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 reisswolfblog
 
 Internet: reisswolfblog.wordpress.com
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 Datum: 15.02.2019
Interview   |   Rezensionen
– Wer steckt hinter dem »reisswolfblog«? Seit wann gibt es Ihren Blog? Was hat Sie damals dazu gebracht, ihn zu erschaffen?

Mein Name ist Frank Wolf und ich bin zarte 41 Jahre jung, was ich in jüngerer Vergangenheit verstärkt beklage. Ich bin gelernter Steuerfachangestellter und derzeit auch in diesem Bereich tätig, was nach einer trockenen Tätigkeit klingt, weil es eine ist. Warum es mich beruflich in derartige Gefilde ge- oder entführt hat, lässt sich rückblickend leider nicht mehr genau herleiten.

Meinen Blog gibt es exakt seit dem 20. Oktober 2014 - und zum damaligen Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass es ihn heute noch geben würde.

Der Blog ist eher das Resultat einer spontanen Übersprungshandlung. Ich lag im Oktober 2014 lesend auf dem Sofa und dachte sinngemäß: »Hm, ich lese so unheimlich viel - das muss doch für irgendwas gut sein. Vom persönlichen Vergnügen mal abgesehen.« Sehr schnell war dann die Idee geboren, andere an meinen Leseeindrücken teilhaben zu lassen und sich auch darüber auszutauschen, und diese Idee musste auch umgehend in die Tat umgesetzt werden.

– Wie viele Bücher lesen bzw. rezensieren Sie im Schnitt? Lesen Sie immer nur ein Buch, oder lesen Sie mehrere Bücher parallel?

Ich habe mir anfangs das Ziel gesetzt, eine Rezension pro Woche zu veröffentlichen. Und statistisch gesehen gelingt mir das auch meistens. Im Laufe der letzten gut vier Jahre habe ich, wenn ich mich nicht irre, lediglich vier Bücher gelesen, über die ich nichts geschrieben habe, meistens weil ich einfach nicht wusste, was man darüber schreiben sollte. Für die Autoren dieser Bücher war das wahrscheinlich auch besser so ...

Früher - ganz, ganz früher - habe ich durchaus mehrere Bücher parallel gelesen, bis zu fünf, wenn ich mich richtig erinnere. Heute ist mein Tagesablauf ein ganz anderer, deswegen beschränke ich mich mittlerweile auf ein Buch.

– Was macht für Sie ein »gutes Buch« aus? Auf welche Faktoren legen Sie beim Lesen und Bewerten Ihr Hauptaugenmerk und warum?

Worauf mein Hauptaugenmerk liegt, hängt meiner Meinung nach immer auch ein bisschen vom Genre ab. Lese ich beispielsweise eine Familiengeschichte epischen Ausmaßes, ist mir etwa eine überzeugende Charakterzeichnung wichtiger, als das in einem kurzen Krimi der Fall wäre, der von seiner spannenden Handlung lebt.

Unabhängig vom Genre ist mir aber immer ein guter Erzählstil wichtig. Was genau diesen ausmacht, kann ich nicht näher benennen, das ist eher ein subjektives Empfinden.

Außerdem muss die Handlung eines Buches für mich logisch nachvollziehbar sein, wenn beispielsweise in einem Buch von John Katzenbach - nichts gegen seine Bücher an sich, die mag ich eigentlich fast alle sehr gerne - der Antagonist über offensichtlich nahezu unerschöpfliche Finanzmittel verfügt, deren Ursprung nicht begründet wird und wenn der Protagonist es mit einer Schusswaffe im Gepäck problemlos durch die Kontrollen gleich zweier US-amerikanischer Flughäfen schafft, dann habe mit so etwas ein Problem.

Darüber hinaus gibt es etwas, das ein Buch auf gar keinen Fall haben darf, um für mich ein gutes Buch zu sein: einen überzogenen Gewaltgrad. Wenn ich mich in der Mord- und Totschlag-Abteilung der Buchhandlung meines Vertrauens umsehe, überkommt mich beim Lesen der Klappentexte mittlerweile das kalte Grausen. Immer häufiger werden dort Haupt- und Nebenfiguren vollkommen sinnbefreit, dafür aber umso blutiger um die Ecke gebracht, rein um des Effektes Willen. Man hat meines Erachtens insbesondere im Thriller-Bereich die ehemals dort vorherrschende psychologische Spannung durch immer spektakulärere Gewalttaten ersetzt, was aus meiner Sicht ein eher schlechter Tausch ist.

– Sind Sie auf spezielle Buchgenres spezialisiert? Wenn ja, was gefällt Ihnen an diesen Genres besonders? Gibt es Buchgenres, die Sie generell gar nicht lesen?

Es gab mal eine Zeit, da hätte ich den historischen Roman als mein Lieblingsgenre bezeichnet. Selbiges wurde dann durch die Bücher von Iny Lorentz nachhaltig beschädigt - was natürlich eine vollkommen subjektive Meinung ist. Danach jedenfalls fand man in diesem Genre zuhauf ähnliche gestaltete Romane, woraufhin ich ihm lange Zeit den Rücken kehrte.

Ähnlich erging es meinem eigentlich geliebten Fantasy-Genre - hier durch die Bücher von Stephenie Meyer. Und auch das ist natürlich eine vollkommen subjektive Meinung. Fortan jedenfalls bevölkerten unzählige Vampire das Genre, die Bram Stoker so nicht gewollt haben kann. Darüber hinaus hat das Genre aus meiner Sicht das Problem, dass man dort selten Einzelbände mit in sich geschlossenen Handlungen findet, sondern mehrheitlich Buchreihen. Und für Buchreihen ist mein Leben zu kurz und meine Interessen zu weit gestreut.

Wenn man meine rezensierten Bücher der letzten Jahre statistisch betrachtet, dann führt dort eindeutig das Krimi-Genre, zu dem ich vorzugsweise in der kalten Jahreszeit immer wieder gerne greife sowie die Thriller - sofern sie weitgehend unblutig sind.

Zu den Büchern, die ich überhaupt nicht lese, gehören Liebesromane. Und mein letztes Sachbuch habe ich auch schon vor einer halben Ewigkeit gelesen. Und ich werde vermutlich niemals »Harry Potter« gelesen haben. Oder »Twilight«.

– Lesen Sie nur Verlagsproduktionen, oder besprechen Sie auch die Bücher von Selfpublishern? Was halten Sie generell davon, dass immer mehr Bücher in Eigenregie produziert werden?

Das Gute am Selfpublishing ist, dass mittlerweile im Grunde mehr oder weniger jeder sein eigenes Buch veröffentlichen kann - das Schlechte am Selfpublishing ist, dass es jeder auch tut. :-) Nein, mal im Ernst, eigentlich kann das Aufkommen der Sulfpublisher dem Buchmarkt nur gut tun, insbesondere, was die Vielfalt angeht. Ich hatte ja weiter oben schon erwähnt, wie sich der Erfolg eines einzelnen Buches - meistens negativ - auf ein ganzes Genre auswirken kann. Da wird dann mit Begeisterung auf den Erfolgszug aufgesprungen und mit Vorliebe Bücher produziert, die inhaltlich sowie in der äußeren Gestaltung ähnlich sind. Insgesamt habe ich sowieso den Eindruck, dass sich Verlage heutzutage weniger trauen und mehr auf Nummer sicher gehen. In Zeiten immer weiter zurückgehender Buchverkäufe ist das sicherlich auch verständlich - mich stört es trotzdem. Aber vielleicht habe ich auch einfach keine Ahnung und die Kundschaft will tatsächlich lieber den dreiundzwanzigsten Teil von »Fast & Furios«, Assassins Creed 53« oder die xte Adaption von »Fifty Shades of Grey« - diesmal aus der Sicht des Postboten geschrieben.

