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Farina de Waard 39 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Farina de Waard
Twitter: @farinadewaard
Facebook: farina.dewaard
Instagram: farina_de_waard
Interviews: Leserkanone.de-Interview mit Farina de Waard vom 24.08.2015
  Leserkanone.de-Interview mit Farina de Waard vom 10.03.2016
  Leserkanone.de-Interview mit Farina de Waard vom 02.08.2017
Tags: Fünf Verlinkungen in Leserkanone.de-Artikeln
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 10.03.2016
Farina de Waard, die uns in der Vergangenheit als eine der professionellsten deutschsprachigen Self-Publisherinnen begegnet ist, hat dieser Tage mit »Jamil - Zerrissene Seele« ihren dritten Roman veröffentlicht. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Trägerin des Indie-Autoren-Preises der Leipziger Buchmesse über ihren neuen Roman, über Flüchtlinge, über Fantasyromane im Kontext großer gesellschaftlicher Themen, über die Autorinnengruppe »Zauber zwischen Zeilen« und über ihre Arbeit als Buch-Jurorin.

– Frau de Waard, vor kurzem ist ein neues Buch aus Ihrer Feder erschienen. Dabei handelt es jedoch nicht um den dritten Teil Ihrer Buchreihe »Das Vermächtnis der Wölfe«, wie man vermuten könnte, sondern ein gänzlich eigenständiges Werk namens »Jamil - Zerrissene Seele«. Was erwartet die Leser in dem neuen Roman, und wie kam es dazu, dass Sie ihn jetzt erst einmal eingeschoben haben? Ist das Ganze dieses Mal als Einzelveröffentlichung angelegt, oder bildet auch dieses Buch den Startschuss für eine Reihe?

Die Grundidee für Jamil kam mir mit 17, als ich in den USA in die Schule ging. Es war nur ein Gedanke und ein grobes Konzept über die innere Zerrissenheit einer Person in der Fremde, die zwischen Kulturen und Dämonen gefangen ist. (Nicht dass ihr jetzt denkt, es wäre mir dort schlecht gegangen, ich spielte nur mit dem Gedanken, was wäre, wenn ich mich nicht hätte anpassen können.) Ich hatte also ein paar Seiten Notizen, musste mich dort aber mehr aufs reale Leben und die Schule konzentrieren und so blieb die Idee liegen. Nachdem ich im Sommer 2015 »Zorn« veröffentlicht hatte, bekam ich zusehends das stärkere Gefühl, dass ich eine Pause vom Vermächtnis brauchte. Ich wollte mich nicht zum Weiterschreiben zwingen, da dabei kaum etwas Sinnvolles in Teil 3 entstehen würde, konnte aber auch nicht einfach ganz mit dem Schreiben aufhören. Da kam die Idee von Jamil zurück und packte mich mit voller Intensität. Es ist als Einteiler gedacht, allerdings fordern meine Lektoren trotz abgeschlossenem Ende eine Fortsetzung (was ich mal als gutes Zeichen deute).

– War die aktuelle gesellschaftliche Situation für Sie ein Anstoß, ein Buch zu schreiben, in dem es - neben der eigentlichen spannenden Geschichte - unter anderem auch um Flüchtlinge, Vorurteile und Manipulation geht, oder ist es nur ein großer Zufall, dass Sie sich diesen Themen gewidmet haben?

Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Die Idee, Jamil mit einem Dämon und einem Geist zu konfrontieren und zwischen zwei Völkern durch seine Verletzungen »festzusetzen« kam mir damals, doch ich glaube tatsächlich, dass die Flüchtlingsthematik im letzten halben Jahr Einfluss auf mich hatte. Ich habe es zu Anfang nicht bewusst eingesetzt, aber als ich die Geschichte beim Überarbeiten das erste Mal selbst von Anfang bis Ende durchlas, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

– Allein die Erwähnung des Begriffs »Flüchtling« lässt heutzutage - insbesondere online - schnell den ein oder anderen Kamm anschwellen. Auch in der Buchwelt führte dies schon zu absurden Momenten, etwa als sich Krimi-Expertin Inge Löhnig anhören durfte, dass eine angebliche Stammleserin nie wieder eines ihrer Bücher kaufen würde, da eine von Frau Löhnigs Protagonistinnen im Buch (!) Flüchtlingen eine Spende zukommen ließ. Birgt das Ansprechen heikler Themen wie dieses nicht ein Risiko? Und haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, wie Sie mit einem Shitstorm zurechtkämen? ;)

Auf solche Leser könnte ich getrost verzichten. Ich bin mir darüber bewusst, dass es Leute geben könnte, denen ich mit so einer Thematik ans Bein pinkle, aber ich werde mich nicht durch Befürchtungen einschränken lassen. Ich habe auch für meinen Debütroman schon schlechte Kritiken und Angriffe erlebt. Natürlich heißt das nicht, dass ich weiß, wie sich ein Shitstorm anfühlen würde, aber ich hoffe, dass ich damit zurechtkäme. Allerdings ist das Buch ja auch nicht rein auf diese Thematik eingeschworen, es geht auch um innere Konflikte und wie Hass und Vorurteile sich auf Menschen und ihre Umgebung auswirken, das bezieht sich ja nicht nur rein auf Flüchtlinge.

– Inwiefern ist das Genre des Fantasyromans Ihrer Meinung nach dazu geeignet, reale gesellschaftliche Stimmungen einzufangen und zu verarbeiten, die eigene Haltung der Autorin oder des Autors zu vermitteln oder womöglich gar Einfluss auf die Leser zu nehmen? Und ist Letzteres Ihrer Meinung nach überhaupt wünschenswert?

Ich denke, dass es traurig wäre, wenn ein Buch überhaupt nicht auf solche Themen eingehen würde! Wir sind alle Menschen und es ist natürlich, dass man von seiner Umgebung und der Gesellschaft beeinflusst wird und das auch in seine Texte einfließt. Das kann man natürlich versuchen, bewusster an sich selbst zu beobachten und zu steuern oder zu ändern, aber ich finde, dass auch Fantasy durchaus gesellschaftliche Kritik und Meinungen beinhalten darf! Auch beim Vermächtnis der Wölfe geht es mir um Kritik an der Gesellschaft, dort spielt es sich auf einer größeren Ebene ab: Diktatur, Rassissmus, der Verbot von ganzen Kulturen und Genozid … solche Themen lassen sich meiner Meinung nach recht gut in Fantasy »verpacken«. Der Leser kann selbst entscheiden, ob er sie wichtig findet und wahrnimmt oder ob er eher seinen Fokus auf die Magie oder andere Fantasyaspekte legt – übrigens habe ich auch dabei Hintergedanken: Die Magie ist für mich ein deutliches Sinnbild für Innere Balance, Selbstsicherheit und den Willen, Gutes zu tun.
Ich denke, jedes Buch (sofern es den Leser berührt und ihn mitreißt) hat Einfluss auf den, der es in der Hand hält. Fantasy kann entführen und anregen, aber ich sehe nichts falsches darin, den Leser auch zum Denken anzuregen und vielleicht sogar über die reale Welt nachzusinnen.

– Sie sind derzeit dabei, eine Webseite zu Ihrem neuen Buch aufzubauen. Worauf können sich Ihre Leser dort freuen? Und planen Sie, für die zukünftigen Fans Ihres neuen Romans Merchandise-Artikel zu entwickeln, wie Sie es für die Freunde des »Vermächtnisses der Wölfe« getan haben? Oder ist momentan noch alles viel zu frisch, um das schon abschätzen zu können?

Das ist noch in der Entwicklung – wobei ich mich kenne. Vermutlich wird es auch für Jamil so manches Extra geben. Auf der Webseite werde ich das Buch und Charaktere vorstellen und auf Events aufmerksam machen und auch Hintergrundinfos einstreuen, allerdings wird sie wohl nicht so groß wie meine Fanowa-Seite. Ich möchte potentiellen Lesern gern ein stimmungsvolles Bild vermitteln, da gehört für mich eine passende Webseite dazu.

– Das Erscheinen Ihres dritten Romans ist nicht die einzige Neuigkeit, die es von Ihnen zu berichten gibt. So sind Sie seit einigen Wochen Mitglied der Autorinnengruppe »Zauber zwischen Zeilen«. Was hat es damit auf sich, wer steckt dahinter und welche Ziele und Hoffnungen hegen Sie durch die Mitgliedschaft in einer solchen Vereinigung?

Tatsächlich habe ich diese Gruppe zusammen mit C. M. Spoerri gegründet und wir haben eine wunderbare Ansammlung von tollen Fantasyautorinnen erwirkt. Unsere Idee war ganz klar, wie bei vielen solcher Vereinigungen: Zusammen sind wir stärker und Fantasyleser kaufen nicht nur ein Buch im Jahr. Wir wollen uns gegenseitig unterstützen, uns die Messeautritte erleichtern und auch Anthologien herausbringen. Unsere Facebookseite hatte innerhalb von 2 Tagen 2000 Likes, da waren wir ehrlich gesagt ziemlich aus dem Häusschen. Wir haben das Ziel, uns gegenseitig zu empfehlen und zu helfen und natürlich hoffe ich, dadurch mehr Leser zu gewinnen und meinen Stand am Markt etwas zu stabilisieren.

– Und noch eine Neuigkeit: Nachdem Sie im vergangenen Jahr den Indie-Autoren-Preis der Leipziger Buchmesse erhalten haben, sind Sie dieses Mal nun selbst Mitglied der Jury geworden. Ist es das erste Mal, dass Sie in einer solchen Form über die Arbeit Ihrer Kollegen richten mussten? Und bedeutet(e) die Jurymitgliedschaft sehr viel Aufwand für Sie?

Tatsächlich ist es das erste Mal, dass ich andere Bücher so intensiv bewertet habe. Auch vorher habe ich schon manches Buch kritisch analysiert, um daraus zu lernen, aber dieses Mal war damit schon etwas mehr Druck verbunden. Ich wollte mein Bestes geben und die eingereichten Bücher möglichst objektiv behandeln. Mir ist klar, dass das nicht so einfach ist, deshalb habe ich eine Tabelle mit Bewertungskriterien erstellt und jedes Buch danach abgearbeitet, bevor ich das Exposé und den Autor unter die Lupe genommen habe. Es hat großen Spaß gemacht (und macht es immer noch), auch wenn ich zwischendurch etwas ins Schwitzen kam, da ich parallel auch noch die Messeplanung und mein eigenes Buch fertig machen musste.
Mir ist durch diese Arbeit und die Diskussion mit den anderen Jurymitgliedern aber noch einmal deutlich bewusster geworden, wie unterschiedlich Meinungen zu Büchern sein können! Ich weiß meine Nominierung vom letzten Jahr jetzt noch mehr zu schätzen und freue mich schon auf die Leipziger Buchmesse!

– Da wir hier ja fast unter uns sind: Teamintern ist unsere Meinung zu Bücherpreisen eine eher kritische. Werden Abstimmungen online durchgeführt, sagen die Ergebnisse selten etwas über die Qualität aus, sondern eher über die soziale Vernetzung der Gewinner; von Experten vergebene Preise führen hingegen häufig zu irritierenden Ergebnissen, bei denen Bücher oder Autoren ausgezeichnet werden, die vollkommen am Interesse von »Otto Normalleser« vorbeigehen oder gar speziell auf Kritiker zugeschnitten sind. Teils hangeln sich Autoren von einer gewonnen Stipendienzahlung zur nächsten und überstehen auf diese Weise Jahre als Autor, ohne dass es die Verkaufszahlen rechtfertigen würden. Sehen wir das zu schwarz? Was sollte ein Buch Ihrer Meinung nach mitbringen, um eine Auszeichnung zu verdienen?

Uff, also ich persönlich finde das ein bisschen zu schwarz gesehen, allerdings bin ich mit meinen 24 auch noch nicht die erfahrendste Person was das angeht und natürlich gehen gerade bei Nominierungen die Meinungen stark auseinander. Die einen finden die Gewinner absolut gerechtfertigt, andere überhaupt nicht nachvollziehbar. Bei Communitypreisen sehe ich das genauso wie ihr, da gewinnt der mit der größten Reichweite und der stärksten Fangemeinde und andere, vielleicht sogar bessere Bücher gehen unter. Manchmal kann man ja aber auch Juryentscheidungen nicht so nachvollziehen, allerdings habe ich versucht genau darauf bei meiner Bewertung zu achten: Ist das Buch interessant für eine große Gruppe Leser? Bei einem eingereichten Buch hatte ich aber zum Beispiel das Gefühl, dass es genau für uns als Jury geschrieben worden war, das habe ich eher negativ bewertet, denn ich finde, ein gutes Buch muss eine Message für seine Leser, eine nachvollziehbare, spannende Entwicklung und logische, tiefgängige Charaktere haben.

– Wie geht es nach der Veröffentlichung von »Jamil - Zerrissene Seele« weiter? Steht nun die weitere Arbeit am dritten Teil Ihres großen Tyarul-Epos an, oder sind womöglich noch andere Projekte geplant?

Ich stürze mich jetzt wieder voll in die Arbeit an Teil 3 namens »Zwang«. Tatsächlich konnte ich es nicht lassen und habe während dem aktiven Schreiben von Jamil ein ganzes Notizbuch mit Details zu Teil 3 und 4 der Vermächtnis-Reihe gefüllt, das erleichtert mir die Arbeit jetzt enorm. Außerdem habe ich das Gefühl, mich durch das Schreiben eines anderen Buches schriftstellerisch gesteigert zu haben, ich habe vieles neu betrachtet und bin strukturierter vorgegangen, ich hoffe, dass mir das bei den zukünftigen Teilen vom Vermächtnis helfen wird, noch mehr Leser zu überzeugen. Ich arbeite aber auch ein bisschen an einem Plot für »Jamil 2« und habe noch ein paar andere Ideen, unter anderem ein Medizin-Thriller, das muss aber erstmal warten, ich will nicht zu viele Projekte gleichzeitig starten und im April geht ja auch mein Studium wieder los.

Das Team von Leserkanone.de dankt Farina de Waard für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Farina de Waard
Farina de Waard bei Twitter
Farina de Waard bei Facebook
»Jamil - Zerrissene Seele« bei Leserkanone.de
»Jamil - Zerrissene Seele« bei Amazon
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