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June T. Michael 0 Fans
Herkunft: unbekanntes Herkunftsland
Webseite: Offizielle Homepage von June T. Michael
Twitter: @junetmichael1
Interview: Leserkanone.de-Interview mit June T. Michael vom 20.08.2020
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 20.08.2020
Im Roman »Gefangen zwischen Eis und Feuer« entführt June T. Michael die Fans erotischer Fantasyromane in die außergewöhnliche Welt »Arl Sere«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach June T. Michael über das Buch, über das Kombinieren von Genres und über das Veröffentlichen in Eigenregie.

– June Michael, vor Kurzem erschien Ihr Roman »Gefangen zwischen Eis und Feuer«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es und die zugehörige Reihe unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Sehr gerne. In »Gefangen zwischen Eis und Feuer« wird die Händlerin Fenia Estar von ihrer Familie in die Hauptstadt von Erytan geschickt, um dort Tuch und Golddraht zu verkaufen. Sie soll vorteilhafte Handelsbeziehungen einfädeln und anschließend zurückkehren. Sie selbst hofft dabei, ihre Bedürfnisse nach Unterwerfung und Schmerz, die in ihrer Heimat als Tabu gelten, ausleben zu dürfen. Die zwei Frauen, die ihr begegnen, können in jeder Hinsicht kaum unterschiedlicher sein – wie Feuer und Eis.

Die zugehörige Reihe widmet sich dann in lockerer Abfolge den Geschichten der Personen, die in Arl Sere (und vor allem in Erytan) leben. In einem Staat, in dem eine Form von BDSM die Leitkultur bildet, in der es ganz selbstverständlich humanoid aussehende Wesen gibt, die trans, inter und nicht-binär sind, ohne dass es einer zusätzlichen Erwähnung wert wäre. Dadurch erhält nicht nur dieser Roman, sondern auch die Folgebände ein starkes utopisches Element.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Tatsächlich gibt es im deutschsprachigen Raum wenig Vergleichbares. Wer mehr Geschichten über offene, vorurteilsfreie Kommunikation unter queeren Menschen lesen mag, wird bei dieser derzeit ausschließlich online veröffentlichten Novelle fündig: https://www.karlabyrinth.org/stories/UndDannKamAllesAnders.html

Wer Bücher sucht, die in ähnliche Richtungen wie mein eigenes gehen und die Möglichkeit hat, auf Englisch zu lesen, findet in diesem Twitterthread tolle Empfehlungen: https://twitter.com/cuffedCatling/status/1193634561822990342

Ich mochte sehr die Repräsentation vieler verschiedener queerer Identitäten in der Reihe »Jäger in den Schatten« von Dahlia von Dohlenburg und liebe den Humor in »Die Flamm-Chroniken« von Leann Porter. Aber mit Vorbildern tu ich mich sehr schwer, weil es auf dem etablierten Markt sehr wenig gibt, was in die Richtung geht, in der ich schreiben möchte.

Statt etablierten Vorbildern habe ich vor allem eine kleine Gruppe aus Leuten, die ähnlich wie ich denken und schreiben. Wir treffen uns auf Twitter und zum Teil auf Discord. Neben den bereits genannten Leuten (karlabyrinth und Kitten) gehören auch April Flowers (https://twitter.com/WrittenByApril) und Zesyra (https://twitter.com/Zesyra) dazu. Ich liebe beispielsweise die Texte von Kitten und April dafür, dass sie gleichzeitig auf herzerwärmende Art und Weise voller Respekt und Liebe stecken und in kinky Hinsicht sehr »gemein« sind. So will ich auch schreiben.

Mit Lieblingsromanen tue ich mich schwer – jedes Buch hat die Chance, einer zu werden. In der letzten Zeit hat mich die »Myrie Zange«-Reihe von karlabyrinth sehr berührt (https://www.karlabyrinth.org/stories/Myrie.html - Band 1 kann man auch als Print beim Schreibfisch erwerben, ansonsten kann man sie gratis herunterladen). Der Umgang mit Kommunikation, Bedürfnissen, Neurodivergenzen ... Es ist eine sehr besondere Buchreihe.

