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Franz Eberhofer 07 - Leberkäsjunkie
Verfasser: Rita Falk (16)
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1382)
VÖ: 22. Januar 2016
Genre: Kriminalroman (9200)
Seiten: 320 (Gebundene Version), 321 (Kindle-Version)
Themen: Filmvorlagen (567), Fußballer (125), Mord (7082), Provinz (441), Verdacht (833)
Reihe: Franz Eberhofer (12)
Erfolge: 1 × Media Control Top 10 Print (Max: 9)
3 × Media Control Top 10 E-Book (Max: 9)
1 × Spiegel Taschenbuch Top 20 (Max: 16)
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Erklärung der Bewertungssysteme
In seinem siebten Fall erforscht der Eberhofer den Hergang eines grausamen Mordes an einer Fremden, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt wurde. Verdächtigt wird ausgerechnet der angolanische Fußballer Buengo vom FC Rot-Weiß Niederkaltenkirchen ...
Lesermeinungen (12)     Leserkanonen-Rezension     Blogger (8)
OFFIZIELLE LESERKANONEN-REZENSION
Leberkäse? Oder einfach nur Käse?
 
Wenn man einen kurzen heimlichen Blick in die Bestsellerliste des Spiegels wirft, dann wird man sehen, dass sich dort im Bereich »Paperback« derzeit Rita Falk mit ihrem humoristischen Bayernkrimi »Leberkäsjunkie" auf dem ersten Platz tummelt. Auch bei uns wurden nur wenige Bücher in den vergangenen drei Wochen so oft bewertet wie dieses. Da noch keiner unserer Mitarbeiter einen von Rita Falks Krimis gelesen hat, haben wir intern beschlossen, dass es dafür jetzt endlich einmal an der Zeit war. Dazu verdonnert wurde ausgerechnet unsere am weitesten aus dem Norden stammende Mitarbeiterin - denn wenn ein Buch gut ist, so haben wir befunden, dann muss es auch über die Grenzen eines Freistaats hinaus funktionieren.

Bedarf es vorab einer Erklärung, wer Rita Falk eigentlich ist? Vermutlich nicht, so erfolgreich, wie sie in den letzten fünf, sechs Jahren war. Die 1964 geborene Bayerin stammt aus Oberammergau und lebt inzwischen mit ihrem zweiten Mann, einem Polizisten (nur ein Zufall?), in München. Von dort aus beglückt sie die deutsche Buchwelt seit dem Jahr 2010 mit den Regionalkrimis ihrer »Franz-Eberhofer-Serie«, und gelegentlich streut sie den ein oder anderen Familienroman ein. »Leberkäsjunkie« erschien am 22. Januar im Deutschen Taschenbuch Verlag, ist rund 320 Seiten stark und kostet als Taschenbuch 15,90 Euro, als E-Book-Version 13,99 Euro. »Drüben« bei Amazon beklagen sich einige Leute darüber, dass dies zu teuer wäre, aber zumindest bei der Printversion kann man sich wirklich nicht beschweren, denn wenn sich Autoren über die Jahre ein bißchen Ruhm angeschrieben haben, dann haben sie es auch verdient, dass ihr Marktwert steigt. Und wenn für die besseren Reiseführer von Dan Brown 26 Euro gerechtfertigt sind, dann sind knapp 16 Euro für eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen unserer Zeit auch in Ordnung. Die Preissetzung bei E-Books ist natürlich eine etwas andere Sache, aber das gehört nicht hierher. ;)

Neben den Versionen, die man lesen muss, gibt es vom »Leberkäsjunkie« auch eine Variante fürs Ohr, die Der Audio Verlag veröffentlicht hat. Nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, habe ich in Vorbereitung auf meine Buchbesprechung kurz in eine Hörprobe hineingehört, und die wäre wohl nichts für mich gewesen. Als Sprecher fungiert Christian Tramitz, und wenn ich ihn höre, habe ich unweigerlich eine Mischung aus einem androgynen Indianer und Jefferson D'Arcy im Kopf. ;) Mehr noch stört mich dabei aber das Bayrische, denn was in der gelesenen Variante auch für mein ignorantes norddeutsches Sprachzentrum akzeptabel ist, wäre akustisch über mehr als neun Stunden nur schwer zu ertragen. Wenn man allerdings Tramitz mag oder aus dem Süden der Republik stammt, dann ist das sicher sogar sehr angenehm fürs Ohr, daher will ich darüber kein Urteil fällen.

Worüber ich sehr wohl urteilen werde, ist hingegen das Buch an sich. »Leberkäsjunkie« ist der siebte Roman, den Rita Falk über den fiktiven Kommissar Franz Eberhofer aus dem ebenso fiktiven Niederkaltenkirchen geschrieben hat, das sich irgendwo in der Nähe von Landshut befinden soll, also nicht sonderlich weit weg von München. Die ersten drei Bände der Reihe erschienen vor der Erschaffung der Leserkanone-Lesercharts, doch der vierte bis sechste Roman wurde von unseren Besuchern so gut beurteilt, dass Frau Falk ein Abonnement für die täglichen Top Ten hatte. Dabei schießt »Sauerkrautkoma« den Vogel ab, denn das Buch wurde sage und schreibe 94mal unter die zehn besten Bücher gewählt. »Leberkäsjunkie« schneidet bis dato bei unseren Lesern etwas schwächer ab und hat deshalb bisher noch nicht in unseren Lesercharts vorbeigeschaut. Ich selbst habe zuvor noch keinen »Eberhofer-Roman« gelesen, aber da die einzelnen Bücher in sich abgeschlossene Fälle behandeln, sollte das kein allzu großes Problem sein. Natürlich fehlt einem das Gespür für die Begleitumstände, die Schauplätze und die etablierten Charaktere, aber so kann man meine Einschätzung dann als Hinweis für diejenigen heranziehen, die erwägen, mit diesem siebten Buch in die Reihe einzusteigen.

Im »Leberkäsjunkie« kommt es in Niederkaltenkirchen zu einem Brand. Das Haus der »Mooshammerin« - ich nehme an, sie ist eine der wiederkehrenden Figuren - kommt es zu einem Feuer, das das Haus unbewohnbar macht, und eine Frau namens Saskia Grimm, die in dem Gebäude übernachtet hat, verliert dabei ihr Leben. Während pauschal der »maximalpigmentierte« (Zitat) Fußballer Buengo als Brandverursacher verhaftet wird, obwohl es dafür keinerlei stichhaltige Indizien gibt, wird festgestellt, dass es sich nicht nur um Brandstiftung handelt: Saskia Grimm wurde gezielt ermordet. Und so ist es an Kommissar Eberhofer, den dafür verantwortlichen Übeltäter aufzuspüren. Gleichzeitig wird Niederkaltenkirchen auch noch von einer politischen Diskussion geschüttelt: Soll in dem kleinen verschlafenen Ort ein Hotel gebaut werden, um Touristen anzulocken, oder verhindert man dies, damit das Dorf nicht von Menschenhorden überrannt wird?

Erzählt wird die gesamte Geschichte aus der Ich-Perspektive des Ermittlers ... wenn man ihn überhaupt so nennen kann. Womit ich gleich bei meinem Hauptproblem mit dem Buch angelangt wäre: Eigentlich ermittelt Franz Eberhofer nicht. Stattdessen lässt er sich durchs Buch treiben, isst mal hier ein paar Leberkäsebrötchen, mal dort drei, vier Currywürste, und schaut ansonsten ohne großen Eigenantrieb dabei zu, was rund um ihn herum geschieht. Richtige Polizeiarbeit? Fehlanzeige. Stattdessen wird er von anderen Leuten darauf gestoßen, was als nächstes getan werden könnte, oder welche Nachlässigkeit er sich gerade geleistet hat. Da wird mal ein Tatort nicht gesichert, da wird die wichtigste Zeugin längere Zeit nicht befragt, ehe ihn jemand anderes darauf hinweist, da ermitteln andere auf eigene Faust. Und wenn Eberhofer dann doch mal etwas nach eigener Entscheidung macht, dann ist es eher merkwürdig - oder stellt man tatsächlich in Bayern die Ruhe wieder her, indem man kurz dreimal in die Luft ballert? Ansonsten scheint sich der Kommissar mehr Zeit für die Völlerei zu nehmen, was anfangs noch recht unterhaltsam erscheint, jedoch so strapaziert wird, dass es mich auf Dauer eher angestrengt hat. Natürlich erwarte ich von einem solchen humoristischen Regionalkrimi keine übermäßige Spannung oder gar tiefgehend recherchierte Polizeiarbeit, aber wenigstens ein bißchen was davon wäre nett gewesen. Gänzlich auf Spannung zu verzichten, das bedeutet nämlich im Umkehrschluss, dass der vergnügliche Aspekt alles im Alleingang herausreißen muss.

