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Amra und Amir
Verfasser: Maria Braig (11)
Verlag: 3.0 (26), BookRix (1540) und epubli (1679)
VÖ: 23. April 2015
Genre: Biografie (1722) und Jugendliteratur (7872)
Seiten: 190 (Broschierte Version), 220 (Taschenbuch-Version), 171 (Kindle-Version)
Themen: Abschiebung (4), Transsexualität (25)
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Die Geschichte von Amra und Amir verbindet zwei Themenschwerpunkte: (Trans)Gender und Abschiebepolitik

1. Die Praxis, in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern mit dem Eintritt ins Erwachsenenleben einfach ins Herkunftsland der Eltern abzuschieben, was bis 2011 häufig der Fall war. Seit 2011 können Jugendliche und Heranwachsende zwischen 15 und 21 Jahren eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, wenn sie länger als acht Jahre in Deutschland leben (seit 2015 sind es noch vier Jahre) und einen Schulabschluss oder eine Ausbildung aufweisen.
Aber noch immer gibt es Ausnahmen, sei es dass jemand dies nicht weiß und die Fristen versäumt oder wegen weniger Monate nicht in das Zeitfenster passt, oder dass die positive Integrationsperspektive nicht bescheinigt wird. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Jugendliche sich, wie die Kurdin Sultan Karayigit, die sich an verschiedenen friedlichen prokurdischen Demonstrationen und Veranstaltungen beteiligt hat, politisch unerwünscht engagieren, wenn sie schulische Probleme haben und keinen Ausbildungsplatz finden können oder wenn sie straffällig werden. Jugendsünden, falscher Umgang und schlechte Lebensbedingungen werden so schnell zu schicksalsschweren Geschehnissen, die, auch wenn die Betroffenen verursachte Schäden wieder gut gemacht, ihre Strafe verbüßt und aus dem allem gelernt haben, oder wenn sie vielleicht wie andere Jugendliche mit deutschem Pass, einfach ein wenig länger brauchen, um in Schule und Beruf ihren Weg zu finden, ihr Leben in ganz neue Bahnen lenken.

2. Zweiter Themenschwerpunkt ist Amra/Amirs Leben zwischen den Geschlechtern. Zunächst ohne sich Gedanken über ihre Geschlechtszugehörigkeit zu machen, lebt Amra als Jugendliche einfach, wie es ihr entspricht. Ein Mädchen, das sich nicht besonders feminin entwickelt, sich aber auch keine besonderen maskulinen Verhaltensweisen aneignet, wird aus der Not zum Mann. Sie erkennt bald, dass ihr dieses Leben zwischen den Geschlechtern mehr zusagt, als eine eindeutige Zuordnung zum Frau- oder Mannsein, wie dies von der Gesellschaft gefordert wird.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Maria Braig für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Maria Braig gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

„Bevor ich das Auto des Nachbarsjungen reparierte, woraufhin mein Onkel ausrastete und mir erklärte bzw. erklären ließ, dass er mich schnellstmöglich verheiraten würde, hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht, was es für mich bedeutete, als Frau im Kosovo leben zu müssen. Ich hatte wohl bemerkt, dass die Frauen und Mädchen um mich herum keinen Fuß auf den Boden brachten, wenn sie nicht, mit welchen Tricks auch immer, einen Mann auf ihrer Seite hatten. Aber das hatte ich nie mit mir und meinem eigenen Leben in Verbindung gebracht. Ich war auch hier im Kosovo die selbständige und coole Amra. Frauen, die Unterstützung brauchten, waren andere.
     Mich verheiraten zu wollen war für mich zunächst nur eine irre Idee meines Onkels. Sie ängstigte mich nicht, denn ich bestimmte über mich immer noch selbst, davon war ich überzeugt. Aber es riss mich doch aus meiner ignoranten Lebensrealität, die ich mir geschaffen hatte: Nichts sehen, nichts hören und auf bessere Zeiten warten.

Es war unsinnig gewesen, ihn so anzuschreien, er verstand mich ja auch gar nicht. Aber es tat mir gut und mein eigenes Geschrei weckte mich aus meinem Winterschlaf.
     Ich konnte nicht mehr länger warten, ich brauchte Arbeit. Auch wenn meine Sprachkenntnisse noch gering waren, sie mussten genügen.
     Während ich meinen gesamten Frust der letzten Monate herausschrie, damit aber nur ein Grinsen meines Onkels hervorlockte, was mein Geschrei noch steigerte, war meine Cousine dazugekommen und hatte versucht, mich ins Haus zu ziehen, was ihr aber nicht gelang. Gemeinsam mit Nehbi, die mir die Pläne meines Onkels übersetzte, schleppte sie mich dann aufs Nachbargrundstück und drückte mich auf einen der Stühle, die vor dem Haus standen. Als wir kurz darauf alle drei mit Tee versorgt waren, erklärten mir die Frau und das Mädchen die Welt des Kosovo. Ihre Welt, die jetzt ja auch meine Welt war.
     Als Frau würde ich nie eine Stelle in einer Autowerkstatt bekommen, als Frau könnte ich nicht allein leben in ihrem Land, so erklärten sie mir. Sie hätten zwar vor dem Gesetz inzwischen die gleichen Rechte wie die Männer, aber im Haus meines Onkels war er das Gesetz und Esad richtete sich nach dem Kanun, den traditionellen albanischen Rechtsvorschriften. Außerdem, so erklärten sie mir, war im Kosovo fast die Hälfte aller Menschen arbeitslos und da würde eine Frau nie und nimmer Arbeit als Automechanikerin finden. Ich käme nicht an einer Heirat vorbei, und je früher ich begann mitzuspielen, desto besser wären meine Chancen, mir zumindest den bestmöglichen Mann aussuchen zu können. Ihn müsste ich dann nur glauben machen, dass er der Chef des Haushaltes sei, eine geschickte Frau würde aber immer ihren Kopf durchsetzen, ohne dass der Mann das merkte.
     Ich war mir nicht sicher, ob dieses Fazit meiner Cousine von Nehbi geteilt wurde oder ob sie uns beiden nur nicht die letzte Hoffnung auf ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben, wie es meiner Cousine vorschwebte, zerstören wollte.
     Ich hatte zugehört, versuchte zu verstehen, und was ich nicht verstand, wurde mir übersetzt. Ich widersprach nicht, staunte nur, wie ein junges taffes Mädchen, wie es meine Cousine war, diesen Alptraum einer Zukunft einfach so hinnehmen konnte. Ein Mann und Kinder, das war das Leben, das sie erwartete. Wenn sie keinen Mann in ihr Bett ließ, könnte sie nicht überleben, davon war sie überzeugt. Höchstens noch als Prostituierte – und dass ihr ein Mann lieber war als viele, das verstand sogar ich.“
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