– Tagtäglich erscheinen unzählige neue erotische Romane, und es ist schwer, aus der breiten Masse herauszustechen. Was halten Sie selbst für die größten Alleinstellungsmerkmale Ihres Buchs, wegen denen man unbedingt bei Ihnen zuschlagen sollte?

Ich kombiniere Genres, die es bisher im deutschsprachigen Raum kaum in genau dieser Zusammenstellung auf dem Buchmarkt gibt.

Es gibt zwar durchaus erotische BDSM-Romane mit Fantasy-Elementen, aber diese sind dann ausgesprochen selten bis nie queer und meist sehr düster.

Es gibt die Kombination aus Fantasy und Slice of Life, wobei Alltagsprobleme statt epischer Schlachten im Vordergrund stehen, aber diese Romane sind meist nicht erotisch. Und wenn, dann handelt es sich überwiegend um hetero Liebesgeschichten.

Aber die Kombination »Slice of Life mit queerem BDSM-Fantasyporn” ist in dieser Form einzigartig.

Dazu kommt, dass ich in meinem Roman und den Folgebänden zeige, dass Consent und dessen Aushandlung sehr sexy sein kann, Verhütung ganz selbstverständlich in eine erotische Szene eingebaut werden kann und es durchaus möglich ist, BDSM wertschätzend und respektvoll darzustellen.

– Ist es nicht riskant, gleich eine ganze Buchreihe zu planen, wenn man im Vorhinein noch gar nicht einschätzen kann, wie der erste Band bei der Leserschaft ankommt?

Ich mache so gut wie alles selbst – damit sind die finanziellen Risiken recht klein und gut kalkulierbar. Viele Sachen, die ich nutze, um meine Buchreihe zu veröffentlichen, hätte ich mir auch für andere Zwecke gekauft – beispielsweise Software- und Grafiklizenzen, Programmupgrades, Fortbildungen. Ich mache auch im Brotjob viel mit Texten und Grafiken, sodass ich vieles ohnehin besitze oder regelmäßig nachkaufen muss.

Daher kostet mich die Buchreihe vor allem Zeit und Leidenschaft – und beides würde ich auch dann investieren, wenn ich die Buchreihe beispielsweise auf einer Seite wie Wattpad kostenlos veröffentlichen würde.

Das Buch ist inzwischen seit einigen Wochen im Handel und kommt dafür, dass es eine Nische in einer Nische in einer Nische ist (innerhalb der queeren Bücher eine Nische, weil ich nicht über schwule cis Männer schreibe, innerhalb der lesbischen Bücher noch einmal eine, weil ich über BDSM schreibe und so weiter), sehr gut an.

– Wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Geschichte in eine Fantasywelt zu verlegen? Was zeichnet Ihre Welt Arl Sere aus, was können Ihre Leser dort entdecken?

Die Welt war lange vor der Buchidee da – ich habe mit einer Freundin einen »Assassins to Lovers«-Plot in einem Text-RPG ausgespielt und eigentlich sollte dabei das Land Erytan nur mal kurz Schauplatz sein (denn natürlich war nicht vorgesehen, dass die beiden Figuren zu »Lovers« werden – die Figur der Freundin sollte ganz schnell meine Figur töten und dann wieder an den Hauptschauplatz zurückkehren). Die Verquickung zwischen BDSM und Fantasy existierte zwei Jahre, bevor ich die ersten Ideen für den Roman hatte – und selbstverständlich habe ich um Erlaubnis gefragt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass weder Figuren noch von meiner Spielpartnerin geschaffene Orte Teil meiner Romane sein dürfen, also habe ich die Romanreihe ein Jahrhundert vorher angesiedelt.

