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Drei Erzählungen
Verfasser: Brigitte Krächan (7)
Verlag: epubli (653)
VÖ: 17. September 2015
Genre: Kurzgeschichtensammlung (1606)
Seiten: 116 (Taschenbuch-Version), 64 (Kindle-Version)
Themen: Alzheimer (44), Edgar Allan Poe (1), Lehrer (415), SS (24)
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Fräulein Annabella Kleist - eine Erzählung über die Alzheimer Erkrankung aus Sicht der Lehrerin Annabella Kleist, eine Geschichte gegen das Vergessen
Der schwarze Schimmel - ein Vierzehnjähriger erzählt seine Sicht der Geschichte der sechsjährigen Hannah, die vor der SS versteckt wird.
Der Tote in der Rue Dauphin - eine Hommage an Edgar Allan Poe
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Brigitte Krächan für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Brigitte Krächan gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter und bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

1.


Sie lag im Bett und wartete. Wartete darauf, dass die Digitalanzeige des Radioweckers auf acht Uhr sprang und der Tag so begann, wie er schon seit Wochen jeden Morgen begann: mit der Zeitansage des Radiosprechers.
     „Guten Morgen, es ist acht Uhr, Montag, der neunte April. Bitte vergessen Sie Ihren Regenschirm nicht, wenn Sie heute unterwegs sind. Der April macht heute wieder seinem Namen alle Ehre, es wird wechselhaft und regnerisch bleiben. Es folgen die Kurznachrichten...“
     Annabella hatte den Radiowecker ausgeschaltet. Erstaunlich leichtfüßig für ihr Alter stand sie auf, schlüpfte in ihre Hausschuhe und ging den kurzen Weg zum Bad nebenan. Zahnbürste, Zahncreme, Duschgel, Haarbürste und Körperspray standen sorgfältig aufgereiht auf der Ablage neben dem großen Wandspiegel. Annabella achtete darauf, dass alles immer in der gleichen Reihenfolge stand und sie benutzte diese Gegenstände auch immer in der gleichen Reihenfolge. So war sie sicher, dass sie keine der morgendlichen Routinehandlungen vergaß.
     „Guten Morgen! Es ist acht Uhr. Heute ist Montag, der neunte April, und ich bin Fräulein Annabella Kleist. Ich wohne in der Teichstraße, Nr. 2, in Dorfbach“, begrüßte Annabella ihr Spiegelbild. Sie trat ein paar Schritte zurück, musterte sich im Spiegel und war zufrieden mit dem, was sie sah: eine gepflegte, schlanke Siebzigjährige, die man höchstens auf fünfundsechzig schätzen würde. Annabella trat wieder näher an den Spiegel heran. Sie schaute in das vertraute Gesicht, versuchte tief in die graublauen Augen zu blicken, so, als wäre dort irgendetwas verborgen, das ihr Hinweise auf ihre Krankheit geben könnte.
     „Guten Morgen, Annabella! Schön, dass wir uns heute Morgen wieder sehen und dass du mich noch erkennst.“ Sie lächelte ihrem Spiegelbild zu.
     Nach der morgendlichen Routine im Bad ging Annabella zurück in ihr Schlafzimmer. Sie öffnete den Kleiderschrank und nahm den Kleiderbügel „Montag“ heraus. Annabella hatte ihre Routine peinlich genau organisiert. Für jeden Wochentag gab es einen Kleiderbügel mit einem Kostüm, einer Bluse und einem Beutel mit Strümpfen und Unterwäsche. Alle gebrauchten Kleidungsstücke und die Handtücher kamen abends in den Wäschesack, der freitags von der Reinigung abgeholt und montags wieder mit sauberer Wäsche gebracht wurde. Jeden Montagnachmittag richtete Annabella dann die Kleiderbügel für Dienstag bis Montag. Jeden Samstag wurde auch der Korb mit Lebensmittel geliefert, den Annabella beim Lebensmittelhändler des Ortes abonniert hatte. Jeden Samstagnachmittag räumte Annabella den Kühlschrank aus, warf alle Lebensmittel, die noch darin waren weg und räumte die neuen ein. Eigentlich tat es Annabella leid, Lebensmittel wegzuwerfen, die vielleicht noch in Ordnung waren, aber sie befürchtete, sie würde anderenfalls schnell den Überblick verlieren.
     Nachdem Annabella die Kleider vom Kleiderbügel „Montag“ angezogen hatte, ging sie den Flur entlang zur Küche, um sich ihr Frühstück zu machen. Noch wusste sie, wo sich Teller, Tassen, Messer befanden. Noch konnte sie die Kaffeemaschine bedienen und erinnerte sich wie viele Löffel Kaffee sie für die Maschine brauchte. Ich muss die Schränke und Schubladen beschriften und mir die Bedienung der Kaffeemaschine aufschreiben, bevor ich alles vergessen habe, überlegte sie, während sie vor dem großen Tagesplaner an der Küchenwand stand. Sorgfältig strich sie Montag, den neunten April am Kalender an. Hinter „Bad“ machte Annabella ein Häkchen. Dann widmete sie sich dem nächsten Punkt auf ihrem Plan: Tabletteneinnahme und Frühstück.
     „Gleich“, beruhigte Annabella ihren Dackel Rollo, der schon ungeduldig an seinem Futternapf scharrte. „Den Punkt auf meinem Terminplan brauche ich mir wohl nie aufzuschreiben. Du wirst mich immer an dein Futter erinnern, nicht wahr Rollo?“ Während der Kaffee durch die Kaffeemaschine lief, fütterte Annabella ihren Hund und ließ ihn anschließend auf den umzäunten Rasen. Die Terrassentür im Wohnzimmer blieb offen. Rollo würde wieder hereinkommen, wenn er sein Geschäft erledigt hatte. Nach dem Frühstück räumte Annabella den Tisch ab und spülte das Geschirr. Sorgfältig verstaute sie alles in den Küchenschränken. Morgen würde sie die Schildchen an die Schränke kleben. Für alle Fälle, nahm sich Annabella vor. Keiner wusste, wie schnell es gehen würde mit der Krankheit. Sie würde versuchen, sich darauf einzustellen. Würde versuchen, alles so gut es ginge zu organisieren. Und sie wollte sich auf jeden Fall diese dumme Sucherei ersparen, wenn ihr nicht mehr einfallen würde, wo sie die Teller und Tassen einräumen musste. Rollo war durch die offene Terrassentür zurück in die Küche gekommen. Er scharrte an seinem Futternapf. „Auf deinen Futternapf werde ich wohl keinen Hinweis kleben müssen. Du wirst mich schon an dein Futter erinnern, nicht wahr Rollo?“ Annabella fütterte ihren Hund und ließ ihn anschließend auf den umzäunten Rasen. Sie wunderte sich, dass sie gestern offensichtlich vergessen hatte, die Terrassentür zu schließen. Ihr Blick blieb an ihrem Spiegelbild im Glas der Tür hängen.
     „Guten Morgen. Ich bin Annabella Kleist. Ich bin siebzig Jahre alt, und ich habe die Alzheimer Krankheit“, flüsterte es in ihrem Kopf. „Und ich möchte nicht, dass es jemand bemerkt.
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