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Der Regisseur
Verfasser: Olivia Kleinknecht (5)
Verlag: Eigenverlag (14388), epubli (997) und Ludwig (17)
VÖ: 13. September 2002
Genre: Gegenwartsliteratur (2718)
Seiten: 435 (Taschenbuch-Version), 438 (Taschenbuch-Version Nr. 2), 420 (Kindle-Version)
Thema: Regisseur (52)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Olivia Kleinknecht für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Olivia Kleinknecht gibt es bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Als ihr Lächeln nicht mehr echt, sondern angestrengt wirkt, ruft er unwirsch: „Andrea, Arminio! Bindet sie fest!"
     Während sein Befehl ausgeführt wird, kehrt er ihr den Rücken. Dann dreht er sich wieder zu ihr um. Seine Miene ist eisig, die schwarzen Augen glitzern. Er trennt überspannt vorsichtig den Spitzenkragen vom Ausschnitt ihres Kleids ab, entfernt den eng anliegenden Schmuck, Gold mit gigantischen Topasen, lässt ihn wie Müll zu Boden fallen und legt beide Hände um den nackten Hals. Ganz langsam umschließen seine Hände den Hals immer enger. Zuerst Stöhnen, schließlich ein kehliger Schrei, Röcheln, Gurgeln. Der Papst hält sichtbar den Atem an. Schweiß steht ihm auf der Stirn. Er starrt in ihr Gesicht, die Hände immer an ihrem Hals. Völlige Stille herrscht. Ihre Augen weiten sich zum Bersten, bevor die Pupillen unter den wie bei einer Puppe herunterklappenden Lidern verschwinden, der Kopf kippt auf die Schulter. Er lässt los. „Sciogliete. Veloce, il medico! Bindet sie los! Schnell, den Arzt!"
     Als sie wieder zu sich kommt, sitzt der Papst neben ihr auf einem blanken Schragen und studiert interessiert die roten Abdrücke seiner Hände auf der Haut. „Falls Sie mich wiedersehen wollen, stehe ich zu Ihrer vollständigen Verfügung. Al suo servizio", bringt er heiser hervor.

Vittorio Angelotti ging zu Fuß zum Forum. Dabei bereitete er sich geistig auf das Abendessen mit Mia vor. Das Leben musste man inszenieren, auch wenn es einem Film glich, in dem er der einzige professionelle Darsteller war. Und: richtiger Genuss setzte voraus, dass man sich darauf einstimmte, das Ersehnte praktisch beschwor, zunächst im Abstand einer Art Vorgefühl hielt, um sich dann langsam atmosphärisch voll darauf einzulassen.

*


Giulia litt immer häufiger unter Wutattacken. Wenn sie sich kaum noch beherrschen konnte, malte sie sich aus, wie sie Bruno im Affekt tötete. Zum Beispiel sah sie sich, wenn er ahnungslos, im vermeintlichen Schutz der zementierten Gewohnheiten beim Essen saß, mit dem Küchenmesser wahllos auf ihn einstechen. Sobald ihr das blutige häusliche Massaker in ihrer Vorstellung befriedigend gelungen war, beschwor sie den Augenblick nach der geglückten Tat. Ein Glas zuckerigen Amaretto di Saronno in der Hand betrachtete sie bequem vom Sessel aus Brunos Leiche, triumphierend, wie ein Jäger das erlegte Wild. Nach einer solchen Tat musste sie sich zuerst einmal banal entspannen. Die Einzelheiten seiner spurlosen Beseitigung, wie sie die Leiche verschwinden ließ, träumte sie hinterher, mit etwas weniger Eifer.

*


Als Angelotti das Restaurant betrat, saß Mia schon an einem Tisch am Ende der Dachterrasse mit Blick auf das Augustusforum und das Forum Romanum. Um zu ihr zu gelangen, musste er die gesamte Terrasse überqueren. Er fixierte sie von weitem und näherte sich ohne jede Eile, indem er seine Schritte in einem exakten Zwei-Sekunden-Takt setzte. Während er den Stuhl vom Tisch zog, nahm er flüchtig ihre Hand und führte sie so an seine Lippen, dass er sie nicht berührte, nur warm auf die Haut atmete. Sein Blick glitt dabei über Mia hinweg. Er schaute über die Terrassenbrüstung nach unten, auf die Reste eines Triumphbogens. Erst nachdem er Platz genommen hatte, sah er sie wieder an. Der harte Zug um ihren Mund, die auf dem Tisch klebende Hand, die brettsteife Haltung des Oberkörpers wies für ihn darauf hin, dass sie krampfhaft versuchte, sich locker zu geben. Während des belanglos gehaltenen Gesprächs musterte er mit wachsendem Interesse eine unter der olivfarbenen Haut von Mias Hals unnatürlich blau hervortretende Ader. Nur die Ader zeigte den Grad der hysterischen Begierde dieser feingliedrigen, mediterranen Schönheit an.

*


Der größere Teil der Kleidung und Haushaltsgegenstände war bereits unterwegs nach Rom. Giulia musste nur noch zwei Koffer packen und die Wohnung reinigen. Bei den bis zuletzt hinausgeschobenen Putzarbeiten dachte sie an ihre Schulzeit. Damals hatte sie oft das schöne Gefühl gehabt, die Welt stünde ihr offen. An schulfreien Nachmittagen lag sie stundenlang auf ihrem Bett und träumte von unbegrenzten Möglichkeiten. Die Eltern hatten sie dabei kaum gestört. Sie wischte mit fahrigen Bewegungen den Holztisch im Wohnzimmer ab und warf den Einmallappen in den Mülleimer. Die Eltern... Bei ihnen konnte sie vorübergehend wieder einziehen. Danach. Wo sollte sie sich sonst von den Strapazen der Tat erholen?

*


Die Blonde stieg in den Bus Nummer zwölf ein. Um die Zeit abends war er vollgestopft. Körpergerüche stiegen ihr in die Nase. Der Kinderschweiß von Schülern war süßlicher als der mit billigen Deodorants überdeckte Erwachsenenschweiß. Der Bus bewegte sich aufreibend langsam durch das Verkehrsgedränge in Richtung Quirinale. Vom Fenster aus konnte sie die Passanten auf dem Gehsteig mustern. Büroangestellte, Verkäuferinnen, Ladenbesitzer, Friseure, verbrauchte Gesichter, verformte Körper. Die Blonde betrachtete sie verständnislos, sie erschienen ihr wie eine andere Spezies. Ihr Gefühl des Andersseins war selbstverständlich, war wie ein Reflex, sie hatte noch keinen Sinn für das Fortschreiten der Zeit.

*


Mias lauernder Blick ging Angelotti plötzlich auf die Nerven: Wahrscheinlich war es ein Fehler gewesen, sie einzuladen, anstatt den Abend in seiner Wohnung mit Giulio zu verbringen. Giulio war leicht zu handhaben. Jetzt hingegen hatte er sich in eine Situation manövriert, in der er Dinge tun musste, die ihn anstrengen würden. Was ihn eben noch gereizt hatte, empfand er auf einmal als Zumutung: das Essen einfach mittendrin abzubrechen, wenn sie es am allerwenigsten erwartete, und zu gehen. Weil er sich auf einmal einbildete, es erklären, es rechtfertigen zu müssen. Rechtfertigen: was für ein scheußliches Wort. Schon der Gedanke daran machte ihn unfrei. Um die Kontrolle über die Situation wiederzugewinnen, beschloss er, nur ein erstes Gericht zu bestellen und schon die Bestellung mit der Ankündigung zu verbinden, er müsse gleich wieder aufbrechen. Ohne dem etwas hinzuzufügen. Er fühlte sich sofort wohler. Unversehens regte sich auch sein sexueller Appetit wieder. Gleich anschließend wollte er ihn auf möglichst unkomplizierte Weise befriedigen. Giulio wartete zu Hause auf ihn, um ihn dankbar in die Arme zu schließen. In der nur langsam nachlassenden Abendhitze ließe erst sehr spät, stöhnend und schweißüberströmt von ihm ab.

*


Auf der staubigen Straße vor dem Haus hatte sich ein großer Haufen Müllsäcke angesammelt. In der Hitze strömte er einen fauligen Geruch aus. Giulia wischte durch den Mund atmend, um nicht vom Gestank überwältigt zu werden, den Balkonboden auf. In Algier hätte es kein großes Aufsehen erregt, wenn Bruno einfach verschwunden wäre. Dort passierte mehr als in Rom. Dennoch sah sie ihre Situation in Rom nicht als ausweglos an... Es klingelte. War Bruno schon zurück? Den Schrubber in der Hand ging Giulia zur Tür und drückte auf den Knopf der Sprechanlage. Er war es. Sie ärgerte sich immer, wenn er früher nach Hause kam; bevor sie die Meditationsübungen gemacht hatte. Sie konnte ihn nach den Übungen gelassener ertragen. Im Zustand der Versenkung sagte sie sich dabei vor: „Nichts stört mich an ihm. Ich bin frei."
     Ohne sie zu beachten, streifte Bruno an ihr vorbei, und schloss sich im Bad ein. Das Essen war vorbereitet. Giulia zog einen Salat mit Meeresfrüchten aus dem Kühlschrank. Die Badezimmertür schlug mit einem Knall zu. Bruno setzte sich an den Küchentisch, vergrub sich hinter einer Zeitung und wartete, dass sie ihn bediente.
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