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Charly von Feyerabend 13 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Charly von Feyerabend
Twitter: @cvfeyerabend
Facebook: charly.vonfeyerabend
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Charly von Feyerabend vom 20.09.2018
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 20.09.2018
In ihrem aktuellen Roman erzählt Charly von Feyerabend von »Müritz, Mord und Mückenstich«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über das Schreiben humorvoller Krimis und über ihren Umzug nach Schweden.

– Frau von Feyerabend, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Müritz, Mord und Mückenstich«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Der Krimi spielt auf einem real existierendem Campingplatz an der Müritz mit dem schönen Namen »Hexenwäldchen«. Frieda, die mit dem dritten Kind schwanger ist, wird von ihrem Mann zu einem Zelturlaub eingeladen, der selbst in seinen Kindheitserinnerungen schwelgt und dabei übersieht, dass Frieda eigentlich wenig Lust auf Krabbelviecher im Bett oder blutsaugenden Mücken hat. Als Frieda eine Leiche in der Hängematte findet, hebt das zwar nicht die Stimmung, aber sie wird neugierig und fängt an Fragen zu stellen, die etlichen Leuten sehr unangenehm aufstoßen. Unter anderem fischt sie im trüben Vereinswasser einer Seidenraupenzuchtgruppe und legt sich mit einigen Rangern an.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ui, frage nie einen Autoren nach Lieblingsbüchern! Wo anfangen, wo aufhören? Als Kind las ich gerne Petzi, wovon meine anhaltende Pfannkuchensucht resultiert oder Herr der Ringe - immer noch von mir heiß geliebt. Wenn ich in den schwedischen Wäldern spazieren gehe, fühle ich mich sofort in eine der Szenen hineinversetzt. Letztes Jahr durfte ich als Jurymitglied des Delia Jugendliteraturpreises über 60 Neuerscheinungen lesen, da waren richtige Schätze dabei wie »Der Mund voll ungesagter Dinge« von Anne Freytag. Sonst lese ich gerne Milan Kundera, Irvin D. Yalom, Hesse, Sartre, Camus, Kafka, Dürrenmatt, Dylan Thomas (!), Goethe. Michael Stavaric hat eine ganz tolle Sprache, in Gotland steht er mit Gott im streitbaren Dialog.
Auf meinem Schreibtisch, auf dem Nachttisch, am Klo, neben der Badewanne und im Wohnzimmer liegen bei mir kleine Buchstapel verteilt, da ist alles dabei, Krimis von lustig bis ernst (Rita Falk bis Thriller von Oliver Menard), Sachbücher zu aktuelle Recherthemen, momentan lese ich Biografien über Astrid Lindgren und mit den Kids Ferien auf Saltkrokan, historische Romane von Verena Rabe, Nicki Steyer und Nina George find ich klasse. Familienromane mag ich von Anja Saskia Beyer und Kerstin Gier schreibt toll.
Vorbilder sind sie für mich alle - wenn ein Buch gut unterhält, hat es ja schon seinen Zweck erfüllt und manchmal schaue ich mir dann die Figurenentwicklung oder Dramaturgie an. Nicht zu vergessen ein gutes Asterix&Obelix Comic oder Donald Duck.

Mein Krimi ist bei den Lesern gut aufgehoben, die gerne miträtseln, schmunzeln (auch lautes Lachen sei erlaubt) und keine Handlung erwarten, die von Verfolgungsjagden oder blutigen Morden gespickt ist. Meine Ermittlerin ist eine schwangere Journalistin, die von Neugierde getrieben den Verdächtigen auf die Finger schaut und herausfindet, dass fast jeder die eine oder andere Leiche im Keller hat.
Vergleiche mit anderen Büchern ist immer schwer, aber von Spannung und Humor sind Leser, die folgende Autoren mögen, bei mir ganz gut aufgehoben: Rita Falk, Jörg Maurer, Volker Klüpfel und Michael Kobr, Lotte Minck, Auerbach&Keller -

– Sollte man eine Affinität zum Campen oder zur Mecklenburgischen Seenplatte haben, um größtmöglichen Lesespaß an »Müritz, Mord und Mückenstich« zu haben? Wie kommt es Ihrer Meinung nach, dass die die Gegend rund um die Müritz im Gegensatz etwa zu Ostfriesland oder dem Allgäu bisher von vielen Krimiautoren vergleichsweise in Ruhe gelassen worden ist?

