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Claudia Dahinden 0 Fans
Herkunft: Schweiz
Webseite: Offizielle Homepage von Claudia Dahinden
Twitter: @CDahinden
Facebook: dahindenbooks
Interview: Leserkanonen-Interview mit Claudia Dahinden vom 03.01.2022
Tags: Vier Verlinkungen in Leserkanone.de-Artikeln
 
Leserkanonen-Exklusivinterview vom 03.01.2022
Mit ihrem Roman »Die Uhrmacherin - Im Sturm der Zeit« marschierte Claudia Dahinden kürzlich in den Bestsellerlisten ganz nach oben. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über die Schweiz vergangener Tage und über ein ganz besonderes Handwerk.

Frau Dahinden, vor Kurzem erschien Ihr Roman »Die Uhrmacherin - Im Sturm der Zeit«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es und die zugehörige »Uhrensaga« unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Die Uhrensaga spielt in den Jahren 1873 und 1874 in Grenchen, einem dank der Uhrenindustrie wachsenden Nordwestschweizer Dorf am Jura-Südfuss. Der erste Band beginnt mit der jungen Luzerner Lehrerin Sarah Siegwart, die nach dem Tod ihres Verlobten einen Neuanfang sucht und in der Uhrenprovinz eine Stelle als Hauslehrerin annimmt. Im Verlauf der drei Bände findet Sarah ihre Berufung als Uhrmacherin, wird aber auch mysteriöse Rätsel hineingezogen. Letztendlich klärt sich auch der Tod ihres früheren Verlobten Hannes, und eine neue Liebe darf natürlich nicht fehlen.

Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihre Reihe ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ui, das ist schwierig....! Wer wie ich detailliert recherchierte historische Romane wie Juliane Stadlers »Krone des Himmels« mag, dürfte bei mir auch fündig werden. Da die Uhrensaga einen starken Spannungsteil aufweist, wäre die Reihe »Fräulein Gold« von Anne Stern eine gute Referenz. Und wer den Stil der Krimis von Dick Francis schätzt, wird an der Prise trockenen Humors in meinen Büchern Freude haben. Was Vorbilder und Lieblingsbücher betrifft, strecke ich mir gern nach dem «Unerreichbaren» aus: Ich schätze Stephen King für seine in die Tiefe ausgearbeiteten Charaktere und ihre Entwicklung in Büchern wie »Das letzte Gefecht«, Erich Maria Remarque und seine klare, starke Emotionen vermittelnde Sprache in »Im Westen nichts Neues« und »Der Weg zurück«, und Harper Lee mit ihrem Meisterwerk »Wer die Nachtigall stört«, deren filterlose, sinnliche Beschreibungen einen sofort mitten in die Geschichte hineinziehen und einen tief in die Protagonisten, in die damalige Zeit und ihre Wertvorstellungen hineinversetzen. Unerreicht grandios!

Ihr Buch entführt seine Leser in das Dorf Grenchen des Jahres 1873. Was ist das Faszinierende an jenem Ort und jener Zeit, was macht die damalige Schweiz zu einem idealen Romanschauplatz?

Grenchen hat 1851 die Uhrmacherei eingeführt und befand sich 1873 in einer Phase des stetigen Aufstiegs, was auch Spannungen mit sich brachte. Die wurden verstärkt durch den sogenannten Kulturkampf: den Zwist zwischen den Katholiken Roms und den neu entstandenen Christ- oder Altkatholiken, der im Kanton Solothurn durchaus auch handgreiflich geführt wurde. Die Schweiz als Ganzes war 1873 als direkte Demokratie eine von Königreichen umgebene Exotin, argwöhnisch beäugt von den jeweiligen Monarchen und immer noch als Unruheherd verschrien. Diesen Aspekt unserer Geschichte vergessen wir als Schweizer oft, und für unsere deutschsprachigen Nachbarn ist der Blick aus unsere Wurzeln sicher auch spannend.

Wie haben Sie es geschaft, die damalige Zeit in Worten lebendig werden zu lassen? Welcher Aufwand und welche Recherchen waren für »Die Uhrmacherin - Im Sturm der Zeit« nötig?

Neben Literatur zur Schweiz dieser Zeit hat mir für vor allem die Studie alter Zeitungen in der Zentralbibliothek Solothurn geholfen. Die Artikel vermitteln die Werte, die wichtigen Themen und die Stimmung der Menschen und haben mich auf Konflikte und Ereignisse aufmerksam gemacht, die ich in den Roman integrieren konnte. Um Grenchen als Dorf möglichst präzis wiederzugeben, habe ich auf einen Inventarbericht zurückgegriffen, der die Geschichte der Gebäude zwischen 1850 und 1920 aufzeigt. Für eine präzise Beschreibung der Uhrmacherei habe ich alte Lehrhandbücher gelesen und mich von der Grenchner Uhrmacherin Rebekka Meier ins Metier einführen lassen. Ausserdem habe ich auf ihre Empfehlung den »Schnuppertag« des Grenchner Zeitzentrums, der hiesigen Uhrmacherschule, besucht, wo ich mich im Schleifen üben und an einem Uhrwerk schrauben durfte. Das war faszinierend!

Was macht Ihre Protagonistin Sarah zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihr persönlich? Was macht für Sie generell eine starke Frauenfigur in einem historischen Roman aus?

Ich finde Personen spannend, die in ihrem Leben Brüche durchgemacht haben, so wie Sarah mit dem Tod ihres Verlobten. Wie reagiert ein Mensch auf solche Einschnitte? Sarah lässt sich nicht unterkriegen und hat den Mut, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen und neu anzufangen. Ausserdem bewegt sie ihr Mitgefühl, sich für Menschen einzusetzen, denen die Kraft oder Macht dazu fehlt. Generell finde ich Figuren stark - egal ob Mann oder Frau - die nicht alle Werte und Gepflogenheiten ihrer Zeit als gegeben annehmen, sondern die Gesellschaft, in der sie leben, mit einer gewissen Distanz zu betrachten und auch zu hinterfragen. Ein genauso wichtiges Zeichen von Stärke ist für mich die Bereitschaft, eigene Fehler und Schwächen zu erkennen, einzugestehen und ein Leben lang lern- und entwicklungsfähig zu bleiben. Beides vermisse ich in unserer Zeit oft, aber ich glaube nicht, dass das früher anders war.

Das Wirken von Baumeistern, Kaufleuten und Adeligen findet man in historischen Romanen zuhauf. Wie kamen Sie darauf, sich mit ihrem Buch nicht einzureihen, sondern eine Figur zu erschaffen, die sich einem solch speziellen Gewerbe wie der Uhrmacherei widmet?

Der Grund dafür ist einerseits biografisch bedingt: Ich wollte über Grenchen schreiben, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin und seit über zehn Jahren wieder hier lebe, und die Uhrmacherei ist das Gewerbe, das aus unserem Dörflein eine Stadt gemacht hat. Dann finde ich es spannend, ein Gewerbe zu wählen, das noch nicht so vielfältig »beackert« ist. Und nicht zuletzt faszinieren mich dieses komplexe Handwerk und das, was sich in ihm verbirgt: der fortwährende Versuch des Menschen, das Mysterium der Zeit in den Griff zu bekommen - und letztlich immer wieder zu erfahren, dass sie für uns nicht zu fassen ist.

Binnen weniger Tage nach der Veröffentlichung stürmte Ihr Roman bis auf den zweiten Platz der Taschenbuch-Bestsellerliste der Schweiz. Wie fühlt es sich an, sich ganz offiziell als Bestsellerautorin bezeichnen zu können und Büchercharts »von oben« betrachten zu können?

Mit so einem Einstieg habe ich nicht gerechnet, und es fühlt sich immer noch surreal an. Ich habe deshalb Hemmungen, mich schon als Bestsellerautorin zu bezeichnen; damit warte ich noch eine Weile! Dass so viele Leute mein Buch gekauft haben und es nun lesen werden, freut mich aber unheimlich, denn das ist es ja, was man sich am meisten wünscht: Dass die Geschichte, in die man so viel Herzblut investiert hat, den Weg zu möglichst vielen Menschen findet und sie mitreisst, berührt und bereichert.

Was können wir von der Autorin Claudia Dahinden in der nächsten Zukunft erwarten? Wie und wann wird es mit der »Uhrensaga« weitergehen? Und sind womöglich sogar darüber hinaus bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Mit der »Uhrensaga« geht es im Dezember 2022 weiter; dann erscheint Band 2 und ein Jahr später sollte dann der abschliessende Band 3 herauskommen. Daneben spiele ich mit verschiedenen Ideen für weitere Buchprojekte, in die ich schon einige Zeit investiert habe, aber für konkrete Angaben ist es noch etwas zu früh. Die Terminplanung ist durch Corona etwas ins Stocken gekommen, aber wer in der Region Grenchen daheim ist oder die Anfahrt nicht scheut, kann am 19. März 2022 im Grenchner Kleintheater etwas Besonderes erleben: Dort werde ich ein gemeinsames Programm mit dem in der Schweiz lebenden Künstler Ferruccio Cainero gestalten; eine Mischung aus Lesung und Erzählung rund um die Uhrmacherei. Ansonsten bin ich zuversichtlich, dass ich im Verlauf des Januars meine Website mit weiteren Termin füllen kann!

Das Team von Leserkanone.de dankt Claudia Dahinden für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Claudia Dahinden
Claudia Dahinden bei Twitter
Claudia Dahinden bei Facebook
»Die Uhrmacherin 1 - Im Sturm der Zeit« bei Leserkanone.de
»Die Uhrmacherin 1 - Im Sturm der Zeit« bei Amazon
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