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Der Regisseur
Verfasser: Olivia Kleinknecht (5)
Verlag: Eigenverlag (14388), epubli (997) und Ludwig (17)
VÖ: 13. September 2002
Genre: Gegenwartsliteratur (2718)
Seiten: 435 (Taschenbuch-Version), 438 (Taschenbuch-Version Nr. 2), 420 (Kindle-Version)
Thema: Regisseur (52)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Olivia Kleinknecht für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Olivia Kleinknecht gibt es bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

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Giulia dachte verquält darüber nach, weshalb sie vor sechs Jahren Bruno zuliebe den Beruf aufgegeben hatte. Die gut bezahlte Stellung im Irak: wichtige Überwachungsaufgaben beim Aufbau einer chemischen Fabrik, damit hatten sie ihn geködert. Sie war Abteilungsleiterin bei den Grandi Magazzini gewesen, einem römischen Kaufhaus, einem sehr großen, wie der Name schon sagt, und hatte dort einfach mir nichts dir nichts gekündigt. Ohne groß nachzudenken, als sei es selbstverständlich, war sie mit Bruno in dieses Land gezogen. Sie wollte sich jetzt nicht mehr darüber auslassen, was für ein Land... und das, obwohl sie ihr einen höheren Posten in der Verwaltung der Grandi Magazzini angeboten hatten, um sie zu halten. Erst im Irak war ihr dann ziemlich schnell klar geworden, dass sie zu ihren Ungunsten gehandelt hatte. Sie durfte dort nicht arbeiten und war ins Haus verbannt. Nach drei langen Jahren kehrten sie zurück. Drei Folterjahre. Doch damit nicht genug. Sie blieben nur wenige Wochen in Rom: Bruno hatte sich, ohne ihr Wissen, für einen lukrativen Posten in Algier beworben, erfolgreich. In den wenigen Wochen in Rom war es für sie unmöglich gewesen, eine neue Stelle zu finden. Und ohne Stelle, hatte sie sich eingebildet, konnte sie sich Bruno nicht widersetzen. Sie hatte geglaubt, unter diesen Umständen finanziell auf ihn angewiesen zu sein, ihm auf Gedeih und Verderb folgen zu müssen. Alleine in Rom zurückzubleiben und es außerhalb des finanziellen Schutzgeheges ihrer Ehe, auf sich gestellt, zu versuchen, war ihr nur vage in den Sinn gekommen. Aus Feigheit. Aus Angst, es alleine nicht zu schaffen, nicht frei schwimmen zu können. Hinzugekommen wäre außerdem noch das unerträgliche, himmelangstmachende Geheule und Geplärr der Eltern. Sie hätten eine Scheidung nicht verstanden. Dazu wäre es natürlich gekommen. Mit Bruno konnte man nicht reden. Er ließ sich von nichts abbringen. Jedenfalls nicht von ihr...
     Morgen ging es von Algier wieder zurück nach Rom. Das freute sie nur noch schwach, weil sie die Abreise viel zu lange herbeigesehnt hatte. Wünsche verbrauchen sich mit der Zeit. Diesmal schien Bruno entschlossen, in Rom zu bleiben. Zu spät, dachte Giulia, non cambia più nulla: das ändert auch nichts mehr.
     Von Anfang an hatte Bruno nicht begriffen, wie er sie behandeln musste. Dass sie seinetwegen ihre Karriere aufgab, hatte er nicht einmal bemerkt. Er überließ ihr im Irak und in Algerien die eintönige Arbeit im Haus und kümmerte sich so wenig um sie wie um ein abgestelltes Möbel, das man allenfalls benutzte, wenn es einem passte. Bruno bestimmte den Tagesablauf ohne jede Rücksicht auf sie. Er schrieb genau vor, wann gegessen werden sollte. Und gegessen wurde zumeist in dumpfem Schweigen. Nach dem Mittagessen musste sie ihn regelmäßig befriedigen. Oral. Den Abend verbrachte er in starrem Ritual vor dem Fernseher. Ausgeführt hatte er sie so gut wie nie, das Höchste war abends ein Gang ums Haus gewesen oder eine Einladung zu Berufskollegen, die sie nicht interessierten. In den ersten Tagen im Irak hatte sie Bruno zu verstehen gegeben, dass sie beschenkt werden wollte. Sie hatte einen Diamantring im Auge gehabt. Mehrmals wies sie ihn im Vorbeigehen auf die Auslagen des Juweliers hin. Hätte er damals verstanden, dass sie bereit war, sich mit dem Ring versöhnen zu lassen, wäre womöglich alles noch gut gegangen. Sie hätte ihrerseits mit einer positiven Geste geantwortet, und ihr Leben wäre in einen Dialog gemündet.

*


Es lief wie in der besten aller Welten. Mixtbit finanzierte den kostspieligen Film. Angelotti hatte sich nur verpflichten müssen, den Namen von Mixtbit nicht zu erwähnen. Sie wollten mit ihm Geld machen, aber nicht mit den Inhalten seiner Filme in Verbindung gebracht werden. Es war noch Zeit, Angelotti schaltete den Videorecorder ein und band sich vor seinem letzten Kassenschlager: Il Papa, die weiße Seidenkrawatte. Es war der größte Spaß seiner Filmkarriere gewesen, diesen aus guten Gründen von ihm nicht näher bezeichneten Renaissancepapst selbst zu spielen. Mit der Figur bezog er sich, um ehrlich zu sein, auch auf keine spezielle Einzelperson. Sie war eine Kompilation. Er hatte Züge der Mediceerpäpste, des undurchsichtigen Klemens VII. und seines partysüchtigen Vorgängers Leo X., so wie von deren Vorgängern, wie Borgia oder diesem Bonifaz, den Dante schon in der Divina Commedia verteufelt hatte, vermischt, von Kerlen mit nicht nur ausschweifendem Sexleben. Die überlieferten Curricula hatte er studiert, undeutliche historische Quellen neu interpretiert, einen guten Teil fantasiert...

Der Papst geht in den Stanze di Raffaello, seinen Privaträumen, auf und ab. Er setzt die Schritte in einem exakt gemessenen Rhythmus. Großaufnahme der Augen, die Pupillen zucken unstet hin und her, dann seiner beringten, manikürten Hand. Auf einen Wink führen zwei Diener eine Dame in die Gemächer. Eine grazile, kleine Brünette in schillerndem Blau. Der Papst holt tief Luft, schreitet auf sie zu und geleitet sie zu einem blanken Holzstuhl. Er überragt sie um mehr als einen Kopf. Der Stuhl passt nicht zur verschwenderischen Einrichtung in Marmor, Porphyr, Gold, Samt, Brokat. An Stuhlbeinen und Armstützen sind breite Lederriemen angebracht, um Arme und Beine zu fesseln.
     „Meine Liebe, Sie wollen es riskieren? Bei Ihrer Konstitution?“
     „Santità, sagtet Ihr nicht, es gebe, sobald ich Eure Räume betreten hätte, kein Zurück mehr?"
     Sie setzt sich. Der Papst beugt sich leicht zu ihr herunter und flüstert verschwörerisch: „Ich bin mir in dem Augenblick nicht ganz sicher, ob ich mehr an Ihrem Wohlergehen oder mehr an Ihrem Leid interessiert bin."
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