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Regina Schleheck 1 Fan
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Regina Schleheck
Facebook: regina.schleheck
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Regina Schleheck vom 06.01.2019
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 06.01.2019
Im aktuellen Roman von Regina Schleheck geht der »Tod in Herford« um. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über einen sehr jungen Ermittler und über das mörderische Leverkusen.

– Frau Schleheck, vor einiger Zeit erschien Ihr neuer Roman »Tod in Herford«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

»Tod in Herford« war ein Experiment, eine Herzensangelegenheit. Im Jahr davor hatte ich den »Kirmesmörder Jürgen Bartsch« veröffentlicht, einen Kriminalroman über einen historischen Kindermörder, eine ziemlich schreckliche Biografie, die ich genutzt habe, gesellschaftliche Verwerfungen der Nachkriegszeit und Deformationen durch eine extrem belasteten Kindheit aufzuzeigen. Ich wollte selbst verstehen, wie aus einem jungen Menschen die »Bestie« werden konnte, als der er bekannt ist – ohne jegliche Beschönigung. Mit »Tod in Herford« habe ich ein ähnlich scheußliches Thema – Missbrauch, Vergewaltigung, Mord an Minderjährigen – auf ganz andere Art und Weise aufgegriffen. Da es eine komplett fiktive Geschichte ist, hatte ich mehr Freiheiten, konnte das eigentliche Verbrechen ganz in den Hintergrund rücken und mich stattdessen darauf konzentrieren, was es mit den Hinterbliebenen macht. Hier tapert ein kleiner Jungen ahnungslos in einen Mordfall, der mit seiner Familie eng verknüpft ist. Die Herausforderung war, seine vollkommen naive Herangehensweise zu nutzen. Ich liebe Kinder, nicht nur weil ich selbst fünf groß gezogen und beruflich alle Altersgruppen in allen Entwicklungsphasen studiert und begleitet habe. Kinder werden maßlos unterschätzt, was ihr Auffassungsvermögen angeht, aber auch ihre Zähigkeit und Fähigkeit mit Traumata umzugehen. Mein Protagonist Linus ist erst fünf und für ihn ist vieles neu und unverständlich, eine sehr reizvolle, oft witzige Perspektive. Sie wird ergänzt um die eines Ausreißers, eines jugendlichen Obdachlosen, der mit einer minderjährigen Prostituierten zusammenkommt und deren Wege sich immer wieder kreuzen. Mehr will ich nicht spoilern. Aber es gibt ein versöhnliches Ende. Es ist kein Kinderbuch. Aber auch kein harter Tobak.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich bin in meinem eigenen Schreiben am liebsten divers und experimentell. Kann es mir auch leisten, weil ich nicht davon leben muss. Wer damit Geld verdienen muss, schreibt Mainstream. Die Autoren, die ich liebe, kann ich nicht aufzählen, sie finden sich in allen Genres, angefangen von Kinder- bis zur Hochliteratur. Meine eigenen Geschichten changieren zwischen Alltagshorror, Krimi und Magischem Realismus. Vorbilder mag man am ehesten da finden, aber meine eigenen Lesevorlieben passen in keine Schublade. Die Fülle an Auszeichnungen, die ich erhalten habe, ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass ich mich eben auch nicht daran orientiere. Der Preis: Man erreicht kein größeres Publikum. Auch wenn man sich in der Branche durchaus einen Namen machen kann.

– Herford hört sich zunächst nicht gerade nach dem kriminellen Zentrum Deutschlands an. Was macht Herford trotzdem - oder gerade deshalb - zu einem guten Schauplatz für das geschriebene Verbrechen? Sollte man aus Herford stammen oder einen Bezug zu der Region haben, um von Ihrem Roman bestmöglich unterhalten zu werden?

Die alte Lokalkrimi-Frage. Jeder Roman muss nun mal irgendwo verortet sein. Das kann natürlich ein fiktiver Ort sein, aber da er regiotypisch-authentische Merkmale und Zeitbezüge enthalten wird, kann er praktisch immer in die Regio-Ecke geschoben werden. Muss aber nicht. Es ist letzten Endes eine Verlagsentscheidung, wie sie es vermarkten wollen. Es soll Regios geben, die literarischen Weltruhm erlangten. Herford ist für mich persönlich-biografisch der Ort, in dem ich die meisten Kinder geboren, verloren und aufgezogen habe. Das prägt und hat sicherlich meinen jugendlichen Protagonisten befördert. Ich habe die Stadt als ausgesprochen idyllisch mit kompaktem mittelalterlichem Stadtkern kennengelernt, in dem ich in einem kernsanierten wunderschönen Fachwerkhaus leben durfte. Hier von einem Verbrechen aus einer Kinderperspektive zu erzählen, fand ich besonders kontrastiv-reizvoll.

– Wie kamen Sie auf die Idee, einen Fünfjährigen ermitteln zu lassen? Was macht den kleinen Linus - abgesehen von seinem Alter - zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Und wie schafft man es, eine Storyline realistisch aus der Sicht eines solch jungen Protagonisten zu erzählen?

Die Frage habe ich weiter oben schon zu Teilen beantwortet. Unter meinen ersten Testlesern waren solche, die Linus und seinen Freund Flip zu altklug fanden. Klar, das sind eingefahrene Erzählmuster, dass Kinder wenig checken und auch gefälligst nichts checken sollen. Wir wollen ihnen ja eine heile Kindheit bewahren. Kinder kapieren das sehr schnell und finden sich in die Rolle der Naivchen rein, es ist ja auch bequem, sich dumm zu stellen, dann muss man keine Verantwortung übernehmen. Ich erinnere mich sehr lebhaft an meine eigene Kindheit, wie mir in der Schule und anderswo abtrainiert wurde, bestimmte Gedanken zu äußern. Heimlich habe ich schon vor der Grundschule begonnen, mich durch das Bücherregal meiner Eltern zu lesen – auch wenn ich sicherlich das Allermeiste nicht verstanden habe. Da stand weiß Gott keine leichte Kost herum. Später habe ich gut zwanzig Jahre lang meinen Kindern vorgelesen, ein Abendritual, zu dem immer alle zusammenkamen und gelauscht und darüber gesprochen haben. Da gab es Bilderbücher für die Kleinsten und Jugendromane für die Großen, aber alle wollten immer alles hören, auch zum hundertsten Mal und ganz egal wie viel sie davon wirklich verstanden. Gute Literatur ist Humus, der viele Jahre später keimen und immer neu verstanden werden mag. Später habe ich so oft beobachten können, wie Kinder sich an dem orientieren, was von ihnen erwartet wird. Wir sollten aufpassen, dass wir unsere Vorstellungen, was Kinder verstehen dürfen, diesen nicht überstülpen. wir beschneiden sie in ihren Möglichkeiten. Bei den Oberstufenschülern ist meine allergrößte Herausforderung, sie zu ermutigen sich endlich wieder des eigenen Verstandes zu bedienen. Das desaströse Ergebnis unserer Schulbildung ist, dass angehende Abiturienten allen Ernstes behaupten, sie könnten keine Analysen verfassen, weil sie nicht wüssten, was man von ihnen hören wolle. Im Gespräch mit meiner Agentin haben wir einmal festgestellt: Selbst wenn wir derart pfiffige Kinder wie Linus und Flip für unrealistisch hielten: Sind Hundertjährige, die aus dem Fenster klettern, um die ganze Welt reisen und haarsträubende Abenteuer erleben, unrealistisch? Sie sind wundervoll.

– Missbrauch, Mord, Prostitution - wie kommt man als vermutlich friedliche Fünffachmutter und Oberstudienrätin dazu, sich mit solch bedrückenden Themen zu beschäftigen? Was bedeutet Ihnen das Krimigenre persönlich?

Gerade weil. Ich bin mit Astrid Lindgren groß geworden, mit Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter, die, wenn man ihr sagt, sie solle sich vor dem Abgrund in Acht nehmen, sich darin übt, den Abgrund zu bezwingen, indem sie ihn überspringt. Ich halte das Helikoptermodell für das schlechteste Erziehungskonzept ever. Starke Kinder kriegt man nur, indem man ihnen ermöglicht Herausforderungen zu bestehen, ihnen Freiheiten gibt und ihr Autonomiestreben respektiert. In der Hinsicht regrediert unsere Gesellschaft mit Riesenschritten zu einer Hätschelcommunity, die den zunehmenden globalen ökonomischen und ökologischen Herausforderungen immer weniger gewachsen ist. Der Krimi könnte hier eine ganz wichtige gesellschaftskritische und -politische Aufgabe übernehmen. Lange war Kriminalliteratur überhaupt nicht mein Ding. Weder als Leserin noch als Autorin. Ich fand die ewig gleichen Muster des Erzählens vom Auffinden der Leiche über die verschiedenen Verdächtigen bis zur Auflösung des Falls in einem Showdown einfach öde und allzu leicht durchschaubar. Patricia Highsmith und Ruth Rendell alias Barbara Vine waren die ersten Krimiautorinnen, die ich mit Begeisterung gelesen habe. Keine Whodunits. Tatsächlich ist »Tod in Herford« mein erster Ermittlerkrimi, aber eben mit einem sehr ungewöhnlichen Protagonisten. Als ich zum ersten Mal eine Short Story zum Friedrich-Glauser-Preis einreichte, dachte ich noch: Das ist doch gar kein Krimi. Als ich ihn damit gewann, wurde mir klar, dass mein Krimi-Begriff viel zu eng gewesen war.

– »Tod in Herford« ist nicht das einzige heiße Eisen, dass Sie derzeit im Feuer haben, denn nur wenige Tage nach dem Roman erschien Ihr Buch »Mörderisches Leverkusen und Umgebung«. Was erwartet Ihre Leser in dem Werk? Warum sollten sie am besten sofort damit weitermachen, sobald sie »Tod in Herford« fertiggelesen haben?

Unmittelbar danach erschienen außerdem zwei Jugendbücher, ein phantastischer Jugendroman und eine bewegende Erzählung, die sich mit einer Sechsjährigen, mit Trennung und Tod beschäftigt, eigentlich eine All-Age-Geschichte. »Mörderisches Leverkusen und Umgebung« entsprach dem zwei Jahre davor erschienenen Band »Wer mordet schon in Köln?« Es enthält elf Kurzgeschichten mit Lokalbezug und 125 Freizeittipps, die in den Geschichten Erwähnung finden. Zur Hälfte ist es also ein Sachbuch. Eins, in dem auch Kenner viel über die jeweilige Region erfahren können. Was mich angeht eins, das doppelt Spaß gemacht hat. Es ist ein Geschenk, so viele interessante Orte und Begebenheiten kennenlernen zu dürfen. Und die jeweiligen Konfliktstoffe herauszuarbeiten, die ich in den Kurzkrimis fiktiv zur Eskalation bringe.

– Gibt es große Unterschiede bei der Herangehensweise an das Schreiben eines Romans wie »Tod in Herford« und an das Erschaffen der vielen Kurzgeschichten in »Mörderisches Leverkusen«?

Logisch. Ich schaffe elf statt eines Plots. Auf der anderen Seite schreibe ich Kurzgeschichten natürlich wesentlich schneller. Ich kenne KollegInnen, die behaupten, dass sie für das Entwickeln einer Kurzgeschichte ungefähr so lange brauchen wie für einen Roman. Das ist bei mir anders. Bei Kurzprosa genügt mir eine Idee, dann brummt es. Ich habe auch schon an einem Tag vier Kurzgeschichten hintereinander in die Tasten gehauen. Der Sachteil ist wesentlich aufwändiger, weil ich da nicht einfach drauflos schreiben kann, sondern jeder Satz gut recherchiert und fundiert sein will. Allerdings ist bei so einem Buch auch ein größerer Aufwand beim Plotten der Kurzkrimis erforderlich. Um 125 Sehenswürdigkeiten unterzubringen, muss man strategisch vorgehen. Ich habe mir erst eine Karte angelegt, auf der ich Ausflugsziele markiert habe. Die mussten dann auf die Geschichten verteilt und »verbaut« werden.

– Wie kamen Sie auf die Idee, Kurzkrimis und Freizeittipps miteinander zu verknüpfen? Und nach welchen Maßstäben haben Sie die Freizeittipps ausgewählt, die in Ihrem Buch vorgestellt werden?

Die Idee stammt nicht von mir, es ist ein Verlagskonzept. Ein tolles, wie ich finde, weil ich mich als Autorin vielen unterschiedlichen Aspekten eines Ortes oder einer Region widmen kann: Historisches, Brauchtum, aktuelle soziale oder politische Probleme, Mythen … Konfliktstoffe finden sich immer. Natürlich muss ich selektieren, man erfährt so viel Interessantes, was man am liebsten im Sachteil alles weitergeben möchte. Bei mir ist der vergleichsweise umfangreich, ich erwähne nicht nur irgendwelche Kneipen oder Ausflugslokale, sondern versuche wirklich fundierte Hintergründe zu vermitteln, die bestimmte Besonderheiten oder Eigenheiten erklären. Der Verlag hat das nicht immer goutiert, das treibt schließlich die Druckkosten in die Höhe, aber die Leser danken es mir, das erfahre ich in vielen, vielen Rückmeldungen. Manche AutorInnen erfüllen die Verlagsvorgabe so, dass ein/e ProtagonistIn in allen elf Kurzgeschichten agiert. Das kann jede/r selbst entscheiden. Ich versuche immer vollkommen unterschiedliche ProtagonistInnen und möglichst unterschiedliche Perspektiven, Erzählweisen und Sprachen zu finden, um die Vielfalt der Örtlichkeit abzubilden und die Leser maximal zu unterhalten.

– Was können wir von der Autorin Regina Schleheck in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Im nächsten Herbst erscheint das »Mörderische Bergische Land«, ein Projekt, das mich im letzten Jahr in Atem gehalten hat, das gleiche Konzept wie »Wer mordet schon in Köln?« und »Mörderisches Leverkusen und Umgebung«. Es hat mir viele schöne Ausflugstouren ins Bergische beschert, aber mich natürlich auch allerhand Zeit gekostet, daher bin ich im Moment ganz froh, dass ich mir, was Folgeverträge angeht, erst einmal eine kleine Atempause gönne, um eigene Projekte zu verfolgen. Dazu verrate ich erst einmal nichts. Da meine Domäne eigentlich die Kurzprosa ist, musste ich in den letzten Jahren oft zurückstecken, weil Abgabetermine für die Großprojekte drängten. Ich bin nun mal in Vollzeit in einem zeitaufwändigen Job berufstätig und habe eine große Familie zu ernähren, da muss ich mir jede Minute zum Schreiben hart erkämpfen. Aber ich genieße es umso mehr. Und ich komme ungeheuer viel herum, habe um die 50 Lesungen pro Jahr im ganzen deutschsprachigen Raum und mache das auch sehr, sehr gerne – allein, mit anderen AutorInnen, mit Musikern, ich liebe ausgefallene Locations, urige Kneipen, Wohnzimmerlesungen ebenso wie Gala-Veranstaltungen und große Säle. Es hat immer etwas von Ernte einfahren. Schreiben ist nun mal eine besondere Art der Kommunikation. Natürlich bekommst du immer wieder Rückmeldungen zu deinen Texten – über das Lektorat, Jurys, Rezensenten, LeserInnen, aber bei Lesungen erfährst du die ganz unmittelbar, spürst die Spannung im Saal, das Luftanhalten, Zusammenzucken, befreite Auflachen, gelegentlich sogar Tränen – und anschließend kommen viele Menschen zu dir und geben dir ihre persönlichen Eindrücke wieder, erzählen, was die Geschichte in ihnen angerührt, woran sie sie erinnert hat – das ist schon sehr besonders und besonders schön.

Das Team von Leserkanone.de dankt Regina Schleheck für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Regina Schleheck
Regina Schleheck bei Facebook
»Tod in Herford« bei Leserkanone.de
»Tod in Herford« bei Amazon
»Mörderisches Leverkusen und Umgebung« bei Leserkanone.de
»Mörderisches Leverkusen und Umgebung« bei Amazon
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