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Der Regisseur
Verfasser: Olivia Kleinknecht (5)
Verlag: Eigenverlag (14423), epubli (1005) und Ludwig (17)
VÖ: 13. September 2002
Genre: Gegenwartsliteratur (2719)
Seiten: 435 (Taschenbuch-Version), 438 (Taschenbuch-Version Nr. 2), 420 (Kindle-Version)
Thema: Regisseur (52)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Olivia Kleinknecht für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Olivia Kleinknecht gibt es bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Die Dame mustert das Ölgemälde über dem Pontifex; Papst Leo X. in Jagdpose, mit weichledernen, über die Knie reichenden spanischen Stiefeln, einen Speer in der Hand, im Begriff die ihm von Jagdgehilfen zugetriebene Beute zu durchbohren.
     „Wundert Sie das Bild?"
     „Es hat etwas Unpassendes."
     „Wieso?"
     Die Dame schenkt dem Papst wieder ihre Aufmerksamkeit: „Warum haben Sie dieses Gemälde in Ihrem Arbeitszimmer aufhängen lassen; hier empfangen Sie doch geistliche und weltliche Würdenträger? Ich meine, welchen Eindruck macht eine so blutrünstige Szene hinter dem Stellvertreter Petri?"
     „Die meisten, die ich hier empfange, sind reine Bittsteller. Sie haben anderes im Sinn als Abfälliges über meine Kunstwerke zu äußern.“ Pause. „Es inspiriert mich."
     „Zu Euren Experimenten, Santità?"
     Der Papst strahlt wie ein Kind.
     „Tötet Ihr etwa Eure Opfer?"
     „Aber nein! Nein."
     „Was geschieht dann in Eurem geheimen Raum?"
     „Ich versetze gewisse Auserwählte in einen Zustand absoluter, erschöpfender Erfüllung. In diesem Zustand wird der Gegensatz zwischen Himmel und Hölle ausgelöscht."
     „Sie sprechen in Rätseln."
     Der Papst steht auf. Auch sie erhebt sich. „Ich könnte Sie an den Ort des äußersten Glücks führen, Verehrteste, damit Sie sich ein genaueres Bild machen können. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich es tun soll." Er stellt sich vor sie und lächelt schief. „Was erwarten Sie denn genau?“
     Ihr Blick saugt sich an seiner Brust fest: „Ich möchte mich jemandem ohne Bedauern hingeben können."
     „Was haben Sie denn immer bedauert?" Der Papst zieht die Augenbrauen hoch.
     „Mein anfängliches Entgegenkommen, meine anfängliche Begeisterung. Sie waren stets zu groß. Die enttäuschten Erwartungen, Ihr versteht..."
     „Mit andern Worten, Sie halten mich für ungewöhnlich potent?" Er legt eine Hand auf ihre Schulter, dort wo der Stoff noch kein nacktes Fleisch preisgibt. „Ich denke, ich kann Ihnen nicht helfen."
     „Aber man erzählt über Sie Beispielloses."
     „Ich will damit sagen, das Experiment, das ich mit Ihnen veranstaltet hätte, wäre nicht geeignet gewesen, Ihnen das ersehnte Vergnügen zu verschaffen."
     „Ah."
     „Kommen Sie. Ich begleite Sie hinaus."
     Sie schlendern nebeneinander her. Die Dame schreitet wie in Zeitlupe - Gemälde und Statuen schweben zögerlich vorbei - als käme sie nicht vom Fleck, zögen sie unsichtbare Gewichte nach hinten. Der Papst scheint es zu bemerken und geht noch gemächlicher. Zwei Wachen nähern sich auf seinen Wink. „Zu Ihrer Begleitung.“ Der Papst bleibt stehen, die Dame zögert, mit den Wachen zu gehen. „Zwischen uns gibt es nichts mehr zu besprechen. Sie verzeihen, dass auch ich Sie enttäuschen muss."
     Die Dame tupft sich mit einem Spitzentuch die Augen. Der Papst denkt einen Moment nach und bietet dann an, sich mit ihren Liebhabern zu beschäftigen, ihrem Versagen. Sein Mund verzieht sich zu einem Grinsen, die Augen lächeln aber nicht.

*


Ein Kellner servierte Vittorio Angelotti einen dampfenden Risotto Milanese und wartete in einiger Entfernung hinter seinem Stuhl, um ihm jeden Wunsch umgehend zu erfüllen. Vittorio Angelotti drehte sich von der Straße weg und aß schnell und geistesabwesend. Noch bevor er den letzten Bissen verzehrt hatte, gab der Kellner hinter seinem Rücken ein Zeichen zur Küche hin, damit sie den Secondo bereitstellten. Während Vittorio Angelotti das Fleisch der Bistecca fiorentina mit entschiedenen Schnitten vom Knochen trennte, bemerkte er, dass ihn jemand beobachtete. Er hielt einen Moment inne und blickte zum Eingang hinüber. Dort stand ein hochgewachsener junger Kellner, den er hier noch nie gesehen hatte. Er musterte den Jungen von oben bis unten, um gleich wieder zerstreut weiter zu essen.

*

     „Hinterher verwöhne ich mich", sprach die Blonde laut vor sich hin. Sobald sie den Letzten abgefertigt hätte, ginge sie in ihr bevorzugtes Modegeschäft, zu Stuzzicadenti in der Via Condotti, um dort mindestens zwanzig Modelle anzuprobieren und zum Schluss den Hinterteil-betonenden mentagrünen Lederrock zu kaufen, der im Schaufenster ausgestellt und wie für sie geschaffen war. Die Verkäuferinnen bei Stuzzicadenti waren besonders hässlich, und sie liebte es, sie zu tyrannisieren. Allein schon der Gedanke daran, dass ihre Attraktivität für diese Frauen ungemein kränkend sein durfte, beschleunigte ihren Pulsschlag. Natürlich würde sie peinlich darauf achten, dass die Verkäuferinnen ihre Rollen nicht überschritten. Sie war die Kundin und die Verkäuferinnen mussten sie bedienen. Da war also dieses nette Überunterordnungsverhältnis und sie wollte es unterstreichen, indem sie Wünsche über Wünsche äußerte und die Verkäuferinnen ständig auf Trab hielt.
     Sie strich mit ihren Händen um Taille und Gesäß. Sicherlich hatten die Verkäuferinnen die Kleider, die sie anprobieren würde, schon selbst anprobiert und mussten gleich feststellen, wie plump sie sich im Vergleich zu ihr darin machten.
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