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Mnemophobia
Verfasser: Kaja Bergmann (5)
Verlag: Bookspot (90)
VÖ: 15. September 2015
Genre: Jugendliteratur (9665) und Thriller (8995)
Seiten: 144
Themen: Erinnerungen (1253), Leuchttürme (118), Nordsee (700), Phobien (22), Verkehrsunfälle (682)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Nemo, zwanzig Jahre alt, lebt in einem schwarzen Leuchtturm. Der war nicht immer schwarz. Erst seit jenem Tag. Seit dem Autounfall. Der Unfall, durch den Nemo sein Augenlicht und seine Freundin Merle ihre Stimme verlor. Ein zu heißer Tag, ein zu müder Kopf, ein zu großer Baum. Nemo saß am Steuer. Seitdem versucht er zu vergessen und verschanzt sich in seinem Leuchtturm an der Küste. Doch einige wenige Menschen lässt er noch in sein Refugium. Da ist natürlich die stumme Merle, immer in seiner Nähe, da sind Darius und dessen Freundin Luna sowie Emma, eine Zufallsbekanntschaft. Und dann ist Luna plötzlich verschwunden und die Polizei steht vor der Tür …
Lesermeinungen (1)     Leserkanonen-Rezension
OFFIZIELLE LESERKANONEN-REZENSION

Rezension zu »Mnemophobia«


von Daniela Peine (18.11.2015)


Für alle Arten von Ängsten gibt es Fachwörter. Wer unter Bibliophobie leidet, ist beispielsweise von der Angst vor Büchern getrieben, weswegen ihn womöglich schon der Anblick unserer Webseite verstören könnte. Wir möchten an dieser Stelle alle Bibliophobiker um Verzeihung bitten! Heute soll es jedoch um ein Buch gehen, in dem eine ganz andere Angst im Mittelpunkt steht: die Mnemophobie. Ihr wisst, worum es sich dabei handelt? Dann können wir von vorneherein sagen, dass das Buch »Mnemophobia« von Kaja Bergmann vermutlich nichts für euch sein wird, denn das Wissen über die Bedeutung des Begriffs deutet bereits an, was letztlich die große inhaltliche Wendung gibt. Wenn euch das Buch interessiert, dann seht also besser nicht nach, was hinter einer Mnemophobie steckt, und schaut euch stattdessen an, wem wir das Buch empfehlen können ... und wem nicht.

Kaja Bergmann ist eine junge Autorin, die derzeit in Marburg studiert und in der Vergangenheit zwei weitere Romane veröffentlicht hat, beide relativ kompakt und an jüngere Leser gerichtet. Ihr zweites Werk »Der Mephisto-Deal« war in diesem Jahr für den Hansjörg-Martin-Preis nominiert, der seit fünfzehn Jahren von der bekannten Krimiautoren-Vereinigung »Syndikat« für den besten Kinder- oder Jugendkrimi vergeben wird. Ihr neuestes Buch »Mnemophobia« erschien im September in der »Edition 211«, einem Imprint des unabhängigen Münchener Bookspot-Verlags. Mein Leserkanonen-Kollege Christoph hat bereits mehrere Bücher des Imprints gelesen und war jeweils schwer begeistert. Das Buch ist rund 150 Seiten lang, kostet in der sehr ansehnlichen Printversion 12,95 Euro, als E-Book ist es bereits für 7,99 Euro erhältlich.

»Mnemophobia« erzählt vom Schicksal eines jungen Mannes namens Nemo, der drei Monate zuvor gemeinsam mit seiner Freundin Merle in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde. Durch den Unfall ging Nemos Augenlicht verloren, seither verkriecht er sich mit einer Augenbinde um den Kopf in einem Leuchtturm, wo er - trotz verlorener Sehkraft - versucht, Bilder zu zeichnen. Merle, die seit dem Unfall nicht mehr sprechen kann, ist bei ihm und verständigt sich mit ihm, indem sie ihm mit ihren Fingern Worte auf den Handrücken schreibt. Mit im Turm befindet sich ihr Kater Casper. Ansonsten hat sich Nemos Umfeld auf seinen Freund Darius und dessen Partnerin Luna reduziert, im Verlauf des Buches kommen noch eine zufällige Bekanntschaft namens Emma sowie ein geheimnisvolller Fremder hinzu. Nemo gibt sich die Schuld an dem Unfall und den daraus entstandenen Konsequenzen, dafür, das Leben von Merle ruiniert zu haben. Die Schuld lastet so schwer, dass er unter suizidalen Tendenzen leidet. Es ist jedoch nicht Nemo, sondern Luna, die nach einigen Seiten tot am Strand gefunden wird.

Das Buch ist gänzlich aus der Sicht von Nemo verfasst, wobei die eigentliche Handlung über weite Strecken nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint, vielmehr berichtet uns die Autorin ausführlich von der Gedankenwelt des Protagonisten und entwickelt auf diese Weise ein 150 Seiten langes Psychogramm. Die eigentliche Handlung wird in einer Art Tagebuchstil vorgetragen, wenngleich dies im ersten Eindruck nicht recht zu einem blinden Erzähler passen will, da dieser schwerlich permanent minutengenau die Uhrzeiten benennen könnte oder in Klammern festhalten würde, dass »Kiefermuskelkraft« ein schönes Wort ist. Ebenso verwirrend erscheint es, wenn der frisch erblindete Protagonist wiederholt feststellt, dass seine Gegenüber nicken oder mit dem Kopf schütteln. Durchbrochen wird die Handlung durch kurze Erinnerungsfetzen an die Zeit vor dem Unfall und an den Hergang des Unfalls selbst, jeweils beendet durch ein hysterisches »Stop!«, das nicht nur Nemo selbst, sondern auch den Leser aus den Gedanken reißt und ihn zurück in die triste Gegenwart katapultiert. Dass die Erinnerungsfetzen stets angehalten werden, hat etwas mit dem eigentlichen Clou des Buches zu tun, auf den die gesamte Geschichte hinarbeitet und den man sich nach einer Weile zusammenreimen kann, wenn man weiß, was der Titel des Buchs bedeutet. Da sich der Roman vornehmlich an junge Leser richtet und diese vermutlich nicht eine lange Liste an Phobien im Oberstübchen gespeichert haben werden, sollte dies allerdings nur in den wenigsten Fällen so sein - es sei denn, das Buch gerät ausgerechnet an einen jugendlichen Leser, der an seinem großen oder kleinen Latinum arbeitet.

Womit wir bei der Zielgruppe sind, denn wie nur wenige Bücher dürfte dieses hier mit gewissen Voraussetzungen stehen oder fallen, die die Leser mitbringen. Das Buch ist in vielerlei Hinsicht ganz stark, und doch wollte ich gar keinen Zugang dazu bekommen, was jedoch an einigen Leseeigenschaften liegt, die ich (nicht) mitbringe. Kaja Bergmann gräbt ihre Leser tief ins Hirn des Protagonisten ein und lässt sie in seinen Eindrücken und Gedankengängen lange dahinschweben, ohne dass sie dafür neue Handlungsimpulse benötigt. Zwischen einem riesigen Fundus an Verweisen auf Fernsehen, Musik und andere Facetten der Popkultur entwickelt sie eine Poesie des Moments, die vermutlich die wenigsten Schriftsteller in diesem Detailreichtum hinbekommen hätten. Quantitativ schon gar nicht, aber das steht auf einem anderen Blatt. Vorgetragen werden Nemos Gedanken und Erinnerungen in kurzen Segmenten, die manchmal nicht einmal eine ganze Seite lang sind, im höchsten Fall aber vier oder fünf. Und nicht nur die Kapitel sind kurz, sondern auch die Sätze selbst. Nicht selten verfällt Nemo in ein Stakkato von kurzen prädikatlosen Wortgruppen, teils sogar Ein-Wort-Sätzen, die bei unterschiedliche Lesern vermutlich auf ähnlich variierende Weise ankommen dürften wie das Buch selbst. Einen einzelnen Stilbruch bildete ein mehr als zwanzig Segmente und fünfzehn Zeilen umfassender Satz (Seite 23/24), bei dem sich mir der Grund des Wechsels nicht ganz erschließen wollte.

Was ich jedoch eigentlich ausdrücken wollte: Kaja Bergmann ist unzweifelhaft ein großes Talent, das hier ein Buch vorgelegt hat, das künstlerisch unbestreitbar großartig ist und qualitativ stärker ist als die gesamter Bibliographie so manches Erfolgsautoren. Umso schmerzlicher finde ich es, dass ich den Daumen nur in die Mitte halten könnte, würde ich das Buch mit Punkten oder Sternen bewerten. Ich selbst mag handlungsorientierte Bücher, Geschichten, die sich wegen den sich entwickelnden Ereignissen zuspitzen, in denen es dynamisch vorangeht. »Mnemophobia« tritt hingegen auf die Bremse, bewusst sogar, da dies der tristen Situation besonders intensiven Ausdruck verleiht. In meinen Augen kann man es nur bedingt als den Thriller bezeichnen, als den es sich selbst auf dem Cover einordnet, eher als eine Art psychologische Studie, in der die eigentlichen Handlungselemente den Zweck von Brüchen darstellen. Ein psychologisches Gesamtbild, das auf eine einzelne große Wendung zugeschnitten ist, die sicher sehr wirkungsvoll ist, wenn man sie nicht vorher erahnt. Anders ausgedrückt: »Mnemophobia« hat zwei große Potenziale, ein negatives und ein positives. Es hat das Potenzial, Leser regelrecht zu verärgern, die beim Begriff des Thrillers mit einem spannenden und actionlastigen Werk rechnen, das von Cliffhanger zu Cliffhanger eilt. Leser, die tiefgründig in die Seele eines vom Schicksal gebeutelten jungen Mannes blicken wollen, erhalten hingegen genau die verstörende literarische Dekonstruktion von dessen Seelenleben, die sie sich erhoffen. Ich sehe mich eher bei der ersten Gruppe, weswegen das Buch nichts für mich ist, auch wenn ich die Fähigkeiten der Autorin nur bewundern kann. Für diejenigen, die sich hingegen zur zweiten Gruppe zählen, würde ich unbedingt empfehlen, sich näher mit dem Buch zu beschäftigen - die Autorin hat es verdient.
– geschrieben am 18. November 2015
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