbrille. Als der jedoch näher kam, stellte er fest, dass es sich um Augenringe handelte. Ein wenig irritiert stand er weiter stramm und behielt die Hand an der Schirmmütze.
     »Nun lassen Sie es gut sein, Major«, sagte der Generalleutnant in väterlichem Ton und reichte Lüders seine leicht zitternde Hand. »Dann wollen wir mal sehen, was unsere Jungs von den Grenztruppen so auf der Pfanne haben.«
     Der General rieb sich die Hände.
     »Nun, dann beginnen Sie mit Ihrer Vorstellung, Major.«
     Lüders griff zum Telefon und gab seinem Zugführer Habicht den Befehl, Feuerbereitschaft für die Kompanie herstellen zu lassen. Die Blechfeinde auf dem Übungsgelände erhoben sich aus dem Schnee und fuhren stumm ihre Attacke. Lüders gab das Kommando zum Feuern.
     In wenigen Sekunden mähten die Kalaschnikows seiner Leute alle Angreifer nieder. Enthusiastisch meldete Habicht die völlige Vernichtung des imperialistischen Feindes, was Major Lüders mit stolzgeschwellter Brust an den Generalleutnant weitergab.
     »Ausgezeichnete Leistung, Major! – Ich erwarte, dass Ihre Männer ebenso gut treffen, wenn der Genosse Verteidigungsminister anwesend ist!«
     »Darauf können Sie sich absolut verlassen, Genosse Generalleutnant! Die Soldaten der Grenztruppen treffen immer und sind jederzeit bereit, die Feinde des Sozialismus erbarmungslos zu vernichten!«, antwortete der Major und schob die Brust noch weiter raus.
     »Na, na, na«, sagte der General und hob seinen bockwurstdicken Zeigefinger. »Jetzt nehmen Sie den Mund aber ein wenig zu voll, Major. Ich bekomme jeden Monat die Zahl der Grenzdurchbrüche auf meinen Tisch – wenn Ihre Soldaten so gut wären, wie Sie sagen, dann gäbe es diese nicht. Oder Major?«
     Lüders nahm die Brust zurück und senkte den Blick.
     »Sie haben natürlich absolut recht, Genosse Generalleutnant. – In den Ausbildungsregimentern können unsere Grenzsoldaten alle schießen«, antwortete Lüders. »Wir verteilen die Schützenschnüre dort wie geschnittenes Brot. Doch sobald sie in den Grenzkompanien sind und einem wirklichen Republikflüchtigen gegenüberstehen, versagen die meisten.«
     Der General trommelte mit den Fingern auf der Holzbrüstung. »Und – wie gedenken Sie das zu ändern, Major?«, fragte Lorbeer.
     Lüders sah den Lorbeer erstaunt an. War ein General wirklich an seiner Meinung interessiert?
     »Nun, mein lieber Lüders, sehen Sie mich nicht so überrascht an. Ich bin immer an der Meinung eines erfahrenen Ausbildungsoffiziers interessiert. Also, frei von der Leber weg!«
     »Wenn Sie wirklich meine Meinung hören wollen, Genosse Generalleutnant – dann sollten wir die Belohnung für einen verhinderten Grenzdurchbruch drastisch erhöhen.«
     Der General neigte den Kopf und forderte den Major mit einer Handbewegung zum Weiterreden auf.
     »Zur Zeit erhalten unsere Grenzsoldaten in der Regel drei Tage Sonderurlaub, eine Urkunde und ein Belobigungsschreiben an die Ehefrau oder das Arbeitskollektiv. Das ist, mit Verlaub gesagt, Genosse Generalleutnant, zu wenig. Das motiviert heutzutage nicht einmal mehr die ideologisch gefestigten Soldaten zur Anwendung der Schusswaffe. Wir sollten deshalb unbedingt die Anreize erhöhen.«
     »An welche Maßnahmen denken Sie, Major!«
     Jetzt kam Lüders in Fahrt.
     »Wir sollten den Sonderurlaub bei einem verhinderten Grenzdurchbruch mit Anwendung der Schusswaffe auf zwei Wochen erhöhen und den Grenzsoldaten zusätzlich mit einem Ferienplatz an der Ostsee belohnen. Und, sollte der Soldat Frau und Kinder haben, müssten diese natürlich mitfahren dürfen. Oder wir bevorzugen die jungen, alleinstehenden Männer bei der Vergabe von Pkw! Sie müssten dann nicht mehr zwölf Jahre auf einen Trabant warten, sondern – gestaffelt nach der Zahl der vernichteten Republikflüchtigen – nur noch zwei, drei oder vier Jahre. Was glauben Sie, was das für einen Motivationsschub gäbe! Keiner unserer Grenzsoldaten würde dann noch zögern, bei einer Republikflucht von der Schusswaffe Gebrauch zu machen!«
     Oberstleutnant Zwickel, der kopfschüttelnd zugehört hatte, konnte nicht mehr an sich halten.
     »Das meinen Sie doch wohl nicht ernst, Major?«
     Der General fasste seinen Adjutanten am Ärmel. »Nun lassen Sie mal, Zwickel.«
     Der Oberstleutnant wandte sich ab, seine buschigen Augenbrauen tanzten.
     »Vom Prinzip her sind Ihre Ideen vollkommen richtig, mein lieber Lüders«, sagte der General wohlwollend. »Auch im Militär muss der von unserer Partei- und Staatsführung initiierte Leistungsgedanke umfassend Einzug halten. Allerdings würden solche Maßnahmen der außenpolitischen Reputation unseres Staates Schaden zufügen. Stellen Sie sich vor, wenn das im Westen bekannt würde – die würden daraus wieder eine Riesenkampagne machen und gegen den Sozialismus hetzen. Nein, das dürfen wir nicht zulassen! Aber, nichtsdestotrotz, ich schätze Ihren Einfallsreichtum sehr, mein lieber Lüders.«
     Der Major nickte, wirkte aber ein wenig niedergeschlagen. Der General fasste Lüders am Arm und nahm ihn vertraulich beiseite.

     »Nun machen Sie nicht so ein Gesicht, Major. Die Organe unserer Partei-, Staats- und Militärführung arbeiten bereits an einer Lösung.«
     Lüders sah den General mit großen Augen an.
     »Es gibt einen Plan, mit dem unsere Feinde nicht rechnen«, sagte Lorbeer und nahm die pelzbesetzte Mütze ab. Er fuhr mit seinem fleischigen Daumen über das goldene DDR-Emblem.
     Der Blick des Majors hing gebannt an den Lippen des Generals.
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