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Flügel für den Schmetterling
Verfasser: Ntailan Lolkoki (1)
Verlag: Knaur (1085)
VÖ: 27. Juli 2017
Genre: Biografie (950)
Seiten: 272
Themen: Beschneidung (5), Kenia (20), Massai (7), Samburu (1), Verstümmelung (6)
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REZENSION DURCH DAS LESERKANONE-TEAM
Ein Frauenschicksal. Millionen Frauenschicksale.
 
In den hiesigen Medien taucht das Thema Genitalverstümmelung ab und zu mal kurz auf, sorgt vorübergehend für Bestürzung und verschwindet dann wieder aus dem alltäglichen Themenradius der Menschen. Dabei beinhaltet dieser körperliche Gewaltakt gleich eine Vielzahl an erschütternden Aspekten - stellvertretend sei beispielsweise die Rolle von Müttern angemerkt, die selbst dieses Schicksal erleiden mussten und später trotzdem darauf beharren, dass ihren Töchtern das gleiche widerfährt. Ntailan Lolkoki trat dieser Tage mit einem Buch den Versuch an, dem Thema ein Gesicht zu verleihen.

Zu Papier gebracht wurde das Ganze unter dem Titel »Flügel für den Schmetterling«, dessen Untertitel »Der Tag, an dem mein Leben neu begann« bereits andeutet, dass für Frau Lolkoki alles ein gutes Ende genommen hat. Das Buch wurde im August vom Knaur Verlag veröffentlicht, ist rund 270 Seiten stark und kann für 16,99 Euro erworben werden. Die digitale Variante kostet zwei Euro weniger. Ergänzt wird die Geschichte um ein kurzes Vorwort von Waris Dirie, der hierzulande vermutlich bekanntesten Aktivistin im Zusammenhang mit der weiblichen Genitalverstümmelung.

In ihrem Buch beschreibt Ntailan Lolkoki ihr bewegtes Leben zwischen zwei Kontinenten, das eine ganze Reihe von Tiefen durchlief, in welche die Autorin einen direkten oder indirekten Zusammenhang zu ihrem Schicksal hineindeutet, etwa aufgrund der daraus resultierenden Angst vor Sexualität. Nicht immer erschließt sich dabei in voller Gänze der unmittelbare Zusammenhang der Episoden im Leben der Autorin zu der Folter, der ihr angetan wurde, jedoch steht es einem zwangsläufig nicht zu, die Intensität zu bewerten, die ein solches Schicksal einen Menschen in seinem Alltag und seinen Lebensentscheidungen beeinflusst.

Wie ihr ganzes Leben beginnt auch Ntailan Lolkokis Erzählung in Kenia, wo sie in einem traditionsbewussten Elternhaus als Tochter einer Massai und eines Samburu aufwächst, zwei Völkern, in denen die weibliche Genitalverstümmelung auch heute noch obligatorisch ist. Ihre Kindheit beschreibt die Autorin in einfachen, aber wirksamen und bildhaften Worten als so bunt, wie man es aus vielen Dokumentationen kennt, will heißen: Das Leben verlief - abgesehen von Stolpersteinen wie einem aggressiven Mathematiklehrer - in vergleichsweise ruhigen Bahnen, es gab viele Tiere, unberührte Natur, einen Lieblingsbaum.

All das ist nur das Vorspiel zu dem, was Frau Lolkokis Leben so gravierend verändern wird. Mit aus hiesiger Sicht absurden Begründungen, etwa dem »Erlangen von Heiratsfähigkeit«, dem »Finden von eigener Identität« und dem »Loswerden übelriechender Unreinheiten«, wird die damals zwölfjährige Ntailan Lolkoki beschnitten. Was Identität schaffen soll, fürt vielmehr dazu, dass das Mädchen sich selbst verliert, es folgen Jahre der Suche und Jahre der Leere, eine Ehe mit einem Briten, die nicht glücklich verläuft, Versuche der Selbstfindung und scheinbar wachsenden Selbstbewusstseins, Arbeit als Model, Liebschaften, Sorgen, eine starke Hinwendung zum Glauben, ein neuer Versuch in Kenia, ein neuer Versuch in Deutschland, kurzum: Ein zerfasertes Leben in vielen kurzen Fragmenten mit so vielen Stationen, das es eigentlich für die Biografien mehrerer Leute reichen würde.

Die Wiedergeburt und damit der Tag, an dem Ntailan Lolkokis Leben neu beginnt, erfolgt durch eine Rückoperation - für die Autorin ein großer Glücksfall, der ihr Leben in geordnetere Bahnen lenkte; einer, dem nur ein Teil der genitalverstümmelten Frauen möglich ist, da es (ungeachtet der notwendigen Mittel und Gelegenheiten) oftmals physisch gar nicht mehr möglich ist. Bis dahin hat ihre Geschichte jedoch bereits so viele Wellen und so viele Täler durchlaufen, dass sie selbst zum lebenden Beweis dafür wurde, dass »FGM« alles andere als identitätsstiftend ist, sondern in Persönlichkeiten tiefe Risse hinterlässt.

Schnörkellos, aber trotzdem absolut eindringlich zeigt die Autorin auf, dass das, was ihr als zwölfjähriges Mädchen widerfuhr, weit mehr ist als nur eine kurzfristige Folter, die vorübergehend für unheimlichen Schmerz sorgt, sondern ein Akt, der ein ganzes Leben verändern und zerstören kann. Ein Schicksal, das die Autorin mit unheimlich vielen anderen Frauen teilt, die oftmals nicht die Chance haben, ihr Leid zu offenbaren. Und ein Schicksal, das zeigt, wie wichtig umfangreiche Aufklärungsarbeit und das permanente Licht der breiten Öffentlichkeit dafür nötig sind. Umso wichtiger sind Beiträge wie der von Ntailan Lolkoki, und entsprechend ist es ein Glücksfall für viele Frauen, dass es ihr Buch gibt.
– geschrieben von konstanze (11. September 2017)
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