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Nikodem Skrobisz 15 Fans
Herkunft: Deutschland
Pseudonym: Leveret Pale
Webseite: Offizielle Homepage von Nikodem Skrobisz
Facebook: nikodem.skrobisz.125
Instagram: leveret_pale
Interviews: Leserkanone.de-Interview mit Leveret Pale vom 10.10.2016
  Leserkanone.de-Interview mit Leveret Pale vom 20.04.2017
  Leserkanone.de-Interview mit Nikodem Skrobisz vom 20.11.2020
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 20.11.2020
In seinem aktuellen Roman »Der Faschist« schreibt Nikodem Skrobisz aus der Sicht des Bösen. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über Faschisten und über das Erschaffen düsterer Zukunftsvisionen.

– Herr Skrobisz, dieses Mal sind dreieinhalb Jahre vergangen, seitdem wir Sie zuletzt zu einem Gespräch begrüßen konnten. Was hat sich in der Zwischenzeit im Autorenleben des Nikodem Skrobisz getan?

Das letzte Interview scheint mittlerweile eine Ewigkeit her zu sein. Es hat sich sehr viel getan. Ich war damals ein 18-jähriger Jungautor, der trotz einiger ersten Veröffentlichungen noch ziemlich Grün hinter den Ohren war und vor allem noch unter dem Pseudonym Leveret Pale schrieb, welches ich mittlerweile fast abgestreift habe und nur noch für phantastische Publikationen verwende. Seitdem ist nämlich mein Œuvre um einen Stapel neuer Bücher, Kurzgeschichten und vor allem journalistischer Arbeiten und seriöser Essays angewachsen. Ich bin ein richtiger Erwachsener und damit auch leider und zum Glück deutlich ernster und gewissenhafter und wie ich hoffe, einen Funken weiser geworden. Das schlägt sich auch in meinem Schreiben nieder. Ich thematisierte bereits damals psychologische und philosophische Themen, aber in ihrer literarischen Aufarbeitung und Tiefe bin ich etwas geschickter und tiefgründiger geworden, was besonders in meinem neusten Roman »Der Faschist«, als auch in den Kurzgeschichten »Die finale Lösung der Menschenfrage« und »Der Jäger von Carcosa« stark sichtbar wird. Des Weiteren schreibe ich kaum noch Horror und Phantastik, und dafür vor allem Gegenwartsliteratur und ab und zu Science-Fiction.

– Hat sich die Corona-Krise auch bei Ihrer Arbeit als Autor bemerkbar gemacht?
Natürlich. Tatsächlich zum Teil auch etwas positiv. Zum einem hatte ich während des ersten Lockdowns in der Isolation endlich mal die Zeit und Ruhe all die Ideen und Projekte niederzuschreiben, die schon länger auf ihre Verwirklichung warteten. Des Weiteren war die Coronakrise – wie jede Krise und alles Neue - anfangs auch eine Quelle großer Inspiration.

Aber langfristig, wirkt sich die Krise wie bei allen insbesondere negativ auf mich auch als Autor aus. Wichtige Events wie Lesungen, Stammtische und Buchmessen sind zum Großteil ausgefallen oder wurden durch digitalen Versionen nur dürftig substituiert. Dadurch fehlt dieses Jahr der lebendige Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Leserinnen und Lesern, der einer der schönsten Aspekte der Literaturbranche ist. Abgesehen davon, dass mit Lesungen auch wichtige Einnahmen und Marketingmöglichkeiten wegfallen. Wenn man die meiste Zeit brav innerhalb der eigenen vier Wänden verbringt, fehlt einem des Weiteren dann doch leider oft die Inspiration eines gelebten Lebens – aber die nagenden Sorgen vor einer eigenen Infektion und um die Gesundheit der Liebsten sind nun auch nicht gerade kreativitätsfördernd. Wir leben in schwierigen Zeit. Auch schwierig für die Literatur.

– Corona ist ohnehin ein gutes Stichwort, denn mit »Der Faschist« ist eine Post-Corona-Dystopie aus Ihrer Feder erschienen. Was erwartet Ihre Leser in dem Buch?

