Diese Website nutzt Cookies, nähere Infos finden Sie hier. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. 
41.724 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »AODHAGAN20«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
TASCHENBUCH
 
HARDCOVER
 
HB-DOWNLOAD
 
HÖRBUCH
 
Beste Absichten
Verfasser: Thomas Brussig (10)
Verlag: Fischer (1462)
VÖ: 16. März 2017
Genre: Gegenwartsliteratur (2527)
Seiten: 192
Themen: 1989 (25), Bands (257), Berlin (862), Deutsche Demokratische Republik (130), Musik (224), Wiedervereinigung (32)
BLOGGERNOTE DES BUCHES
???
noch nicht bewertet
100
0%
80
0%
60
0%
40
0%
20
0%
0
0%
Entwicklung des Bloggerinteresses:
1M
0
2M
0
3M
0
6M
0
12M
0
Leider existiert für »Beste Absichten« noch keine Kurzbeschreibung. Wir würden uns freuen, wenn du ein, zwei Sätze verfassen könntest.
USER, DIE SICH FÜR DIESES BUCH INTERESSIERTEN, INTERESSIERTEN SICH AUCH FÜR
Die Weihnachtsgans Hermine
Geschrieben von: Thomas Brussig (19. September 2016)
Mein Leben als Sonntagskind
Geschrieben von: Judith Visser (2. Mai 2019)
100/100
[1 Blogger]
Vera Stanhope ermittelt 7 - Die andere Tote
Geschrieben von: Ann Cleeves (16. April 2019)
weitere Empfehlungen anzeigen
Lesermeinungen (2)     Leserkanonen-Rezension
OFFIZIELLE LESERKANONEN-REZENSION
Früher, als Musik das Wichtigste war
 
Es gibt Autoren, die man ganz automatisch mit ganz speziellen Orten und ganz speziellen geschichtlichen Ereignissen in Verbindung bringt. Seitdem Thomas Brussig vor zwei Jahrzehnten aufzeigte, dass am kürzeren Ende der Sonnenallee selbst Helden wie wir am Rad der Zeit drehen konnten, erwarten Banausen wie unsereins aus seiner Feder ganz automatisch Geschichten, die im letzten Drittel der Existenz der DDR irgendwo in Ostberlin spielen. Passenderweise veröffentlichte er dieser Tage mit »Beste Absichten« einen Roman, in dem man einigen Ostberlinern dabei zusehen kann, wie sie dem Mauerfall entgegenmusizieren. Und wir haben uns einmal etwas näher angeschaut, ob er daraus auch im Jahr 2017 noch etwas ähnlich Unterhaltsames stricken konnte wie einst.

Nachdem er zu DDR-Zeiten die »üblichen Stationen« des DDR-Erwachsenwerdens inklusive dem obligatorischen Wehrdienst und der beinahe obligatorischen Facharbeiter-Ausbildung absolvierte, griff der 1964 im Ostteil Berlins geborene Thomas Brussig kurz nach der Wende zum Stift und wurde Autor. Dank der in kurzen Zeitabständen erschienenen Verfilmungen seiner beiden ersten (unter eigenem Namen geschriebenen) großen Romane wurde er 1999 auch unter Büchermuffeln landesweit bekannt. Seitdem schrieb er fleißig weiter Bücher, Drehbücher und Bühnenstücke, und mittlerweile hat er mit der Zahl seiner Veröffentlichungen die Zweistelligkeit erreicht. »Beste Absichten« erschien in der vergangenen Woche im S. Fischer Verlag, kostet als gebundene Version 18 Euro und als E-Book einen Euro weniger. Der knapp 200 Seiten starke Roman ist obendrein als (ungekürzte) vierstündige Hörbuchversion erhältlich, die von Stefan Kaminski eingelesen wurde, der schon vielen exzellenten Büchern seine Stimme geliehen hat.

