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Edgar Bernardi

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Herkunft: Deutschland
Interviews: Leserkanonen-Interview mit Edgar Bernardi vom 31.05.2021
  Leserkanonen-Mini-Interview mit Edgar Bernardi vom 14.11.2022

Nachdem er schon mehrere Jahre lang seine Fans mit seinen Büchern zu begeistern wusste, stellte sich Edgar Bernardi am 17. November 2022 unseren Fragen zu seinem Autorenleben:

– Herr Bernardi, seit wann sind Sie inzwischen in der Buchwelt unterwegs? Wie kam es zu jener Zeit dazu, dass Sie mit dem Schreiben angefangen haben?

Bücher waren für mich schon als Kind etwas Heiliges. Ich habe viele gelesen und sie dann aufbewahrt, im Gegensatz zu manch anderen, die ausgelesene Bücher verschenken oder sogar wegwerfen. Heute lese ich manche noch einmal, die mich nachhaltig bewegt haben. Später habe ich angefangen, Gedanken und Emotionen aufzuschreiben, bin in Jahresrückblicken Erinnerungen nachgegangen und habe diese mit Verwandten und Freunden geteilt. Auf dem Tiefpunkt meiner Lebenserfahrung habe ich begonnen, gedanklich meinen ersten Roman zu entwerfen, für den ich aber Jahre gebraucht habe, weil ich durch Beruf und Alltag immer wieder unterbrochen wurde. Vor rund 6 Jahren habe ich dann sehr intensiv daran geschrieben und mein erstes Buch »Licht des Schattens« fertiggestellt. Als Coming of Age-Erzählung hat mich das Schreiben besonders an diesem Buch sehr befreit.

– In welchem Genre oder welchen Genres haben Sie Ihr schriftstellerisches Zuhause gefunden? Fans welcher Autoren könnte es gefallen, in Ihre Werke hineinzuschnuppern?

Ich weiß, wie wichtig es in der Buchwelt ist, ein Buch oder den Autor in ein Genre einzuordnen. Aber ich schreibe keine wiederkehrenden Serien wie Krimis oder Fantasies, also wechseln meine Themen und damit ein wenig die Genres. Mein Debütroman »Licht des Schattens« ist eine autobiografisch-fiktive Coming of Age Geschichte. »Der rot-blaue Boccalino« erzählt am Beispiel eines Dorfes im Tessin, wie sich wenige Menschen in einem kleinen Paradies bis zur Eskalation polarisieren und streiten. Im Kleinen ein Abbild der großen Welt. Mein dritter Roman »Zweistromland« behandelt die noch immerwährende Suche der Ostdeutschen nach ihrer Identität, mehr als 30 Jahre nach dem Beitritt der neuen Bundesländer zu den alten, also keine wirkliche Wiedervereinigung. »Jeder Roman ist eine Autobiographie«, hat Martin Walser gesagt, »ein Selbstportrait des Autors zum Zeitpunkt des Schreibens. Anders als aus meinen Erfahrungen heraus kann ich gar nicht schreiben«. Genauso würde ich mein Schreiben formulieren. Wie würde man mein Genre also bezeichnen? Ich habe es »Werkstatt des Lebens« genannt, aber das findet man nicht im Bücherverzeichnis.

– Wie wird eine Geschichte Ihrer Ansicht nach zu einer guten Geschichte?

Selten mit einem Happyend, das wäre mir zu seicht. Der Leser soll noch nachglühen, das Gelesene Revue passieren lassen und manche Vieldeutigkeit in den Personen, Episoden oder Handlungsorten erst nach dem Weglegen des Buches verstehen. Ganz besonders lohnt es sich bei meinem Roman »Zweistromland«. Ich habe dort einerseits viel historische Recherche-Arbeit geleistet, aber dann anderseits dabei so viele Zufälle und Bestimmungen entdeckt, welche durch noch so kleine und zufällige Ereignisse die jüngste deutsche Geschichte bestimmt haben. Und ich habe für manches dann Synonyme und Stellvertreter benutzt, damit man als Leser vieles mit seiner eigenen Erfahrungswelt assoziieren und das Trauma der jüngsten deutschen Geschichte und der betroffenen Menschen nachempfinden kann. Mein Debütroman »Licht des Schattens« ist in der Hinsicht noch etwas intensiver.
Eine gute Geschichte für mich ist also die, in der sich der Leser wiederfindet und manche Empfindungen an Selbst-Erlebten festmachen kann, also so etwas wie ein Déjà-vu hat.

– Wie können sich Ihre Leser einen Tag im Autorenleben des Edgar Bernardi vorstellen? Wie, wann und wie viel schreiben Sie? Haben Sie sich dazu spezielle Rituale angeeignet?

Ja, ich habe mir angewöhnt, Sommer wie Winter, um sechs in der Früh aufzustehen. Keine präsenile Bettflucht, sondern mit dem beginnenden Tag bis zum Sonnenaufgang und mit ausgeruhtem Geist zu schreiben. Bis zum Frühstück gegen halb neun arbeite ich dann intensiv an meinen Geschichten. Tagsüber schreibe ich kaum, aber bei anderen Arbeiten im Garten, beim Spazieren oder so entwickelt sich die Geschichte in meinem Kopf weiter, die Szenen, die Figuren, manchmal einzelne Sätze oder Einleitungen zu einem Kapitel. Dann habe ich entweder einen Zettel und einen Bleistift oder den Notizblock im iPhone dabei und muss das schnell notieren, bevor der Gedanke weg ist.

– Woraus entwickeln sich die Ideen für Ihre Geschichten? Wer oder was sind Ihre Inspirationen?

Meine Schwäche ist Mitleid. Ich leide mit den Menschen, mit den Tieren, mit unserem Planeten, mit allem, was ich sehe und was mich dann berührt, wenn ich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehe. Dann muss ich schreiben, nicht missionarisch, nicht anklagend, einfach BEschreiben, was ich sehe, fühle, denke – in der Hoffnung, dass viele Leser dem folgen und mit ihrem eigenen Empfinden assoziieren können. Natürlich will ich mit meinen Erzählungen die Welt verändern, aber nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit dem Spiegel.

– Entstehen Ihre Geschichten im Voraus »am Reißbrett«, oder schreiben Sie »drauflos« und lassen Sie den Worten ihren Lauf? Warum halten Sie Ihren Weg für den Richtigen?

Erstgenanntes. Ich bin kein Märchenerzähler, der vor dem Kamin nach dem ersten Halbsatz eine nicht enden wollende Geschichte erzählt. Ich mache mir zu jedem Manuskript einen Plot, der im Wesentlichen aus vier Teilen besteht: 1. Prämisse / Konflikt und was muss »rüberkommen«; 2. Inhaltsverzeichnis und Handlungen in den einzelnen Kapiteln; 3. Figuren und deren Charaktere, Aussehen, Namen, Auffälligkeiten; 4. Hintergrundfakten / Material / Bilder / Filme zum Hauptthema.

– Fühlt sich das »Autorenleben« genauso an, wie Sie es vor Ihrer ersten Veröffentlichung vermutet haben? Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen?

Leider nein. Im Umgang mit Agenturen, Verlagen und den Marktteilnehmern habe ich festgestellt, dass das Produkt »Buch« genauso gehandelt wird wie Wein oder Autos. Es wird Literatur gehypt und es werden Bücher ausgezeichnet, weil gewisse Themen oder Autoren gerade en vogue sind, nicht, weil es einfach eine schöne Erzählung ist oder ein guter Autor, der etwas sagen will. Bücher werden häufig auch »oberflächlich« bewertet und teilweise auch gelesen, ohne sich mit dem Autor und das, was er ausdrücken will, intensiver zu beschäftigen. Letztlich ein Abbild unseres überschriften-orientierten Sensations-Journalismus in den sozialen Medien, deren Artikel und Titel selten grammatikalisch oder in der Interpunktion korrigiert wurden, während ein sorgfältiger Buch-Autor viel Zeit und Aufwand mit einem Lektorat verbringt.

Das Team von Leserkanone.de dankt Edgar Bernardi für die Zeit, die er sich genommen hat!
 
Bücher nach Bewertung Bücher chronologisch Bücher alphabetisch
Der rot-blaue Boccalino
Genre: Gegenwartsliteratur (Eigenverlag und ab edition, 15. Mai 2021)
Licht des Schattens
Genre: Gegenwartsliteratur (Eigenverlag und ab edition, 28. Juni 2020)
Zweistromland
Genre: Historischer Roman (Eigenverlag und ab edition, 31. Oktober 2022)
Falls ein Buch des Autors in der hier aufgeführten Liste fehlen sollte, dann könnt ihr uns dies nach einem Klick hier mitteilen.
 
Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz  •  Cookies