Ich schrieb »Der Faschist« während des ersten Lockdowns nieder. Der Roman spielt im Jahre 2024, in einem Europa, welches als Folge der Coronapandemie wirtschaftlich und politisch in Trümmern liegt.

Allerdings spielt Corona in der Geschichte eine eher untergeordnete Rolle, auch wenn es immer wieder zur Sprache kommt. Zentral ist ein Thema, das ich in den letzten zwei Jahren intensiv recherchiert habe: Faschismus. Der Protagonist Nikolas Schaber erzählt dabei rückblickend aus dem Jahr 2034 wie er zehn Jahre zuvor durch einen Schicksalsschlag sich zu radikalisieren begann und der fiktiven neofaschistischen Organisation EUF beitrat und dieser dann zum Aufstieg verhalf.

Das Besondere an dem Roman ist dabei eben, dass er aus der Sicht des Bösen, aus der eines neofaschistischen Funktionärs erzählt wird. Als Leser schlüpft man in seine Haut, erlebt die Gedankengänge, Entscheidungen, Mechanismen und Organisationsstrukturen aus ihrem Inneren. Dadurch ist der Roman nicht nur ein spannender und unterhaltsamer Politik-Thriller in einem Dystopie-Setting, sondern eben auch sehr lehrreich. Der Begriff Faschist wird heutzutage in der Polemik sehr inflationär gebraucht, sodass viele Menschen kaum noch wissen, was der Faschismus wirklich war und wahrscheinlich auch Schwierigkeiten hätten ihn wirklich zu erkennen, sollte er zurückkehren. Man könnte »Der Faschist« daher auch als einen Poltithriller in einem dystopischen, Post-Corona-Setting mit einer gehörigen Portion Infotainment oder als einen postmodernen, negativen Bildungsroman beschreiben.

– Was macht Nikolas Schaber zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Wie kamen Sie auf die Idee, einen Roman aus der Sicht eines Faschisten zu verfassen? Erfordert dies das Verschieben von Grenzen, die man sich selbst ansonsten womöglich während des Schreibens gesteckt hätte?

Zum Beginn ist an Schaber gar nichts besonders. Er ist ein ziemlich durchschnittlicher Vertreter meiner Generation. Einzelkind. Hat mit Kommunikationswissenschaft irgendetwas mit Medien studiert. Arbeitet in einer Marketingagentur. Ein relativ langweiliger und normaler Zoomer – bis er aufgrund der Trennung von seiner Freundin in eine Depression rutscht und sich dann langsam radikalisiert. Dadurch, dass er aber sehr normal ist, wird seine Geschichte so besonders, weil man sich gut in ihn hineinversetzen und nachvollziehen kann, warum er das tut, was er tut, auch wenn es schrecklich ist.

Dadurch wird sichtbar, dass Faschisten und Anhänger anderer menschenverachtenden Ideologien nicht als böse Monster geboren werden. Sie sind Menschen wie wir alle. Das macht ja den Faschismus auch so gefährlich: er ist äußerst verführerisch, jeder Mensch kann sich mit ihm anstecken und zum Faschisten werden, auch wenn das eine Tatsache ist, die wir gerne ausblenden. Das Bewusstsein für diese Tatsache zu schaffen war einer Hauptgründe, warum ich auch das Buch aus der Sicht eines Faschisten geschrieben habe. In meinem vor kurzem erschienen Essay »Schreiben aus der Sicht des Bösen – Der Faschist und das Unbehagen in der Kultur« (https://leveret-pale.de/der-faschist-und-das-unbehagen-in-der-kultur) habe ich die psychoanalytischen und philosophischen Überlegungen dahinter noch etwas weiter ausgeführt.

Was die Grenzen angeht, so bin ich überzeugt, dass die Literatur wie jede Kunstform keinen kennen sollte. Aus der Sicht des Bösen zu schreiben, ist allerdings auch nichts wirklich Neues – das hat vor vier Jahrhunderten John Milton in »Paradise Lost« bereits gemacht und ihm folgt eine lange Tradition von Autoren wie de Sade, Poe, Stevenson, Ellis oder Burgess, um einige zu nennen. Auch wenn mein Roman meines Wissens tatäschlich der erste ist, bei dem dieses Böse ein Faschist ist.

– Da seit der Idee zu Ihrer Geschichte inzwischen einige Zeit vergangen ist: Inwieweit haben Sie die seitdem zu beobachtenden gesellschaftlichen Entwicklungen ihre Zukunftsvision bestätigt, inwieweit wurden Sie widerlegt?

Die meisten gewaltigen gesellschaftlichen Entwicklungen, die ich in dem Buch beschreibe, finden in der fiktiven Timeline erst 2023 und 2024 statt, weshalb noch wenig bisher bestätigt oder widerlegt wurde. Ich bin allerdings dann doch noch zuversichtlich, dass die meisten der Prognosen aus »Der Faschist« nicht wahr werden, auch wenn uns sicherlich einige sehr turbulente Krisenjahre bevorstehen.

– Worin liegt aus Autorensicht der Reiz am Erschaffen düsterer Zukunftsvisionen?

Für mich ist das Erschaffen von düsteren Zukunftsvisionen und bösartigen Charakteren immer eine Art seelischer Aderlass, bei dem ich all meine dunklen Gedanken und meinen Schatten (in einem jungschen Sinne) auf das Papier fließen lassen und bannen kann. Dadurch kann ich dann danach selbst unbeschwerter und mit bester Laune durch die Welt gehen.

Darüber hinaus bieten Dystopien, in welchen aktuellen Probleme und Entwicklungen extrapoliert werden, eine großartige Möglichkeit, eben über diese nachzudenken. Sie sind quasi literarische Gedankenexperimente, in denen einzelne Aspekte unserer Gegenwart oder unserer potentiellen Zukunft unter der Lupe einer verdichteten Erzählung spekulativ analysiert werden können. Man muss sich schließlich sehr intensiv mit unserer Gegenwart und ihren Potentialen auseinandersetzen, wenn man eine glaubwürdige literarische Zukunftsvision konstruieren will. Wann immer ich eine Science-Fiction-Geschichte schreibe, ist das daher ein intellektuelles Abenteuer, bei dem ich durch Nachdenken, Recherchieren und Imaginieren die Welt auf eine spielerische Art und Weise besser zu verstehen lerne.

– Was können wir von dem Autor Nikodem Skrobisz in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

In den kommenden Wochen sollte meine Kurzgeschichte »Revolte gegen die Clown-Welt« in der neusten Anthologie »Abgefuckte Welt« des Verlags »hummel&sahne« erscheinen. Ein paar weitere Veröffentlichungen sind zwar auch noch unterwegs, allerdings ist es aufgrund des Chaos, welches Corona in der Literaturbranche angerichtet hat, momentan schwer zu sagen, wann sie genau erscheinen werden. Deshalb werde ich mich hierzu erstmal ausschweigen. Ähnlich verhält es sich leider bei Veranstaltungen und anderen Terminen: Bei der aktuellen Entwicklung ist es kaum möglich vernünftig langfristig zu planen. Sollten die gegenwärtigen Coronamaßnahmen gelockert werden, wird es aber zweifelsohne wieder neue Events geben, die ich dann auf meinem Blog und auf meiner Instagramseite @leveret_pale ankündigen werde.

Abgesehen davon, arbeite ich zurzeit tatsächlich zur Abwechslung mal an einer Art Liebesroman. Mit »Der Faschist« habe ich ein vor kaltem Hass und Blut triefendes Buch geschaffen. Dadurch habe ich nun ein starkes Bedürfnis eine Geschichte zu schaffen, die im Kontrast dazu vor warmer Liebe und Geborgenheit strahlt, vielleicht sogar etwas aus der gegenwärtigen Dunkelheit zu führen vermag. Zum Glück beflügelt mein Privatleben aktuell meine Muse mit sehr viel dafür passender Inspiration und weitere Informationen zu diesem Roman werden höchstwahrscheinlich bald angekündigt.

Das Team von Leserkanone.de dankt Nikodem Skrobisz für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Nikodem Skrobisz
Nikodem Skrobisz bei Facebook
Nikodem Skrobisz bei Instagram
»Der Faschist« bei Leserkanone.de
»Der Faschist« bei Amazon
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