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Unsterblich
Verfasser: Jens Lubbadeh (5)
Verlag: Heyne (3220)
VÖ: 11. Juli 2016
Genre: Science Fiction (3190)
Seiten: 448 (Broschierte Version), 449 (Kindle-Version)
Themen: Augmented Reality (4), Ewiges Leben (14), Klonen (45), Unsterblichkeit (247), Virtuelle Realität (61)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Der Traum der Menschheit vom ewigen Leben ist Wirklichkeit geworden: Dank Virtual-Reality-Implantaten können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch Marlene Dietrich ist als Star wiederauferstanden und wird weltweit gefeiert – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Eigentlich unmöglich! Für den Versicherungsagenten Benjamin Kari wird aus der Suche nach ihrem digitalen Klon ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel.
Lesermeinungen (1)     Leserkanonen-Rezension     Leseprobe     Blogger (2)
OFFIZIELLE LESERKANONEN-REZENSION
Authentizität ist relativ
 
So ziemlich jeder von uns wird schon einmal festgestellt haben, dass der Tag viel zu wenige Stunden, die Woche viel zu wenig Wochenende und das Leben viel zu wenige Jahre umfasst. Zumindest für das letztgenannte Problem schafft Jens Lubbadeh in seinem Roman »Unsterblich« Abhilfe, indem er die Menschheit (zumindest den Teil, der es sich leisten kann) in Form von »Ewigen« - einer Art holografischem Abbild des Originals - weiter existieren lässt. Unsere Mitarbeiterin Ramona hat sich einmal angesehen, ob diese Buchidee in eine lesenswerte Geschichte umgesetzt wurde.

Der in Hamburg lebende Jens Lubbadeh trat in den vergangenen Jahren vor allem als Journalist in Erscheinung. Die Liste der bekannten Medien, für die er Artikel zu technischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Themen oder allgemein zu Wissensfragen schrieb, ist lang, und vermutlich haben viele Leser dieser Buchbesprechung schon den ein oder anderen Text aus seiner Feder gelesen, ohne dass sie es wissen. Und wenn man schon ein Fachmann auf so vielen Gebieten ist, lag es nahe, sich aus dem großen Wissensfundus zu bedienen und einen ganzen Roman zu schreiben. Das Ergebnis hört auf den Namen »Unsterblich«, ist rund 450 Seiten lang und erschien im Juli dieses Jahres im Heyne Verlag. Die broschierte Version des guten Stücks ist für 14,99 Euro erhältlich, die digital immortalisierte Variante kostet drei Euro weniger. Zudem wurde »Unsterblich« als Hörbuch vertont, ist mit 12 ½ Stunden Laufzeit ungekürzt und wurde von Schauspieler und Synchron- sowie Radiosprecher Mark Bremer eingelesen.

In seinem Roman führt Lubbadeh seine Leser dreißig Jahre in die Zukunft, nämlich ins Jahr 2044, um es genau zu nehmen. Dort hat es die Menschheit dank eines weltumspannenden Großkonzerns namens »Immortal« geschafft, dem Hauptproblem des Daseins entgegenzuwirken, nämlich dem zwangsläufigen Dahinscheiden nach ein paar Jahrzehnten auf Mutter Erde. Zu diesem Zweck werden die Menschen mit Lebenstrackern ausgestattet, die kontinuierlich aufzeichnen, was die jeweilige Person tut und was mit ihr geschieht. Damit ist es »Immortal« nach dem Verbleichen des Probanden möglich, ein Abbild von ihm zu erschaffen, das (mit einigen Abstrichen) genauso tickt wie der Verstorbene und damit seinen Platz inmitten von den Hinterbliebenen einnehmen kann. Und nicht nur das: Auch zahlreiche Prominente der Vergangenheit konnten mit Hilfe der »Immortal«-Technologie wieder zum »Leben« (wenn man es denn so bezeichnen kann - übrigens eine der zentralen Fragestellungen des Buchs) erweckt werden. Die Länder werden sogar von den »Ewigen«, wie sie genannt werden, regiert. Eine dieser Prominenten, nämlich die große Marlene Dietrich, kommt nach einer Reihe von erfolgreichen Filmproduktionen abhanden. Benjamin Kari, ein Angestellter des »Immortal«-Kooperationspartners »Fidelity«, wird darauf angesetzt, ihren digitalen Klon wieder aufzuspüren. Und damit gerät er in eine Verkettung von Ereignissen, die unfassbare Ausmaße annimmt.

