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Edgar Bernardi

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Herkunft: Deutschland
Interviews: Leserkanonen-Interview mit Edgar Bernardi vom 31.05.2021
  Leserkanonen-Mini-Interview mit Edgar Bernardi vom 14.11.2022
 
Leserkanonen-Mini-Interview vom 14.11.2022
In seinem aktuellen Werk führt Edgar Bernardi seine Leser in ein »Zweistromland«. In einem Mini-Interview beantwortete uns der Autor die wichtigsten Fragen zum neuen Buch.

– Herr Bernardi, anderthalb Jahre sind vergangen, seitdem wir Sie zuletzt zu einem Gespräch begrüßen konnten. Was hat sich in der Zwischenzeit im Autorenleben des Edgar Bernardi getan?

Seither habe ich mein zweites Buch »Der rot-blaue Boccalino« fertiggestellt und sehr viel Zeit und Arbeit in die Recherche für meinen dritten Roman »Zweistromland« gesteckt. Im Vergleich zum »Zweistromland« lief mir »Der rot-blaue Boccalino« vergleichsweise schnell aus der Feder, da mich das darin beschriebene polarisierende Verhalten der Bewohner eines kleinen Tessiner Dorfes stark berührt hat. Und wiesehr man aus diesen eskalierenden und immer perfider werdenden Kleinkonflikten auf das Verhalten der Menschen in der großen Welt extrapolieren kann. Der Ausweg ist dann nur noch, sich seine Welt in einem Mikrokosmos zu suchen, weil man es im Makrokosmos nicht mehr aushält.

– Nun ist mit »Zweistromland« ein neuer Roman aus Ihrer Feder erschienen. Was erwartet Ihre Leser in dem Buch?

Dem aufmerksamen Leser fällt sicher auf, dass es in meinen bisherigen Erzählungen immer um ZWEI geht. Licht und Schatten im ersten Roman, um rot und blau geht es im zweiten Buch und auf welcher Seite man bei den beiden streitenden Parteien steht, und schließlich im dritten Roman um zwei Flüsse, die stellvertretend für Ost und West stehen, in den Ländern Ost- und Westdeutschlands fließen und an denen die jeweiligen Szenen mit den Menschen spielen.
Als »Wessi«, der in eine ostdeutsche Familie eingeheiratet hat, höre, sehe und spüre ich, wie sehr die Ostdeutschen noch immer nach ihrer Identität ringen und die Wiedervereinigung nicht als »Wieder« und »Vereinigung« betrachten, sondern als Vereinnahmung empfinden, als Beitritt der neuen Bundesländer zu den alten Ländern der BRD, die 40 Jahre ihr Feindbild war. Und das beschämt mich als Westdeutscher. Die Geschichte der beiden Zwillingsbrüder Oswald und Werner, die sich bei dem verheerenden Bombenangriff am 13. Februar 1945 in Dresden als Kinder verlieren und nach 40 Jahren wieder aufeinandertreffen zeigt, dass weniger die Gene aus derselben Eizelle, aus der sie stammen, sie geprägt hat, sondern das System, indem sie aufgewachsen sind.

– Warum tut man sich einen Gefallen, wenn man Ihr Buch so schnell wie möglich liest? An wen ist es gerichtet?

»Zweistromland« hat mehrere Dimensionen. Es ist zum einen ein Zeitstrahl jüngster deutscher Geschichte, der beginnt, als Deutschland noch ungeteilt, aber nahezu zerstört war, der sich fortsetzt in zwei unterschiedlichen deutschen gesellschaftlichen Systemen, die plötzlich, unerwartet und vor allem unvorbereitet aufeinandertreffen. So wie die beiden Zwillingsbrüder Oswald aus dem Osten und Werner aus dem Westen. Zum anderen ist es die Bevormundung, die Gängelung des »kleinen« durch den »großen« Bruder, auch wenn die Zwillingsbrüder in ihrem Alter nur knapp eine halbe Stunde auseinander liegen. Desweiteren die Suche nach der Identität des kleineren Bruders, dessen bisheriges Leben zusammenfällt wie die DDR nach 40 Jahren. Und mehr als 30 Jahre nach der Aufhebung der deutschen Teilung verstehen sich die beiden Zwillinge noch immer nicht, sind wie feindliche Brüder, durch das jeweilige eigene System geprägt, in dem sie aufgewachsen sind. Vielleicht gelingt es mir, mit dem Buch »Zweistromland« ein wenig die noch immer vorhandenen Mauerbruchstücke in den Köpfen der Deutschen – Ost wie West – zur Seite zu räumen.

– Was hat Sie dazu veranlasst, »Zweistromland« zu schreiben? Was inspirierte Sie zu der Geschichte?

Schon zu Zeiten meiner deutsch-deutschen Verwandtenbesuche in den siebziger Jahren hat mich das geteilte Deutschland bewegt. Aus den erzählten Kriegserlebnissen meiner Großmutter sowie meiner Mutter hat mich die Frage nach dem »Warum« nie losgelassen. In meiner deutsch-deutschen Ehe ist die andauernde Identitätssuche und das Minderwertigkeitsgefühl im ostdeutschen Teil der Familie, besonders bei der älteren Generation, ein immer wiederkehrendes Thema, das mich als Westdeutscher beschämt. Dem will ich mit meinem Roman Zweistromland eine Stimme geben und endlich für eine Wiedervereinigung auf gleicher Augenhöhe plädieren.

– Zum Abschluss unseres Mini-Interviews möchten wir noch ein kleines Assoziationsspielchen durchführen. Was sind Ihre ersten Gedanken, wenn Sie die folgenden Begriffe lesen?

• Oswald:
Ich selbst, jüngster, bevormundeter Bruder bei drei Geschwistern.

• Werner:
Mein ältester Bruder; Vaterersatz nach Trennung meiner Eltern

• Das deutsche 20. Jahrhundert:
geprägt von Kaltem Krieg, Kapitalismus versus Kommunismus, Ost-West-Konflikt, und der Versuch, diese immerwährende Zweiteilung der Welt zu überwinden

• Wiedervereinigung:
kein »Wieder«, keine »Vereinigung«, ein übergestülpter Beitritt des östlichen Teils des deutschen Volkes zum westlichen Teil des deutschen Volkes; und die ostdeutschen »Brüder« stehen stellvertretend für die DDR, für den Unrechtstaat mit Mauer, Schießbefehl und Beschnüffelung, für Kommunismus und maroder volkseigener Betriebe, die man nur platt machen kann.

• »Ossis« und »Wessis«:
Ossi: lebt die Solidargemeinschaft
Wessi: lebt die Neidgemeinschaft

Das Team von Leserkanone.de dankt Edgar Bernardi für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
»Zweistromland« bei Leserkanone.de
»Zweistromland« bei Amazon
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