Womit wir bei der anderen Hälfte wären: Originell ist das Buch durchaus. Die Witzigkeit wird dabei - wie man es erwarten kann - vor allem aus der Skurrilität der Figuren und ihrer Interaktionen gezogen. Entsprechend wurden die Leute allesamt angemessen überzeichnet, angefangen vom Bürgermeister des Ortes, in dessen Kopf sich alles um den Hotelbau und die Einsatzfähigkeit der »schwarzen Perle« des Kickervereins dreht, bis hin zu äußerst emotionalen Homosexuellen. Die Dialoge haben ordentlich Schwung, man erkennt die einzelnen Figuren schnell anhand dessen, was sie sagen, und die Aussagen sind angenehm pointiert. Im Laufe des Buchs erschöpfte sich das Ganze dann aber ein wenig, fand ich, denn wenn es zum zehnten Mal um den Zwiespalt zwischen fleischigen Schlemmereien und Gesundheitsfutteralien geht, dann sinkt der humoristische Grenznutzen schneller als der DAX in den letzten drei Monaten. Überhaupt: Das Thema Essen war auf Dauer echt nervig. Ich hoffe, in den sechs vorangegangenen Bänden wurde weniger ausführlich auf das Thema eingegangen, denn ich hatte schon in diesem einen Buch mit der Zeit genug davon. Angesichts der Titel der vergangenen sechs »Eberhofer-Romane« habe ich jedoch das dumpfe Gefühl, dass da durchaus auch schon mal auf die Nahrungsmittelzufuhr eingegangen wurde. ;)

Was sollte sonst noch so erwähnt werden? Der bayrische Dialekt, der mal mehr, mal weniger in den Dialogen vorkommt, bereitete mir als Flachländerin keinerlei Probleme. Das Verständnis war jederzeit gegeben, nur ganz selten wurde eine wunderliche bayrische Vokabel eingestreut, mit der ich nichts anfangen konnte. Hm ... ach ja, und dann hätten wir noch meine Lieblings-Stilblüte aus dem Buch: »Die Schaulustigen lösen sich im gleichen Tempo auf, wie sie vorher erschienen sind« (Kapitel 19) - in Bayern ist man uns Mecklenburgern scheinbar so weit in der Zeit voraus, dass man dort bereits weiß, wie das mit dem Beamen geht! ;)

Womöglich bin ich überkritisch, oder es liegt doch ganz einfach an der räumlichen Distanz zwischen Mecklenburg und dem blau-weißen Freistaat, aber für mich persönlich war »Leberkäsjunkie« nicht das richtige Buch. Natürlich ist meine Wertung nicht ganz fair, da ich die übrigen sechs Romane nicht gelesen habe, denn das Konfrontiertwerden mit wiederkehrenden Charakteren und der damit verbundene Wiedererkennungseffekt, die Rückkehr in liebgewonnene heimisch gewordene Gefilde und dergleichen machen natürlich einen Großteil des Reizes einer solchen Buchserie aus. Für mich aber wurde weder mein Anspruch an einen ordentlichen Krimi noch mein Humorzentrum getroffen. Allerdings habe ich in den neunziger Jahren auch nie verstanden, warum so viele Millionen Menschen den »Bullen von Tölz« gerne gesehen haben. Daher muss ich anerkennen, dass es da eine Zielgruppe zu geben scheint, die ganz anderes reagiert als ich selbst ... und das ist ja auch gut so. Rita Falk wird sich sowieso nicht ärgern müssen, dass sie in mir keine neue glühende Anhängerin ihrer Krimireihe gefunden hat, denn ihre Erfolge sprechen bereits ausreichend für sich. Und bei so guten Platzierungen unter den Spiegel-Bestsellern & Co. kann es ihr weißgott egal sein, was die schwer zufriedenzustellende Tante aus Ludwigslust so verzapft. ;)
– geschrieben am 17. Februar 2016
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