Ich persönlich lese und rezensiere vergleichsweise wenig Bücher von Selfpublishern, aber wenn, dann habe ich sowohl mit den Autorinnen und Autoren als auch mit ihren Büchern eigentlich durchgehend positive Erfahrungen gemacht.

– Warten Sie darauf, dass Autoren oder Verlage Sie anschreiben und Ihnen Rezensionsexemplare anbieten, oder wenden Sie sich selbst an sie? Oder rezensieren Sie gar nur die Bücher, die Sie sich selbst kaufen?

Seit ich blogge, habe ich weniger als eine Handvoll Rezensionsexemplare bekommen, größtenteils von den erwähnten Selfpublishern. Ich ziehe es eigentlich vor, die Bücher, über die ich schreibe, auch selbst zu kaufen. Das ist dann zwar durchaus ein teures Vergnügen, aber bin mir nicht sicher, ob mich kostenlos zur Verfügung gestellte Bücher nicht doch - zumindest unterschwellig - in meiner Meinung beeinflussen würden.

Außerdem hätte ich weitaus weniger Spaß daran gehabt, ein Buch wie Luca Di Fulvios »Das Kind, das nachts die Sonne fand« zu verreißen, wenn ich es kostenlos bekommen hätte.

– Welches Buch oder welche Bücher sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben, seitdem Sie Ihren Blog gestartet haben? Was gefiel Ihnen an ihnen ganz besonders gut?

Oh, da gibt es recht viele. Ziemlich zu Beginn des Bloggens hat mich beispielsweise »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« von Joël Dicker begeistert. Sein nächster Roman »Die Geschichte der Baltimores« war sogar noch besser. Sprachlich, den Aufbau betreffend und auch inhaltlich ganz groß.

Mindestens ebenso großartig war auch »Das späte Geständnis des Tristan Sadler« von John Boyne. Ich habe auch schon Büche von Boyne gelesen, die mich nicht wirklich begeistern konnten, aber dieses hier war ein sehr berührendes Leseerlebnis.

»Die amerikanische Nacht« von Marisha Pessl muss ebenfalls genannt werden - ich freue mich schon sehr auf ihren neuen Roman. Ich bin mir aber vollkommen bewusst, dass ihre Bücher, insbesondere »Die alltägliche Physik des Unglücks« nicht jedem gefallen dürften.

Thea Dorns Roman »Die Unglücksseligen« darf in der Auflistung auch nicht fehlen. Ich mag Thea Dorn.

Ich könnte noch vieles weitere auflisten, unter anderem so ziemlich alle Bücher von Carlos Ruiz Zafón und dem von mir über alle Maßen geschätzten David Mitchell, diese Beispiele sollen aber erst mal ausreichen.

– Gab es Bücher, die Ihnen überhaupt nicht gefallen haben oder bei denen Sie das Lesen gar abgebrochen haben? Welche waren das, und was missfiel Ihnen an ihnen?

Das einzige Buch, das ich in den letzten Jahren abgebrochen habe, war »Natchez Burning« von Greg Iles. Nun handelt es sich dabei, objektiv betrachtet, nicht um ein schlechtes Buch, es erzählte halt nur viel zu langsam. Um zu verdeutlichen, was ich meine, nehme ich mir mal die Freiheit heraus, mich selbst aus dem entsprechenden Blogbeitrag zu zitieren:

«Und auch inhaltlich dreht sich auf diesen ersten 400 Seiten viel im Kreis: So erfährt der Leser im Prolog, was damals in den 60ern in Natchez passiert ist. Anschließend erzählt die damals beteiligte Person A der Person B, was damals in Natchez passiert ist, ergänzt um wenige Details. Der Leser weiß das aber ja bereits aus dem Prolog. Dann erzählt Person B dem Protagonisten Person C, was er im Gespräch mit Person A erfahren hat. Das wiederum weiß der Leser aber ja bereits aus dem Prolog und dem Gespräch zwischen Person A und Person B. Person C nun, man ahnt es bereits, erzählt zu Hause seiner bald Angetrauten, Person D, was er im Gespräch mit Person B erfahren hat. Das wiederum weiß der Leser aber ja bereits aus dem Prolog, dem Gespräch zwischen Person A und Person B sowie dem Gespräch zwischen Person B und Person C. Ihr könnt mir noch folgen? An diesem Punkt war ich soweit, dass ich aufspringen und rufen wollte: »Ja, trefft euch doch alle zusammen mal zu einem Kaffee und erzählt es einmal, verdammte Axt!« »

Generell breche ich ungerne Bücher ab. Die Autorin bzw. der Autor hat sich schließlich Mühe gegeben, da kann ich mich auch mal durch die eine oder andere Länge kämpfen, vielleicht werden die letzten 50 Seiten des Buches ja die besten, die ich jemals gelesen habe!? Daher lassen sich auch meine abgebrochenen Bücher an schätzungsweise zwei Händen abzählen. Als Paradebeispiel dafür dient mir immer »Needful Things - In einer kleinen Stadt« - fast 900 Seiten, auf denen nichts, aber echt gar nichts, aber auch mal so überhaupt nichts passiert. Das habe ich einfach nicht ertragen.

– Werden auf Ihrem Blog nur Bücher rezensiert, oder können Ihre Besucher auch andere Dinge bei Ihnen lesen?

Neben meinen Rezensionen kann man bei mir noch die wöchentlichen »Freitagsfragen« lesen, eine Aktion vom »Brüllmausblog«, die ich sehr schätze, weil ich offensichtlich gerne Fragen beantworte. Darüber hinaus schreibe ich gelegentlich bei den abc-Etüden mit, für die Christiane mit ihrem Blog verantwortlich zeichnet, wo es darum geht, einen Text von maximal 300 Wörtern Umfang unter Verwendung dreier vorgegebener Wörter zu verfassen - was einfacher klingt als es gelegentlich ist.

Und vor einiger Zeit habe ich mit dem geschätzten Bloggerkollegen René den selbst so bezeichneten non-profit-Haufen »Prangenten e.V.« aus der Taufe gehoben, der zum Ziel hat, einfach Dinge anzuprangern, die uns missfallen. Meistens eher mit einem Augenzwinkern.

– Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern? Wenn ja, könnten Sie unseren Lesern vielleicht zwei oder drei von ihnen besonders ans Herz legen? Was schätzen Sie an ihnen?

Aber natürlich! Zu den schönsten Dingen des Bloggens gehört der Austausch mit Gleichgesinnten. Und das Schönste an diesem Austausch wiederum ist, dass er - so jedenfalls meine Eindrücke - immer ausgesprochen respektvoll und freundlich vonstatten geht. Und das ist ja leider ein Zustand, der in den unendlichen Weiten des Internets die Ausnahme darstellt. Unter anderem deswegen verweigere ich bis heute auch jegliche social-media-Tätigkeit.

Besonders ans Herz legen kann ich den Blog von Sabine mit dem wundervollen Namen wortgeflumselkritzelkram. Dort gibt es neben Rezensionen auch allerlei anderes zu bestaunen. Ein Besuch lohnt sich.

Wer stilistisch wunderbare kurze Geschichten lesen möchte, ist bei Disputnik gut aufgehoben. Seine Geschichten begeistern mich regelmäßig, sind sprachlich und inhaltlich wunderbar und bisweilen herrlich emotional.

Das Team von Leserkanone.de dankt Frank Wolf für die Zeit, die er sich genommen hat!
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IM INTERVIEW ERWÄHNTE BÜCHER
Die alltägliche Physik des Unglücks
Geschrieben von: Marisha Pessl (14. März 2007)
In einer kleinen Stadt
Geschrieben von: Stephen King (1991)
90/100
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