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Randolph Kroening 1 Fan
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Randolph Kroening
Facebook: Randolph-Kroening
Interviews: Leserkanone.de-Interview mit Randolph Kroening vom 26.11.2016
  Leserkanone.de-Interview mit Randolph Kroening vom 16.08.2020
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 26.11.2016
In seinem aktuellen Roman »Der Hirte ist mein Herr« macht Randolph Kroening zum zweiten Mal seine Wahlheimat Lissabon literarisch unsicher. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über das Krimiland Portugal und über das Veröffentlichen in Eigenregie aus 2.000 Kilometern Distanz.

– Herr Kroening, womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem neuen Roman »Der Hirte ist mein Herr« genommen. Könnten Sie Ihr Buch unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Um es gleich vorwegzunehmen, »Der Hirte ist mein Herr« ist keine direkte Fortsetzung von »Auf die Sekunde genau«, auch wenn hier und da mal ein Bezug zum ersten Buch auftaucht, man kann es also auch durchaus allein lesen. In »Der Hirte ist mein Herr« ist eine Mörderin unterwegs, die mit einer sehr perfiden und grausamen Methode offenbar ausschließlich italienische Männer meuchelt. Es gibt keine Spuren, keine Verbindung zwischen den Opfern, ihre Nationalität einmal ausgenommen, und selbst das scheint plötzlich nicht mehr gesichert. Eher zufällig erhält das Team um Hauptkommissarin Carina Andreia da Cunha einen Hinweis, der sie ins Archäologische Museum von Lissabon führt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt aber noch niemand, dass die portugiesische Geschichte eine ganz besondere Rolle bei diesem Fall spielt. In dem ganzen Verwirrspiel tauchen zudem einige Gestalten auf, die auf zum Teil recht skurrile Weise versuchen, ihre eigenen Probleme zu lösen, und die, ohne dass sie es wissen, miteinander verbunden sind. In »Der Hirte ist mein Herr« schicke ich die Leser nicht nur wieder mit vielen Tipps durch das schöne Lissabon, sondern lasse sie auch ein wenig in die Geschichte Portugals eintauchen. Der Hauptunterschied zum ersten Buch: »Der Hirte ist mein Herr« hat genau deshalb ungewöhnlicherweise ein Literaturverzeichnis und hatte unter anderem die Hilfe zweier Lissabonner Archäologinnen.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Die erste Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, ich denke, das kommt darauf an, ob man mit seinen Vorlieben in einem bestimmten Genre angesiedelt ist, oder vielleicht einfach einmal etwas ganz anderes lesen möchte. Für die erste Gruppe würde ich sagen, dass rein vom Stil her vielleicht Freunde des sogenannten Ruhrpott-Krimis infrage kommen, wie Sonja Ullrich, Jörg Juretzka oder Lotte Minck. Die zweite Gruppe ist natürlich völlig offen, man sollte nur eine Ader für Wortspiele und zum Teil schon recht makabren Humor haben. Ich selbst lese sehr gern historische Krimis wie die von C.J. Sansom oder die Bruder Cadfael Romane von Edith Pargeter, besser bekannt als Ellis Peters, oder auch reine Historienromane wie die »Attila«-Reihe von William Napier, sie müssen alle nur gut historisch recherchiert sein. Ansonsten bin ich ein großer Fan von Mario Puzo, der schon so etwas wie ein literarisches Vorbild ist, dieses gar nicht mal so sehr wegen seinem Genre, dem Mafia-Roman, sondern eher wegen seiner Arbeitsweise.

– Das Buch markiert den zweiten Auftritt Ihrer Hauptkommissarin Carina Andreia da Cunha und ihres Teams. War von Anfang an geplant, die Dame zur Protagonistin einer Reihe von Büchern werden zu lassen, oder ist dies der Resonanz auf den ersten Band geschuldet? Was macht sie zu einer Protagonistin, die ein wiederholtes Auftreten in Büchern verdient hat?

Carina Andreia da Cunha war von Anfang an als Protagonistin geplant. Was lange Zeit nicht geplant war, war die Fortsetzung der Reihe. »Auf die Sekunde genau« war eigentlich eher ein Experiment für mich selbst, weil ich mal was anderes schreiben wollte. An Veröffentlichung habe ich erst recht spät gedacht, und hier war es tatsächlich die Resonanz schon während der Entstehung des Krimis, die mich überhaupt an eine Fortsetzung hat denken lassen. Ich denke, dass Carina eine gute Protagonistin abgibt, weil sie nicht perfekt ist wie die Kommissare der Vergangenheit mit makelloser Moral und Lebensweise. Sie hat ihre Ecken und Kanten, ohne dabei ins andere Extrem abzugleiten wie die TV-Kommissare »Vera«, kreiert von Ann Cleeves oder »Backstrom«, basierend auf den Romanen von Leif G. W. Persson, die eigentlich komplett verkrachte Existenzen verkörpern. Nein, ich hatte ehrlicherweise eher daran gedacht, den Christian Brandtstetter aus dem ersten Krimi zu ihrem ständigen Begleiter werden zu lassen, aber dann hat die Figur irgendwie ein »Eigenleben« entwickelt, sodass ich ihn dann doch lieber habe abtreten lassen, nicht zuletzt um dem Rechnung zu tragen, dass im realen Leben die Polizei der Mitwirkung von Privatpersonen an ihren Ermittlungen ja auch eher kritisch gegenübersteht und dadurch das ganze leicht unglaubwürdig rüberkommt, so unterhaltsam man die Serie »Castle« auch finden mag.

– Ihr Buch spielt in Lissabon. Während es Regionen gibt, die von deutschsprachigen Autoren mit dem literarischen Verbrechen geradezu überfüllt werden, ist Portugal ein Land, das nur sehr selten als Schauplatz von Kriminalromanen ausgewählt wird. Wie erklären Sie es sich, dass Portugal weitgehend übergangen wird? Und was macht Portugal Ihrer Meinung nach sehr wohl zu einem exzellenten Handlungsort für einen Krimi wie den Ihren?

Das ist eine gute Frage. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass man in der Literaturlandschaft Portugals – anders als in Nordeuropa, Deutschland, England, Frankreich etc. – vergeblich nach irgendwelchen Vorbildern sucht, an denen man sich orientieren kann, da es in der extrem dünn gesäten Kriminalliteratur den eigentlichen »Heldenkommissar« nicht gibt. Portugal ist tatsächlich ein Vielleserland, ich habe nirgendwo soviele Menschen gesehen, die hier morgens in der Metro sitzen und Bücher (keine eBooks! Richtig große Wälzer!) lesen, doch hier dominiert eher das schöngeistige Buch, Biographien, philosophische Betrachtungen und natürlich Liebesgeschichten. Wenn man hier einen Krimi lesen will, muss man auf die Originale oder Übersetzungen bekannter ausländischer Krimiautoren zurückgreifen, deren Plots natürlich nicht in Portugal angesiedelt sind.
Was Portugal im Allgemeinen und Lissabon im Besonderen zu einem tollen Handlungsort für Krimis macht ist in meinen Augen die Vielfältigkeit, die diese Stadt bietet. Man hat hier eine faszinierende Mischung aus Geschichte und Moderne, die man wunderbar miteinander verbinden kann, um einen spannenden und abwechslungsreichen Hintergrund für einen Krimi zu schaffen. Da ist das touristische Stadtzentrum mit Restaurant- und Einkaufsmeilen, die Fado-lastige Mouraria, die Alfama (wo die Leute an einigen Stellen tatsächlich noch am öffentlichen Brunnen waschen). Ich blicke von meinem Büro auf einen Stadtteil, der eher an ein kleines Dubai erinnert, mit hochmoderner und experimenteller Architektur (und aktuell einigen Tausend Teenageren, die vor der MEO Arena kampieren, um heute Justin Bieber live zu erleben ...). Und mit den rasant steigenden Touristenzahlen hier in Lissabon, sicher auch geschuldet der Tatsache, dass Portugal als eines der sichersten Länder gilt, haben viele Städtereisende die Möglichkeit, quasi mit dem Krimi in der Hand die Stadt zu erkunden (wie das im letzten Jahr beispielsweise eine Schulklasse bei ihrer Abschlussreise getan hat).

– Was halten Sie - abgesehen von der Tatsache, dass das Buch in Portugal angesiedelt ist - für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Romans, wegen denen man bei Ihnen zugreifen sollte und nicht bei einem der vielen anderen Krimis, die täglich erscheinen?

»Alleinstellungsmerkmal« ist bei der großen Vielfalt in der Krimilandschaft vielleicht ein etwas großes Wort. Worauf ich größten Wert gelegt habe ist, mich von der Masse derer abzuheben, die sich ein meißt amerikanisch anmutendes Pseudnonym zulegen und im stillen Kämmerlein schlecht recherchierte, an exotischen Orten spielende Krimis mithilfe von Google, Wikipedia und Landkarten schreiben. Bei mir gehört dazu, den Plot vorher zu planen, mit all seinen Handlungssträngen, und das ganze wie einen Szenenplan drehbuchmäßig vorzubereiten (auch wenn ich jetzt Klischees zerstöre: ich mache das ehrlicherweise in EXCEL). Das wichtigste für mich ist jedoch die Recherche. Ich gehe dabei zwar nicht soweit wie ein amerikanischer Kollege, der von San Francisco nach Chicago geflogen ist, um sich auf dem O‘Hare Airport die Lage der Toiletten anzusehen, aber ich schreibe halt auch nicht über Orte, die ich nicht selbst gesehen habe. Ich habe über meine Homepage diverse Emails bekommen, sinngemäß »Na kommen Sie schon, Herr ‚Kroening‘, der Wohnort Lissabon ist doch sicher genauso erfunden wie Ihr Name ...« Abgesehen davon, dass selbst das Pseudonym einen Teil des Namens meiner Familie enthält: Ich wohne wirklich hier, inzwischen direkt in Lissabon, in Campo de Ourique, in Laufweite der wunderbaren Basilica und dem Garten von Estrela und dem Friedhof Prazeres. Wenn ich wissen will, wie eine bestimmte Straße aussieht, oder wie im Archäologischen Museum die Eingänge liegen, dann gehe ich dorthin und sehe es mir an. Und wenn ich mir einen Eindruck von einer Suite im Myriad Hotel machen will, dann frage ich dort beim Management nach, ob ich mir einmal eine ansehen kann, auch wenn ich kein Gast des Hauses bin. Fast noch wichtiger ist das Einfangen von Stimmungen. Man muss eingeqütscht in der berühmten Straßenbahn 28 stehen um zu wissen, wie sich das anfühlt, oder durch die engen Straßen von Graça und der Alfama laufen, in denen es ständig nach frisch gegrillten Sardinen duftet, um es wirklich beschreiben zu können. Um hier wirklich ein Klischee zu bedienen, ich sitze tatsächlich mit Moleskin-Kladde und Füllfederhalter in Cafés, Parks und an Aussichtspunkten und schreibe. Gut zwei Drittel der Texte meiner beiden Krimis sind auf diese Weise entstanden.

– Sie haben Ihre beiden Krimis in Eigenregie veröffentlicht. Hatten Sie dies von Vorneherein so angedacht? Und halten Sie die klassischen Verlage in der heutigen Zeit überhaupt noch für ein notwendiges Bindeglied zwischen Autor, Buchhandel und Leser?

Ich möchte mir nicht anmaßen über andere Autoren und ihre Erfahrungen mit der einen oder anderen Seite zu urteilen. Ich habe unter meinem richtigen Namen bereits mit einem Verlag veröffentlicht und habe da nur gute Erfahrungen gemacht, sowohl im Bereich des Lektorats als auch der Nachbetreuung wie der Organisation von Lesereisen. Das war allerdings im populärwissenschaftlichen Sachbuchbereich. Ich weiss auch von Autoren die berichten wie froh sie sind, wenn nach dem Lektorat noch fünfzig Prozent ihres Ursprungstextes vorhanden sind. Es ist ja nun einmal eine traurige Wahrheit, dass es mitunter schwerer ist, ein Buch bei einem Verlag unterzubringen als eines zu schreiben. Verlage müssen natürlich auch Risikominimierung betreiben, insofern ist verständlich, dass sie hier eher auf etablierte Autoren, notfalls auch als übersetzungen, oder »Berühmtheiten« zurückgreifen, bei denen schon allein der Name verkauft. Nicht zuletzt erklärt das ja auch den Erfolg von Self-Publisher Plattformen wie CreateSpace etc. Ich persönlich halte die Möglichkeiten der Selbstveröffentlichung für toll, sie hat aber auch den einen oder anderen Nachteil. So liegt die Verantwortung für Lektorat, die Covergestaltung einschließlich der ganzen Bildrechtegeschichte und letztlich auch das Marketing ganz allein beim Autor. Nicht zu vergessen auch ein weiterer Wermutstropfen des Self-Publishing, etwas, mit dem jeder Indie-Autor zu kämpfen hat, der das Schreiben wirklich ernst nimmt: Die »Filterfunktion« der Verlage entfällt völlig, sodass man zum Teil auch mit einer Schwemme schlecht gemachter Werke konfrontiert wird, die den Markt unübersichtlich gestalten.
Für mich kam für die Krimis von Anfang an nur das Self-Publishing infrage, schon aufgrund der schlichten Tatsache, dass ich als im Ausland lebender Autor in Deutschland für Lesungen faktisch nicht zur Verfügung stehe, was für Verlage ein KO-Kriterium darstellt. Einen No-Name Autor (Randolph Kroening wurde ja quasi erst letztes Jahr »geboren«) fliegt man nicht für teuer Geld aus Portugal ein. Dazu kommt, dass ich gern die Freiheit über meine eigenen Texte habe und auch meine Cover lieber selbst gestalte. Und ob ich bei einem Verlag in einen Krimi Handlungsortfotos einbinden dürfte, darüber möchte ich gar nicht erst nachdenken.
Was den Verkauf angeht, ja sicher ist es schön, sein Buch im Regal eines Buchhändlers stehen zu sehen, doch wenn man sich ansieht, wie sich diese Landschaft doch drastisch hin zum Online-Handel und speziell eBook verändert, denke ich dass damit künftig auch die Rolle der Verlage etwas kleiner wird.

– Was können wir von dem Autor Randolph Kroening in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Wenn man im wahrsten Sinne des Wortes einmal Blut geleckt hat ... Ja, die Idee für den nächsten Fall von Carina Andreia da Cunha und ihr Team existiert schon (ehrlicherweise sogar schon ein Arbeitstitel, »Das Vergnügen ist ganz auf deiner Seite«), es wird aber natürlich noch eine Weile dauern. Um mich zu motivieren habe ich schon mal ein Cover entworfen, welches auf meiner Homepage angesehen werden kann. Ansonsten keimt in Randolph Kroenings Kopf eine ganz neue Idee, ein neuer Ermittler, neuer Handlungsort und vor allem andere Zeit, also ein historischer Krimi. Aber hier stehe ich noch ganz am Anfang, nur soviel sei noch verraten: dieser Krimi wird im Original auf Englisch entstehen.
Randolph Kroening live ... ja, aber nicht im traditionellen Sinne. Eine Lesung auf einer deutschen Buchmesse oder in einer deutschen Buchhandlung wird es aus nachvollziehbaren Gründen sicher nicht geben. Was ich geplant habe ist zum einen ein Live Streaming auf LovelyBooks, einen Termin hierfür gibt es jedoch noch nicht. Darüberhinaus wollte ich einmal deutsche Veranstalter von Städtereisen ansprechen, ob die sich vorstellen könnten, eine Buchlesung in Lissabon in ihr Programm einzubauen. Dieses Angebot wird es in Kürze auch für private Reisegruppen auf meiner Homepage geben, voraussichtlich ab Anfang nächsten Jahres.

Das Team von Leserkanone.de dankt Randolph Kroening für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Randolph Kroening
»Der Hirte ist mein Herr« bei Leserkanone.de
»Der Hirte ist mein Herr« bei Amazon
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