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 Phantastikon
 
 Internet: phantastikon.de
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 Twitter: M_Perkampus
 Instagram: phantastikon
– Wer steckt hinter dem »Phantastikon«? Seit wann gibt es deinen Blog? Was hat dich damals dazu gebracht, ihn zu erschaffen?

Das Phantastikon gibt es in dieser Form seit Januar 2015. Betrieben wird es von mir, aber wenn man sich etwas genauer umschaut, sieht man, dass bereits weit über 100 Autoren dort geschrieben haben. Zweimal hatten wir eine feste Redaktion, aber das hat sich aus verschiedenen Gründen immer wieder zerschlagen, so dass gegenwärtig außer mir nur noch die Autorin Karin Reddemann regelmäßig Artikel verfasst. Die Entstehungsgeschichte des Phantastikon ist eigentlich die einer Krise. Damals führte ich noch ein Arbeitstagebuch über meine eigene Schreiberei, die so ganz anders ist als alles, was dann später im Phantastikon passierte. Privat und mental ging es mir zu dieser Zeit ziemlich schlecht und ich zog mich völlig in die literarischen Welten zurück und begann, Texte zu übersetzen, die ich dann auf meinem Weblog veröffentlichte. Die erste Übersetzung war ein Interview mit Thomas Ligotti, und das ging förmlich durch die Decke, was die Zugriffszahlen betraf. Als dann noch weitere Artikel zur Phantastik recht gut aufgenommen wurden, dachte ich mir, dass es Zeit ist, eine eigene Plattform zu erstellen, weil das alles so gar nicht zum übrigen Inhalt des alten Blogs passte.

– Wie viele Bücher liest bzw. rezensierst du im Schnitt? Liest du immer nur ein Buch, oder liest du mehrere Bücher parallel?

Also das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil ich oft neben den Rezensionen Artikel mit Hintergrundinformationen schreibe, und es dann wieder Strecken gibt, wo ich ein Buch nach dem anderen lese. Was davon dann ins Phantastikon kommt, ist noch einmal eine ganz andere Frage. Ich gehe mal von ca. 100 Büchern im Jahr aus, wobei auch einige darunter sind, die ich nur zur Hälfte gelesen habe. Ich lese sehr viele Bücher gleichzeitig, aber nie mehrere Romane auf einmal. Da sind dann Sachbücher, Romane, Lyrik-Bände usw kreuz und quer auf meinem Schreibtisch verteilt.

– Was macht für dich ein »gutes Buch« aus? Auf welche Faktoren legst du beim Lesen und Bewerten dein Hauptaugenmerk und warum?

Da gibt es große Unterschiede. Ich behandle ein Buch immer als das, was es sein will. Das hört sich jetzt etwas merkwürdig an, aber ich kann von einem Märchen nicht dasselbe erwarten wie von einem Kriminalroman, von einem Klassiker nicht dasselbe wie von einem modernen Roman. Gute Bücher gibt es in allen Genres und in allen Epochen, und ich halte es da fast wie Denis Scheck, der immer wieder betont, dass ein gutes Buch dazu geeignet ist, das Leben zu verändern oder zumindest zu bereichern. Das geschieht natürlich kaum, wenn man immer wieder zum gleichen Grundgerüst greift. Ich merke ziemlich schnell, ob ein Autor authentisch ist oder nicht. Manchmal liegt zwischen Mittelmaß und Klasse nur ein kleiner – aber genialer – Einfall. Allerdings achte ich besonders auf die Sprache, die ja heutzutage ein großes Problem zu sein scheint, weil alles glattgebügelt wird. »Höre« ich beim Lesen also nicht einen ganz individuellen Sound, fällt das Buch bei mir durch.

– Bist du auf spezielle Buchgenres spezialisiert? Wenn ja, was gefällt dir an diesen Genres besonders? Gibt es Buchgenres, die du generell gar nicht liest?

Das Phantastikon ist zwar – dem Namen nach – auf Phantastik spezialisiert, aber allein das ist ja ein weites Feld. Ich spiele jetzt nicht auf den Gemeinplatz an, dass jede Art von Literatur grundsätzlich phantastisch ist, sondern auf die Magie der Literatur selbst. Für mich ist Günther Grass‘ Blechtrommel genauso phantastisch wie Tolkiens Herr der Ringe, nur eben auf unterschiedliche Art und Weise. Was ich absolut nicht mag, ist ein geheuchelter Realismus. Das mit den Genres finde ich auf der einen Seite hilfreich, auf der anderen Seite störend, weil es sich verselbständigt hat. Damit nimmt man der Literatur sämtliche Freiheit und arbeitet nur noch nach Marktschema. Gebrauchen kann man die Genres, wenn man über sie redet, zum Beispiel um ein Stilelement oder Thema herauszuarbeiten, darüber hinaus engen sie den Geist ein. Das Genre, das ich überhaupt nicht lesen möchte, ist das Genre schlechter Bücher. Und dazu gehören aller – unabhängig vom Genre – die nur den Markt im Auge haben. Das merkt man aber schnell.

– Liest du nur Verlagsproduktionen, oder besprichst du auch die Bücher von Selfpublishern? Was hältst du generell davon, dass immer mehr Bücher in Eigenregie produziert werden?

