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Tharina Wagner 4 Fans
Herkunft: Österreich
Webseite: Offizielle Homepage von Tharina Wagner
Twitter: @Tharina_Wagner
Facebook: tharina.wagner
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Tharina Wagner vom 17.05.2017
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 17.05.2017
In ihrem Roman »Blutrot oder warum ist der Eber tot?« macht Tharina Wagner Graz unsicher. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über ihr Buch, über das kriminelle Graz und über ihre zukünftigen Projekte.

– Frau Wagner, vor wenigen Tagen wurde Ihr neuer Roman »Blutrot oder warum ist der Eber tot?« veröffentlicht. Womöglich hat noch nicht jeder unserer Besucher Notiz davon genommen, könnten Sie Ihr Buch daher unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Blutrot ist ein teils sarkastischer Regionalkrimi, der in meiner Heimatstadt Graz spielt. Im Mittelpunkt stehen nicht nur der Mord und dessen Aufklärung. Menschen am Rande der Gesellschaft verleihe ich wichtige Rollen: Zu Wort kommen unter anderem eine Prostituierte, eine scheinbar Verrückte - und nicht zuletzt Herr Eber, der 'Ungustl' (unguter Typ) des Viertels. Dieser wird tot in einem Café in der Griesgasse aufgefunden. Fast alle Protagonisten haben ein Motiv, schließlich war der Eber nicht nur sehr unbeliebt und sexistisch, sondern anscheinend auch noch gewalttätig.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihren Roman ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Blutrot ist an ein breitgefächertes Publikum gerichtet: Natürlich werden die Herzen von Regionalkrimi-Fans höher schlagen. Trotzdem ist 'der Eber' kein klassischer Krimi. Dem Schreibstil meines Debütromans bin ich treu geblieben – nicht zuletzt deshalb werden ihn bestimmt auch Leser anderer Genres schätzen können. Mein erstes Buch (»Blassrosa oder die geheime Talktik des Monsieur F«, ein humoristischer Gesellschaftsroman) wurde von Rezensenten mit den Büchern Anna Gavaldas verglichen. Ich glaube, der Grund dafür sind vor allem die zahlreichen Perspektivenwechsel und die vielen, unterschiedlichen und doch ganz alltäglichen Protagonisten. Ich empfinde das als typisch Französisch (Blassrosa spielt nicht nur in Frankreich, sondern ich wohne auch seit mehreren Jahren dort). Diesen Schreibstil vermische ich in Blutrot mit typisch österreichischem, schwarzem Humor.

Selbst lese ich im Moment gerade Krimis von Robert Preis und Bernhard Aichner. Als ich mit dem Lesen begonnen habe, fuhr ich vor allem auf Agatha Christie, später Henning Mankell und Hakan Nesser ab. Fred Vargas beeindruckt mich auch jedes Mal. Natürlich sind diese Autoren in gewisser Weise Vorbilder. Was meinen Schreibstil betrifft, glaube und hoffe ich allerdings, etwas ganz eigenes geschaffen zu haben. Es fällt mir selbst schwer, meinen eigenen Roman mit anderen zu vergleichen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Blutrot nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt.

– Tagtäglich erscheinen unzählige neue Kriminalromane. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buchs, wegen denen man trotzdem gerade bei Ihnen hineinschnuppern sollte und nicht bei einem der zahlreichen anderen Autoren?

Die oben genannten Perspektivenwechsel habe ich in dieser Form noch in keinem anderen Roman erlebt. Dadurch ist Blutrot auch dann sehr kurzweilig, wenn gerade nicht so viel Action passiert. Ich verzichte absichtlich auf ausgeschmückte Gewalt. Stattdessen möchte ich, dass sich die/der LeserIN 1. auf das offensichtliche Rätsel des Mordes konzentrieren und 2. über ganz andere, gesellschaftskritische Fragen grübeln kann. Neben den oben genannten Personen am Rande der Gesellschaft erfährt der Leser auch von den (Selbst)Zweifeln, Vorurteilen und anderen alltäglichen und unalltäglichen Herausforderungen der Protagonisten. Obwohl diese teils ziemlich 'freakig' sind, bleiben sie auf ihre Art natürlich und vor allem menschlich. So kann man sich als Leser in ihnen wiedererkennen.

– Weshalb ist Ihr Polizist Peter eine solch »besondere« Figur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihm persönlich?

Peter der Polizist (das schreibt sich als Eigennamen absichtlich ohne Komma, auch wenn es Germanisten oder Lektoren vielleicht stört, ich nehme mir diese künstlerische Freiheit) ist nicht die einzige Hauptperson. Er würde mir bestimmt widersprechen, wenn ich behaupte, dass er nicht der wichtigste Protagonist der Geschichte ist. Denn Peter ist ziemlich selbstgefällig und kann auch arrogant sein. Er hält sich nicht nur für so fesch, sondern auch für einen besseren Ermittler als seinen Kollegen Maier. Kennenlernen muss man ihn gar nicht unbedingt – am besten betrachtet man seine falsche Selbsteinschätzung mit einem Schmunzeln aus der Ferne. Natürlich hat auch er gute Eigenschaften, zu hart möchte ich nun auch nicht mit ihm sein. Er kann fürsorglich sein, auch wenn er für seinen Sohn nicht besonders viel Zeit hat.

Die wichtigste Person ist Peters Ex-Freundin und Mutter seines Sohnes, Marlene. Da sie in dem Café arbeitet, in dem die Leiche gefunden wird, wird sie unfreiwillig in die Ermittlungen hinein gezogen. Ich finde Marlene bei weitem sympathischer als Peter. Sie ist natürlich, ziemlich unsicher und ein bisschen verloren – Eigenschaften, die ich im Alltag bei so gut wie allen Menschen meiner Generation beobachten kann. Sie spiegelt diese wider. Bei ihr können die LeserInnen gerne auf einen Kaffee vorbei kommen und werden sich bestimmt wie zuhause fühlen.

– Was macht Graz zu einem guten Schauplatz für einen Roman wie den Ihren? Und sollte man einen Bezug zur Stadt haben, um den größtmöglichen Lesespaß durch Ihr Buch zu haben, oder ist »Blutrot oder warum ist der Eber tot?« auch für Leser ohne Graz-Bezug und womöglich auch über Österreichs Grenzen hinweg einen Blick wert?

Graz hat sich in den letzten Jahrzehnten in eine multikulturelle Studentenstadt entwickelt. Trotz der über 280 000 Einwohner ist ihr der Kleinstadtflair geblieben. Es passiert viel in der zweitgrößten Stadt Österreichs – gleichzeitig besteht aber auch eine gewisse Nähe zwischen ihren Einwohner.

Ich wohnte eine Zeit lang im Griesbezirk (in dem Blutrot spielt). Eines Tages kaufte ich in einem türkischen Lebensmittelladen ein – mehr, als ich mit beiden Händen tragen konnte. Erst an der Kasse bemerkte ich, dass ich nur mit Bargeld zahlen hätte können, allerdings keines dabei hatte. »Macht nix, dann kommst du halt morgen wieder«, sagte mir der Besitzer (den ich noch nie gesehen hatte). Als ich begann, die Produkte zurück in die Regale zu räumen, meinte er »Ich meine du kannst ruhig alles mitnehmen und morgen kommen, um zu bezahlen.«

Ich will damit nicht sagen, dass in Graz alles gut und schön ist – aber wie gesagt, besteht eben eine gewisse Nähe zwischen den Menschen. Das bedeutet natürlich auch, dass es zu Gerüchten und Tratsch und Klatsch kommen kann, was für die Handlung meines Romans nicht uninteressant ist.

'Der Eber' ist aber auch für Leser, denen die Stadt Graz überhaupt nichts sagt, interessant. Was man über sie wissen muss, um Blutrot zu mögen, erfährt man in der Geschichte.

– Ihr vorangegangener Roman »Blassrosa - oder die geheime Taktik des Monsieur F« ging sowohl geografisch als auch inhaltlich in eine ganz andere Richtung. Was erwartet die Leser in dem Buch, und warum sollten sie am besten sofort mit dem Roman weitermachen, wenn sie mit »dem Eber« fertig sind?

Blassrosa und Blutrot haben viele Gemeinsamkeiten. Mein Debütroman spielt in einer Pariser Vorstadt und ist ein sarkastisches Portrait unserer Gesellschaft. Das ist auch Blutrot, obwohl in diesem Fall mehr der Mord und weniger der Humor im Vordergrund steht. In 'den Eber' habe ich (wie schon in Blassrosa) auf subtile Art und Weise eine Menge Gesellschaftskritik gepackt. Liest man die Bücher einer/s AutorInS nicht ohnehin größtenteils aufgrund des Schreibstils? Zumindest trifft das auf mich persönlich bei den oben genannten Autoren zu. Wer Blutrot mag, wird Blassrosa bestimmt mögen und umgekehrt.

– Was können wir von der Autorin Tharina Wagner in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Ich schreibe bereits an einem zweiten Teil der Eber-Geschichte. Nur eben ohne Eber, denn der ist bekanntlich ja schon tot. Gleichzeitig betreibe ich einen Blog. Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben möchtet, könnt ihr gerne meinen Newsletter abonnieren, oder meine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken verfolgen. Unter anderem bin ich sehr präsent auf Lovelybooks, wo ich in Kürze eine blutrote Leserunde starten werde, Buchverlosung inklusive.

Zu den Lesungen: Ich habe gerade bei der Criminale/der langen Nacht des Krimis in Graz gelesen, was eine sehr tolle Erfahrung war. Dort haben die verschiedensten Autoren Ausschnitte aus ihren Werken präsentiert. Ende August werde ich eine blutrote Lesung halten. Wie schon die blassrosa Premiere wird diese von theatralischen und musikalischen Einlagen begleitet, um den Leser voll und ganz auf den Schauplatz des Verbrechens zu entführen. Deshalb findet auch diese Lesung in Graz, sogar genau in der Griesgasse statt. Ich freu mich jetzt schon drauf!

Das Team von Leserkanone.de dankt Tharina Wagner für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Tharina Wagner
Tharina Wagner bei Twitter
Tharina Wagner bei Facebook
»Blutrot oder warum ist der Eber tot?« bei Leserkanone.de
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