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Horst Knappe 0 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Horst Knappe
Interview: Leserkanonen-Interview mit Horst Knappe vom 25.03.2023

Exklusivinterview mit Horst Knappe vom 25.03.2023


von Daniela Peine
 
Zum Jahreswechsel wurde Horst Knappes Roman »Alek - Kein Held unserer Zeit« veröffentlicht. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über dessen titelgebenden Protagonisten und über das Veröffentlichen in Eigenregie.

– Herr Knappe, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Alek - Kein Held unserer Zeit«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Mein Roman folgt dem jungen Alek durch drei wilde Etappen seines Lebens, die sich – wegen seiner Suche nach immer neuen Herausforderungen – als Schussfahrt ins Risiko entpuppen. Das Zitat von Oliver Stone im Klappentext drückt es so aus: »Wer sich noch daran erinnert, wie es ist, neunzehn oder zwanzig zu sein, weiß, wie gefährlich diese Zeit sein kann.«

Seine Jahre als Soldat und Ausbilder bei der Bundeswehr prägen und impfen den Protagonisten zugleich mit einer großen Portion (Selbst-)Zweifel, die ihn rüsten für seine anschließende Aussteiger-Reise durch die Länder Asiens, wo ihn bedrohliche Situationen ebenso unvermittelt erwarten wie exotische Liebschaften. Im dritten, längsten Buchteil erleben wir ihn als Reiseleiter eines Touristikunternehmens bei Einsätzen rund um den Globus, in denen seine Jagd nach Geld und Liebesabenteuern schließlich eskaliert und in Afrika zu enden droht. Der Titel »Kein Held unserer Zeit« bezieht sich übrigens auf den fast gleichnamigen Roman von Michail Lermontow, zu dessen tragischem Held Alek fatale Parallelen aufweist.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts, die ich sehr schätze, gibt es keinesfalls nur langatmige Tragödien, sondern von Dostojewskij (Die Dämonen, Schuld und Sühne etc.) und anderen Autoren Romane, die ich packender finde als manch kontemporäres Werk. Wer aus der Neuzeit aber z.B. die Bücher von Don DeLillo mag (Unterwelt, Falling Man, Cosmopolis etc.) oder von Michel Houellebecq (Die Möglichkeit einer Insel, Karte und Gebiet) oder Malcolm Lowry (Unter dem Vulkan), William S. Burroughs oder Patti Smith (Babel, Just Kids, Traumsammlerin) ... wird vermutlich auch mit »Alek« sympathisieren.
Literarische Vorbilder waren in meinen jungen Jahren, also im besagten Alter von ungefähr zwanzig, Henry Miller und die Protagonisten der »Beat Generation« (Allen Ginsberg, Jack Kerouac, William S. Burroughs), später dann Arthur Rimbaud und andere Franzosen wie André Gide und Antonin Artaud, aus der Neuzeit Emmanuel Carrère.
Meine Lieblingsromane sind »Unterwelt« von DeLillo, »Wendekreis des Krebses« von Henry Miller, »Betty Blue« von Philippe Djian und »Der Alptraum« von Norman Mailer: Also meist Bücher, in denen auf hohem Niveau mächtige Stürme toben.

– Was macht Alek zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihm persönlich?

Im ersten der drei Teile des Buches wird die Entstehung seiner rebellischen, doch stets selbstkritischen Natur geschildert – unter teils extremen Bedingungen als Soldat und später als Ausbilder in Uniform. Ihn anschließend im echten Strudel des Lebens auf fremden Kontinenten fighten zu sehen, keinesfalls als Held, aber immer entschlossen, das Schicksal bei den Hörnern zu packen, macht Appetit, sich mit ihm zu identifizieren. Dass er sich aus nahezu ausweglosen, seelischen und realen Bedrohungen immer wieder zurück ans Licht kämpft, schätze ich an ihm besonders.

– In Ihrem Buch »My Walk On The Wild Side« beschreiben Sie Ihre eigenen Erfahrungen an den exotischsten Orten dieser Welt. Inwiefern haben diese geholfen, Ihr aktuelles Buch zu Papier zu bringen? Welcher Aufwand steckt generell in einem Buch wie »Alek - Kein Held unserer Zeit«?

»My Walk On The Wild Side« ebenso wie »Alek – Kein Held unserer Zeit« konnte ich nur schreiben, weil ich in jungen Jahren tatsächlich alle Orte der Handlungen bereiste, in vielen davon lange beruflich tätig war und natürlich eine Vielzahl der verrücktesten Abenteuer selbst erlebte. Fragt man jemanden, was für ihn im Leben am bedeutendsten war, wird er/sie immer an die Zeit im Alter von 18-25 Jahren zurückdenken – in meinem Fall vielleicht mit einem besonders scharfen Detailblick, der mich zwang, das im Roman unzerstörbar festzuhalten.

Im Gegensatz zur Arbeit an Erzählungen ist ein Roman wie »Alek« mit 358 Seiten ein Projekt, bei dem man (zumindest ich) nicht einfach drauflos schreiben kann. Es erfordert ein Konzept, einen Spannungsbogen, ein »Gerüst«, ohne das ein großes Gebäude zusammenstürzen müsste. Vergleichbar mit der Aufgabe, eine Symphonie zu komponieren anstelle eines Popsongs. Planung, Ausführung und immer neue Überarbeitungen einer solchen Textmenge erforderten bei »Alek« rund zwei Jahre. Allerdings habe ich dies als positiven Stress betrachtet, als vergnüglichen Schaffensprozess und quasi als persönliche »Schussfahrt«.

– Was macht aus schriftstellerischer Sicht den Reiz daran aus, eine Geschichte zu konstruieren, deren Protagonist eben »kein« Held im üblichen Sinne ist?

Heldengeschichten mit dem klassischen Gut und Böse finde ich absolut langweilig und als Literatur für Erwachsene sogar gefährlich, weil kein Mensch so eindimensional gestrickt ist. Dem zweiten Teil von »Alek« habe ich ein Zitat von Leo N. Tolstoi vorangestellt, das genau Ihre Frage beantwortet:
»Es ist einer der gewöhnlichsten und am weitesten verbreiteten Aberglauben, dass jeder Mensch nur eine einzige Eigenschaft habe, die ihm zugehöre, dass ein Mensch entweder gut oder böse oder klug oder dumm oder energisch oder apathisch sei und so weiter. Die Menschen pflegen nicht so zu sein. Wir können von einem Menschen zwar behaupten, er sei öfter gut als böse, öfter klug als dumm, öfter energisch als apathisch oder umgekehrt, aber es trifft einfach nicht zu, wenn wir von einem Menschen behaupten, dass er gut oder klug sei, und von einem anderen, dass er böse oder dumm sei. Und doch teilen wir die Menschen immer so ein.«

– Sie haben Ihr Buch ohne einen Verlag in Eigenregie veröffentlicht. Was hat Sie dazu bewogen, es auf diesem Wege zu versuchen? Und halten Sie in der heutigen Zeit Verlage überhaupt noch für nötig?

Um Ihre zweite Frage zuerst zu beantworten: Buchverlage halte ich weiter unbedingt für nötig, um neue Literatur sowie Auflagen alter Klassiker in gedruckter Form in großen Mengen zu verbreiten. Eine brutale, leider nicht neue Tatsache ist jedoch, dass Verlage aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht anders können als ausschließlich Bücher zu produzieren, deren Vertrieb mindestens den Ertrag des vorher dafür investierten Budgets garantiert. Das macht es neuen Autoren, selbst wenn sie (wie ich) nicht mehr jung sind und schon Einiges publiziert haben, praktisch unmöglich, irgendwo zum ersten Mal die schweren Pforten eines etablierten Buchverlages zu öffnen. Ich habe es parallel zu meinen Selbstveröffentlichungen permanent versucht, bin jedoch aus o.g. Gründen über die Absagen nicht verbittert, sondern freue mich über die positive Resonanz auf meine in Eigenregie publizierten Bücher. Besonders bei »Alek – Kein Held unserer Zeit«, an dem mein Herzblut hängt, zählen für mich lobende Kommentare, wenn es gefällt, und nicht, weil das Buch vielleicht auf einer Bestsellerliste steht.

Das Team von Leserkanone.de dankt Horst Knappe für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Horst Knappe
»Alek - Kein Held unserer Zeit« bei Leserkanone.de
»Alek - Kein Held unserer Zeit« bei Amazon
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