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Emilia Capelli und Mai Zhou 3 - Sterbegeld
Verfasser: Judith Winter (4)
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1366)
VÖ: 18. Dezember 2015
Genre: Kriminalroman (9017)
Seiten: 464 (Taschenbuch-Version), 461 (Kindle-Version)
Themen: Jungen (1149), Kollegen (376), Mord (6954), Notruf (45), Razzia (19)
Reihe: Emilia Capelli und Mai Zhou (4)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Der Notruf eines kleinen Jungen kommt zu spät: Er und seine Familie werden kaltblütig ermordet. Acht Monate später zeigt sich, dass womöglich der falsche Täter gefasst wurde. Zeitgleich wird ein Polizist bei einer Razzia getötet, und er hat kurz vor seinem Tod die vorgeschriebene Schutzweste abgelegt ...
Lesermeinungen (7)     Leserkanonen-Rezension     Blogger (3)
OFFIZIELLE LESERKANONEN-REZENSION
Mord und Totschlag am Main
 
Einer der in den vergangenen beiden Monaten am häufigsten von unseren Besuchern bewerteten Kriminalromane war das Buch »Sterbegeld« aus der Feder von Judith Winter, die unsere User schon mit ihren beiden vorangegangenen Romanen von ihrer Arbeit überzeugt hatte. Bisher hatte noch keines unserer Teammitglieder eines ihrer Bücher gelesen. Das galt es nun auszumerzen, also haben wir uns »Sterbegeld« zur Brust genommen.

Die 1969 in Frankfurt am Main geborene Judith Winter ist studierte Germanistin und Psychologin, arbeitete jahrelang an einem wissenschaftlichen Institut, machte sich später selbständig und lebt heute - nach einigen Auslandsaufenthalten - in Konstanz. Ihr Debüt feierte sie vor gerade einmal zwei Jahren mit dem Roman »Siebenschön«, der gleichzeitig den Anfang der Reihe um zwei Ermittlerinnen namens Emilia Capelli und Mai Zhou bildete, die auch in »Sterbegeld« die Hauptrolle spielen. Das neue Buch erschien am 18. Dezember des vergangenen Jahres im Deutschen Taschenbuch Verlag, ist etwa 460 Seiten stark und kann entweder für 9,95 Euro als Printversion oder für 7,99 Euro als E-Book erworben werden. Darüber hinaus gibt es eine Hörbuchversion, die von Andrea Aust eingesprochen worden ist, die man unter anderem als Synchronstimme von Courteney Cox, Daryl Hannah und Michelle Pfeiffer kennt. Ich habe die Variante aus Papier gelesen und kann somit nur diese einschätzen, aber ich nehme an, bei Andrea Aust kann nichts schiefgehen, und im Angesicht von vierzehn Stunden Laufzeit wurde vermutlich nichts gekürzt.

Kleine Vorbemerkung, ehe ich auf das Inhaltliche eingehe: Das Cover des Buchs wird von einem blutigen Käfer geziert, der einem männlichen Hirschkäfer stark ähnelt, aufgrund etwas anders aussehender Mandibeln aber vermutlich nur etwas Artverwandtes ist - man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege. Mit dem Inhalt des Buchs hat der Käfer ... überhaupt nichts zu tun. Absolut gar nichts. Im gesamten Buch wurde nur ein einziges Mal ein Käfer erwähnt, aber dabei handelte es sich um eine bedeutungslose Vermutung, was einer Frau durch die Haare gekrabbelt sein konnte. Zum Glück ist das Verbraucherschutzamt nicht für Buchcover zuständig, denn wenn dieses dafür sorgen würde, dass auf Buchdeckeln nur das abgebildet werden dürfte, was auch wirklich drin ist, dann wäre uns ein definitiv lange in Erinnerung bleibendes Cover entgangen. ;) Ach ja, und ohne zu viel zu verraten: Mit dem Kern des Buchs hat auch der Titel »Sterbegeld« eher weniger zu tun. Aber wen stört schon die Verpackung, wenn der Rest trotzdem stimmig ist?

Dass es sich bei »Sterbegeld« um den dritten Roman der beiden Frankfurter Sonderermittlerinnen »Em« und Zhou handelt, sollte niemanden verschrecken, der die beiden Vorgänger nicht kennt, denn es bedarf keinerlei Vorwissens, um mit diesem Buch hier beginnen zu können und sich sofort zurechtzufinden. Um offen zu sein: Da ich gänzlich unvoreingenommen an das Buch herangehen wollte, hatte ich mich im Vorfeld nicht informiert, und so wusste ich anfangs gar nicht, dass ich hier einen dritten Teil lese - gemacht hat es nichts. Allerdings liegt das nur zur Hälfte daran, dass Judith Winter die Figuren nach und nach hervorragend einführt. Es liegt auch daran, dass die persönliche Ebene eine nur sehr untergeordnete Rolle spielt und es damit gar nicht so richtig relevant ist, das »Vorleben« der beiden Heldinnen zu kennen. Zwar werden immer wieder private Informationen eingestreut, zwar gibt es persönliche Verflechtungen, die eine Rolle spielen, zwar wird man immer wieder in die Gedankenwelt der beiden geschubst, aber es bleibt dennoch immer eine gewisse Distanz zwischen ihnen und dem Leser. Wer nun aber denkt, dass dies ein Versäumnis der Autorin wäre und sie es nicht geschafft hätte, ihren Figuren Leben einzuhauchen, der sieht sich getäuscht, denn ich glaube, dass diese Distanz durchaus gewollt ist. Sie entspricht nämlich auch dem professionellen Abstand, dem sich die Ermittlerkolleginnen und -kollegen gegenseitig begegnen. Diese Distanz wird zwar im Laufe des Buchs ein kleines bißchen aufgeweicht, aber so richtig behaglich ist dies für Em und Zhou nicht, und genau das kommt auch durch das Verhältnis der beiden zum Leser rüber.

Die beiden Ermittlerinnen werden von Judith Winter nicht einfach nur auf einen einzelnen Fall angesetzt, sondern auf ein ganzes Knäuel an Angelegenheiten. Den Startschuss bildet dabei ein grausamer Vierfachmord, als eine glückliche (wenn auch etwas biedere) Familie in Person eines Mannes, seiner Ehefrau und ihrer beiden Kinder im Vorschulalter von einem Unbekannten in ihrem eigenen Haus nach und nach zur Strecke gebracht werden. Mit dieser Bluttat steigt Judith Winter ein, womit man gleich von Anfang an hellwach ist - erst recht, weil das Massaker nicht »einfach so« wiedergegeben wird, sondern durch ein Telefonat des vom Tode bedrohten sechsjährigen Leon mit einer Frau vom Polizeinotruf. Eindringlicher geht es nicht, und ich denke, gerade Eltern werden an dieser Stelle bereits schwer zu schlucken haben. Acht Monate später sitzt der vermeintliche Täter im Gefängnis, die Indizienlage ist jedoch dünn, und der Anwalt des Mannes droht seine Verurteilung zum Scheitern zu bringen. Em und Zho müssen neuen Indizien und Beweisen nachgehen, haben aber eigentlich ganz andere Sorgen, denn ein Kollege von ihnen wurde kürzlich ermordet, und alles deutet darauf hin, dass eine Person aus dem engsten Kollegenkreis für den Mord verantwortlich sein könnte. Obendrein gilt es noch einen osteuropäischen Unterweltkönig zur Strecke zu bringen, und eine als Lockvogel eingeplante Frau wird entführt.

Ganz schön viel Arbeit, nicht wahr? Und vor allem: Wie soll das alles unter einem Hut zusammenpassen? Em und Zhou fischen an mehreren Stellen lange Zeit im Dunklen, und mit ihnen auch der Leser, denn er wird bis kurz vor dem Ende im Unklaren gelassen und kann mit den beiden Damen miträtseln. Dies gelingt Judith Winter auf zweierlei Weise: Im Fall der ermordeten Familie wirft sie geschickt Brocken hin, die mal auf einen Mann, mal auf einen anderen Mann aus der Vergangenheit des weiblichen Opfers hindeuten, mal aber auch auf eine verunsichert wirkende Frau. Dabei geht es dem Leser wie den Protagonistinnen selbst: Man kann sich sein eigenes Urteil über Indizien bilden, da es aber lange Zeit keine Antwort auf die Frage nach dem »Warum« gibt, legt man sich eigentlich nie fest. Im anderen Fall werden keine richtigen Indizien gestreut, stattdessen weiß eine der beteiligten Personen sehr genau, wer der Täter ist - nur der Name wird nicht genannt. Indem sie es auf die Spitze treibt und den Namen 400 Seiten lang nicht nennt, auch dann nicht, wenn die wissende Person selbst im Mittelpunkt steht, baut Judith Winter fast noch mehr Spannung auf, als es durch Indizien erzeugbar gewesen wäre. Klingt verschwurbelt? Keine Sorge, wenn man den Roman liest, muss man darüber nicht nachdenken, sondern man kann sich einfach von diesem geschickten Vorenthalten von Informationen mitreißen lassen.

Judith Winters Sprachstil erschien mir stets sehr sachlich, was vermutlich auch der erwähnten Distanz der Akteure untereinander sowie der Distanz zum Leser geschuldet ist. Die Autorin erzählt temporeich, geradlinig und springt geschickt zwischen den unterschiedlichen Schauplätzen hin und her, so dass das Buch immer gut im Fluss ist. Auf der anderen Seite bleiben dadurch Sympathien für die Beteiligten ein bißchen auf der Strecke - wem so etwas wichtig ist, der wird vielleicht mit dem Buch ein wenig fremdeln. Würde es sich nicht um einen aus der Zeit gefallenen Begriff handeln, dann würde ich fast schreiben, dass Judith Winters Stil ein sehr »männlicher« ist: Der Schwerpunkt ist hier tatsächlich die Handlung und die Ermittlungsarbeit, die Gefühlsebene spielt dagegen eine äußerst untergeordnete Rolle. Womöglich wirkt das alles ein wenig anders, wenn man die beiden vorherigen Romane gelesen hat und schon eine persönliche Beziehung zu Zhou, Em und den anderen Mitgliedern des Ermittlerteams mitbringt, das vermag ich nicht zu beurteilen. Auf meinen persönlichen Eindruck hat dies ohnehin nur wenig Einfluss, da ich in Krimis gut ohne viel privates Gedöns von den Spürnasen auskomme.

Während all das kein großes Problem war, empfand ich die Auflösung um die undichte Stelle bei der Frankfurter Polizei und deren Beweggründe nicht so ganz überzeugend, und ein weiterer Handlungsstrang, der etwas mit dem Versuch zu tun hat, einen Verbrecher bei einer Übergabe zu stellen, wurde anschließend gleich gar nicht weiter verfolgt. Ich schätze, an diesen Part wird dann im nächsten Roman angeknüpft. Zumindest zwei Figuren (nämlich Jonah und Iris) hätten außerdem einen kleinen separaten Epilog verdient gehabt. Alles in allem ist »Sterbegeld« dennoch ein Roman, der jedem Leser gefallen wird, der »klassische« Ermittlerkrimis ohne privates Tohuwabohu gerne liest und der Schnörkellosigkeit mag.
– geschrieben am 1. März 2016
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