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Sylvia Lott 16 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Sylvia Lott
Facebook: Sylvialott.romane
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Sylvia Lott vom 23.08.2019
Tags: Zwei Verlinkungen in Leserkanone.de-Artikeln
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 23.08.2019
Im Frühjahr veröffentlichte der blanvalet Verlag mit »Die Rosengärtnerin« ein neues Buch aus der Feder von Sylvia Lott. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über dessen Protagonistinnen und über ihre Recherchen.

– Frau Lott, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Die Rosengärtnerin«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Das ist für mich das Schwerste überhaupt. Meine Romane haben immer zwei Erzählebenen, eine in der Vergangenheit, eine in der Gegenwart, die über drei Generationen reichen – es sind also zwei Geschichten, die miteinander verwoben werden. Ich könnte zehn komplett unterschiedliche Klappentexte schreiben und sie würden alle zutreffend sein und doch wie zehn unterschiedliche Romane klingen (den offiziellen hänge ich gleich an ;-))
Ganz grob: Es geht um die vier Leben der Jeanne – das als junges Mädchen unter der deutschen Besatzung auf einem Weingut im Bordelais, das als Fremdarbeiterin auf einem Gulfhof direkt an der Nordsee in Ostfriesland während der letzten beiden Kriegsjahre, das als umjubelte Chansonsängerin in Paris in den Fünfzigern und schließlich das als Baronin im Loiretal. Vier Leben, vier Lieben und ein Geheimnis, ein roter Faden...

Was mir persönlich an diesem Roman das Wichtigste war: Die Alltagswelt von Fremdarbeitern während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland aufzuzeigen, speziell in Ostfriesland, aber das wird anderswo im Deutschen Reich nicht viel anders gewesen sein. Mehr als die Hälfte der Arbeiter/innen in der Landwirtschaft kamen aus dem Ausland, ihr Einsatz reichte bis in die tiefste Provinz hinein. Es gab gegen Kriegsende elf Millionen ausländische Arbeitskräfte in Deutschland, Männer und Frauen, einige sogar freiwillig und mit ordentlichen Verträgen. Die meisten allerdings gezwungenermaßen. Sie waren auf dem Land oft in den Familienbetrieben, denen sie zugeteilt worden waren, auch untergebracht, aber man durfte zum Beispiel nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen und essen. Die Kammer des deutschen Hausmädchens durfte nicht in der Nähe des polnischen Arbeiters sein. Für Franzosen galten andere Regeln als für Weißrussen etc.
Das alles zu einer Zeit, als die meisten deutschen Männer nicht zuhause, sondern irgendwo im Krieg, oft im Ausland waren. Wie haben die deutschen Frauen, die plötzlich viel mehr Verantwortung trugen, und die ausländischen Arbeitskräfte miteinander gelebt? Politik und Propaganda machten klare Vorschriften, wie Menschen welcher Nationalitäten zu behandeln seien. Heute stellen sich viele hauptsächlich Zwangsarbeit und KZ-ähnliche Zustände vor. Aber es gab im wahren Leben unglaublich viele Grauzonen, Abstufungen und Facetten des menschlichem Umgangs zwischen (zivilen) Fremdarbeitern und Deutschen.
Das ist harter Stoff, der auch »nur« als Hintergrund für eine packende Liebesgeschichte auftaucht. Diese Liebe hat einige Folgen, prägt Jeanne bis ans Ende ihres Lebens. Unter anderem entstehen daraus Chansons, mit denen sie in den Fünfzigerjahren große Erfolge feiert.

Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart in einem wunderbaren Manoir (Herrenhaus) an einem idyllischen Nebenfluß der Loire. Hier konnte ich schwelgen. Ich bin zur Recherche dorthin gefahren und fand es so zauberhaft! Das ist alles eingeflossen in die Geschichte. In diesen Gegenwartskapiteln kann sich die Leserin erholen vom Kriegsalltag in der Haupteinflugschneise der Alliierten nach Deutschland, direkt hinterm Deich in Ostfriesland.

Hier ist der offizielle Klappentext:
Frankreich 1958: Jeanne verzaubert in den Fünfzigerjahren ganz Paris mit ihren Chansons. Nun lebt sie mit ihrem Mann in einem Château im malerischen Loire-Tal und widmet sich hingebungsvoll der Rosenzucht. Doch ein Schatten liegt über ihrem Glück, denn Jahre zuvor musste sie das, was sie am meisten liebte, zurücklassen, um zu überleben ...
Hamburg 2018: Die Journalistin Ella erbt ein heruntergekommenes, aber charmantes Anwesen in Frankreich. Sie ahnt nicht, dass das Vermächtnis ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen wird. Und dass es ein Geheimnis birgt, das zu Ellas Wurzeln an der ostfriesischen Küste zurückreicht, bis in die letzten Kriegstage auf dem Gulfhof­ ihrer Familie ...

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Das kann ich nicht sagen. Alle Vergleiche, die bislang zwischen mir und anderen Autorinnen gezogen wurden, fand ich nicht besonders zutreffend.
Lieblingsromane sind immer in einer bestimmten Lebensphase wichtig gewesen. Das geht bei mir querbeet von Hanny & Nanni von Enid Blyton über Daphne du Maurier und Francoise Sagan bis zu E.T.A. Hoffmann und John Irving, von Else Hueck-Dehio über James Michener bis zu Gottfried Keller oder den Svendborger Gedichten von Bert Brecht. Also, ich fürchte, damit kann man nicht viel anfangen zur Einordnung (oder doch?).
Aktuell lese ich gern Biografien.

– Was macht die Journalistin Ella Ihrer eigenen Meinung nach zu einer starken Frauenfigur? Was schätzen Sie persönlich an ihr und an Protagonistin Jeanne, was macht die beiden zu ganz »besonderen« Buchcharakteren?

Jeanne ist die starke Frau. Sie hat ein großes Herz, leidet, scheitert beinahe, aber zum Glück dann doch nicht, trifft eine schwere Entscheidung, schafft es, daraus etwas Gutes zu machen, Kunst mit echtem Gefühl. Jeanne liebt auf eine ganz starke Weise.

Es geht nicht nur um Handlung, sondern auch um Atmosphäre, die man beim Lesen hoffentlich dank origineller, authentischer Beispiele nachempfunden kann, und um Fragen wie: Wie wirkt es sich auf ein Leben aus, wenn eine Frau weiß, das in einem anderen Land ein Kind von ihr aufwächst ohne sie zu kennen? Wie ist das, wenn vier Frauen sich bei Kriegsende schwören, ein Geheimnis zu bewahren und bis an ihr Lebensende nicht darüber zu sprechen? Das Wie interessiert mich oft mehr als das Was.

Ella in der Gegenwartshandlung muss längst nicht einen solchen Druck ertragen wie Jeanne, die den Krieg erlebt, noch dazu im Feindesland. Für Ella spricht, dass sie sich spießigen Erwartungen widersetzt. Sie ist großzügig, obwohl sie kein Geld hat. Sie eröffnet Freunden und Nachbarn die Möglichkeit, in einem Herrenhaus ihre kreativen Träume zu verwirklichen, trotz einiger Kollateralschäden (also spiegelverkehrt zur Vergangenheitshandlung das Gegenteil von Zwangsarbeit zu leben). Das ist ihre Stärke. Und natürlich verliebt auch sie sich...

– Schon Nina, die Heldin Ihres Erfolgsromans »Die Inselfrauen«, war eine Journalistin, und »Die Rosengärtnerin« ist auch nicht Ihr erstes Werk mit einem Bezug zu Ostfriesland. Inwieweit ist es für Sie selbst wichtig, sich beim Schreiben mit Ihren Figuren und Schauplätzen identifizieren zu können?

Ich muss mich nicht identifizieren, ich muss die Heldin nur gut verstehen und liebhaben und mich im beschriebenen Milieu richtig gut auskennen.

– »Die Rosengärtnerin« ist nicht Ihr erster Generationenroman. Wie kam es dazu, dass Sie gerade in diesem Genre gelandet sind? Was macht den Reiz daran aus, in verschiedenen Zeitebenen zu arbeiten und diese zu verflechten? Und wie kamen Sie in diesem speziellen Fall gerade auf die fünfziger Jahre und auf das Loiretal?

Die heitere Atmosphäre des Loiretals mit bis heute rund 500 großen und kleinen Schlössern im »Garten Frankreichs« erschien mir als perfekter Gegenpart zum rauen Klima an der ostfriesischen Nordsee.

Die Fünfzigerjahre spielen eigentlich eher eine Nebenrolle.
Grundsätzlich: Wie das Schicksal der Großeltern bis heute Auswirkungen auf ihre Enkel hat, das finde ich sehr spannend. Wie jeder Mensch ein Kind seiner Zeit ist und das gleiche Thema/Problem zu verschiedenen Epochen anders behandelt/gelöst/erlebt wird – das zu erkennen, fasziniert mich. Und dazu eben die Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart über drei Generationen aufzuzeigen, das ist für mich ist immer wieder eine Herausforderung.

In allen drei Studienfächern – Publizistik, Germanistik, Kunstgeschichte – lag mein Schwerpunkt auf Geschichte. Besonders die NS- und die Nachkriegszeit haben mich fasziniert. In meiner Doktorarbeit habe ich über Frauenzeitschriften im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit geschrieben, anschließend als Trainee der Verlagsleitung bei Gruner+Jahr ein Buch über die ersten hundert Jahre der Frauenzeitschrift Brigitte verfasst. Mein Doktorvater hat mir geraten, ich sollte mich doch auf Biografien konzentrieren. Aber erstmal hab ich jahrelang für Frauenzeitschriften über Psychologie und Partnerschaft geschrieben, auch gern Porträts, dann durfte ich etliche Jahre als freie Reisejournalistin wunderbare Ecken auf dieser Welt kennenlernen. Natürlich habe ich auch privat ein bisschen erlebt, Erfahrungen gesammelt und nun kommt es mir so vor, als seien das alles das ideale Vorarbeiten oder Fingerübungen gewesen – für genau dieses Romangenre.

– Welcher Aufwand steckt generell in einem Roman wie »Die Rosengärtnerin«? Wie schaffen Sie es insbesondere, die historischen Zeitebenen, die Sie in Ihre Bücher einbauen, richtig in Szene zu setzen?

Ich recherchiere intensiv und mit Hingabe. Solange, bis die Welt meiner Figuren mir vertraut ist, bis ich mich selbstverständlich darin bewegen kann. Dafür lese ich viel, auch wissenschaftliche Literatur, gehe in Archive, befrage Zeitzeugen, suche noch nicht abgelutschte anschauliche Beispiele für die Atmosphäre, reise an die Schauplätze. Um die Gedanken und Gefühle der Protagonisten glaubwürdig schildern zu können, müssen sie einmal durch mich »hingedurchlaufen« sein. Das alles braucht Zeit. Ich möchte auch für mich etwas Neues entdecken, begreifen, verstehen. Aber ich habe festgestellt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

– Nachdem Sie durch Ihre Arbeit für die vielen Zeitschriften, an denen Sie mitgewirkt haben, vermutlich hautnah erleben konnten, wie das Internetzeitalter die ganzen Abläufe immer weiter beschleunigte, ist auch die Buchwelt immer schneller geworden. Vor allem Self-Publisher sind zum Publizieren im Zwei-Monats-Takt übergegangen, um bei ihren Lesern immer präsent zu bleiben und nicht in Vergessenheit zu geraten. Sie hingegen schrieben zuletzt »ganz klassisch« ein Buch pro Jahr. Was halten Sie selbst von der scheinbar immer größer werdenden Schnelllebigkeit der Buchwelt? Und warum lassen Sie sich davon nicht mitreißen?

Das interessiert mich alles nicht. Es gibt ja auch Tageszeitungen und Monatsblätter und Twitter. Soll jeder machen was er am besten kann. Ich kann und will keine Locken auf der Glatze drehen. Anders gesagt: Ich möchte Fleisch am Knochen, also Wissen über die Umstände, die Epoche, Orte, Milieu. Qualität braucht Zeit. Es ist ja auch harte Arbeit, das alles so einzuflechten, das man es wie nebenbei liest. Der Text muss süffig sein, nicht belehrend. Im Mittelpunkt stehen nicht, auch wenn ich soviel Mühe darauf verwende, die Hintergründe, sondern die Konflikte und Gefühle der Hauptpersonen.
Der Roman soll eigentlich ganz leicht daherkommen, spannend und unterhaltsam sein. Und berühren. Ich bin überzeugt, dass es genügend Leser/innen gibt, die diese Kombination zu schätzen wissen.

– Was können wir von der Autorin Sylvia Lott in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Derzeit bin ich in Schreibklausur. Verträge habe ich gerade bis Ende 2022 abgeschlossen. Fünf weitere Romane sind also schon im Exposé geplant. Die nächsten Lesungen finden erst wieder im November statt. Und ich freue mich jetzt schon darauf. Der Kontakt mit Leserinnen bedeutet mir sehr viel. Ich plane auch wieder im November zur lit.lov nach München zu reisen.

Das Team von Leserkanone.de dankt Sylvia Lott für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Sylvia Lott
Sylvia Lott bei Facebook
»Die Rosengärtnerin« bei Leserkanone.de
»Die Rosengärtnerin« bei Amazon
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