Abgesehen von drei authentischen Geschichten aus der DDR, die weitgehend unbekannt sind und durch Brussig ein Stückchen Aufmerksamkeit erhalten, das sie definitiv verdienen, dreht sich in »Beste Absichten« alles nur um eines: um Musik. Dabei beherrscht der Protagonist des Romans - »Äppstiehn«, wie er bald genannt werden wird, weder ein Instrument, noch kann er singen. Vielmehr kommt er wie die Jungfrau zum Kind an den Posten des »Managers« der Band »Die Seuche« (die üblicherweise nicht unter diesem Namen auftritt). Als Leser begleitet man Äppstiehn und seine Leute durch ihre komplette Bandgeschichte, von einem Auftritt im illustren »Fresswürfel« zum anderen, auf große Autoschieber-Tour zur Prager Botschaft und mitten hinein ins Geschehen rund um die Wende in der DDR ... und ein Stückchen darüber hinaus.

Tatsächlich ist es die Band, die in Brussigs Roman ganz und gar im Mittelpunkt steht. Zwar sind die Zeit und der Ort für die Entwicklung der Band durchaus von Relevanz, etwa weil es der »Seuche« aufgrund der Zulassungsbestimmungen in der DDR nicht gestattet ist, öffentliche Auftritte zu absolvieren, doch bilden die Zustände über weite Strecken eher eine untergeordnete Kulisse. Auch das »Leben neben der Band« verkommt zur Nebenrolle, selbst von Äppstiehn bleibt in der Hinsicht nicht viel mehr hängen als sein eigentlicher Job und eine kurze Affäre mit einer Kellnerin. Stattdessen erzählt Brussig, wie eine Handvoll Leute mit größtenteils überschaubaren Ambitionen versucht, gemeinsam musikalisch etwas auf die Beine zu stellen und dabei einen ganz eigenen - sonderbaren - Weg zu gehen. Mit erzählerischer Leichtigkeit und unterhaltsamen Ton lässt Brussig seine Helden von einer unkonventionellen Problemlösung zur nächsten reisen und lässt den Leser dabei vor allem eins spüren: An sich gibt es für diese Leute nichts Wichtigeres als Musik, auch dann nicht, wenn sich rund um sie herum Großes ereignet. Zumindest bis zu einem Punkt, an dem die Ereignisse dann so groß werden, dass selbst Musik ihnen gegenüber verblasst und komplett in den Hintergrund tritt - zumindest auf den ersten Blick.

»Beste Absichten« schlängelt sich dabei relativ harmlos durch eine aufreibende Zeit. Zwar deutet Brussig ab und zu an, dass es jetzt auch mal ein wenig Stirnrunzeln geben könnte, etwa wenn es um die Hintergründe der Adoption eines der Bandmitglieder und um eine Erbkrankheit geht, und gelegentlich wird auch schon mal ein auffälliger Beobachter vom MfS in die Szenerie gestellt, doch schon nach zwei-, drei Mal Umblättern ist es wieder ad acta gelegt. Wie schon bei seinen beiden verfilmten Büchern aus den Neunzigern vermittelt Brussig vor allem eins: Egal, was Politik und Gesellschaft rund um einen herum auch fabrizieren, so ist es doch immer möglich, eine kleine Sphäre um sich herum zu schaffen, die das Leben lebenswert macht - in dem Fall eben durch die Musik.

Da nicht ernsthaft versucht wird, Finger in Wunden zu legen, wird »Beste Absichten« beim Leser womöglich nicht übermäßig lang nachhallen - sieht man mal von ein paar sprachlichen Kunstwerken wie dem »olfaktorischen Hiroshima« ab, die so gelungen sind, dass man sie dringend dauerhaft in den eigenen Floskelhaushalt integrieren sollte. Nichtsdestotrotz beschert einem das Buch einige unterhaltsame Lesestunden - auch dann, wenn man in die Musikszene der DDR nicht involviert und nicht selbst in einem »Fresswürfel«-Äquivalent unterwegs war. »Beste Absichten« ist fröhlich und skurril, erzeugt bei einigen Lesern sicher ein paar angenehme Nostalgiegefühle und schafft das, ohne die Geschichte zu verklären, denn der Arbeiter- und Bauernstaat ist bei Brussig genauso verfallen, wie er am Ende tatsächlich war. So schlägt man das Buch dann am Ende zufrieden zu, und womöglich wird der ein oder andere in ein paar Jahren auch ans Lesen zurückdenken und sich ganz in Brussigs Sinne sagen: Da war mal was gewesen.
– geschrieben am 24. März 2017
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Autorin der Rezension: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz