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Jens Lubbadeh

16 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Jens Lubbadeh
Instagram: jenslubbadeh
Interview: Leserkanonen-Interview mit Jens Lubbadeh vom 04.09.2016
 
Leserkanonen-Exklusivinterview vom 04.09.2016
Eine besonders ungewöhnliche Zukunftsvision hat Jens Lubbadeh für seinen Roman »Unsterblich« ersonnen. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über digitale Klone und über Marlene Dietrich.

Herr Lubbadeh, womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Roman »Unsterblich« genommen. Könnten Sie Ihr Buch unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Das Buch spielt dreißig Jahre in der Zukunft in einer Welt in der es technisch möglich ist, von verstorbenen Menschen exakte digitale Hologramm-Kopien anzufertigen, die mit uns zusammenleben. Das können ganz normale Menschen sein, die als sogenannte »Ewige« mit ihrer Familie weiterleben, aber auch viele Prominente kommen als Kopie zurück: Steve Jobs leitet wieder Apple, Michael Jackson beherrscht die Charts, Marlene Dietrich dreht Filme und Helmut Schmidt und John F. Kennedy regieren in Deutschland und den USA.

Die Geschichte beginnt damit, dass Marlene Dietrichs »Ewiger« plötzlich auf mysteriöse Weise verschwindet und der Protagonist Benjamin Kari den Auftrag erhält sie zu finden.

Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich glaube, wer sich für Bücher wie »The Circle« interessiert, der wird auch »Unsterblich« mögen.

Meine literarischen Vorbilder? Schwierig. Ich kann mich für viele verschiedene Stoffe und Stile begeistern. Einige Namen, die mir spontan in den Sinn kommen: Paul Auster, Khaled Hosseini, TC Boyle, John Irving, William Gibson, Hermann Hesse, Stephen King, Robert Harris.

Bücher, die mich sehr bewegt haben, waren: George Orwell »1984«, Astrid Lindgren »Die Gebrüder Löwenherz«, Erich Maria Remarque »Im Westen nichts Neues«, Hermann Hesse »Siddharta, Das Glasperlenspiel«, Michael Ende »Momo«, »Die Unendliche Geschichte«, William Gibson »Neuromancer«, »Idoru«, Philip José Farmer »Die Welt der Tausend Ebenen«, Rainald Götz »Irre«, Paul Auster »Die New-York-Trilogie«, »Leviathan«, Helmut Krausser »Thanatos«, Khaled Hosseini »Drachenläufer«, Stephen King »The Shawshank Redemption«, »The Body«, »Misery«, »Dead Zone«, Robert Harris »Vaterland«

Als Journalist beschäftigen Sie sich schon seit vielen Jahren mit Wissenschaft, Medizin und Technik. Inwiefern haben tatsächliche Forschungen und Entwicklungen eine Rolle bei Ihrer Buchidee gespielt? Für wie realistisch halten Sie es selbst, dass es in einigen Jahrzehnten zum Ausgangsszenario Ihres Buches kommt?

Ich habe von der journalistischen Recherche zu den Möglichkeiten von Virtual und Augmented Reality und Big Data profitiert. Die Idee zu dem Roman kam mir 2014 als ich eine Geschichte über Oculus Rift und das Comeback von Virtual Reality geschrieben habe. Damals war die Idee, Tote anhand ihrer Online-Daten digital zu simulieren noch Science-Fiction. Mittlerweile aber gibt es bereits Firmen, die genau das machen wollen. Ich habe darüber in der »Zeit« auch vor Kurzem einen Artikel geschrieben: http://lubbadeh.de/Artikel/Zeit_Virtuell_in_alle_Ewigkeit.pdf

Daher glaube ich, dass die Vision des Buchs sehr bald schon Realität werden wird. In welcher Form wir Tote simulieren werden ob als Chatbots, als Siri-Stimme oder als Hologramm wird sich zeigen. Aber wir werden es tun.

Ich weiß nicht, wie groß Virtual Reality tatsächlich werden wird. Ich glaube, man muss schon eine Portion Nerdyness mitbringen, um sich so eine Brille aufzusetzen und in diese Welt einzutauchen. Aber Augmented Reality wird einmal den Mainstream erobern, dessen bin ich mir sicher. Solche Dinge wie Pokemon Go sind Vorboten dafür und mal ehrlich, schon jetzt laufen viele herum und sehen die Realität doch nur noch durch das Display ihres Smartphones, oder? Wir haben stets Technologie dazu verwendet, um Erinnerungen festzuhalten, auch an Tote in Form von Totenmasken, Grabsteinen, Statuen, Schrift, Audioaufnahmen, Fotographien oder Videoaufzeichnungen. Warum sollte die digitale Simulation von Toten nicht einfach der nächste Schritt sein?

Ging es Ihnen beim Schreiben Ihres Buchs ausschließlich darum, eine spannende Geschichte zu erzählen, oder spielen auch die philosophischen Fragen in Ihrem Roman eine Rolle, die sich fast schon aufdrängen, wenn es um die Möglichkeiten und Gefahren eines digitalen ewigen Lebens geht?

Mir ging es in erster Linie darum, den Leser zu berühren und ihn zum Nachdenken anzuregen über die Fragen und Themen, die auch mich umtreiben. Mir geht es also um eine Kommunikation mit dem Leser und dabei will ich ihn weder belehren noch langweilen.

Halten Sie Ihr Buch eher für einen Roman für Technikbegeisterte, oder für einen Roman für Technikskeptiker?

Das Buch richtet sich an jeden, nicht nur Science-Fiction-Fans, Technik-Freaks oder -Skeptiker. Aber klar, letztere haben vielleicht einen leichteren Zugang zu dem Stoff. Andererseits: Unser Leben wird doch ohnehin immer technischer, das Smartphone ist der Hub für mittlerweile fast alles geworden. Daher hat doch heute eigentlich jeder zwangsläufig einen Zugang dazu.

Im Buch geht es um Fragen, die sich jeder stellt: Was ist der Mensch? Was macht ihn aus? Was ist der Sinn meines Lebens? Was bedeutet es zu sterben und wie gehe ich damit um? Was bleibt nach dem Tod von mir und anderen zurück?

Wie kam es dazu, dass Sie sich ausgerechnet für Marlene Dietrich als Vorlage für den digitalen Klon entschieden haben, der in den Kern Ihres Romans rückt? Ist nicht zu befürchten, dass jüngere Leser mit der großen Marlene heutzutage gar nicht mehr viel anfangen können? Was schätzen sie selbst an der Hollywood-Diva?

Ich interessiere mich sehr für Film und bin ein großer Fan des alten Hollywood, der großen Regisseure, Schauspieler und Diven. Insofern ist Benjamin Kari, der Protagonist, ganz mein Alter Ego.

Marlene Dietrich passte sehr gut, weil sie durch ihren Totalrückzug ins Private in den letzten 14 Jahren ihres Lebens eigentlich schon einen »Ewigen« von sich erschuf. Sie konservierte den Mythos, das schöne Kunstbild, das sie von sich selbst für die Öffentlichkeit erschaffen hatte, und wollte es nicht durch ihren biologischen Alterungsprozess gefährden.

Außerdem ist Marlene Dietrich ein sehr interessanter, vielschichtiger und mutiger Mensch gewesen mit einem bewegten und auch tragischen Leben. Besonders an ihr schätze ich ihren Mut. Sie hat sich ganz früh ganz klar gegen die Nazis positioniert, obwohl die sie sehr umgarnt und mit lukrativen Angeboten gelockt haben. Marlene Dietrich hat also einen sehr guten moralischen Kompass dafür gehabt, was das Gute und was das Böse ist. Sie hat genau erkannt, dass Hitler und die Nazis Verbrecher und Unmenschen waren. Sie hat schweren Herzens ihre Heimat Deutschland verlassen und die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Dann ist sie jahrelang mit den amerikanischen Truppen gereist und hat sie mit Shows an der Front unterstützt und moralisch aufgebaut, obwohl sie in einem Konflikt gewesen sein musste, schließlich starben ihre Landsleute durch amerikanische Soldaten. Aber sie hat immer die Nazis als Feind gesehen, nicht die Deutschen und aus einer tiefen Liebe für ihre Heimat den vermeintlichen »Feind« unterstützt, der aber nicht der Feind war, sondern der Befreier  das hat sie ganz klar erkannt und dafür bewundere ich sie sehr. Diese Truppen-Unterstützung war anstrengend und gefährlich und sie wurde dafür auch noch lange nach Kriegsende von den Deutschen als »Vaterlandsverräterin« angefeindet und verunglimpft. Die Anerkennung, die ihr gebührt, hat sie in ihrer Heimat Deutschland erst nach ihrem Tod bekommen. Traurig.

Halten Sie es für eine wünschenswerte Vorstellung, dass ein digitales Abbild von Jens Lubbadeh auch noch in Jahrhunderten existieren könnte?

Ich bin da etwas zwiegespalten. Die Vorstellung als digitale Simulation weiterzuexistieren finde ich einerseits gruselig. Andererseits fände ich es cool, wenn ich mich mit den alten Fotografien von meinen Urgroßeltern in meinem Familienalbum unterhalten könnte. Aber ich habe ja jetzt »Unsterblich« geschrieben und mich dadurch vielleicht schon etwas verewigt ;-)

Was können wir von dem Autor Jens Lubbadeh in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Ich schreibe schon am nächsten Roman. Es geht wieder um die Frage, was den Menschen ausmacht. Und was wir von einer alternativen Menschenversion lernen können, die es einmal gegeben hat. Wer mich lesen hören möchte, der kann am 28.9. um 20:00 h nach Hamburg in den Nochtspeicher kommen (www.nochtspeicher.de). Oder nach Berlin am 21.10. um 19:30h in den Otherland Bookshop (http://www.otherland-berlin.de/de/) zum Autorenstammtisch.

Das Team von Leserkanone.de dankt Jens Lubbadeh für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Jens Lubbadeh
Jens Lubbadeh bei Twitter
Jens Lubbadeh bei Facebook
»Unsterblich« bei Leserkanone.de
»Unsterblich« bei Amazon
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