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Ingrid Zellner 27 Fans
Herkunft: Deutschland
Geboren: 19. Dezember 1962
Webseite: Offizielle Homepage von Ingrid Zellner
Twitter: @ingrid_diwali
Facebook: ZellnerIngrid
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Ingrid Zellner vom 03.08.2017
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Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 03.08.2017
In Ingrid Zellners neuem Roman »Gnadensee« macht sich eine junge Frau auf die Spur ihres verschwundeten Geliebten. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über ihr Buch, über Skandinavien, über das Schreiben in verschiedenen Genres und über eine in Gemeinschaftsarbeit entstehende Buchsaga.

– Frau Zellner, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Gnadensee«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

»Gnadensee« ist ein Bodensee-Krimi mit kleinen Abstechern nach Island. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau namens Lona, deren Geliebter Dirk spurlos verschwindet. Neben der ermittelnden Polizei geht sie auch selbst auf Spurensuche, zusammen mit Arnar aus Reykjavík, dem Bruder von Dirks Studienfreund Brynjar, der ebenfalls wie vom Erdboden verschwunden ist. Dabei stoßen Lona und Arnar auf allerhand Rätsel, und Lona gerät in große Gefahr. Mehr möchte ich nicht verraten, aber ich kann versprechen: Es wird spannend.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich habe eine große Schwäche für schwedische Krimis – Henning Mankell, Camilla Läckberg, Liza Marklund, Lars Kepler, um nur einige Beispiele zu nennen – und für die Romane von Johan Theorin und Jan Guillou. Ich glaube zwar nicht, dass ich mich mit ihnen messen kann, aber ich könnte mir vorstellen, dass Freunde schwedischer Krimis auch mit dem »Gnadensee« etwas anfangen können, denn diese Werke sind nicht nur Unterhaltung, sondern auch Inspiration für mich. Auch wenn ich letzten Endes dann trotzdem meinen eigenen Weg gehe. (Lieblingsromane habe ich keine – oder zu viele, um sie alle hier aufzuzählen.)

– Tagtäglich erscheinen unzählige neue Kriminalromane, und es ist schwer, aus der breiten Masse herauszustechen. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buchs, wegen denen man unbedingt bei Ihnen zuschlagen sollte?

Zum einen natürlich die Kombination »Bodensee und Island«. Und zum anderen: Bei mir steht nicht die ermittelnde Polizei im Mittelpunkt, kein Kommissar mit mehr oder weniger ausgeprägten Marotten, vielleicht depressiven Veranlagungen oder familiären Problemen – im »Gnadensee« sind es die betroffenen Personen selbst, die handeln, auf Spurensuche gehen, Rätsel lösen und versuchen, mit den Katastrophen umzugehen, die über sie hereinbrechen. Natürlich geht es nicht ganz ohne Polizei, aber sie agiert mehr im Hintergrund. Im Zentrum meiner Geschichte stehen die Menschen, deren Leben auf vielfältige, unerwartete Weise auf den Kopf gestellt wird.

– Obgleich das Buch als »Baden-Württemberg-Krimi« bezeichnet wird, spielt Island darin eine große Rolle. Wie kamen Sie gerade auf Island? Und ist es ein Zufall, dass Sie nach den Gebieten der Sámi in »Malin und das weiße Rentier« und Stockholm in »Ein Schwede zum Verlieben« schon wieder eine literarische Reise nach Skandinavien unternommen haben?

Nein, das ist kein Zufall. Ich liebe Skandinavien und bereise die Länder des hohen Nordens seit dreißig Jahren regelmäßig. Schweden ist meine Wahlheimat; ich spreche die Sprache fließend und spiele mit dem Gedanken, irgendwann ganz dorthin zu ziehen. Mit »Malin und das weiße Rentier« habe ich eine Liebeserklärung an die Regionen nördlich des Polarkreises geschrieben, wo ich mich am wohlsten fühle, und eben auch an die Lebensanschauungen und Traditionen der Sámi, die ich sehr zu schätzen gelernt habe. Nachdem ich dann im »Schweden zum Verlieben« einen weiteren Abstecher nach Schweden gemacht hatte, wollte ich auch mal die anderen Länder des Nordens zum Zug kommen lassen, die mich so sehr faszinieren. So kam es zu dem Island-Gastspiel im »Gnadensee«; ein kleiner Tribut an Norwegen ist für eines meiner nächsten Bücher geplant, und vielleicht greife ich irgendwann sogar mal auf meine Arktis-Erfahrungen zurück. Wenn solche Nordland-Einsprengsel dann am Ende noch eine Art roter Faden oder Markenzeichen für meine Bücher werden – warum nicht.

– Da wir die beiden anderen Bücher erwähnten: Es fällt auf, dass Sie in vollkommen unterschiedlichen Genres unterwegs sind. Kinderbücher, Liebesromane, Kriminalromane - wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination? Und anhand welcher Maßstäbe entscheiden Sie, in welche Richtung das jeweils nächste Projekt gehen soll?

Diese Genre-Vielfalt war überhaupt nicht geplant; sie hat sich einfach ergeben aus der Art der Geschichten, die ich erzählen wollte. Als ich die Vision von einem kleinen Mädchen und einem weißen Rentier in einem schwedischen Winterwald hatte und anfing, sie aufzuschreiben, wurde mein Erzählstil ganz von selbst eher leicht und märchenhaft. Den »Schweden zum Verlieben« habe ich geschrieben, weil ich selbst vor Jahren etwas Ähnliches erlebt habe und diese etwas andere Liebesgeschichte gerne erzählen wollte. Und als ich in einem Traum den seltsamen Satz »Die Sonne schmeckt am besten rückwärts« hörte und darüber nachdachte, was das wohl bedeuten könnte, wurde ein Krimi daraus. Aber ich mag das – diese Abwechslung, immer wieder was Neues ausprobieren. Wie ich auf meiner Website sage: Ich will nicht in Schubladen gesteckt werden, sondern als Autorin lieber eine kleine Wundertüte sein.

– Größere Verlage erwarten in so einem Fall oft die Verwendung von Pseudonymen, um potenzielle Leser nicht zu verwirren. Birgt das Wechseln zwischen den Genres nicht die Gefahr, dass man keine Schar an »treuen Fans« aufbauen kann, die vorbehaltlos bei jeder neuen Veröffentlichung zugreifen können?

Klar besteht diese Gefahr – aber andererseits kann es doch genauso gut passieren, dass die Leser sagen: Wow, diesmal macht die Zellner wieder ganz was Anderes, das will ich jetzt auch lesen! Ich bin sicher, es gibt viele Leser, die ebenso Lust auf literarische Vielfalt haben wie ich. Und solange ich hinter jeder einzelnen meiner Geschichten stehe und hinter jedem Genre, das ich bediene, möchte ich das auch mit meinem eigenen Namen tun. Das macht’s doch erst richtig spannend! Ein Schauspieler legt sich doch auch keine unterschiedlichen Künstlernamen für Helden-, Schurken-, Liebhaber- und komische Rollen zu – egal was er spielt, er tut es immer unter dem gleichen Namen. Ganz ehrlich, ich habe nie auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, Pseudonyme zu verwenden. Ich bin ich. Und das ist doch ein Ziel – dass man sich für meine Bücher interessiert, weil sie von »Ingrid Zellner« sind und die Leser neugierig sind, was ich ihnen diesmal biete.

– Erfordert der Wechsel des Genres auch eine ganz individuelle Herangehensweise ans Schreiben? Mussten Sie die Arbeit an »Gnadensee« ganz anders angehen als beispielsweise das Verfassen von »Ein Schwede zum Verlieben«? Welcher Aufwand steckt generell in einem Buch wie Ihrem aktuellen Roman?

Der einzige wirklich nennenswerte Unterschied bei der Herangehensweise ist der, dass ich bei einem Krimi im Vorfeld noch sorgfältiger plotte als bei anderen Erzählungen. Wobei auch der beste Plot nichts nützt, wenn die Geschichte ihren eigenen Kopf hat – ich habe das jetzt schon ein paarmal erlebt, dass sich der Plot während des Schreibens plötzlich in eine ganz andere Richtung entwickelt hat als von mir vorgesehen. Und da die Geschichte meistens weiß, was sie tut, lasse ich sie dann laufen und schaue interessiert zu, was passiert und mit was für Überraschungen meine Helden als nächstes daherkommen. Da muss man als Autor flexibel sein, finde ich. Was den Aufwand betrifft: Ich betreibe Recherchen zu bestimmten Themen, die in meinen Geschichten eine Rolle spielen, suche mir nach Möglichkeit auch kompetente Ansprechpartner, die ich bei Bedarf dazu befragen kann, und ich gehe, soweit wie möglich, im Vorfeld auf Location-Hunting. Beim »Gnadensee« zum Beispiel war ich mehrere Tage rund um den Bodensee unterwegs und habe mich in Konstanz, Meersburg und auf der Reichenau umgesehen. Und in Reykjavík habe ich auch noch einmal vorbeigeschaut und dabei sowohl das Konzerthaus Harpa als auch ein ganz spezielles Café als Spielorte für meinen Krimi entdeckt.

– Zusätzlich zu Ihren Einzelarbeiten sind Sie auch noch einem Gemeinschaftsprojekt beteiligt: der »Kashmir-Saga« in Zusammenarbeit mit Simone Dorra. Was hat es mit der Saga auf sich, und wie kam es zu dem Projekt? Wie funktioniert es, zu zweit an einer Reihe zu schreiben? Legen Sie vorher fest, wer die einzelnen Segmente schreibt, oder wird es während der Arbeit an den Büchern kurzfristig entschieden? Oder schreibt nur eine von Ihnen, während die andere Input liefert? Wie schaffen Sie es, dass die ganze Saga am Ende »wie aus einem Guss« wirkt und stilistisch zusammenpasst?

In den sieben Bänden unserer Kashmir-Saga erzählen Simone Dorra und ich die Geschichte zweier in Freundschaft eng verbundener Familien in Indien und Kashmir; sie erstreckt sich über vier Jahrzehnte und berichtet von großen Gefühlen, von spannenden Abenteuern, von Terror und Liebe in einem durch anhaltende Konflikte geschundenen Land. Im Mittelpunkt stehen zwei Helden, die unabhängig voneinander entstanden sind: Vikram Sandeep aus Simone Dorras Kashmir-Roman »Das Haus des Friedens« und Raja Sharma, den ich einige Jahre zuvor in einer mehrteiligen Indien-Erzählung entworfen hatte. Wir hatten unsere Geschichten wechselseitig gelesen, mochten sie sehr – und dann hatten wir vor ein paar Jahren plötzlich die Idee, unsere Protagonisten einander mal begegnen zu lassen, vielleicht in einer Kurzgeschichte… einfach nur, weil wir große Lust hatten, diese beiden interessanten Männer mal in einem Rahmen zu sehen. Und was passierte? Unsere beiden Universen haben sich wie von selbst miteinander verzahnt, und wir gerieten in einen wahren Schreibrausch. Wir haben uns gegenseitig die Bälle zugeworfen, manchmal im Vorfeld überlegt, wer welche Sequenz schreibt, manchmal aber auch einfach aus dem Bauch heraus etwas entworfen und die andere damit überrascht. Und viele Dialoge haben wir buchstäblich gemeinsam verfasst, in einer Online-Datei, in der wir gleichzeitig geschrieben haben, so dass unsere Figuren sich sozusagen live miteinander unterhalten konnten. Das war stets ungemein spannend und die Ergebnisse waren für uns nicht selten ausgesprochen unerwartet. Im Laufe der Zeit haben wir uns dann immer mehr aufeinander eingeschrieben und uns einander stilistisch so weit angenähert, dass mittlerweile selbst Menschen, die unsere Bücher gut kennen, oft nicht mehr unterscheiden können, wer von uns was geschrieben hat. Ganz ehrlich: Manchmal weiß ich es im Nachhinein selbst nicht mehr.

– Was können wir von der Autorin Ingrid Zellner in der nächsten Zukunft erwarten? Sind neben den nächsten Bänden der »Kashmir-Saga« bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Als nächstes erscheint im Oktober mit »Der Weg aus der Finsternis« der zweite Band der Kashmir-Saga. In Arbeit ist außerdem »Kuckuckssohn«, eine schwäbisch-schwedische Liebesgeschichte, die Simone Dorra und ich gemeinsam schreiben. Und ich beginne derzeit mit den Planungen für meinen nächsten Krimi mit dem Arbeitstitel »Adlerweiher«, der in Hinterzarten im Schwarzwald spielen wird und den ich im Herbst in Angriff nehmen werde. Daneben stehen »Gnadensee«-Lesungen auf meinem Programm, am 5. August um 15 Uhr im Café DAH-Inn in Dachau und am 29. August um 19:30 Uhr in POP – der Kaffeeladen in Meersburg. Weitere Termine für Autorenlesungen sind in Planung und werden, sobald sie festgezurrt sind, auf meiner Website www.ingrid-zellner.de bekanntgegeben.

Das Team von Leserkanone.de dankt Ingrid Zellner für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Ingrid Zellner
Ingrid Zellner bei Twitter
Ingrid Zellner bei Facebook
»Gnadensee« bei Leserkanone.de
»Gnadensee« bei Amazon
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