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Olivia Kleinknecht 1 Fan
Herkunft: Deutschland
Pseudonyme: Olivia Monti und Andrea Mezzatorre
Facebook: olivia.kleinknecht
Interviews: Leserkanone.de-Interview mit Dr. Olivia Kleinknecht vom 22.09.2016
  Leserkanone.de-Interview mit Olivia Monti vom 29.05.2018
  Leserkanone.de-Interview mit Olivia Kleinknecht vom 27.11.2019
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 27.11.2019
Vor wenigen Wochen hat Olivia Kleinknecht ihren Roman »Der Regisseur« noch einmal aufs Neue veröffentlicht. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über die Filmindustrie und über böse Protagonisten.

– Frau Kleinknecht, vor Kurzem erschien Ihr Roman »Der Regisseur« aufs Neue. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Die Filmindustrie ist das ideale Jagdgelände für Machterotiker vom Schlage des Vittorio Angelotti. Er ist berühmt. Er kann sich, in jeder Bedeutung des Wortes, alles leisten. Nichts hält ihn auf. Er kann alle und alles haben. Auch Marco, den vierzehnjährigen Sohn seiner Aufwartefrau, den er grausam entjungfert. Den geschniegelten Kurienkardinal, dessen unterdrückte Wünsche er gewaltsam erfüllt. Er hat Mia, seine Drehbuchautorin. Er hat Giulia, die ihren widerwärtigen Gatten Bruno abschlachten lässt, was ihm selber erlaubt, einen realen Mord zu begehen: Höhepunkt seines Verlangens nach Allmacht. Doch dann läuft etwas schief ...

Der Regisseur ist wie ein Film geschrieben. Statt Kapiteln gibt es Schnitte. Mein Vorbild waren Serien, Soapserien. Das ist die Feinstruktur. Daneben gibt es eine übergreifende Struktur der Geschichte. Da habe ich mich an Da Pontes Libretto von Mozarts Don Giovanni gehalten: Don Giovanni denkt, er kann und darf alles tun, wird immer übermütiger, überschreitet sogar die Grenze ins Verbrechen und dann geht auf einmal etwas und dann immer mehr schief. Die Situation gerät außer Kontrolle. Don Giovannis Untaten kommen heraus. Seine Opfer entdecken, dass er nicht nur ein Frauenverführer ist, dem jede Lüge, jeder Betrug recht ist, sondern auch ein gemeiner Mörder. Don Giovanni wird bestraft, er brennt am Ende in den Feuern der Hölle. Der Regisseur nimmt ein etwas moderneres, aber auch kein gutes Ende.

Im Netzt polarisiert der Regisseur bereits ziemlich:
Rezensent: »Die Autorin hat es hier geschafft, den Regisseur so abstoßend darzustellen, dass ich in keiner einzigen Minute auch nur einmal Mitgefühl mit ihm gehabt habe oder an seiner künftigen Entwicklung teilnehmen wollte. Das muss ein Autor erst mal schaffen.«
Rezensent: »Ich habe den Regisseur gehasst. Ich war oft kurz davor, das Buch zu zerreißen. Vielleicht ist es eine gewisse Art von Sadomasochismus, dass ich bis zum Schluss durchgehalten habe.«
Rezensentin: «Das Buch hat mich komplett vom Hocker gerissen. Es hebt sich von andern einfach ab. Vom Unterhaltungswert ganz ganz weit oben, gleichzeitig ganz viel Tiefe, eine Mischung die es sehr selten gibt.»
Rezensentin: «Dieses Buch fällt aus der Reihe. Aber nicht im negativen Sinn. Es traut sich brutal und anders zu sein. Es traut sich unverblümt eine Seite von Menschen zu zeigen, die ansonsten eher im Dunkeln bleibt. Deswegen hat mich das Buch einerseits sehr mitgenommen, angeekelt, aber auch sehr beeindruckt und zum Nachdenken gebracht.»
Rezensentin: «Der Schreibstil ist wie ein kleines Kunstwerk, man fühlt sich wirklich wie im Film. Ich selbst war als Leser ziemlich hin und hergerissen, gefällt mir das Buch, bin ich fasziniert oder eher abgestoßen. Aber ich denke, ein Buch hat seinen Zweck erfüllt, wenn man, auch nachdem man es beendet hat, nicht wirklich davon loskommt. Und das hat dieses Buch auf jeden Fall erreicht.»
Rezensentin: «Eine sexuelle Magie steckt in diesem Buch!»

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen?

Vielleicht Lesern, die »Highlife« von Stokoe gelesen haben oder Bret Easton Ellis. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht. Zumindest wären sie weniger schockiert. Oder LeserInnen von »Fifty Shades of Grey«; im »Regisseur« sieht man wie »Fifty Shades of Grey« aus dem Ruder laufen kann.

– Haben Sie literarische Vorbilder?

Ich habe mich an niemandem orientiert. Ich glaube ein Buch filmisch/szenisch mit Schnitten statt Kapiteln zu schreiben, wie eine Soapserie, gibt es so noch nicht. Ich habe auch ein Zwischengenre ausprobiert, einen literarischen Thriller oder Romanthriller, auch nicht geläufig.

– Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Meine ganz großen Lieblinge sind Dostojewski und Proust. Und tausende Lieblinge darüberhinaus, Jane Austen, Simenon, Stephen King, Houellebecq, Paola Capriolo, Marie Darrieussecq, Margaret Atwood..., um nur wenige zu nennen, ich lese sehr Unterschiedliches und finde es gut. Lieblingsromane sind für mich die Bücher, die mich beeindrucken, weil sie gut gemacht sind oder mich auch nach dem Lesen noch beschäftigen oder mich quasi magisch in eine andere Welt ziehen.

– Das Buch ist vor vielen Jahren schon einmal veröffentlicht worden. Wie kam es dazu, dass das Buch nun wieder erhältlich ist? Liegt es in unveränderter Form vor, oder musste es aufgrund aktueller Geschehnisse angepasst werden? Und warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um es zu lesen?

Das Buch war ursprünglich im Verlag Ludwig (Kieler Edition) erschienen, erhielt zwar gute Rezensionen, wurde sogar im Focus unter Literaturtipp empfohlen, ist aber übersehen worden. Seit im Laufe der Metoo-Debatte immer mehr Figuren wie der Regisseur sozusagen auffliegen, habe ich mich mit dem Gedanken getragen, den Regisseur noch einmal herauszubringen. Eigentlich ist er jetzt erst aktuell. Sprachlich habe ich ihn noch ein wenig überarbeitet. Ansonsten schien mir der Text nichts von seiner Frische verloren zu haben.

– Wie kamen Sie beim Schreiben des Buchs auf die Idee, sich ausgerechnet der Filmindustrie zu widmen? Wie hat sich Ihr Bild von der Branche gewandelt, nachdem nun einige Jahre ins Land gegangen sind und Sie in mancherlei Hinsicht zu einer Prophetin avanciert sind?

In der Filmindustrie passieren die meisten Übergriffe. So scheint es zumindest. Dort tummeln sich die Schönen und die Reichen. Das ist als ob man »zueinander passende chemische Elemente« in ein Reagenzglas gibt. Sie verbinden sich. Ärgerlich ist, daß mächtige Reiche den Ton angeben und sich auf Kosten der nicht so Mächtigen Dinge erlauben, die sie sich nicht erlauben könnten, wären sie Normalbürger. Überraschend ist das Ganze nicht, es passiert seit jeher und überall, wo es ähnliche Konstellationen gibt. Nur heute kommen Übertretungen mehr ans Licht, werden angeprangert. Die Gesellschaft ist aufgeklärter, insbesondere die Frauen sind emanzipierter, lassen sich weniger bieten. Zumindest in der »westlichen Welt«.

– Was macht Vittorio Angelotti zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen - oder verachten - Sie an ihm persönlich?

Ich wollte beim Regisseur so etwas hinbekommen wie das Lächeln der Mona Lisa. Sie ist lebendig, weil sie lächelt, aber auch wiederum nicht. Sie ist paradox. Man ist permanent unentschieden, was man von ihr halten soll, das schafft die Faszination, das Rätsel. Beim Regisseur weiß man auch nicht, ist er böse oder vielleicht doch eher nicht? Das fasziniert, hält das Interesse an ihm wach (zumindest bei manchen). Hierin liegt auch die Gefährlichkeit der Figur. Der Regisseur wirkt auf viele verführerisch. Verfällt man ihm allerdings, erleidet man großen Schaden. Und so ist der Regisseur vielleicht das Böse, das man nicht gleich erkennt. Es kommt als etwas daher, das überaus erstrebenswert ist, als großartige Versprechung. Es agiert immer hinter einer schönen Maske. Man sollte den Regisseur also besser nicht realiter kennenlernen, nur auf dem Papier. Ich schätze am Regisseur, dass er anzieht und abstößt zugleich. Daß er Rätsel aufgibt. Daß er heftige Reaktionen auslöst. Daß er kohärent ist, sich nicht widerspricht. Da er keine Figur ist, die sich entwickelt oder entwickeln kann, kann ich den Regisseur auch nicht verachten. Er ist so wie er ist. Er ist der Albtraum jedes Professors für Creative Writing, weil er sich nicht entwickelt. Dabei haben sich die interessantesten Figuren der Weltliteratur auch nicht entwickelt wie etwa Nicolai Stawrogin in Dostojewskis »Dämonen« oder Charlus in Prousts »À la recherche du temps perdu« oder Camus´ »L'Étranger«. Und auch in der Realität sind viele einfach so geboren. Im Grunde kann man jemandem, der sozusagen böse geboren ist, keinen Vorwurf machen, wenn er das Böse dann auch ausagiert. Das hindert natürlich die Gesellschaft vernünftigerweise nicht daran, solche Individuen wegzusperren, um sich selbst zu schützen. Vielleicht sind wir alle sogar ziemlich festgelegt, können uns nur in kleinen Margen bewegen, verändern. Und das ist eben unser Schicksal.

– Wie kann ein Buch funktionieren, dessen Hauptfigur - davon gehen wir einfach mal aus - tendenziell eher wenig Identifikationspotenzial durch die Leserschaft verkörpern dürfte?

Warum soll man sich mit allen identifizieren müssen? Man will doch auch etwas über Figuren wissen, die nicht so sind wie wir? Die bedrohlich sind oder schlecht oder eben einfach ganz anders, man will mehr von der Welt kennen als »nur« sich selbst. Daß man sich mit den Figuren (insbesondere den Hauptfiguren) identifizieren können muss, ist eine Forderung der zahllosen Kompendien übers Verfassen von erfolgreichen Romanen, die heute jeder Autor liest. Das Ergebnis ist ein Einheitsbrei, der an der Realität vorbeigeht.

– Nachdem Ihre Bücher in der Vergangenheit unter anderem von der Frankfurter Verlagsanstalt und den S. Fischer Verlagen veröffentlicht wurden, haben Sie dieses Mal auf »traditonelle« Verlagsunterstützung verzichtet. Was hat Sie dazu bewogen, es nun auf diesem Wege zu versuchen? Und halten Sie in der heutigen Zeit Verlage überhaupt noch für nötig?

Ein Verlag übernimmt die Arbeit für den Autor, die der Autor eigentlich nicht machen sollte, insbesondere den Vertrieb, die Pressearbeit und die Werbung. Ein Verlag spart dem Autor Zeit. Ich hätte lieber nochmals einen Verlag gehabt für den Regisseur. Anders stellt sich die Sache dar, wenn ein Autor berühmt ist, dann kommt er auch als Selfpublisher glänzend durch. Er verkauft sich quasi von selbst.

– Was können wir von der Autorin Olivia Kleinknecht in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Termine stehen keine an. Eben habe ich noch den zweiten Band zum Regisseur bei Amazon hochgeladen. Titel: DER KUSS. Der Regisseur ist in dem Roman ein alter Mann und scheitert am Alter. Ein Cosy-Kriminalroman (DAS HAUS) ist fertig, den ich demnächst auch selbst, unter Olivia Monti, herausgebe. Das Haus ist ein Gebäude voller winziger Mietwohnungen. Mit dem Tod des Medizinstudenten Enis nimmt das Unheil seinen Lauf. Einer um den andern Mieter wird tot aufgefunden oder verschwindet spurlos. Die pensionierte Schneiderin, Frau Rauhaar, ist sich sicher: Es gibt einen einzigen Mörder, und der wohnt im Haus. Die Parapsychologin Nadja Knoll ist anderer Meinung: Das Haus sei womöglich ein Unglückshaus, ein verfluchter Ort, der alle möglichen, tödlichen Aggressionen anzieht, das Haus selbst sei sozusagen schuld an den grausigen Geschehnissen. Niemand erkennt ein klares Muster hinter den horrenden Fällen. Die Polizei ist ratlos. Bis sie rein zufällig auf eine bedeutende Spur stößt. Viel zu spät... Ein Projekt für eine Dystopie ist ferner noch in meinem Kopf. Ich schreibe jetzt harmlosere Sachen. Das liegt am Älterwerden, nehme ich an. Der Horizont verengt sich, andere Dinge werden wichtig.

Das Team von Leserkanone.de dankt Olivia Kleinknecht für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Olivia Kleinknecht bei Facebook
»Der Regisseur« bei Leserkanone.de
»Der Regisseur« bei Amazon
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