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Reinhard Boos 0 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Reinhard Boos
Interview: Leserkanonen-Interview mit Reinhard Boos vom 30.08.2021
 
Leserkanonen-Exklusivinterview vom 30.08.2021
In seinem Roman »Augenblicke« entrollt Reinhard Boos das Protokoll einer Katastrophe. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über sein Buch, über seine Inspirationen und über seine zukünftigen Projekte.

Herr Boos, vor einiger Zeit erschien Ihr Roman »Augenblicke - Protokoll einer Katastrophe«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Augenblicke ist ein gesellschaftskritischer Krimi über die Milieus Schule und Zeitung. Der mysteriöse Wassertod eines beliebten Lehrers erschüttert die Schulgemeinde eines Mainzer Gymnasiums. Nick Scholl, Ende Zwanzig, erhält als Lehrer für Deutsch einen Vertretungsvertrag, spekuliert aber auch auf eine Festanstellung bei einer Tageszeitung, die in wirtschaftliche Nöte geraten ist. Mit seiner doppelten Qualifikation als Pädagoge und freier Journalist wird Scholl zum Untercover-Ermittler, der den seltsamen Tod seines Vorgängers aufklären und für seine Zeitung exklusiv breittreten soll. Scholl begegnet einem skurrilen, absurden Schulalltag, zweifelt an der moralischen Glaubwürdigkeit seines Handelns. Die Beziehung zu der attraktiven Kollegin Laura Köhler leidet zunächst unter seinen verschütteten Ängsten. Als der verantwortliche, unter Erfolgsdruck stehende Redakteur endlich verwertbare Rechercheergebnisse von Scholl einfordert, wirft ihn ein einziger Augenblick in seine schreckliche Vergangenheit zurück. Nick Scholl und Laura Köhler ahnen nicht, dass der Rachefeldzug längst begonnen hat.

Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Vor allem Leserinnen und Lesern sozialkritischer (Kriminal-) Romane mit Milieustudien und psychologisch fundierten Personenkonstellationen empfehle ich meinen Roman. Ich denke an den viel zu früh verstorbenen Jörg Fauser (Der Schneemann), Frank McCourt (Die Asche meiner Mutter), Jürgen Heimbach (Die rote Hand), Friedrich Ani (Tabor-Süden Romane), Dominique Manotti (Marseille.73), Jean P. Manchette (Volles Leichenhaus), natürlich auch an Georges Simenon. Gerne lese ich Juli Zeh und Sibylle Berg, eigentlich alles, was mir Spaß macht, mich inspiriert und fordert. Albert Camus lohnt eigentlich immer.

Tagtäglich erscheinen unzählige neue Kriminalromane, und es ist schwer, aus der breiten Masse herauszustechen. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buchs, wegen denen man unbedingt bei Ihnen zuschlagen sollte?

Kriminalistisch und spannungsgeladen unterlegt, werden Sehnsüchte und Süchte von Pädagogen und Zeitungsmenschen in Augenblicke plastisch. Die beruflichen und moralischen Handlungen und Haltungen der Personen regen zur Selbstreflexion über Beruf und Karriere, zum Nachdenken über das eigene Handeln und über die viel zu lange tabuisierten Themen Missbrauch und Sterbehilfe an. Gerade junge Menschen, die kurz vor dem Einstieg ins Berufsleben stehen oder ihre berufliche Karriere beginnen, sollten sich nicht der Illusion hingeben, nur der wirklich fachlich Beste mache Karriere. Täuschen, Tricksen, Tarnen und Verschleiern fördern viel besser das eigene Fortkommen als gute Noten und berufliche und soziale Kompetenzen. Darüber hinaus sei an dieser Stelle die außergewöhnliche graphische Aufmachung des Buchs erwähnt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, »Augenblicke - Protokoll einer Katastrophe« zu verfassen, was waren Ihre Inspirationen?

Über drei Jahrzehnte habe ich in einem System des Durchregierens von oben nach unten gearbeitet. Da hat sich einiges aufgestaut, das, literarisch bearbeitet, einfach raus musste. Am Anfang des Schreibens standen lose, unverbundene Fragmente, die Figuren mussten einen eigenen Charakter erst entwickeln, die Erste-Person-SingularSchnipsel zu einem ausgereiftem Ganzen zusammengeführt werden. Das war ein langer, steiniger Weg. Die oft zitierte küssende Muse hat mich an manchen Tagen offenbar vergessen. Erst der intensive Austausch mit meinem Lektor Christian Ramthun hat dem Figurenpersonal unverwechselbare Konturen verpasst, einzelne Szenen reifer, plastischer werden lassen. Merke: Kein Autor schreibt ein Buch allein.

Was macht Nick Scholl zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihm persönlich?

Nick Scholl ist jeder von uns. Jeder ist von privaten und beruflichen Niederlagen und Schicksalsschlägen geprägt. Nick trägt viele Narben. Er ist ein verletzlicher, sensibler, junger Mann, der beinahe an seiner Vergangenheit verzweifelt, sich im letzten AUGENBLICK aber für das Leben entscheidet. Endlich kann er zu dem stehen, was in seiner Kindheit und Jugend passiert ist, einen Neuanfang wagen, sich einem Menschen anvertrauen, der ihn gleichzeitig herausfordert und bedingungslos liebt.
Darüber hinaus steht Nick Scholl stellvertretend für eine Generation, die gut ausgebildet, ehrgeizig, anpassungsfähig, aber auch reflektierend, sich aus ökonomischen Gründen dem Wandel der Arbeitswelt unterwerfen muss. Seine berufliche Karriere wird von weiteren Neuanfängen begleitet sein. Nick Scholl wird sich diesen Herausforderungen stellen und nicht in Apathie und Resignation verfallen.

Sollte man aus Mainz stammen oder einen persönlichen Bezug zur Region haben, um größtmögliche Lesefreude an Ihrem Roman zu empfinden, oder ist Ihr Buch auch allen anderen Krimifans zu empfehlen?

Der Krimi mit Nick Scholls Schnüffeleien, die zu einem Whodunnit-Ende führen, ist ein Stellvertreterbuch, das in Mainz, Frankfurt und Wiesbaden spielt. Das Lokalkolorit inklusive Cover ist, auch aus Marketinggründen, eingebunden in die Region des Kleinverlags. Das Gymnasium am Rhein steht stellvertretend für die Systemkritik am bundesweiten Schulwesen. Krimi und intime, sonst verborgene Einblicke in Lehrerzimmer und Zeitungsredaktionen, die von globalagierenden Renditejägern in ihrem Qualitätsjournalismus bedroht werden, sind eng miteinander verbunden.

Ihr Buch ist als Taschenbuch-Ausgabe erschienen, jedoch (bis dato) nicht in digitaler Form. Wie kam es dazu? Und kann ein Buch auch im Jahre 2021 noch problemlos ohne E-Book-Ausgabe bestehen?

Der Verlag verfolgte bisher das Konzept des FACE TO FACE-Marketings und die Belieferung ausgewählter, meist größerer regionaler Buchhandlungen. Mit zunehmender Präsenz des Krimis in den Medien wird er in Kürze auch als E-Book erscheinen. Tolino oder Kindle? Die Frage muss noch beantwortet werden.

Was können wir von dem Autor Reinhard Boos in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Ich werde zum Thema meiner literarischen Anfänge zurückkehren: Die Aufarbeitung der menschenverachtenden Auswüchse im weltumspannenden Profifußball. Ging es in meinen ersten beiden Krimis um skrupellose Spielerberater, illegale Sportwetten und Schiedsrichterbestechung werde ich in einem neuen Projekt die Spur eines afrikanischen Fußballtalents aufnehmen und seinen (Leidens-) Weg in Europa verfolgen.

Das Team von Leserkanone.de dankt Reinhard Boos für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Reinhard Boos
»Augenblicke - Protokoll einer Katastrophe« bei Leserkanone.de
»Augenblicke - Protokoll einer Katastrophe« bei Amazon
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Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz