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Der Regisseur
Verfasser: Olivia Kleinknecht (5)
Verlag: Eigenverlag (14432), epubli (1006) und Ludwig (17)
VÖ: 13. September 2002
Genre: Gegenwartsliteratur (2722)
Seiten: 435 (Taschenbuch-Version), 438 (Taschenbuch-Version Nr. 2), 420 (Kindle-Version)
Thema: Regisseur (52)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Olivia Kleinknecht für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Olivia Kleinknecht gibt es bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Vor den orange-gelb gestrichenen Lackwänden des Strozzapreti standen auf ovalen Glastischen Platten mit Obst und Antipasti; appetitanregend dekoriert und duftend. Vittorio Angelotti setzte sich ans Fenster und beobachtete hinter einem Vorhang die vorbeigehenden Passanten.

*


Die Einnahmen des Vormittags beliefen sich auf 1.800.000 Lire. Der Mann zog sich schnaufend vom Bett hoch, indem er mit beiden Händen die Stangen des Kopfteils umklammerte. Während er sich ankleidete, sah die Blonde aus dem Fenster. Auch als er hinausging, drehte sie sich nicht zu ihm um.
     Vor dem Handtaschenfabrikanten wollte sie noch irgendwo zu Mittag essen. Sie schob sich hüftschwingend durch das Menschengewimmel auf der Via Veneto. Sie fiel auf: nicht nur Männer, auch Frauen blieben mit den Blicken an ihr hängen. Als sie im Vorbeigehen in die Fenster eines Restaurants schaute, glaubte sie, Vittorio Angelotti zu erkennen, halb hinter einem Vorhang verborgen. Mit einer Zufriedenheit, wie sie nur ein tiefes Einverständnis mit sich und der Welt zustandebringt, überquerte sie die Straße.

*


Obwohl das Taxi, das sie an den Flughafen bringen sollte, jeden Moment kommen musste und Giulia noch nicht einmal fertig angekleidet war, verfiel sie wieder ins Träumen. Bis vor kurzem hatte sie ihre Tagträume noch auf gelegene Momente beschränkt, neuerdings fantasierte sie auch zu Unzeiten. Bruno stand mit ihr an Deck eines Kreuzfahrtschiffs. Über ihnen schwarzer Nachthimmel. Niemand weit und breit zu sehen. Er war volltrunken, leicht zu manövrieren. Sie brachte ihn dazu, sich an die Reling zu lehnen, dort, wo sich eine kleine Tür im Gitter befand. Er merkte überhaupt nicht, wie sie die Tür öffnete. Ein kleiner Schubs genügte. Gioco di bambini: Kinderspiel. Sie genoss es: Er riss den Mund auf als schnappe er nach Luft, begriff und fasste ins Leere, konnte sich nirgendwo festhalten, glitt in den Abgrund. Die Schiffsmotoren übertönten den Aufprall auf dem Wasser, nicht einmal einen Schrei konnte man hören, die Dunkelheit verschluckte ihn augenblicklich. Eine saubere Sache. Mit beiden Händen strich Giulia an ihren Beinen entlang, um den Sitz ihrer Seidenstrümpfe zu prüfen und rückte dann ihren Büstenhalter zurecht.

*


Zurück in der Via Margutta, vielleicht ausgelaugt durch das Treffen mit Vittorio Angelotti, hatte sich für Mia das Problem auf eine widerlich allgemeine und dramatische Frage zugespitzt: Ging es letztlich darum, das Bewusstsein zu verlieren? Dieselbe Frage hatte sich Nicolai Stawrogin in Dostojewskis Dämonen gestellt. In einer ähnlichen Situation, wenn sie es genauer überlegte. Stawrogin erlebte nichts unmittelbar. Gleichgültigkeit hielt ihn vom Erleben ab. Sie stöhnte. Das Resultat war verheerend. Tödliche Langeweile: er hatte sich erhängt. Schon die Frage schien ihr gefährlich. So radikal durfte sie die Sache nicht angehen. Gerade als sie das schwarze Kostüm ablegte, es kniff, seit sie es auf dem Rückweg so stark verschwitzt hatte, kam ihr der begnadete Einfall, das Problem auf einer viel niedrigeren Ebene zu packen, um praktikable Lösungen zu finden: Vittorio Angelotti bewegte sich unter Menschen sicherer als sie. Ein Schamproblem wie ihres wäre ihm völlig fremd. Und, sie hatte den Eindruck, bei ihm ereignete sich ständig etwas, er erlebte, er lebte. Warum sollte sie nicht einfach sein Verhalten genauer unter die Lupe nehmen. Dabei konnte sie womöglich sehen, wie man es machen musste. Was gab es über sein Verhalten zu sagen? Sie streichelte ihre zitronengelbe Reizunterwäsche. Vittorio Angelotti war spontan: Planung und Ausführung einer Handlung fielen bei ihm zeitlich annähernd zusammen. Er verwirklichte die meisten seiner Vorhaben sofort. Das ersparte ihm, allein schon weil keine Zeit dazu blieb, quälende Gedanken, wie wohl andere auf seine Handlungen reagieren würden. Was sich positiv als spontanes Handeln bezeichnen ließ, konnte man negativ gedankenloses oder sogar skrupelloses Handeln nennen... Eins wurde hier jedenfalls klar: Wer so handelte, fühlte sich seiner Sache sicher. Genierte sich nicht! Und sogar die irrwitzige Idee, im Verbrechen Befreiung zu suchen, wurde für sie auf einmal plausibel. Das war dann lediglich extreme Skrupellosigkeit, auch Nicolai Stawrogin hatte den Kitzel, den Erlebnisschauer, das Erlebnis, das ihn wieder belebte, im Verbrechen gesucht... Für sie kam das natürlich nicht in Frage... Sie kaute einen ihrer weiß lackierten Fingernägel ab und drückte auf Play.

Der Papst, in fuchsiarot, sitzt hinter einem goldenen Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer. „Kommen Sie herein!"
     Es ist eine Dame in veronesegrünem Samt, Sängerinnenstatur, die braunglänzenden Haare unter einem Perlennetz, rote, tränenförmige Rubine modellieren den Hals.
     „Nehmen Sie bitte Platz." Der Papst fixiert sie erwartungsvoll.
     Sie erwidert seinen Blick, ohne etwas zu sagen.
     „Wie haben Sie von meinen Experimenten erfahren?"
     „Warum interessiert Euch das, Santità? Das Entscheidende ist doch, dass ich mich zur Verfügung stelle."
     Er wird laut: „Sagen Sie es mir sofort."
     Als bisse sie sich auf die Zunge, gibt sie zu: „Kardinal Soderini."
     Der Papst führt die Unterhaltung bemüht höflich fort. „Und was stellen Sie sich unter meinen Experimenten vor?"
     „Man hat mir erzählt, Sie eröffnen einem völlig neue Perspektiven."
     „Sind Sie also zu mir gekommen, weil Sie sich langweilen? Weil Sie Ihres Gatten und Ihrer Liebhaber überdrüssig sind? Suchen Sie ein Erlebnis, das in Ihnen die Frische ihrer ersten, ich darf sagen, jungfräulichen, Gefühle wiedererweckt? Und glauben Sie, ich hätte die Absicht, Sie auf völlig neue Art zu verführen, nach allen Regeln der Kunst, die niemand so meisterhaft beherrscht wie ich?"
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