Eine Welt, die zumindest ein Land beinhaltet, in dem eine Form von BDSM die Leitkultur bildet und die vollkommen losgelöst von dem kulturellen Erbe der Erdgeschichte ist, bietet sehr viele Möglichkeiten, die ich in einer Contemporary Geschichte nicht hätte. Selbst wenn alle Figuren menschlich wären, würde allein die Auswirkung einer sexpositiven Kultur es erlauben, Geschichten zu erzählen, in denen Figuren ganz selbstverständlich und unvorbelastet durch Jahrhunderte des Patriarchats und rigider Moralvorstellungen miteinander interagieren können. Egal welches Geschlecht sie haben. Fantasyelemente erweitern die Möglichkeiten zusätzlich um sehr viele spannende Facetten – denn natürlich sind mit den entsprechenden Fähigkeiten der Figuren auch sowohl Rechte, als auch Pflichten verbunden.

Derzeit bin ich selbst dabei, einige Aspekte beim Schreiben zu entdecken. In Band 1 kann man sich auf neue, bisher nicht dagewesene Fantasywesen und ihre Kräfte freuen. Band 2 bietet unter anderem erweiterte Einblicke in Gesellschaft und Religion. Vielleicht gibt es auch mal einen Band, der in die autonomen, von Katzenmenschen bewohnten Städte führt. Oder zu den Magischen ...

– Was macht Fenia zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihr persönlich?

Obwohl Fenia übel mitgespielt wurde, ist sie in erster Linie eine verspielte, offene Person, die neue Dinge lernen und neue Leute kennenlernen will. Sie ist voller Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Neugier, aber es wird immer wieder zwischen den Zeilen deutlich, dass sie all das ist und hat, weil sie sich mit ihren Problemen und inneren Dämonen auseinandersetzt.

Und obwohl sie in einer Welt lebt, in der man mit dem Luftschiff reist und Tempel Wände aus fließendem Wasser haben, hat sie die gleichen Probleme, Sorgen und Nöte wie alle anderen auch.

– Sie haben Ihr Buch ohne einen Verlag in Eigenregie veröffentlicht. Was hat Sie dazu bewogen, es auf diesem Wege zu versuchen? Und halten Sie in der heutigen Zeit Verlage überhaupt noch für nötig?

Zum Teil hatte ich auch hier wieder das Problem der Nische in der Nische – »Gefangen zwischen Eis und Feuer« ist kein Liebesroman und auch wenn in diesem Band rein zufällig alle erotisch aktiv gezeigten Figuren dya cis Frauen sind, würde ich das Buch nicht als »Lesbenerotik« bezeichnen, sondern als queere Erotik. Nicht alle Verlage, die »Lesbenromane« veröffentlichen, dulden außerdem BDSM- oder Fantasyelemente. Oder beides. Falls es überhaupt Verlage für meine Nische gibt, sind das im deutschsprachigen Raum im besten Fall zwei oder drei (sehr wahrscheinlich aber weniger und selbst bei ihnen gibt es keine Garantie, dass sie aktuell überhaupt Manuskripte annehmen).

Zum Teil ist es eine Frage der Kontrolle - ich kann all die Dinge, auf die ein Verlag Einfluss nehmen würde, selbst in die Hand nehmen. Floppt mein Cover? Dann mache ich schnell und unkompliziert ein neues. Mir gefällt eine der Innenillustrationen nicht mehr und ich will sie austauschen? Kein Problem, ist ja alles meins. Ich will nachträglich die Leseprobe von Band 2 in Band 1 einfügen? Schwuppdiwupp ... Es gibt kein »Aber die Leser*innen sagen mehrheitlich, sie finden Verhütung in Büchern langweilig, also lass das gefälligst weg« und andere Diskussionen – ich kann all die aktivistischen Botschaften, die ich im Buch drin haben will, einfach ... drin haben.

Teilweise macht mir das selbstständige Gestalten auch einfach Spaß – ich genieße es, Konzepte auszutüfteln, sie anschließend auch umzusetzen und dann nachzujustieren, bis Dinge exakt so funktionieren, wie ich sie haben möchte. Das macht zwar auch mal ein wenig Frust, aber am schnellsten und effizientesten ist es immer noch, wenn ich das selbst mache.

Allergings ist mir das nur möglich gewesen, weil ich durch meinen beruflichen Hintergrund Texte schreibe, die sehr nahe an der Veröffentlichungsreife sind, weiß, wie der Buchmarkt funktioniert (und somit beispielsweise, worauf ich beim Buchcover achten muss, damit es die richtigen Signale aussendet, welche Genreconventionen es gibt, wie ich einen Klappentext so gestalten muss, dass ich die richtigen Erwartungen wecke ...) und mehrere Programme routineartig beherrsche. Ich weiß, wie man ein Buch setzt und mir reicht eine kleine Hilfe zur Selbsthilfe vollkommen aus, um einen Bugfix vorzunehmen oder eine versteckte Einstellung zu finden.

Dass ich so problemlos einen verlagslosen Alleingang hinlegen kann, verdanke ich vielen Jahren an Erfahrung und einer ganzen Menge erworbenen Wissens. Und natürlich, dass ich die Möglichkeit habe, mir überhaupt so viel Zeit frei zuzuteilen, dass ich überhaupt in der Lage bin, selbst an Buchcovern, Innenillustrationen und Buchsatz zu tüfteln.

Verlage sind keineswegs überflüssig – es gibt da draußen großartige Bücher, die dank des Einsatzes wundervoller und engagierter Verleger*innen überhaupt erst zur Geltung kommen. Gerade in der Fantastik halte ich die wuselige Szene der Klein- und Kleinstverlage für eine Bereicherung der Literaturlandschaft, ohne die der deutschsprachige Buchmarkt um einiges ärmer wäre.

Aber in diesem Gewusel gab es einfach keinen Verlag, der meine sehr spezifische Art von Roman veröffentlicht. Somit blieb nur »selbst ist die nonbinary Person« oder »gar nicht veröffentlichen« – und ich habe die Ressourcen, um Option eins zu wählen.

– Was können wir von June T. Michael in der nächsten Zukunft erwarten? Wie und wann wird es in Arl Sere weitergehen? Und sind womöglich sogar darüber hinaus bereits neue Buchprojekte in Planung?

Es gibt ein kleines Projekt, bei dem ich noch nicht genau weiß, wie ich es umsetzen werde – im Rahmen einer Online-Aktion habe ich eine Reihe sehr kurzer Texte (genau 100 Wörter und genau 200 Wörter je Text) verfasst, die derzeit ausschließlich auf meiner Homepage zugänglich sind. Ich habe den Gedanken, diese Texte als illustriertes Print herauszugeben, noch nicht aufgegeben, muss aber noch eine Größe und einen Stil festlegen, um die Grafiken direkt in der richtigen Größe anfertigen zu können. Und natürlich dauert dann das Zeichnen selbst eine ganze Weile, daher weiß ich noch nicht, wann diese Texte verfügbar sind. Aber ich habe fest vor, sie verfügbar zu machen.

Aktuell schreibe ich die Rohfassung von Band 2 – dieses Mal aus der Sicht einer anderen Figur. Ich freue mich schon darauf, mir einen passenden Titel zu überlegen.

Unter dem Label »Fantasy und Fantasien« wird es weitere Geschichten aus Arl Sere geben, aber ich halte es jederzeit für möglich, zur Abgrenzung noch ein Science-Fiction-Label zu erstellen. Eine Idee für eine Buchreihe hätte ich bereits, aber ich habe noch keinen griffigen Namen, mit dem ich ein Logo designen kann.

Und natürlich plane ich erneut die Teilnahme an Online-Aktionen und das Verfassen von Kürzesttexten.

Das Team von Leserkanone.de dankt June T. Michael für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von June T. Michael
June T. Michael bei Twitter
»Gefangen zwischen Eis und Feuer« bei Leserkanone.de
»Gefangen zwischen Eis und Feuer« bei Amazon
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