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Kai Bischof 0 Fans
Herkunft: Deutschland
Pseudonym: Kai Everstein
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Kai Bischof vom 07.02.2021
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 07.02.2021
In seinem aktuellen Roman nimmt Kai Bischof seine Leser mit auf »Hannos Reise«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über das Buch, über Außenseiter und über geschlechterspezifische Rollenbilder.

Herr Bischof, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Hannos Reise«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Gerne. In »Hannos Reise« geht es um einen siebzehnjährigen, schüchternen Jungen, der von seinem Vater über die Sommerferien per Interrailticket auf Europareise geschickt wird. Zentraler Punkt der Geschichte ist die Freundschaft zwischen Hanno und der amerikanischen Studentin Sarah, die er im Zug kennenlernt. Auch das Verhältnis zu seiner in Spanien lebenden Mutter wird im Verlaufe des Buches wichtig. Der Titel Hannos »Reise« bezieht sich dabei nicht nur auf den Trip durch Europa, sondern vor allem auf Hannos Reise zu sich selbst. Ich verrate zumindest nicht zu viel, wenn ich sage, dass er am Ende des Buches eine Menge erlebt und gelernt hat, was ihn deutlich optimistischer in die Zukunft blicken lässt.

Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Literatur für männliche Teenager, oder generell für Männer, die sich vor allem auf das Thema Liebe konzentriert, ist ja nicht sehr verbreitet. Zumindest habe ich noch nicht viele Bücher dieser Art gefunden, obwohl ich sie sehr gerne lese. Wobei ich auch gar nicht weiß, ob nicht eher Freundschaft der Aufhänger in meinen Romanen ist. Aber Freundschaft und Liebe sind ja auch irgendwie untrennbar miteinander verbunden.
Der Amerikaner John Green ist mir da als Autor am nächsten, insofern würde ich ihn im Bereich Jugendliteratur als mein literarisches Vorbild nennen. Insbesondere »Eine wie Alaska« und »Margos Spuren« gefallen mir richtig gut. Noch mehr verehre ich allerdings Joanne K. Rowling. Die Leichtigkeit, mit der sie das Harry-Potter-Universum erschaffen und beschrieben hat, fasziniert mich noch heute.

Was macht Ihren titelgebenden Protagonisten Hanno zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihm und an der Studentin Sarah persönlich?

Hanno ist jemand, der das Herz am rechten Fleck hat, dem es aber an Selbstvertrauen fehlt. Ich glaube, viele Jungen kennen dieses Phänomen, dass manche Klassenkameraden vor Selbstbewusstsein nur so strotzen, mit Ausnahme der großen Klappe aber wenig zu bieten haben. Häufig sind diese Typen bei den Mädchen aber sehr beliebt, und nicht selten zieht sich ein ohnehin schon schüchterner Junge dann zusehends in sein Schneckenhaus zurück.
In meiner Geschichte bricht Sarah dieses Schutzverhalten Hannos auf. Sie ist zwar auch auf ihre Weise dominant, nimmt ihn aber so an, wie er ist. Die beiden passen eigentlich gar nicht zusammen, es ist ja auch keine Liebe auf den ersten Blick, aber es entsteht vom ersten Moment an eine unsichtbare Bindung zwischen ihnen. An Sarah schätze ich vor allem ihre Unberechenbarkeit. Sie hat ihre eigenen, ganz anderen Probleme, die von Hannos so weit weg sind, dass er gar nicht auf die Idee kommt, sie könnte überhaupt welche haben. Und trotzdem oder gerade deshalb helfen sich die beiden einander. Sarah fühlt sich zum vielleicht ersten Mal aufrichtig geliebt, Hanno kommt sich nicht mehr wie ein Außenseiter vor. Beide wachsen aneinander, weil sie so unterschiedlich sind. Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich es richtig schade, dass es sie nicht wirklich gibt.

Was ist der Reiz daran, eine Außenseiterfigur in den Mittelpunkt eines Romans zu stellen?

Außenseiter haben ihre Rolle ja meist unverschuldet. Man kommt schließlich nicht als Außenseiter auf die Welt, sondern wird erst durch seine Umgebung dazu gemacht. Kinder können in diesem Kontext sehr grausam sein, und die Institution Schule spielt dabei auch eine entscheidende Rolle. Pink Floyds »The Wall« hat das ja schon vor 40 Jahren beschrieben. Wenn man erstmal in diesem Strudel aus Hänseleien, Mobbing und sich selbst kleinmachen gefangen ist, zieht es einen immer weiter nach unten. Ich kenne das glücklicherweise nicht aus eigener Erfahrung, weil ich immer Glück mit meinen Klassenkameradinnen und -kameraden hatte, aber Außenseitertum ist sicher ein immer noch unterschätztes Thema.
Wenn ich einen Außenseiter in das Zentrum einer Geschichte stelle, dann geht es mir immer darum, zu zeigen, dass nicht die Außenseiter*innen die Dummen sind, sondern die Leute, die sie dazu machen sei es wegen ihrer Kleidung, ihrer Hautfarbe, ihrer Frisur, ihres Körpergewichts oder welche Beweggründe es auch immer geben mag. Bei Hanno ist es eben das stille Wesen, was einigen nicht passt, das aber für Sarah genau die Charaktereigenschaft ist, die sie an ihm so sehr liebt.

In Ihrem offiziellen Autorenportrait wird erwähnt, dass Ihnen in Ihren Geschichten insbesondere ein Ausbrechen aus geschlechterspezifischen Rollenbildern am Herzen liegt. Weshalb halten Sie dies für so bedeutsam? Und wie spiegelt sich dieses Anliegen in »Hannos Reise« wider?

Ich finde es deshalb so wichtig, weil es immer noch viel zu selten passiert, zumindest in der gängigen New Adult und Jugendliteratur. Ich frage mich schon länger, warum in so vielen Romanen dieses Genres, Mädchen immer noch als naive, verträumte Dummerchen dargestellt werden, deren ganzer Tagesablauf nur daraus besteht, den arroganten Schulschönling anzuhimmeln. Und am meisten Sorgen macht mir dabei, dass diese Bücher auch noch ausgerechnet von Frauen geschrieben werden und großen kommerziellen Erfolg haben. Ich möchte jetzt hier keine Beispiele nennen, aber mir fielen aus dem Stegreif einige ein. Ich frage mich nur: Ist das Frauenbild, was dort durch Autorinnen anderen Frauen vermittelt wird, nicht genau das, was heute niemand, außer ein paar unbelehrbaren Chauvinisten, mehr haben will?
Diese klassische Rollenverteilung war aber ohnehin nie mein Ding, weder in Büchern noch im echten Leben. Ich fand schon als Kind starke Mädchen besonders anziehend und das hat sich bis heute nicht geändert. Harry Potter ist mir zum Beispiel als Person ziemlich egal, Hermine Granger dagegen liegt mir absolut am Herzen. Für mich war sie immer der heimliche Star der Reihe ... neben den Weasley-Zwillingen natürlich.
In Hannos Reise ist Sarah zunächst die Starke, die Hanno an die Hand nimmt, und ihn immer mehr aus seinem Schneckenhaus hervorholt, weil sie trotz ihrer dominanten Art liebevoll und fürsorglich mit ihm umgeht. Das ist ja ein Wesenszug, den Frauen und Mädchen sehr häufig haben. Empathie, Rücksichtnahme, Toleranz das sind Attribute, die ich eher Frauen als Männern zuordne. Natürlich gibt es da auf beiden Seiten viele Ausnahmen, aber Frauen sind auf ihre Weise sozialer, eignen sich meines Erachtens auch besser für Führungspositionen. Mit der Erkenntnis bin ich ja mittlerweile auch nicht mehr allein.
Meine Sarah offenbart im Laufe der Geschichte aber auch, dass sie so stark, wie es zunächst scheint, gar nicht ist. Sie hat ebenso Ängste, Selbstzweifel, und Menschen in ihrer Umgebung, die ihr das Leben schwer machen. Mit zunehmender Dauer der Geschichte ist es dann eben so, dass sie sich auch mal an Hannos Schulter anlehnen kann. Diese Wandlung der beiden Charaktere ist vermutlich das, was die Geschichte vor allem ausmacht. Dabei hatte ich das vor Beginn des Schreibens so konkret gar nicht geplant.

Sie haben »Hannos Reise« ohne einen klassischen Verlag in Eigenregie veröffentlicht. Was hat Sie dazu bewogen, es auf diesem Wege zu versuchen? Und halten Sie in der heutigen Zeit Verlage überhaupt noch für nötig?

Verlage, sofern sie ihre Aufgabe ernst nehmen und nicht nur an den betriebswirtschaftlichen Erfolg denken, sind sehr wichtig für unsere Kulturlandschaft, für Bildung, für das komplette Gemeinwesen. Ich halte sie daher sogar für dringend notwendig. Für einen Autor ist der Verlag der Partner, der das Buch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt macht, und ihm viele Dinge abnimmt, die man als Selfpublisher selbst erledigen muss. So kann sich der Autor auf das konzentrieren, was er am besten kann das Schreiben und der Verlag kümmert sich um dem Rest. Grundsätzlich macht die Zusammenarbeit mit einem Verlag für Autoren also absolut Sinn. Allerdings verfestigt sich bei mir zunehmend der Eindruck, dass Verlage ihre Aufgaben eben nicht mehr ausreichend wahrnehmen. Ich habe zumindest in letzter Zeit einige Verlagsveröffentlichungen großer Verlage gelesen, bei denen ich ernsthaft anzweifeln muss, dass die Texte jemals ein Lektorat durchlaufen haben. Und ich sehe Verlage auch in einer Verantwortung, nicht nur auf den finanziellen Erfolg zu schielen, vergleichbar vielleicht dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das auch seinen Bildungsauftrag zu erfüllen hat. Verlage sind zwar gewinnorientierte Unternehmen, aber auch Nischenprodukten eine Chance zu geben, steckt in ihrer DNA. Wenn sie diese leugnen, werden sie vielleicht wirklich eines Tages überflüssig. Ich hoffe aber inständig, dass es nie so weit kommt. Harry Potter ist ja das beste Beispiel. Nach unzähligen Absagen hat sich dann doch ein Verlag, auf Anraten der Tochter des Verlagschefs, herangetraut, das Buch zu veröffentlichen. Das Nischenprodukt wurde zum Welterfolg.
Meine Bücher schreibe ich zwar in erster Linie, weil ich Spaß daran habe, aber trotzdem steckt ja eine Aussage dahinter. Und wenn die möglichst viele Leser erreicht, ist das schon ein schönes Gefühl.
Ich habe aber keine Lust mehr, mich bei Verlagen anzubiedern, von denen man ohnehin fast nie eine Reaktion bekommt. Da beschäftige ich mich lieber mit den vielen positiven Rückmeldungen, die ich für Hannos Reise schon bekommen habe. Das Feedback der Leserinnen und Leser bestätigt mich schließlich in meiner Arbeit, auch wenn ich es nicht als Arbeit empfinde. Das Schreiben ist für mich vor allem Hobby, neben Berufsalltag und Familie aber nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Da freut es mich umso mehr, wenn mir offensichtlich etwas Gutes gelungen ist. Wenn ein Verlag anklopfen würde, würde ich mich gegen eine Zusammenarbeit natürlich nicht wehren, mein Antrieb bei Schreiben ist aber nicht die Verkaufszahl, sondern am Ende ein Buch in den Händen zu halten, das ich selbst gern gelesen hätte.

Was können wir von dem Autor Kai Bischof in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Aktuell schreibe ich an einem Zweiteiler, in dem es um zwei Siebzehnjährige geht, die sich nach einigen Jahren der Trennung wiederfinden. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht des Mädchens und des Jungen geschrieben, weshalb die Geschichte eine deutlich weiblichere Note hat als meine bisherigen. Der erste Teil dieses Projekts ist schon lange fertig, in der Rohfassung sogar, bevor ich mit Hannos Reise begonnen habe. Aktuell ist Teil 1 bei den Testlesern, Teil 2 ist ungefähr zur Hälfte geschrieben. Teil 1 wird auf jeden Fall diesen Sommer herauskommen. Die Handlung spielt in den norddeutschen Sommerferien und daher ist mir der Termin schon wichtig. Wenn es perfekt läuft, erscheint Teil 2 auch noch vor Weihnachten, aber da mache ich mir keinen Druck. Auch das ist ein Vorteil der Veröffentlichung in Eigenregie: Man muss sich an keine Termine halten, außer an die, die man sich selbst setzt.
Danach möchte ich an einem Projekt weiterarbeiten, dass ich schon vor über 15 Jahren begonnen, aber damals abgebrochen habe. Dabei geht es um einen Zehnjährigen, der mit seinem besten Freund in eine fremde Welt gerät. Es werden also zum ersten Mal auch Fantasy-Elemente eine Rolle spielen. Ich freue mich schon sehr darauf, die Geschichte neu aufzusetzen, denn ich denke, die Idee dahinter ist wirklich gut. Und mittlerweile habe ich auch genug Erfahrung, das Ganze vernünftig zu Papier zu bringen. Aber bis der erste Teil auf den Markt kommt, dauert es bestimmt noch drei Jahre.

Das Team von Leserkanone.de dankt Kai Bischof für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
»Hannos Reise« bei Leserkanone.de
»Hannos Reise« bei Amazon
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Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz