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Marion Schreiner 53 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Marion Schreiner
Twitter: @schreiner1963
Facebook: schreinermarion
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Marion Schreiner vom 25.09.2018
Tags: Eine Verlinkung in Leserkanone.de-Artikeln
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 25.09.2018
In ihrem aktuellen Roman blickt Marion Schreiner mit ihren Lesern auf »Die Gesichterwand«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über den Roman, über die Zugkraft der Psyche und über die Buchwelt von damals und heute.

– Frau Schreiner, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Die Gesichterwand«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Gerne! Es geht darin um einen Studenten namens Rafe Arkins, der durch einen Zeitungsartikel von einem Psychopathen erfährt, der trotz vieler Warnungen frei herumläuft. Er ist noch jung, doch in seiner Kindheit haben sich bereits Auffälligkeiten im Bereich der Psychopathie und des Größenwahn gezeigt. Als Rafe Arkins den Kurs Psychologie an der Uni belegt, sitzt genau dieser Psychopath in seiner Nähe. Sein Name: Christopher Gelton. Da Rafe Journalismus studiert, beschließt er über die Entlarvung des Psychopathen schreiben, sozusagen als seine erste Erfolgsstory. Er fordert ihn heraus und weiß nicht, auf wen er sich einlässt. Bis er in ein lebensgefährliches Psychospiel gerät.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich würde dieses Buch auf jeden Fall allen Lesern an Herz legen, die gerne psychologische Thriller lesen. Ebenso thrillige Kriminalliteratur. Ich schreibe nach der Opfer-Täter-Theorie. Wen das interessiert, ist bei mir richtig.
Ich habe nicht wirklich literarische Vorbilder, aber als Jugendliche war ich immer von thrilligen Geschichten fasziniert. Stephen King war ein Autor, von dem ich einige Bücher las, die mich faszinierten. Dann mag ich auch gerne Dramen oder Schicksalsromane. Bin auf keinen Autor spezialisiert.
Sie fragen nach meinen eigenen Lieblingsromanen. Da gibt es so einige. Doch das Buch, das mich bisher am meisten faszinierte, war die »Die Wand« von Marlene Haushofer. Dann bin ich ein großer Fan der USA und Kanada und habe viele Romane von E.A. Johann und James A. Michener gelesen, die ich zum Teil auch zu den Orten meiner Geschichten inspirierten.

– Heutzutage gehen viele Autoren und Verlage großzügig mit dem Begriff des »Thrillers« um und bezeichnen auch einfachste Krimis bereits als Thriller, da die Schublade vermutlich mehr Zugkraft beim Leser hat. Was macht Ihren Thriller zu einem »richtigen« Thriller?

Das ist eine gute Frage! Ja, auch ich habe festgestellt, dass der eigentliche »echte« Thriller langsam in der Masse der Mainstream-Krimis untergeht. Ein Thriller begründet sich schon in der Übersetzung »Aufregung, Erregung«. Es muss in meinen Augen eine Geschichte sein, die nicht unbedingt etwas mit einem Krimi zu tun hat, sondern mit der Zugkraft der Psyche. Der Leser muss in eine Geschichte hineingezogen werden, die ihn mitreißt, in Gefühlsverwirrungen verstrickt und bis zum Schluss im Bann hält. Das Ende darf auf keinen Fall vorhersehbar sein. Thriller dürfen in meinen Augen keine Klischees enthalten. Dann thrillen sie nicht, sondern langweilen nur. Ich denke, dass meine Geschichten diese Kriterien erfüllen. Das spiegelt sich auch in den Rezensionen wider.

– Bei Ihrem Roman klingt bereits der Titel makaber, und auch bei früheren Büchern hatten Sie heftige Ideen. Wie schafft man es, sich als ansonsten friedlicher Mensch brutale Verbrechen auszudenken und sich in Psychopathen hineinzuversetzen? Ist es nötig, sich dafür vor dem Schreiben in eine spezielle Stimmung zu versetzen? Welcher Aufwand steckt generell in einem Buch wie »Die Gesichterwand«?