Das überragende Alleinstellungsmerkmal von Lubbadehs Roman ist selbstverständlich die Idee der digitalen Wiedererweckung. Eine Idee, aus der sich praktisch unendlich viele Möglichkeiten ergeben konnten. Lubbadeh hat sich dafür entschieden, eine Story zu entwickeln, die äußerst vielfältige Aspekte ineinander vereint. »Unsterblich« ist ...
... die Geschichte einer Ermittlungsarbeit,
... ein Action-Thriller,
... ein Buch, in dem die Einflussnahme von Großunternehmen auf das weltweite Geschehen kritisch hinterfragt wird,
... eine Analyse der menschlichen Werte, wenn es darum geht, nicht loslassen zu wollen,
... eine Erörterung, was Leben - oder besser gesagt: eine authentische Form von Leben - überhaupt ist, wo es anfängt und wo es endet,
... und vieles mehr. Vor allen Dingen aber ist »Unsterblich« eine unheimlich unterhaltsame Geschichte voller bahnbrechender Ideen, die in dieser Form absolut einzigartig daherkommt. Das Jahr 2044 wird von Lubbadeh in einer gewaltigen Vielfalt entblättert, angefangen von der Betrachtung des großen Ganzen der Menschheitsentwicklung bis hin zum Blick in kleine Nischen, etwa auf eine Indianerfamilie, die eine ganz eigene Interpretation von der Sinnhaftigkeit einer Immortalisierung hat. In die gleiche Kategorie fällt das Schicksal von Hauptfigur Benjamin Kari selbst, bei dem die Immortalisierung einer geliebten Person nicht zu den freudigen Konsequenzen führte, die der Erhalt des Charakters eigentlich zum Ziel gehabt hätte. Mir hat das gesamte Konstrukt ausnehmend gut gefallen.

--- Kurze Unterbrechung zur Kritik an einer Kritik bei Amazon ---

Wenn an dieser Stelle aufgrund meiner persönlichen Begeisterung von Lubbadehs Zukunftsidee ein kleiner Einschub zu einer speziellen Leserbewertung des »Unsterblich«-Jahres 2044 erlaubt ist: Man kann natürlich beispielsweise unken, dass sich neben der einen richtig großen Errungenschaft, die im Kern seines Romans steht, relativ wenig getan hat und der Alltag bei Lubbadeh dem heutigen ansonsten ziemlich gleicht. Man kann selbstverständlich auch gerne der Meinung sein, dass die Erschaffung der »Ewigen« und andere Erfindungen zu weit gehen. Allerdings hat jede Zukunftsvision nun mal ihre Berechtigung, und wenn ich Einschätzungen lese, in denen kritisiert wird, dass nicht alles bis ins technische Detail hinein erläutert wird, dann geht mir mein nicht vorhandener Hut schon ein wenig hoch. ;) Natürlich hat Lubbadeh nicht jedes technische Detail erklärt - wäre er in der Lage, den in dreißig Jahren potenziell erzielten Fortschritt bereits heute technisch zu erläutern, dann sollte er dringend seinen Autorenjob ad acta legen, sich an die Fraunhofer- oder Max-Planck-Gesellschaft wenden und am raschen Einheimsen von Nobelpreisen arbeiten. Bei Zukunftsvisionen in Büchern gehört es immer dazu, Veränderungen einfach mal so hinzunehmen und sich über den Verzicht auf die Erklärung des Weges dahin nicht übermäßig zu entrüsten. Zumal man als Leser auch ein Recht auf eigene Fantasie hat - ist eine Innovation nicht technisch erläutert, dann kann man sich ja selbst dazu etwas ausdenken.

