Diese Website nutzt technisch notwendige Cookies, nähere Infos finden Sie hier
47.396 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »CHIARA-38«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
 
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
NEUESTES BUCH
 
Dima Lubimov 0 Fans
Herkunft: Kasachstan
Interview: Leserkanonen-Interview mit Dima Lubimov vom 23.05.2022
 
Leserkanonen-Exklusivinterview vom 23.05.2022
In seinem Erstlingswerk berichtet Dima Lubimov von der »Liebe mit gesenktem Blick«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über dessen Protagonisten und über Kasachstan.

Herr Lubimov, vor Kurzem erschien Ihr Roman »Liebe mit gesenktem Blick«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Sehr gerne! In diesem Roman geht es um einen 18-jährigen jungen Mann, der in einer kasachischen Provinzstadt lebt und auf der Suche nach seiner ersten großen Liebe ist. Nur gibt es eine »Schwierigkeit«: Er fühlt sich zu den Männern hingezogen. Das ist nicht die einfachste Konstellation in dem sehr konservativen Land. Die meisten Menschen in der Umgebung der Hauptfigur sind entweder durch die sowjetische Erziehung oder eine der herrschenden Religionen stark geprägt. In beiden Fällen wird Homosexualität verurteilt, als Schande gesehen und gehasst. Und das unabhängig vom Alter. So hat Dima mit vielen Zweifeln zu kämpfen, um sich selbst etwas zu erlauben, was ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist: lieben und geliebt werden. Er muss die Angst und Unsicherheit überwinden, die sein recht feindliches Umfeld in ihm wachsen lassen. Er muss sein Selbstbewusstsein aufbauen, das in seiner Familie zerstört wurde. Und er muss mit sich selbst klarkommen, sich selbst kennen und verstehen lernen.

Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen?

Ich würde an dieser Stelle keine Namen oder Titel nennen. Mein Buch könnte aber jemandem gefallen, der sich gerne auf die Gefühle anderer Menschen einlässt, in den Kopf anderer hineinschauen möchte, der vielleicht etwas langsamere Literatur mag, in der die Gefühle Zeit haben dürfen, sich zu entwickeln. Und der Roman könnte für die Menschen interessant sein, die sich für das Leben in anderen Ländern interessieren, für Themen, die tabuisiert werden.

Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Als Leser setze ich mir selbst keine Grenzen. Mich kann man gleichermaßen für historische Romane wie für Thriller, für Liebesromane wie Humor-Literatur begeistern. Ich gebe so gut wie jedem Buch, das mir in die Hände gerät, eine Chance. Deswegen ist es sehr gefährlich, mich ohne Aufsicht in eine Buchhandlung zu lassen! Meine literarischen Vorbilder stammen aus unterschiedlichsten Genres, Epochen und Ländern. Was mich an den Büchern besonders reizt, ist meist die Sprache. Besonders beeindruckt war ich schon immer von den Werken von Gabriel Garcia Marquez. Eine Autorin der Gegenwart, die mich immer wieder aufs Neue begeistert, ist Julia Fischer. Mit ihrer Sprache schafft sie wunderschöne Bilder. Von ihren Beschreibungen und Metaphern kann ich nicht genug zu lesen bekommen. Was queere Literatur betrifft, ist es Jobst Mahrenholz, den ich bewundere.
Mit diesen Namen hört die Liste natürlich nicht auf. Seitdem ich selbst schreibe, lese ich ganz anders. Ich verschlinge Bücher nicht mehr innerhalb von ein paar Tagen, sondern brauche Wochen, weil ich dann an jedem zweiten Satz hängen bleibe, versuche zu verstehen, warum sie mich ansprechen oder eben nicht. So finde ich bei jedem Autor etwas, was mich als Leser und Schreibenden fasziniert.

Viele Liebesromane sprühen vor Leichtigkeit und wollen ihren Lesern eine entspannte Zeit bereiten, in Ihrer Buchbeschreibung ist hingegen von Zweifeln, Ängsten & Co. die Rede. Warum haben Sie sich dem Thema Liebe gerade auf diesem Wege gewidmet?

Liebe kommt bei weitem nicht immer auf dem einfachsten Wege. Zumindest zeigen das meine eigenen Erfahrungen. Leichte Liebesromane sind daher natürlich etwas Schönes zum Entspannen. Ich wollte aber eine Geschichte erzählen, die reales Leben zeigt, mit seinen Herausforderungen, Irrungen und Wirrungen. Als Leser finde ich das besonders spannend.

Was macht Ihren Protagonisten Dima zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was hat es mit der auffälligen Gleichheit Ihrer Namen auf sich?

Das, was Dima ausmacht, ist seine verblüffende Ehrlichkeit zu sich selbst und seinem Umfeld. Das ermöglicht tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt, die ihrerseits die Gesellschaft um ihn herum spiegelt. Dadurch lernt man auch ein wenig über das neuntgrößte Land der Welt, von dem kaum jemand etwas weiß, und das auf eine authentische Art und Weise. Der Roman ist in vielerlei Hinsicht autobiografisch. Auch wenn sich die Geschichte in der Realität etwas anders entwickelt hatte, sind die Gefühle, die ich auf den Seiten dieses Romans schildere, zu 100% echt. Diese Authentizität in Summe mit der Ehrlichkeit, die ich angestrebt habe, macht das Buch zum etwas, was mich als Leser ansprechen würde.

Kasachstan dürfte aus Sicht vieler deutschsprachiger Leser nicht nur geografisch sehr weit entfernt sein. Warum sollte man trotzdem - oder gerade deshalb - einen Blick in Ihr Buch werfen?

Ich denke, durch diesen Blick lernt man einiges zu schätzen. Etwas, das in Deutschland ganz normal und selbstverständlich gesehen wird, wird in vielen Ländern der Welt verboten. Von den Freiheiten, die man hier ausleben darf, kann man in Kasachstan nur träumen. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich Diskussionen über das Thema Demokratie in Deutschland höre. Viele Menschen in diesem Land scheinen nicht zu ahnen, wie glücklich sie sein sollten, hier zu leben, sie selbst sein zu dürfen, nicht in ständiger Angst leben zu müssen.

»Liebe mit gesenktem Blick« ist Ihr Erstlingswerk. Wie fühlt man sich als frischgebackener Autor? Welchen Eindruck macht es, die ersten Rezensionen für die eigenen geschriebenen Worte zu erhalten?

Es ist ein ständiges Wechselbad der Gefühle. Angefangen mit der Entscheidung, mein Buch veröffentlichen zu lassen, hört es bis heute nicht auf. Einerseits war es Euphorie, als mein Buch von einem Verlag angenommen wurde, als ich mein erstes Printexemplar in den Händen hielt oder die erste (zweite, dritte ) Rezension im Netz erschien. Andererseits habe ich bis heute nicht aufgehört, mich zu fragen, ob das Buch gut genug war, um es in die Welt zu schicken. Wie Dima aus meinem Roman, muss auch ich lernen, mit den Selbstzweifeln umzugehen, mit den eigenen Ansprüchen an mich selbst. Es kann nichts schöner sein, als die Meinungen der LeserInnen zu meinem Buch zu erhalten, die Bestätigung in ihren Worten zu erkennen, dass alles nicht umsonst war und dass meine Gedanken sie erreicht haben.

Was können wir von dem Autor Dima Lubimov in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Tatsächlich gibt es mehrere Projekte, an denen ich abwechselnd arbeite. Zum einen ist es die Fortsetzung des ersten Romans, in dem ich unter anderem von meinem ersten Aufenthalt in Deutschland erzähle, wie ich dieses Land entdeckt und erlebt habe. Das zeigt gerade den Blick, von dem ich oben gesprochen habe. Den Blick in eine andere Welt, die so anders ist als meine alte Heimat. Durch diese Reise lernt mein Protagonist sehr viel über ein Leben, das er früher nicht kannte, aber auch sehr viel von sich selbst.
Ein zweiter Roman ein Jugendroman ist ein Experiment, bei dem ich mich komplett von dem Autobiografischen gelöst und Figuren erschaffen habe, die nun ihr eigenes Leben führen. Hier wird es etwas mehr Drama geben, denke ich. Und dann gibt es ein Herzensprojekt, das mir gerade emotional sehr viel abverlangt. Ein Liebesroman, inspiriert durch eine mir sehr nahe stehende Person, eine Frau, deren Leben zerstört wurde. Auf den Seiten meines Romans gebe ich ihr ein anderes, in dem sich die Geschichte in eine ganz andere Richtung entwickelt. Mal schauen, was daraus wird.

Das Team von Leserkanone.de dankt Dima Lubimov für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
»Liebe mit gesenktem Blick« bei Leserkanone.de
»Liebe mit gesenktem Blick« bei Amazon
Interview aus- und Bücherliste einblenden
 
Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz