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Michael Knabe 0 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Michael Knabe
Instagram: autor_michael_knabe
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Michael Knabe vom 16.01.2021
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 16.01.2021
In seinen Romanen »Shevon« und »Ishabel« schildert Michael Knabe die »Flüchtlings-Chroniken«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über die Bücher, über das Erschaffen von Fantasywelten und über seine zukünftigen Projekte.

– Herr Knabe, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Ishabel«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es und die »Flüchtlings-Chroniken« unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Gerne! »Ishabel« ist der zweite Band meiner »Flüchtlings-Chroniken«, kann aber auch für sich gelesen werden. Ishabel, die Tochter eines todkranken Königs soll verheiratet werden, um die Thronfolge des mächtigen Reiches Sabinon zu sichern. Doch sie denkt nicht daran, das Reich und ihre geliebte Hauptstadt einem der intriganten Herzöge zu überlassen. Beim Kampf um den Thron bekommt sie es mit einer Invasion, einem Verräter in den eigenen Reihen und einem Flüchtling aus dem Land der Invasoren zu tun. Nur mit Hilfe eines verelendeten Kaufmanns, eines Medicus, eines Bastards, einer peitschenschwingenden Freigräfin und eben jenes Flüchtlings kann sie hoffen, in diesem Kampf zu bestehen.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihre Buchreihe ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Wer Fantasy mit Elfen, Zauberern und Orks verbindet, wird hier eher nicht fündig. Wer dagegen rasant erzählte Abenteuergeschichten mit Verfolgungsjagden, Feuer, Intrigen, Mord, Krieg und ein wenig Liebe mag, findet hier neues Lesefutter. Vielleicht haben die Leser Joe Abercrombies Lust, in »Ishabel« oder den Vorgänger »Shevon« hineinzuschauen. Mit Brian McClellan würde ich mich niemals messen, aber das dichte Handlungsgeflecht in den Geschichten seines Powder Mage-Universums hat mich die Bände in wenigen Tagen fressen lassen. Wenn mir so etwas gelingen sollte, wäre ich hochzufrieden.
Meine Lieblingsromane? Wechseln häufig. Fantasy, die mich fesselt, finde ich nicht so häufig, aber die teils depressiv-zögerlichen Helden Robin Hobbs haben es mir sehr angetan, vor allem Fitz aus der Weitseher-Reihe. Ansonsten lese ich sehr viele Krimis, z.B. von Tana French, Paula Hawkins, Cay Rademacher oder Arne Dahl. Und wenn mir ein schräges Jugendbuch wie »UnLunDun« von China Miéville in die Hände fällt, bin ich ebenfalls zu begeistern. Auch im SciFi-Regal bin ich Kunde; die Bücher von Cixin Liu oder Becky Chambers oder die »Red Rising«-Trilogie haben es mir angetan.

– Tagtäglich erscheinen unzählige neue Fatasyromane, und es ist schwer, aus der breiten Masse herauszustechen. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buchs und der zugehörigen Reihe, wegen denen man unbedingt bei Ihnen zuschlagen sollte?

Da wird sich sicher jede(r) selbst ein Bild machen. Ich selbst habe mich schon länger sattgelesen an High Fantasy, in denen einzig der/die Auserwählte die Welt vor dem Ur-Finsterling retten muss. In der Realwelt brauchen wir keine Dämonen, wir machen uns die Hölle längst schon selbst. Etwas von Plautus' »Homo homini lupus« ist wahrscheinlich auch in meine Bücher eingeflossen. Die Figuren sind häufig ambivalent, einseitige Nur-Helden sind rar gesät und die Abgründe der »Bösen« sind eher menschliche Charakterzüge als dämonische Eigenheiten. Vielleicht ist das auch etwas, das aus meiner Arbeit als Psychotherapeut einfließt. Ich habe viel mit traumatisierten Opfern, aber auch mit Menschen zu tun, die in ihrer Persönlichkeit stark verbogen wurden. Einige meiner Figuren wären sicher für eine psychiatrische Diagnose gut.
Fazit: Ambivalente Helden, der Verzicht auf Magie und (auch) die dunkle Seite des Menschseins machen meine Bücher aus.

– Was macht Protagonistin Ishabel zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihr und an dem Flüchtling Shevon al Yontar persönlich?

Da bin ich sicher nicht ganz objektiv! (lacht.) Wenn man seine Helden und Heldinnen so lange begleitet, wachsen sie einem von ganz allein ans Herz.
An Ishabel schätze ich allem voran ihren wachen, schnellen, lebendigen Geist. Sie will wissen, verstehen und verändern. Eine Macherin, auch wenn man sie nicht so oft lässt, wie sie sich das wünscht. Ich stelle sie mir weit intelligenter vor, als ich es selbst zu sein glaube. Bei den ersten Schreibansätzen geriet sie noch zur quengeligen Prinzessin auf der Erbse, die keinen Plan hat, außer irgendwann auf dem Thron zu sitzen. Ich glaube, das konnte ich ihr ganz gut abgewöhnen.
Shevon? Der ist einfach menschlich. Ein Sohn aus gutem Hause, verwöhnt durch die superreichen Eltern in einer quasi-römischen Gesellschaft. In all dem Reichtum ist er aber kein reiner Poser und Angeber geworden, sondern hat durch den Tod seiner Mutter schon früh erfahren, wie schnell Gutes vorbei sein kann. Nun, das holt ihn ja in aller Schärfe wieder ein. Und anstatt daran zu zerbrechen, wächst er. Ja, das mag ich wohl besonders an ihm: Er ist kein Übermensch, sondern versucht, in einer unmöglichen Situation das Beste zu erreichen.

– Sie haben mit dem Königreich Sabinon und seinem Erzfeind Levanon eine ganz eigene Welt erschaffen. Ist das Konstruieren eines solchen »Fantasy-Universums« bei Ihnen ein Prozess, der nach und nach während des Schreibens von statten geht, oder ging dem Verfassen zunächst erst umfangreiche Reißbrettarbeit voraus? Welcher Aufwand steckt generell in Büchern wie denen der »Flüchtlings-Chroniken«? Und nach welchen Maßstäben und mit Hilfe welcher Inspirationen haben Sie Ihre Welt gestaltet?

Ein Prozess ist das ganz sicher. In diesem Fall hat der Prozess aber lange vor dem Schreiben begonnen. In meiner Jugendzeit liebte ich es, Karten zu zeichnen. Anfangs noch mit Filzstiften und bevölkert von Tieren, die auch bei Donald Duck hätten unterkommen können. Später mit Aquarellfarben und im Copyshop. Und mittlerweile am Rechner, wo ich mit Vektorzeichenprogrammen wie Inkscape dilettiere. Diese Welt habe ich zunächst für mich erfahrbar gemacht, indem ich Reiseberichte schrieb, »Von Venh zu den Loarranfällen« und ähnliches. Zunehmend tauchten dann kurze Szenen vor dem inneren Auge auf. Ein finsterer Mann auf der Veranda seines Hauses in der Steppe; ein freundlicher älterer Herr, der sich Professor Kluge nannte, ein selbstsüchtiger König. So begann sich die Landkarte mit Figuren und Geschichten zu bevölkern. Irgendwann habe ich sie aufgeschrieben und seither nicht damit aufgehört.
Den Aufwand für ein Buch kann ich nicht in Stunden beziffern; »sehr viele« wäre wohl die genaueste Einschätzung. In meinem Schreibtagebuch finden sich spätestens 2009 erste Ideen zu »Ishabel«, die damals noch ganz anders hieß. Aus einzelnen Ideen formt sich allmählich ein Netzwerk wilder Handlungsabläufe, die später noch zurechtgestutzt werden. Aus einem Grundkonzept (Dreiakter) entwickle ich die Kapitel und ihren späteren Inhalt. Wenn es dann ans Schreiben geht, wird diese Struktur aber immer weiter angepasst, weil die Figuren gern einmal etwas anderes tun, als ich von ihnen gedacht hatte. Konkret habe ich an »Ishabel« sicher über zwei Jahre geschrieben und dann noch einmal ein Jahr überarbeitet. An »Shevon« habe ich mir erst einmal die Zähne ausgebissen und erst mit freundlicher Hilfe der Autorin Susanne Gerdom einen Zugang gefunden. Hier habe ich mit allen möglichen auch grafischen Modellen experimentiert, um die zwei Zeitebenen irgendwie bändigen zu können. Ich erinnere mich an ein 3D-Modell. Ziemlich abgefahren. Letzlich hat aber die Beschäftigung mit solchen Modellen das Schreiben der Geschichte erst ermöglicht. Kapitel 1 habe ich sicher dreimal komplett neu geschrieben.
Inspirationen für das Inselrund hole ich mir überall. Mir war klar, dass Shevon nicht aus einer klassisch mittelalterlichen Welt stammen sollte. Ein Scan im Bücherregal - alles zwischen »Caius, der Lausbub aus dem alten Rom« und großformatigen Bildbänden über das Römische Reich - ließen die Idee einer Republik im Todeskamp, ähnlich wie am Ende der Römischen Republik, wachsen. Der Bergsturz fußt auf einer Wanderung durchs Vulkangebiet auf Teneriffa, wo ich nicht sehr viel von der Landschaft mitbekommen habe, weil sofort eigene Bilder und Geschichten entstanden. Und Ishabels Palast in Golàbine zeigt sicher Anklänge an die Alhambra - wogegen ich Basaltsäulen eher in Schottland kennengelernt habe, genauer: auf der Isle auf Arran.
Die Karten zu den Büchern finden sich übrigens auch auf meiner Homepage unter www.michaelknabe.de.

– Eine Frage wollen wir nicht außen vor lassen, denn ihr neues Buch wurde inmitten des aktuellen Corona-bedingten Lockdowns veröffentlicht: Hat sich die Corona-Krise auch bei Ihrer Arbeit als Autor bemerkbar gemacht?

Definitiv: Ich hatte viel weniger Zeit zum Schreiben. Meine Psychotherapiepraxis lief weiter, weil die seelischen Krisen durch den Lockdown eher zugenommen haben. Zeitgleich mussten wir Homeschooling hinkriegen und ich musste auch die eigenen Ängste unter Kontrolle halten. Naja, dafür habe ich aus dem Beruf ja Handwerkszeug ... Auch nach der Veröffentlichung fiel vieles weg, was ich geplant und vorbereitet hatte: Messebesuche, Lesungen, kleine Auftritte in meiner Heimatstadt, all das lag und liegt auf Eis.

– Was können wir von dem Autor Michael Knabe in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Ich bin mitten in der Rohfassung für Band 3 der Flüchtlings-Chroniken. Ein finsterer Mann plagt sich durch Wasser und Fels in einer unmöglichen Mission - und im Hintergrund zieht ein Flüchtling die Strippen, der den Lesern meiner ersten beiden Bände bekannt vorkommen dürfte. Auch danach geht es mit den Chroniken weiter; wenn alles gut geht, erreicht Shevon nach sechs Bänden sein Ziel. Dann kann ich mich dem Prequel und den beiden Spin-Offs widmen, die sich in meinem Kopf zu formen beginnen. Man wird sehen.
Für dieses Jahr bin ich noch sehr skeptisch, wie viele Begegnungen mit Lesepublikum möglich sein werden. Aber ich hoffe sehr, dass 2022 das Jahr wird, in dem ich mich auf Messen der Kleinverlage tummle und vielleicht auch wieder in Leipzig vorbeischauen kann.

Das Team von Leserkanone.de dankt Michael Knabe für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Michael Knabe
Michael Knabe bei Instagram
»Die Flüchtlings-Chroniken 1 - Shevon« bei Leserkanone.de
»Die Flüchtlings-Chroniken 1 - Shevon« bei Amazon
»Die Flüchtlings-Chroniken 2 - Ishabel« bei Leserkanone.de
»Die Flüchtlings-Chroniken 2 - Ishabel« bei Amazon
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