Was ist der größtmöglichste Lesespaß? Wenn man nach dem Lesegenuß zwei neue Lachfältchen besitzt? Das kann ich nicht versprechen, aber zum Schmunzeln wird es bestimmt reichen.
Ich denke, dass gute Bücher die Möglichkeit bieten, sich selbst zu spiegeln (falls man sich darauf einlassen mag) und zugleich in etwas Neues entführen. Meine Ermittlerin Frieda ist ziemlich schwanger, wobei der Leser jetzt nicht auch schwanger sein muss, wäre bei den männlichen auch etwas zu viel verlangt, hat zwei größere Kinder mit im Gepäck, einen nörgelnden Ehemann und wird von einer ehemaligen Schauspielerin aus der DDR bedrängt, ihr frisch geschriebenes Bühnenstück zu lesen. Natürlich finden sich hier Situationen, in denen sich ein in Beziehung lebender Leser mehr wiederfinden und »das kenn ich auch«- Gefühl haben wird und wenn man schonmal gecampt hat, gibt es mit Sicherheit ebenfalls einige Déjà-vu-Momente, aber vielleicht erwecke ich ja auch die Lust aufs Campen. Ich selbst bin ein grosser Fan der Mecklenburgischen Seenplatte und denke, dass ich mit Kanutouren und Abstechern in die umliegenden Städtchen zumindest etwas Fernweh wecken konnte.
... übrigens finde ich es ziemlich gut, dass es noch nicht so viele Krimis gibt, die hier spielen - vielleicht ist die Gegend nicht so sexy? Mehr Kranichflug als Touristenlimousine. Das kann auch ruhig so bleiben :)

– Was macht Ihre Protagonistin Frieda zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihr persönlich?

Frieda ist ziemlich cool. Würde ich so zumindest behaupten. Sie ist hochschwanger, aber neugierig wie Pippi Langstrumpf und genauso unkonventionell. Als ehemalige Journalistin weiß sie, in welche Wunde man den Finger reinlegen muss, damit es richtig weh tut und Leute Informationen ausspucken, die sie eigentlich gar nicht preisgeben wollen. Eingeschränkt durch Übelkeit und von Gelüsten getrieben nach Süßem hält sie in ihrem Notizbuch die Tatverdächtigen fest und scheut auch Provokationen nicht, um eiskalte Fische zu einer Reaktion zu bewegen.
Wenn Frieda das Zelt neben mir hätte, würde ich mich mit ihr anfreunden. Langeweile käme bestimmt nicht auf und mit ihrem trockenen Humor und der pragmatischen Seite, würde sie mich zum Lachen und Staunen bringen.

– Wie schafft man es, bei einem humorvollen Krimi den richtigen Mittelweg zu finden, um einerseits die Fans lustiger Literatur zufriedenzustellen, auf der anderen Seite aber die von Krimifans gewünschte Spannung aufrechtzuerhalten? Wie gelingt es außerdem, beim Schreiben auf Knopfdruck humorvoll zu sein und locker und witzig zu klingen? Wie erhalten Sie während eines wochen- oder monatelangen Schreibprozesses die dafür notwendige Stimmung?

Man sagt, dass humorvoll zu schreiben sehr schwierig ist: stimmt! Wenn man 30 verschiedene Leute an einen Tisch setzt und denen einen Witz erzählt, lachen vielleicht ein paar darüber, viele nicht. Vielleicht hat der eine oder andere die Pointe nicht verstanden, andere fanden es einfach nur doof und dritte sind schon nach den ersten drei Minuten gedanklich eingeschlafen - bei meinen Romanen versuche ich Spitzen herauszunehmen, das heißt, zu spezielle Scherze, wenn es zu übertrieben ist. Allerdings arbeite ich das erst beim Nachbearbeiten heraus, während ich schreibe, wäge ich das nicht ab. Dann bin ich in mein Schreiber-Universum eingetaucht und wäge die Textstellen nicht ab. Dabei baue ich viel Situationskomik ein, etwas liebevolle Tollpatschigkeit (aber nur etwas), Missverständnisse - wie wir sie selbst aus dem richtigen Leben kennen und vor allem Eigenheiten von Menschen, ob Bärbeißigkeit, Flatterhaftigkeit oder Kopf in den Wolken - eine einzelne Bahnfahrt schenkt für spaßige Situationen schon zahlreiche Vorlagen.
Desweiteren bietet mein Krimi einen braven Spannungsaufbau, der bis zum Schluss gehalten wird und die meisten Rezensenten sagen, dass sie vom Schluss überrascht wurden - ich würde sagen, dass Humor und Spannung kein Widerspruch ist, sondern eine unterhaltsame Ergänzung.
Und das witzige Schreiben auf Knopfdruck ist wohl mein Ding. Würde ich einen ernsthaften Krimi tippen, würde das durchaus mehr Arbeit für mich bedeuten und mindestens eine Person müsste dann zumindest eine ordentliche Ladung trockenen Humor hineinbringen. Wenigstens ein bisschen. Und wie ich das über Monate hinweg erhalte? Ich sag nur Schokoladenkuchen! Das auch, aber ich freue mich, wenn ich Zeit finde, weiter an meinen Geschichten schreiben zu können. Das ist fast wie eine Sucht. Wenn der Alltag das nicht zulässt, bekomme ich Entzugserscheinungen und schlechte Laune. Und das ist ein perfekter Ausgangspunkt für weitere Morde.

– Während es Sie literarisch an die Müritz verschlagen hat, sind Sie im »richtigen Leben« kürzlich nach Stockholm gezogen. Hat sich bereits die Lust eingestellt, einen blutströmenden Thriller inklusive einer menschlich gebrochenen Ermittlerfigur mit fragilem Selbsterhaltungstrieb zu verfassen, wie man das von einer schwedischen Autorin erwartet?

Lach - die Frage ist schön formuliert. Und ich selbst bin ja auch ein Wallander-Fan. Wir haben ja vor Stockholm in Berlin und davor in Oslo (fast sechs Jahre) gelebt - die Liebe zu Skandinavien schlägt also schon länger in meiner Brust. Aber Thriller? Die Natur macht schon was mit den Menschen und Eigenheiten gibt es bestimmt, die man »den« Schweden zuschreiben kann, trotzdem bin ich kein Freund von zu viel Grusel oder zu viel Blut. Wenn ich einen Thriller lese, muss ich den spätestens am zweiten Tag beendet haben, sonst kann ich nicht schlafen. Wenn ich nun selbst an einem arbeiten würde, hätte ich nach einem halben Jahr wohl einen Schädel voller grauer Haare.
Gebrochene Figuren sind übrigens sehr interessant - jede Figur hat ja eigentlich Brüche in seinem Leben - tatsächlich jede! Genauso, wie jeder Mensch schöne und hässliche Charakterzüge in sich vereint. Es muss ja nicht gleich die tragische Kindheit oder Drogenabhängigkeit sein, aber ein leichter Bruch bedeutet zum Beispiel für Frieda, dass sie einen Job ausfüllen muss, den sie eigentlich gar nicht will.
Und wenn es auf den ersten Blick so scheint, als ob da ein sonnenbestrahltes Glückswesen um die Ecke biegt, stinkt etwas gewaltig. Das war dann bestimmt der Mörder. Grins.
Bei den schwedischen Krimis schwenkt eine ordentliche Portion Melancholie mit und die Landschaft (da wären wir wieder) mit ihren Naturgewalten mischt sich immer wieder ein. Das mag ich. Ich steck übrigens schon inmitten einiger Recherchen.. also mal schauen, wo sich lustig mit schwedisch trifft.

– Hatten Sie seit Ihrem Umzug bereits Kontakt zur dortigen Literaturszene?

Lustiger Weise habe ich auf der letzten Love Letter Convention in Berlin die schwedische Schriftstellerin Emmy Abrahamson kennengelernt, die auch hier irgendwo bei Stockholm wohnt und ein Buch geschrieben hat, wie sie einen Obdachlosen auf der Straße kennenlernt, heiratet und mit ihm mittlerweile zwei Kinder hat. Eine sehr sympathische Frau, die erzählte, dass wir Autoren in Deutschland viel mehr geschätzt werden, als es in Schweden üblich sei. Ich wollte in der nächsten Zeit mal meine Fühler aussstrecken und Kontakt zu den Kinder- und Jugendbuchverlagen hier vor Ort aufnehmen. Dann könnte ich in ein paar Monaten wohl mehr dazu erzählen. Es gibt hier auch eine Autorenvereinigung, in die man aber nur reinkommt, wenn man zwei Bücher auf schwedisch bei schwedischen Verlagen veröffentlicht hat (ähnlich wie in Norwegen) - ich bin gespannt!

– Was können wir von der Autorin Charly von Feyerabend in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Immer wenn man mit Abgabefrist am Schreiben ist, ploppen die meisten neuen Ideen auf und schreien: »Bearbeite mich, ich bin viel spannender. Erzähl mich und eine Welt wird aufgehen, wie Du es Dir nicht mal erträumen kannst.« Neue Ideen sind kleine gemeine hinterhältige Gesellen, die aber nach einigem Ringen in eine Schublade verfrachtet werden können. Meine ist davon voll - also Buchprojekte habe ich erstmal genug. Ein paar Zeitzigaretten von den grauen Männern aus Momo wären praktisch, um etwas schneller voran zu kommen!
Dieses Jahr soll noch »Rock 'n' Roses« erscheinen, eine Fortsetzung von »Tieffliegende Liebe« mit einem kleinen Kriminalfall und viel Herz und hoffentlich gibt es nächstes Jahr eine Fortsetzung des Müritz-Krimis. Mit einer Freundin sitze ich aktuell an einem gemeinsamen Projekt und ich habe ein paar Kinder- und Jugendmanuskripte auf Lager und im Umlauf - was echt eine Herzensangelegenheit für mich ist. Wird echt mal Zeit, dass sich da was bewegt! Drückt mir die Daumen!

Das Team von Leserkanone.de dankt Charly von Feyerabend für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Charly von Feyerabends Podcast aus Schweden
Offizielle Webseite von Charly von Feyerabend
Charly von Feyerabend bei Twitter
Charly von Feyerabend bei Facebook
»Müritz, Mord und Mückenstich« bei Leserkanone.de
»Müritz, Mord und Mückenstich« bei Amazon
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