Um ehrlich zu sein, habe ich für Selfpublisher kaum Zeit und kenne mich da auch wirklich nicht aus. Ich finde es einerseits eine gute Sache, dass jeder sein Buch herausbringen kann, aber man muss die beiden Märkte dennoch voneinander trennen. Ein gutes Buch braucht einen guten Lektor. Das haben Selfpublisher so gut wie nie, denn selbst gestandene Verlage haben da mittlerweile ihre Probleme. Außerdem verleitet die Möglichkeit, jederzeit alles selbst zu machen, dazu, Schnellschüsse zu wagen und sich gar nicht kritisch mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Aber: Darüber hinaus gibt es eine Notwendigkeit des Selfpublishings, nämlich dort, wo die Verlage selbst ihrem Kulturauftrag nicht mehr nachkommen können, weil es sich um eine Nische handelt, bei der von vornherein feststeht, dass sich kein wirtschaftlicher Ertrag daraus ergibt. Das war früher noch etwas anders, da wusste man von der Notwendigkeit experimenteller oder avantgardistischer Literatur.

– Wartest du darauf, dass dich Autoren oder Verlage anschreiben und dir Rezensionsexemplare anbieten, oder wendest du dich selbst an sie? Oder rezensierst du gar nur die Bücher, die du dir selbst kaufst?

Ich habe die Verlage, die mich interessieren, immer im Blick. Angeschrieben werde ich aber von den wenigsten, was vielleicht auch besser ist, denn ich weiß ja im Vorfeld genau, was ich lesen möchte und kann das Buch jederzeit anfragen. Tatsächlich aber nutze ich das eher selten, weil es mir nicht um Aktualität geht. Mir ist diese Schnelllebigkeit ohnehin ein Dorn im Auge und ich grabe häufig tiefer. Meistens also greife ich auf meine eigene Bibliothek zu oder sammle Bücher zu einem bestimmten Thema, die ich dann zusammenfasse.

– Welches Buch oder welche Bücher sind dir besonders positiv in Erinnerung geblieben, seitdem du deinen Blog gestartet hast? Was gefiel dir an ihnen ganz besonders gut?

Die Lateinamerikanische Literatur hat immer wieder ganz ausgezeichnete Beispiele parat, wie man sich in der Erinnerung hält. Das ist eines meiner großen Liebhabereien. Da waren vor Kurzem die Erzählungen von Samanta Schweblin in »Sieben leere Häuser«, die mich vom Hocker gehauen haben. Witzigerweise lebt die argentinische Autorin schon seit Jahren in Berlin, was aber keineswegs auf ihren Stil abfärbt. Trotz aller Versuche, Schweblin mit Borges oder Cortázar zu vergleichen, hat sie eben diesen einzigartigen, individuellen Ton, von dem ich weiter oben gesprochen habe. Erzählungen werden ohnehin zu wenig gelesen in der heutigen Zeit. Das ist eindeutig ein Fehler, und ich könnte noch Angela Carters »Schwarze Venus« und »Slade House« von David Mitchell ins Feld führen.

Was mich aber gesondert davon gefreut hat, sind die kleinen Veröffentlichungen des Whitetrain-Verlags, der leider jetzt erst einmal eine Ruhepause eingelegt hat. Da sind wir wieder beim Thema Nische gelandet. Kleinode der Weird Fiction sind dort unter dem Label »Nightrain« erschienen, und ich preise das nicht nur, weil ich an der ein oder anderen Nummer beteiligt sein durfte.

– Gab es Bücher, die dir überhaupt nicht gefallen haben oder bei denen du das Lesen gar abgebrochen hast? Welche waren das, und was missfiel dir an ihnen?

Die gibt es immer wieder, aber die bespreche ich auch nicht. Es war von Anfang an klar, dass wir im Phantastikon keine Verrisse schreiben, alles, was dort zu finden ist, darf und soll sehr gerne gelesen werden. Kritische Worte fallen trotzdem hier und da, aber es gibt das Motto: »Was hier nicht steht, ist entweder schlecht oder wir sind noch nicht dazu gekommen.« Das ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu sehen, denn es ist kaum möglich, alles, was lesenswert ist, auf einem einzigen Blog zusammenzufassen. Aber so lange ich lebe, versuche ich das.

– Werden auf deinem Blog nur Bücher rezensiert, oder können deine Besucher auch andere Dinge bei dir lesen?

Das Phantastikon ist ja kein reiner Rezensionsblog. Bei uns finden sich eine Menge Artikel zu den unterschiedlichsten Themen. Entstehungsgeschichten, Interviews, Stories, herausragende Filme, Bücherlisten, Kolumnen von Gastautoren, also fast alles, was das Herz begehrt. Zudem gibt es viele Übersetzungen von amerikanischen und englischen Kollegen. Seit drei Monaten biete ich auch den Podcast »Tausend Fiktionen« dort an, um noch mehr Service für unsere Leser zu bieten.

– Hast du Kontakt zu anderen Bloggern? Wenn ja, könntest du unseren Lesern vielleicht zwei oder drei von ihnen besonders ans Herz legen? Was schätzt du an ihnen?

Obwohl es so viele gibt, habe ich keinerlei Kontakte zu Buchbloggern. Das ist aber keine Ignoranz, es hat sich einfach nicht ergeben. Zwar hatte ich ein paar von ihnen mit der Bitte angeschrieben, ihre Lieblingsfigur für eine Kolumne zu porträtieren, aber da wurde nicht wirklich etwas daraus. In letzter Zeit versuche ich – so es die Zeit erlaubt – zumindest die Montagsfrage bei Lauter & Leise (https://lauter-und-leise.com) zu beantworten, was auch nicht regelmäßig klappt.

Das Team von Leserkanone.de dankt dem Chef des Phantastikons für die Zeit, die sie sich genommen hat!
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IM INTERVIEW ERWÄHNTE BÜCHER
Schwarze Venus
Geschrieben von: Angela Carter (1990)
Sieben leere Häuser
Geschrieben von: Samanta Schweblin (12. Februar 2018)
60/100
[1 Blogger]
Slade House
Geschrieben von: David Mitchell (15. Mai 2018)

 
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