Erst einmal vielen Dank für die Bezeichnung »heftige Ideen«. Finde ich gut. Dabei empfinde ich meine Ideen als angemessen, wenn man die Opfer dieser Welt anschaut, ich meine die wirklich echten. Die Kinder, die in katastrophalen Verhältnissen aufwachsen, ihrer Ehre und ihrer Gefühle beraubt werden und dann in der Gesellschaft noch funktionieren sollen. Das schlimmste Verbrechen findet meist hinter verschlossenen Türen statt. Die Opfer: hilflose Kinder. Mein Spezialthema ist die Psychologie. Und wenn ich mich in ein misshandeltes und missbrauchtes Kind hineinversetze und es die Welt aus dessen Sicht wahrnehmen lasse, können sich ebenso katastrophale Reaktionen ergeben, die schlimmstenfalls zu einem zerstörerischen Täterdasein führen. Ich versetze mich für meine Geschichten insofern in Stimmung, indem ich mich vollkommen isoliert zurückziehe (meist in einer einsamen Hütte schreibe) und dort ganz allein mit dem Protagonisten lebe. Ich fühle ihn, lasse ihn atmen, spüren, leiden und handeln. Ich bin die ganze Zeit bei ihm (unerreichbar für andere) und schreibe seine Geschichte Stück für Stück auf. Der Aufwand, der hinter solchen Büchern steckt, ist nicht nur die Recherche über das psychische Erkrankungsbild, das der Protagonist zeigt, sondern auch ein starker emotionaler Aufwand, schmerzliche Szenen zu schreiben, und zwar so, dass der Leser sie spüren kann. Der Schreibaufwand beläuft sich auf 3 Monate Recherche und dann 10 Stunden im Schnitt täglich schreiben, 4 Wochen lang. Ich schreibe alles von Hand. Tippe den Text erst später ein. Das dauert noch mal 4 Wochen. Dann Lektorat und Vermarktung. In dem Buch »Die Gesichterwand« steckt ein Aufwand von mindestens 6 Monaten.

– Was macht Rafe Arkins zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihm persönlich?

Rafe ist jung, hat Ziele für seine Karriere als Journalist. Einziges Manko: Er hat keine Erfahrung, wie weit er bei der Geschichte gehen darf, die ihm als erste Story vor Augen schwebt. Sein Vater warnt ihn, ebenso sein Dozent. Auch andere raten ihm davon ab, sich dem angeblichen Psychopathen Christopher Gelton zu nähern. Rafe ist jedoch in seiner jungendlichen Neugier gefangen und schätzt die Dinge dadurch falsch ein. Das bringt ihn in die fatale Situation, um sein Leben kämpfen zu müssen.
Ich schätze an Rafe, dass er sich grundsätzlich Missständen dieser Welt stellt und sie zu beseitigen versucht. Er ist zielstrebig und lässt sich nicht von anderen aus dem Tritt bringen. Ihm fehlt jedoch die Erfahrung, wie weit er wirklich gehen darf...

– Sie haben »Die Gesichterwand« - wie auch viele andere Ihrer Bücher - ohne einen Verlag in Eigenregie veröffentlicht. Was hat Sie dazu bewogen, es auf diesem Wege zu versuchen? Und halten Sie in der heutigen Zeit »klassische« Verlage überhaupt noch für nötig?

Ich stand, genau wie viele meiner Kollegen, eines Tages vor dem Wunsch, das erste Buch herauszubringen. Ich bewarb mich bei unzähligen Verlagen und bekam nicht eine einzige Zusage. Es war frustrierend, denn man sagte mir, dass mein Stil eine Katastrophe sei und meine Titel nicht zumutbar, ganz zu schweigen von den Themen. Dazu muss ich erwähnen, dass ich autistisch bin. Der Satz, der mich am meisten verletzte, kam von einem großen Verlag und lautete: »Wer liest denn so was?« oder »Ihre Themen existieren nicht.« Da ich fest an meinem Wunsch, eine Autorin zu werden, glaubte und arbeitete, gründete ich 1996 einen sogenannten Eigenverlag, den ich aus finanziellen Gründen im Jahr 2000 auflöste. Die Werbung war zu teuer. 2009 kam das eBook auf den Markt. Ich nutzte die Chance und war einer der ersten Autorinnen, die ein eBook herausbrachte. Es hieß »Die Scheune«. Ein grandioser Erfolg! Plötzlich bekam ich von zigtausend Lesern die Rückmeldung, dass meine Geschichte gut sei. Seitdem habe ich nicht mehr versucht, einen Verlag zu finden. Ich wollte die Rechte an meinen kommenden Büchern nicht mehr hergeben, auch weil die Honorare der Verlage sehr gering sind. Und es ist echt die Ausnahme, von einem Verlag zu einem »großen Autor« gemacht zu werden. Ich sah mich mit einem geringen Honorar dahindümpeln. Doch es war mein Wunsch, eines Tages davon leben zu können. Und es hat sich gelohnt. Ich habe jetzt 16 Bücher auf dem Markt und lebe seit über 3 Jahren von meinen Buchverkäufen. Leider trauen sich viele klassische Verlage nicht an Ausnahmethemen oder Ausnahmeautoren, die nicht im Mainstream mitlaufen. Doch das sind häufig die Trendsetter von morgen. Das Geld verhindert, wie in vielen Dingen, ein Umdenken. Jeder will sein Schäfchen im Trockenen wissen. Mut sucht man vielerorts vergeblich. Dabei sind es die Mutigen, die die Welt wirklich positiv verändern.
In meiner derzeitigen Situation halte ich einen Verlag für unnötig, weil ich meinen eigenen Mut, was Inhalt, Titel und Cover betrifft, einfach mag, authentisch bleiben möchte und mich nicht verbiegen lasse. Ich lebte schon immer nach dem Motto »Trete nicht in die Fußstapfen anderer, sondern hinterlasse deine eigenen Spuren.« Dennoch bin ich offen für einen Verlag, der mir mit fairen Konditionen und einer guten Zusammenarbeit begegnet. Das würde eine Erfolgsstory werden.

– A propos heutige Zeit: Sie haben schon in den neunziger Jahren Bücher geschrieben, dann aber fünfzehn Jahre pausiert. Nun sind Sie schon seit sieben Jahren wieder »mit dabei«. Haben Sie den Eindruck, dass sich die Buchwelt zwischen Ihrem ersten und zweiten »Autorenleben« gewandelt hat? Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen?

Oh ja, der Buchmarkt hat sich drastisch verändert. Es entstand durch das eBook der Kampf zwischen Verlagen und Selfpublishern. Der Kampf um die Vermarktung. Der Verlag, der einen enormen Kostenapparat zu bewältigen hat, und der Selfpublisher, der plötzlich hohe Tantjemen kassierte. Der Preissturz begann. Auch ich gab mein erstes eBook für 99 Cent heraus, um mich von Verlagen abzugrenzen und auf diese Weise Leser zu finden. Und es funktionierte. Doch nichts funktioniert auf Dauer. Immer mehr Autoren überfluten den Markt, wodurch der Konkurrenzkampf immer größer wird. Ich bin letztes Jahr aus der 99 Cent Liga ausgestiegen und spreche auch nur für mich, wenn ich sage, dass ich mich jetzt durch einen stabilen Preis als gestandene Autorin abgrenzen möchte. Das verändert auch mein Lesepublikum derzeit und ich mache nur positive Erfahrungen damit. Allerdings wird die Technik für mich immer unübersichtlicher und so manches Mal wünsche ich mir die gute alte Zeit zurück, in der ich mein Buch drucken und Binden lassen musste. Es öffnen sich immer mehr Werbekanäle im Internet, die ich kaum noch überblicke. Und wenn ich in diese Richtung nicht versiert bin, wird es für mich immer schwerer. Doch ich glaube auch an das bodenständige, ursprüngliche Buchschreiben und arbeite weiterhin geduldig mit alten Methoden daran, meine Leser immer neu zu begeistern und neue Leser zu gewinnen. Ich bin überzeugt, dass der solide Weg der bessere auf Dauer ist.
Ich wünsche mir vom deutschsprachigen Buchmarkt, dass sich die Verlage mehr auf Selfpublisher einlassen und angemessene Honorare leisten oder in Vorkasse gehen. Das wäre fair, wenn man an die Arbeit eines Autors denkt, der monatelang an einem Buch arbeitet. Die Buchauslage im Buchhandel ist und bleibt ein großes Thema und ist bis heute den meisten Selfpublishern verwehrt. Es wäre schön, wenn dort vertraglich eine Einigung erreicht werden könnte.
Von meiner Leserschaft wünsche ich mir weiterhin das Interesse an meinen Geschichten und die Diskussionsbereitschaft über schwere Themen, wie ich sie schreibe. Sie sind aktuell, beklemmend und sollen aufrütteln, die Kinder unserer Welt besser zu schützen. Sie sind das höchste Gut, das wir haben.

– Was können wir von der Autorin Marion Schreiner in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Ja, ich habe immer ein Projekt im Kopf. Ohne geht es gar nicht mehr... Ich plane die Geschichte einer Frau, die ihr Leben aufarbeitet, indem sie die Belastungen in ihrer Familie über Generationen zurück verfolgt. Sie buckelt die Probleme ihrer Vorfahren und ich möchte aufzeigen, was das auch einem Menschen machen kann. Weiß nicht, ob das wirklich ein Psychothriller wird. Mal sehen.
Seit ich in Großbritannien lebe (2016), besuche ich keine deutschen Buchmessen mehr. Ich war bis 2015 fünf Mal infolge dort Gast zum Lesen und habe meine Bücher vorgestellt. Doch jetzt ist der Aufwand einfach zu teuer zum Verhältnis der Einnahmen. Dann habe ich noch das Handycap des Autismus´, was es mir schwer macht, unter so vielen Menschen, Geräuschen und Bewegungen über Stunden zu sein. Ich kam früher nur zur Lesung und verließ die Messe danach direkt wieder. Sie überfordert mich. Aber wenn ich ab und an in Deutschland bin, gebe ich fast immer eine Lesung in einem kleinen Rahmen. Das war letztes Jahr im September im Kulturraum 5 in Hilden. Es war toll. So etwas würde ich wieder planen, wenn ich längere Zeit nach D’land käme. Hier in GB versteht mich leider keiner... hehe...
Das Team von Leserkanone.de dankt Marion Schreiner für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Marion Schreiner
Marion Schreiner bei Twitter
Marion Schreiner bei Facebook
»Die Gesichterwand« bei Leserkanone.de
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