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Mario Lima 5 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Mario Lima
Facebook: MarioLima.Autor
Interviews: Leserkanonen-Interview mit Mario Lima vom 02.10.2016
  Leserkanonen-Interview mit Mario Lima vom 04.09.2019
  Leserkanonen-Interview mit Mario Lima vom 03.04.2021
Tags: Zwei Verlinkungen in Leserkanone.de-Artikeln
 
Leserkanonen-Exklusivinterview vom 03.04.2021
In seinem neuesten Roman, der kürzlich im Heyne Verlag erschienen ist, führt Mario Lima seine Leser an »Die Mauern von Porto«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über die portugiesische Justiz und über die Vorzüge von »Inverted Mystery«.

Herr Lima, wieder sind anderthalb Jahre vergangen, seitdem wir Sie zuletzt zu einem Gespräch begrüßen konnten. Was hat sich in der Zwischenzeit im Autorenleben des Mario Lima getan? Hat sich die Coronakrise auch bei Ihnen bemerkbar gemacht?

Bemerkbar schon, das ist klar. Am Anfang hat es noch nicht mal so viel Unterschied gemacht. Als Autor arbeitet man ja sowieso im Home Office, und die letzte Schreibphase eines Romans, mit dem Abgabetermin vor Augen, hat immer etwas von einem Lockdown. Nur wenn das Buch dann fertig ist, möchte man natürlich gern mal wieder vor die Tür gehen, und da waren die Möglichkeiten diesmal doch sehr begrenzt.
Hinterher hat Corona dann alle Termine durcheinandergebracht. »Die Mauern von Porto« sollte eigentlich zur Leipziger Buchmesse mit Gastland Portugal herauskommen. Die ist bekanntlich erst verschoben und dann ganz ins Virtuelle verlegt worden. Immerhin wurde mein Buch überhaupt in diesem Frühjahr veröffentlicht. Das war keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich ansieht, wie überall die Verlagsprogramme zusammengestrichen wurden. Ich kann also nicht klagen. Pech war nur, dass es dann mitten in einem neuen Lockdown erschienen ist, als alle Buchhandlungen geschlossen waren. Aber, wie gesagt, andere hat es schlimmer erwischt.

Ihr neuer Roman, »Die Mauern von Porto«, ist also kürzlich im Heyne Verlag erschienen. Was erwartet Ihre Leser in dem Buch?

Diesmal geht es um einen klassischen Cold Case. Im ältesten Viertel von Porto werden nach einem Brand zwei eingemauerte Skelette gefunden, Inspektor Fonseca und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Die gestalten sich allerdings schwierig: Es gibt ja keine brauchbaren Spuren mehr. Und die Bewohner des Viertels zeigen auch wenig Bereitschaft, mit der Polizei zu kooperieren.

Dem Klappentext Ihres Buchs ist der Satz vorangestellt, dass Schuld nicht verjährt. Warum wird hier so auffällig auf Verjährungen angespielt?

Da die Geschichte in Portugal spielt, taucht eine ganz besondere Schwierigkeit auf, und das praktisch aus den eigenen Reihen, aus der Justiz. (Achtung Spoiler. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte den Rest der Antwort besser überspringen.) Als feststeht, dass das Verbrechen vor zweiundzwanzig Jahren verübt wurde, stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlung ein, denn Mord verjährt in Portugal nach fünfzehn Jahren. Danach ist eine Strafverfolgung nicht mehr möglich, selbst dann nicht, wenn die Identität des Täters später noch bekannt werden sollte. Im Roman ist das natürlich nicht das Ende der Geschichte. Für die Ermittler werden dadurch nur die Hürden höhergelegt.

Wie sind Sie darauf gekommen? Gab es einen realen Fall, der Ihnen als Vorlage gedient hat?

Als Vorlage nicht direkt, aber das Thema Verjährung ist tatsächlich mal durch einen Mordfall in die Schlagzeilen geraten. Es ging um den sogenannten »Ripper von Lissabon«. Der hatte in den Neunziger Jahren drei Frauen mit dem Messer ermordet und war nie gefasst worden. Zwanzig Jahre später ist dann doch noch herausgekommen, wer es war. Aber da konnte ihm die Justiz nichts mehr anhaben. Verurteilt worden ist er dann nur, weil er noch einen späteren Mord gestanden hat, der nicht verjährt war. Sonst hätte man ihn tatsächlich laufenlassen. Dadurch habe ich angefangen, mich mit der Frage der Verjährung zu beschäftigen.
Wo wir gerade bei dem Thema sind: In manchen Rezensionen heißt es, ich würde in diesem Buch das portugiesische Rechtssystem »kritisieren«. So würde ich das nicht ausdrücken. Die portugiesische Justiz ist einfach Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Gerade Fonseca und seine Leute haben täglich damit zu tun. Die kritischen Äußerungen, die dazu im Roman fallen (»Es gibt eine Justiz für die Reichen und eine für die Armen.«), sind in Portugal häufig zu hören. Ich selbst stelle das ja nur dar. Mir geht es darum, welche Konsequenzen solche Gesetze für das Leben der Betroffenen haben. Mit einem Augenzwinkern könnte ich auch sagen: Als Ausländer steht es mir sowieso nicht zu, Portugal zu kritisieren. Das ist strikt den Portugiesen vorbehalten.

Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis wird bei Ihnen diesmal nicht gerätselt, wer der Täter sein könnte, vielmehr ist er von Anfang an bekannt. Wie kam es dazu, dass Sie diesen Weg gewählt haben? Welche Möglichkeiten bieten sich einem Autor dadurch?

Ich hatte schon lange vor, auch mal so ein »Inverted Mystery« zu schreiben, und für diese Geschichte schien es mir die richtige Form zu sein. Die Ausgangslage ist ja die, dass plötzlich dieses Verbrechen aus der Vergangenheit ans Licht kommt und der Täter davon erfährt. Mittlerweile ist er ein angesehener Bürger, der viel zu verlieren hat. Seine Tat von damals hat er längst verdrängt, der Skelettfund ist auch für ihn ein Schock. Die Spannung dieser Situation ginge bei einem »Whodunit« schon mal verloren der Leser dürfte ja nichts davon erfahren. Erzählt man die Geschichte aber anders herum, dann kann er an dem ganzen Drama teilhaben und wirklich miterleben, mit welchen Winkelzügen der Täter von einst versucht, seine Haut zu retten.
Und auch vor dem Täter hat der Leser einen entscheidenden Informationsvorsprung: Gleichzeitig wird er ja Zeuge, wie die Ermittlung voranschreitet und ein Puzzleteil sich zum anderen fügt. Der Leser allein übersieht das ganze Katz-und-Maus-Spiel, und darin liegt das Spannungsverhältnis. Im Englischen wird diese Variante auch »Howcatchem« genannt: »Wie kriegt man den Täter?« Das ist eben die Frage. Denn Fonseca hat es hier mit einem gewieften Gegenspieler zu tun, einem geborenen Manipulator. Also, einfach wird es nicht.

Inspektor Fonseca absolviert in Ihrem Buch bereits seinen dritten Einsatz. Wie schafft man es, bei gleichbleibenden Protagonisten und der Konzentration auf Porto als Schauplatz stets frisch und nicht repetitiv zu klingen?

Wie wir gerade gesehen haben, kann man zum Beispiel die Herangehensweise variieren und auch mal auf den Kopf stellen. Und jeder Fall hat ja auch seinen eigenen Charakter, was die inhaltlichen Schwerpunkte und die Schauplätze angeht. In »Barco Negro« war es das Hafen- und Fischerviertel Matosinhos und der Bezug zum titelgebenden Fado, in »Tod in Porto« die Strandpromenaden von Foz do Douro und die Verbindung nach Brasilien, und »Die Mauern von Porto« spielt zu weiten Teilen im Altstadtviertel Bairro da Sé und hat als Leitmotiv das Thema Gerechtigkeit.
Was die Protagonisten angeht: Im dritten Buch kommt noch eine neue Ermittlerin ins Team. Tété Marinho ist in Angola geboren und bringt ihre ganz eigene Vorgeschichte mit. Das ist auch ein Aspekt, der mich immer an Portugal fasziniert: wie sehr der Austausch mit den früheren Kolonien bis in den Alltag hinein spürbar ist. Nirgendwo sonst in Europa liegen Brasilien und Afrika so nahe. Auch das ist eine reiche Quelle an guten Geschichten.

Was können wir von dem Autor Mario Lima in der nächsten Zukunft erwarten? Steht schon fest, wann und wie Inspektor Fonseca wieder in Erscheinung treten wird?

Der nächste Fall ist in Arbeit, aber auch das wird natürlich wieder eine komplexe Geschichte, deshalb dauert es noch etwas. Schade ist, dass mir Corona meine Pläne zur Recherche vor Ort durchkreuzt hat. Ich hoffe, dass ich das später im Jahr noch nachholen kann. Denn Band 4 wendet sich einem Thema zu, das in einer Porto-Reihe ja schon fast überfällig war: dem Portwein. Es geht stromaufwärts in das spektakulär schöne Weinbaugebiet des Alto Douro mit seinen Quintas und terrassierten Hängen über dem Fluss. Klar, dass Fonseca sich das nicht entgehen lässt: dieser Teil der Ermittlung ist Chefsache.
Até amanhã! Bis dann,

Mario Lima

Ich danke allen Leserinnen und Lesern, die meine Bücher weiterempfohlen haben, und natürlich dem Team der Leserkanone!

Das Team von Leserkanone.de dankt Mario Lima für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Mario Lima
Mario Lima bei Facebook
»Inspektor Fonseca 3 - Die Mauern von Porto« bei Leserkanone.de
»Inspektor Fonseca 3 - Die Mauern von Porto« bei Amazon
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Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz