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Christian Günther

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Herkunft: Deutschland
Interview: Leserkanonen-Interview mit Christian Günther vom 10.10.2022
 
Leserkanonen-Exklusivinterview vom 10.10.2022
In seinem neuen Buch »Die zivilen Fahnder/innen« lässt Christian Günther ein Ermittlgerduo gleich achtmal gegen das Verbrechen zu Felde ziehen. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Werk, über seine beiden Spürnasen und über seine zukünftigen Projekte.

– Herr Günther, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Die zivilen Fahnder/innen«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Zuerst die Besonderheit: Statt einem Roman liegt hier eine klassische Serien-Staffel vor. Das Essener Ermittlerduo Judith Reiter und Nick Fengler bekommt es mit acht Fällen in einem Buch zu tun. Dabei sind ihre Fälle eher alltäglicher Natur: Es geht nicht darum, in jeder Folge einen Mord aufzuklären. Stattdessen haben sie es mit einem tödlichen Raserrennen zu tun oder ein Fluchtwagen streikt nach einem Überfall ausgerechnet an einer Haltestelle voller Schulkinder. Ein Einbruch, bei dem Schmuck im Werte von 50000 Euro geraubt wird, erfordert ebenso ihre Aufmerksamkeit. Neben klassischer Polizeiarbeit mit Szenen am Tatort, Befragungen und Verhören kommen spektakuläre Szenen vor - und ausgiebige Neckereien des Ruhrpott-Slang redenden Ermittler-Pärchens. Im Titel (»Fahnder/innen«) werden beide bewusst gleichberechtigt genannt.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich habe leider nicht jedes Buch, das in der Region spielt, gelesen, daher fällt mir ein Vergleich schwer. Allein in der Stadt Essen sind mehrere Ermittlerinnen und Ermittler tätig. Im TV gibt es sie, aber auf dem Buchmarkt ist mir noch keine Serie begegnet. Zur Zeit meiner ersten drei Bücher (2007-2009) las ich Romane von Andy McNab, der sehr präzise über Einsätze seines Agenten Nick Stone schrieb. Ein Favorit von mir ist »Drei Tage bis zur Ewigkeit« von Alastair MacNeill. Von den Büchern, die wir in der Schule im Deutschunterricht lesen durften/mussten, gefiel mir »Der Richter und sein Henker« von Friedrich Dürrenmatt am besten.

– Tagtäglich erscheinen unzählige neue Kriminalromane, und es ist schwer, aus der breiten Masse herauszustechen. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buchs, wegen denen man unbedingt bei Ihnen zuschlagen sollte?

Der Aufbau als Serie ist sicher der größte Unterschied zu einem herkömmlichen Roman. Es weicht stark von Gewohntem ab. Ich denke allerdings, dass es nicht bloß beim Krimi, sondern ebenso bei anderen Genres auf dem Buchmarkt Potential hätte. Neben der erzählten Handlung kommt bei mir öfters eine Art Drehbuchstil vor, zum Beispiel bei Besprechungen und Funksequenzen - wie aus den Akten der Polizei entnommen. Bei den fiktiven Fällen war meine Rolle Nick real dabei und berichtet rückblickend über sie. Nicht zu vergessen: wer - wie ich - ausufernde Fäkalsprache nicht mag, den kann ich gerne beruhigen. Sie taucht nur vereinzelt in einem Handlungsstrang auf. Denn Judith ist der Meinung, dass eine Frau nicht dadurch stark wäre, dass sie besonders derbe Worte in den Mund nähme. Vor allem ein Wort mit F und vier Buchstaben ist ihr zuwider.

– Was macht Judith Reiter und Nick Fengler zu solch »besonderen« Spürnasen, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihnen persönlich?

Meine Rolle Nick gab es 2007 schon - bei »Böses Erwachen« mit gleichem Konzept, nur war er da der jüngere. Heute, 13 Jahre später spielend, überlässt er - neben dem Berichten über die Fälle - bei der ersten Staffel seiner neuen, jungen Partnerin Judith die Bühne, um mit ihr eine noch stärkere Frauenrolle einzuführen. Sie ist für die spektakulären Elemente zuständig, beispielsweise gerät sie in einen Faustkampf hinein und zeigt dabei neben ihrer üblichen verbalen ebenso physische Schlagfertigkeit. Das Privatleben der beiden bleibt weitestgehend außen vor, trotzdem ist im Laufe des Buchs zu erkennen, dass beide sich wertschätzen und es keine klassische Rollenverteilung gibt. Judith ist auf Augenhöhe und unabhängig. Mir gefällt das ebenso gut wie meiner Rolle. Ich möchte den Weg der beiden als Autor gerne über einen mehrjährigen Zeitraum lang begleiten. Ihnen zur Seite stehen bei einigen Fällen die Uniformierten Lena und Michael (eine Kombination aus frecher Jungspund und alter Haudegen) - und geleitet wird das Revier von Nicks früherer und langjähriger Partnerin Romina Cervic.

– Sollte man aus dem Ruhrpott stammen oder einen persönlichen Bezug zur Region haben, um größtmögliche Lesefreude an Ihrer Serie zu empfinden? Was macht das Ruhrgebiet zu einem idealen Schauplatz für das (geschriebene) [die (geschriebenen)] Verbrechen?

Wer die Stadtteile Kettwig und Werden sowie deren Umgebung kennt, dürfte viele meiner Schauplätze vor Augen haben. Das übt lokal sicher einen gewissen Reiz aus. Ich meine allerdings, dass das bei jedem lokalen Buch der Fall ist. Einige Kilometer außerhalb an der Ruhr und Baldeneysee gelegen, ermitteln Judith und Nick nicht im Essener Großstadttrubel, sondern eher ländlich-sittlich. In jeder Folge Mord und Totschlag, das wär unrealistisch. Für mich als Autor hat es den Vorteil, dass ich die erdachte Handlung an mir bekannte Orte anpassen kann oder Ideen gar durch die mir bekannten Orte entstehen. Die Fälle als reine Handlung könnten vermutlich überall passieren. Gewiss spricht der verwendete Ruhrpott-Slang die Region an, soll aber - das hoffe ich zumindest - für Dialektfremde kein unüberwindbares Hindernis sein. Ein Wörterbuch und die Grammatik sind beim Buch inkludiert.

– Sie haben Ihren Krimi ohne einen Verlag in Eigenregie via »Books on Demand« veröffentlicht. Was hat Sie dazu bewogen, es auf diesem Wege zu versuchen? Und halten Sie in der heutigen Zeit Verlage überhaupt noch für nötig?

Verlage haben auf alle Fälle ihre Berechtigung, dass es sie gibt. Sowohl größere als auch kleinere, die sich zum Beispiel auf Regionen oder thematisch spezialisieren. Ich vermute allerdings, dass es zur Zeit für sie nicht leicht ist zu kalkulieren. Ich habe kein Mainstream, sondern ein sehr spezielles Projekt: mit dem Aufbau als Serie, dem in hohem Maß vorkommenden Ruhrpott-Slang und nicht zuletzt mit einem mir wichtigen, gleichberechtigten Titel. Zudem ist das Skript recht umfangreich und ich möchte den Text nicht eng zusammengequetscht haben, um Seiten zu sparen. So konnte ich mit dem gewählten, größeren Format (13,5x21,5cm) den üppigen Zeilenabstand für eine bessere Lesbarkeit beibehalten - und, obwohl umfangreicher, ist es nur ein Euro teurer als der Erstling von 2007.

– Ist es nicht riskant, gleich eine ganze Buchreihe zu planen, wenn man im Vorhinein noch gar nicht einschätzen kann, wie der erste Band bei der Leserschaft ankommt?

Als Self-Publisher kann ich diesen Weg ohne Problem einschlagen. Ich muss keine Auflage von x Büchern möglichst im Zeitraum y absetzen, sondern kann den Bekanntheitsgrad mit der Zeit steigern. Für eine Selbstpublikation, glaube ich, ist es ein großer Erfolg, dass einige Läden meiner Region und bis ins Bergische hinein sie zeitnah nach der Veröffentlichung in ihr Sortiment aufgenommen haben, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Im Hauptberuf in der Pflege tätig, komme ich nicht zu jeder Zeit zum Schreiben, da ist es darüber hinaus von Vorteil, nicht bis zu einem festgelegten Zeitpunkt liefern zu müssen. Wenn es ein paar Wochen oder Monate länger als geplant dauert, ist das für mich kein Beinbruch. Ich möchte keine inhaltlichen Qualitätseinbußen wegen Zeitdruck haben.

– Was können wir von dem Autor Christian Günther in der nächsten Zukunft erwarten? Wie wird es mit Judith Reiter und Nick Fengler weitergehen? Und sind womöglich sogar darüber hinaus bereits neue Buchprojekte in Planung?

Zur Zeit sind noch zwei weitere Staffeln mit dem Duo Reiter/Fengler geplant, danach könnte sich ein 25. Fall als Langfolge (Roman) anschließen. Wie im richtigen Leben mit Höhen und Tiefen der Beteiligten, die sich beim Finale der ersten Staffel bereits andeuten. In der zweiten Staffel schreibe ich aktuell gerade Szenen, in denen das Ermittlerduo mit einer Person zu tun hat, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlt. Themen wie dieses sollen - bei passenden Fällen eingebettet, wie selbstverständlich und nicht künstlich aufgesetzt wirkend - in jeder Staffel ihren Platz finden: verschiedene Orientierungen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Ebenso wie das zur Zeit vieldiskutierte Gendern - allerdings nur allgemein: Es nimmt die Thematik mit ihrem Für und Wider auf. »Die zivilen Fahnder/innen« sind 2022 erschienen, die Handlung spielt jedoch einige Jahre zuvor.

Das Team von Leserkanone.de dankt Christian Günther für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
»Judith Reiter und Nick Fengler 1 - Die zivilen Fahnder/innen« bei Leserkanone.de
»Judith Reiter und Nick Fengler 1 - Die zivilen Fahnder/innen« bei Amazon
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Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz  •  Cookies