Ich selbst durfte mir vor einer Weile anhören, dass es sehr merkwürdig sei, dass ich und mein Co-Autor in »Sveta und der Junge aus dem Wald« auf eine Erläuterung verzichtet haben, warum es in »unserem« Jahr 2200 keine Smartphones mehr gibt. Ernsthaft? Jens Lubbadeh durfte sich bei Amazon in einer Einzelmeinung die Kritik anhören, dass eine Erklärung fehlte, wie ein in der Luft transportiertes Gerät mit Energie versorgt wird und Daten überträgt. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ernsthaft? Das gehört nach Meinung einiger Leser zwingend in einen Tech-Thriller? Ich finde, dass so etwas im Gegenteil um Himmels Willen nicht hineingehört. Beispielsweise schätze ich die beiden »Daemon«-Romane von Daniel Suarez wirklich sehr, aber wenn so exzessiv in die wissenschaftliche Uferlosigkeit hineinerläutert wird, wie er es in »Control« getan hat, dann ist das meiner Meinung nach vollkommen kontraproduktiv und erhöht eher die Lust, das Buch wegzulegen. Weniger ist eben manchmal mehr, und der Mut zur Lücke bisweilen eine Tugend. Nicht zuletzt finde ich es merkwürdig, dass Erklärungen bei Büchern gefordert werden, bei denen diese vollkommen deplatziert wären und bei denen technische Abhandlungen der Story nicht dienlich wären, während bei viel abgedrehteren Zukunftsstorys alles hingekommen wird, weil ein Grundkonsens darüber herrscht, dass das alles akzeptabel ist. Oder hat schon mal jemand eine 1/5- oder 2/5-Rezension für »Star Wars« erlebt, weil darin jegliche Erklärung dafür fehlt, dass ein X-Wing in der vollkommenen Leere des Weltalls derart wendige Flugmanöver durchführen kann? ;) Lange Rede, kurzer Sinn: Lubbadeh hatte nicht nur ein gutes Recht darauf, bei technischen Grundfragen auf Erklärungen zu verzichten, er hat sogar sehr gut daran getan. Seine Zukunftsvision ist so, wie sie ist, exzellent ausgearbeitet und bedarf keiner darüber hinausgehenden Erläuterungen, und auch keine dem Buch beiliegenden Schaltpläne.


--- Genug echauffiert, weiter mit der Buchbesprechung ---

Ich empfand einige Dinge durchaus als skurril, etwa erschienen mir die Affektreaktionen der Menschen auf das Verschwinden von Marlene Dietrich und auf erste böse Gerüchten über die Immortalisierung streckenweise ein wenig übertrieben. Aber das sind Kleinigkeiten, die in der Gesamtwirkung vollkommen untergehen. Fakt ist, dass Lubbadeh nicht nur eine klug durchdachte Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite an erzählt, er beweist dabei auch noch ein vortreffliches Gespür dafür, ruhige Momente und pure Actionszenen, philosophische Momente des Hinterfragens gesamtgesellschaftlicher Zustände ebenso wie kleine persönliche Schicksale, Wendungen und schnörkelloses Voranerzählen in Einklang zu bringen, dass sein Buch stets ausgewogen wirkt und in idealem Tempo erzählt wird. Volltreffer sind auch die Wahl der Schauplätze sowie die die Ausarbeitung der Figuren, die zwar immer aus einer gewissen Distanz betrachtet werden - ein Verrennen in Gedankenmonologen & Co. muss also nicht befürchtet werden -, dennoch aber stets so präsent sind, dass ein Mitfiebern leicht fällt.

Um es in wenigen Worten zusammenzufassen: Ich empfand »Unsterblich« als einen rundum gelungenen Roman, der mich durchweg großartig unterhalten hat. Nicht nur die eigentliche Idee war eine sehr gute, auch das, was Lubbadeh daraus gemacht hat, ist absolut einwandfrei. Dass sich vieles (bzw. praktisch alles) von dem, was in dem Buch zwischen den Zeilen hindurchdringt - etwa hinsichtlich der Datensammelwut von Großunternehmen und der bereitwilligen Zurverfügungstellung durch den gläsernen Bürger - aufs Hier und Jetzt übertragen lässt, tut sein Übriges, denn auf vielerlei Weise ist 2016 schon mehr 2044, als man vielleicht auf den ersten Blick denkt. Der langen Rede kurzer Sinn: Ein vortrefflich unterhaltender Tech-Thriller, der auch noch mit mächtig viel Aussage daherkommt - Jens Lubbadeh wird es schwer haben, wenn er bei seinen zukünftigen Büchern an diesem hier gemessen wird.
– geschrieben am 22. September 2016
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