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Dave Cobbler 1 Fan
Herkunft: Deutschland
Interview: Leserkanonen-Interview mit Dave Cobbler vom 16.05.2022

Im Frühjahr 2022 öffnete Dave Cobbler die »Tore der Assassinen« und startete damit seine Fantasyreihe »Vortices Spiritus«. Wir sprachen mit ihm am 19. Mai über sein Autorenleben:

– Herr Cobbler, wie lange sind Sie inzwischen Teil der schreibenden Zunft? Was führte dazu, dass Sie mit dem Schreiben begonnen haben?

Ich hatte früher schon viermal angefangen, ein Buch zu schreiben, aber alle vier nach der Hälfte bis zwei Drittel aus Zeit- und Motivationsgründen abgebrochen. Zwar hatte ich das Feedback bekommen: »Das ist nicht schlecht. Schreib weiter, ich will wissen, wie es weitergeht.« Aber ich muss mir zum Schreiben Zeit nehmen und schaffe es nicht, es neben einer hauptberuflichen Tätigkeit einzuflechten. Da ich auch noch andere Interessen habe, die es zu befriedigen gilt, ist mein Tag einfach viel zu kurz, um alles unter einen Hut zu bringen. In der zweiten Jahreshälfte 2020 habe ich dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt und konzentriere mich seitdem ganz auf das Schreiben und das Selfpublisher-Dasein.

Ohne Zugriffsmöglichkeit auf das Know-how der Krimi-Autorin Joyce Summer bezüglich Veröffentlichung und Marketing hätte ich das aber nicht in Angriff genommen. Sie war es auch, die das Cover meines ersten Buchs »Die Tore der Assassinen« kreiert hat. Aber vor allem trieb sie meinen inneren Schweinehund unzählige Male mit gezielten Tritten zurück und hielt ihn erfolgreich auf Abstand. Der dazu nötige Todesmut kann von mir gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Auch Eva Almstädt hat mir ab und an Zuversicht vermittelt. Ich glaube, ich hätte mir von beiden so einiges anhören müssen, wenn ich wieder abgesprungen wäre.

– In welchem Genre oder welchen Genres sind Sie unterwegs und warum?

Urban-Fantasy - das ist jedenfalls meine Meinung. Obwohl ich auch die Leserinnen verstehe, bei denen andere Aspekte in den Vordergrund rücken und die es auch unter Kriminalroman einordnen. Ich denke allerdings, die Erwartungshaltung einer Krimi-Leserin, ohne Faible für Urban-Fantasy, unterscheidet sich schon von einem Urban-Fantasy-Fan, der beim Lesen Krimi-Elemente vorfindet. Daher fühle ich mich ein bisschen unwohl, wenn ich sehe, dass es mitunter als Kriminalroman eingeordnet wird. Urban-Fantasy-Krimi trifft es wohl am besten.

Schon Urban-Fantasy ist nicht gleich Urban-Fantasy. Bei mir geht es nicht um Hexen, Vampire, Drachen im städtischen Umfeld oder mächtige Fähigkeiten, die Superkräften gleichkommen. Ich versuche subtilere paranormale Kräfte zu durchdenken. Dabei sollen sich diese so in unsere reale Welt einfügen können, dass die geneigte Leserin das Gefühl bekommt: »Hmm, ich könnte auch drüber stolpern.« Zudem ist es mir wichtig, dass den Figuren nichts in den Schoß fällt und alles auch seine Tücken hat, mit denen sie sich arrangieren und klarkommen müssen.

Ok, manch einer wird jetzt sagen: »Was für Fantasy? Einen Vortex Spiritus habe ich doch hier um die Ecke. Ich kann dir die Stelle vom Fenster aus zeigen.« Aber ’mal Hand aufs Herz: Die meisten von uns haben doch Probleme diese überhaupt zu entdecken.

– Was macht ein Buch in Ihren Augen zu einem guten Buch, was macht Figuren zu gelungenen Figuren?

Wenn ich in die Welt eintauche, in der die Geschichte spielt, und ich mich dabei ertappe immer weiter zu lesen, das Lesen eine Eigendynamik entwickelt, dann hat es der Autor geschafft, mich mit dem Buch in dessen Bann zu ziehen.

Wenn die Figuren eine Persönlichkeit entwickeln und es mir so vorkommt: »Mensch, die könnten auch bei mir um die Ecke wohnen und würden sich dann genau so verhalten«, dann sind sie in der Lage der Erzählung die Realitätsnähe einzuhauchen, die für mich nötig ist, um mich als stille Nebenfigur an ihrer Seite wiederzufinden. Dann laufe ich neben ihnen her und erlebe alles hautnah mit. Nur das der Autor mich nie erwähnt, obwohl ich doch direkt dabei bin.

– Wie können wir und Ihre Leser uns einen Tag in Ihrem Autorenleben vorstellen? Wie, wann und wie viel schreiben Sie? Haben Sie sich dazu spezielle Rituale angewöhnt?

Das kommt darauf an, was gerade anliegt. Als hauptberuflicher Selfpublisher muss ich mich um alle Aufgaben kümmern, die mir keiner abnimmt und die auch erledigt werden müssen. Aber wenn mir nichts Dringendes einen Strich durch die Rechnung macht, kommt die Schreibphase. Dann ruft schon beim Aufstehen die Muse und, unterbrochen von 2-3 Tee oder Espresso, wird bis zum Nachmittag auf die Laptoptastatur eingehämmert. Wo? Egal. Auf dem Balkon in der Sonne. Im Sessel. Auf dem Sofa, im Arbeitszimmer oder im Café. Vorher einmal in den Plot schauen, was eigentlich geplant ist und los geht es. Ich brauch meist ein bisschen, um reinzukommen, aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Ich bin im Prinzip Zuschauer meiner eigenen Figuren. Dann Sport. Danach Essen. Und danach noch ein bisschen was erledigen.

Zum kreativen Schreiben brauche ich keine Rituale. Ich brauche ja auch keine Rituale zum Lesen. Eigentlich spielen sich die Szenen wie ein Kinofilm vor meinem inneren Auge ab und ich schaue nur zu, während ich sie niederschreibe. Glücklicherweise kann ich schnell tippen. In der Überarbeitungsphase folgt dann eine Schleife nach der anderen, solange bis mir der Text als Leser gefällt.

– Wo holen Sie sich Ihre Ideen her? Wer oder was sind Ihre Inspirationen?

Ich bin mit einer blühenden Fantasie gesegnet und einer Portion Wahnsinn geschlagen. Beides mitunter leider zu sehr. Für mich ist es kein Problem auf Ideen zu kommen. Die prasseln auf mich ein. Das eigentliche Problem besteht eher darin, die »richtigen« auszuwählen und auszuarbeiten, ohne sich von den nächsten ablenken und unterbrechen zu lassen.

Mitunter habe ich den Verdacht, dass mich alles, wirklich alles, inspirieren kann. Ich gehöre der Zunft der Grübler und Tagträumer an. Gerade schaue ich aus dem Fenster und betrachte das Spiel von Licht und Schatten auf den Kastanienblättern, während Musik über Kopfhörer in Endlosschleife auf mich einprasselt und die Gedanken abdriften. Aber die Synapsen feuern wie verrückt. Warum mich das auf Ideen zum Plot meines nächsten Bandes bringt, kann ich nicht erklären. Es besteht kein mir ersichtlicher Zusammenhang. Funktioniert aber trotzdem. Und eigentlich gebe ich ja gerade ein Interview.

– Planen Sie Ihre Geschichten vorab »am Reißbrett«, oder schreiben Sie »drauflos« und lassen Sie den Worten ihren Lauf? Warum halten Sie Ihre Vorgehensweise für die Richtige?

Als Diplom Informatiker mit wissenschaftlicher Ausbildung mag ich den Ansatz, die Ideen zu strukturieren, im Plot zu planen und so vorweg eine Architektur der Erzählung zu schaffen. Ich schreibe auch brav einen Plot. Tja, was soll ich sagen. Dann kommt das Schreiben. Manche nennen es Flow. Ich nenne es »Spaß am Schreiben«. Im Prinzip bin ich dann Zuschauer meiner eigenen Figuren und die haben so ihre eigenen Vorstellungen, aus denen sich dann eine Eigendynamik entwickelt, die zu Handlungen führt, die mich mitunter selbst überraschen. Es ist schon mehr als einmal vorgekommen, dass ich beim kreativen Schreiben auflachen musste und meine bessere Hälfte überrascht von ihrem Laptop aufschaute, ob ich nun endgültig dem Wahnsinn anheimgefallen bin. Nach mehreren Kapiteln versuche ich dann verzweifelt den Plot nachzuziehen, stelle fest was kollidiert und Überarbeitungsschleifen folgen. Man könnte versucht sein, es als iterative Entwicklung zu bezeichnen, allerdings in einer sehr freien Form.

Ich halte meine Vorgehensweise in keiner Weise für »die Richtige« und würde sie auch niemandem empfehlen. Für mich selbst hoffe ich, dass sich beim zweiten oder dritten Buch dann eine systematischere Vorgehensweise herauskristallisiert haben wird, die zu mir passt und effizienter ist. Ich bin inzwischen guter Hoffnung. Das war anfänglich nicht so.

– Fühlt sich das »Autorenleben« genauso an, wie Sie sich das vor Ihrer ersten Veröffentlichung vorgestellt haben? Haben Sie Wünsche an den deutschsprachigen Buchmarkt und speziell an Ihre Leserschaft?

Ich habe unter meinen Freunden und Bekannten einige Schriftsteller. Und bei denen gleicht kein »Autorenleben« dem anderen. Ich hatte also von vornherein eine nüchterne Sicht auf das »Autorenleben«, das da auf mich zukam. Mein Leben ist im Großen und Ganzen wie vorher. Ich beschäftige mich jetzt nur mit anderen Aufgaben. Mir ging es noch nie darum, mit stolzgeschwellter Brust sagen zu können: »Ich bin ein Autor und habe ein Buch geschrieben.« Da erfüllt es mich persönlich schon mehr mit Stolz eine weitere Allunaariaqattaarneq-Übung zu meistern. Und obwohl es als hauptberuflicher Schriftsteller nicht gerade unwichtig ist, möglichst viele Bücher zu verkaufen, interessiert es mich wesentlich mehr, ob die Geschichten, die ich erzähle, meine Leserinnen in ihren Bann ziehen und ihnen Vergnügen bereiten. Wenn man so will: Nein, es fühlt sich nicht so an, wie ich es mir vorgestellt habe, denn ich habe nie mit so positivem Feedback in so kurzer Zeit gerechnet. Es fühlt sich besser an, als ich mir vorgestellt hatte.

Wünsche? Ja, die gleichen wie wohl jeder Schriftsteller. Dass sich möglichst viele Freunde des Lesens die Zeit nehmen, in den Klappentext und die Leseprobe hinein zu schnuppern und wenn es ihr Interesse weckt, es dann auch tatsächlich zu kaufen. Und wenn es ihnen gefallen hat, dass sie es weiterempfehlen - im Bekanntenkreis oder in Form einer Rezension. Ich würde mich freuen, wenn die »Vortices Spiritus« Serie viele Freunde finden würde, denen sie gefällt. Würde mir auch nur eine Leserin abnehmen, wenn ich behaupten würde, es wäre nicht so? Über den Erfolg eines Buches entscheidet die Leser-Community und jeder Autor ist auf sie angewiesen. Ich bin gespannt und freue mich über jedes positive Feedback.

Das Team von Leserkanone.de dankt Dave Cobbler für die Zeit, die er sich genommen hat!
 
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Vortices Spiritus 1 - Die Tore der Assassinen
Genre: Fantasy und Kriminalroman (Eigenverlag, 19. April 2022)
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Ein Interview von: Heike Dzemski  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz