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Lioba Werrelmann 0 Fans
Herkunft: Deutschland
Pseudonym: Lilly Bernstein
Webseite: Offizielle Homepage von Lioba Werrelmann
Twitter: @LiobaWerrelmann
Facebook: Lioba-Werrelmann-alias-Lilly-Bernstein
Instagram: lioba.werrelmann
Interviews: Leserkanone.de-Interview mit Lioba Werrelmann vom 03.01.2020
  Leserkanone.de-Interview mit Lilly Bernstein vom 21.02.2021
Tags: Eine Verlinkung in Leserkanone.de-Artikeln
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 21.02.2021
In ihrem Roman »Trümmermädchen« führt Lilly Bernstein ihre Leserinnen und Leser in finstere Zeiten. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über die Stadt Köln in Kriegs- und Nachkriegszeiten und über die Corona-Krise.

– Frau Bernstein, ein ganzes Jahr ist vergangen, seitdem wir Sie zuletzt zu einem Gespräch begrüßen konnten. Was hat sich in der Zwischenzeit im Autorinnenleben der Lilly Bernstein getan?

Mehr, als ich zu träumen gewagt hätte! Im Frühjahr habe ich mit meinem Krimi »Hinterhaus«, den ich unter meinem »echten« Namen Lioba Werrelmann geschrieben habe, den hochangesehenen GLAUSER-Preis gewonnen. »Hinterhaus« wurde ausgezeichnet als bestes deutschsprachiges Krimi-Debüt, das heißt, er gilt sogar für Österreich und die Schweiz. Ich war schon vollkommen hin und weg, nachdem ich erfahren hatte, dass ich es auf Shortlist geschafft hatte, aber den Preis zu gewinnen gehörte zu den allerglücklichsten Augenblicken in meinem Schriftstellerinnen-Leben. Ich wusste immer, dass ich schreiben möchte und habe mich lange nicht getraut, es zu tun. Und nun gewann ich mit meinem ersten belletristischen Werk einen der beiden wichtigsten deutschsprachigen Krimi-Preise. Der GLAUSER-Preis hat mir Flügel verliehen, denn er hat mir gezeigt: wenn wir unserem Herzen folgen, ist alles möglich.

– Hat sich die Corona-Krise auch bei Ihrer Arbeit als Autorin bemerkbar gemacht?

Ja klar. Mit meinem neuen Buch »Trümmermädchen« konnte ich keine einzige Lesung machen, keine Buchpräsentation, gar nichts. Selbst eine Outdoor-Veranstaltung, die wir verrückterweise für Ende November geplant hatten, und für die es bereits viel Zuspruch gab, musste abgesagt werden. Mir fehlt der Kontakt zu meinen Leser*innen, die direkten Begegnungen, die Gespräche, das Feedback. Zum Glück können wir uns online austauschen, und ein bisschen was lese ich auf youtube vor, einfach mal »Trümmermädchen« googeln.

– Inzwischen ist mit »Trümmermädchen« ein neuer Roman aus Ihrer Feder erschienen. Was erwartet Ihre Leser in dem Buch?

»Trümmermädchen« entführt die Leser*innen nach Köln in den sogenannten Hungerwinter 1946/47. Ein eisiger Winter, der alle Rekorde brach, und das in einer Zeit, in der die Städte zerbombt waren, die Schienennetze zerstört, die Felder wegen des Krieges nicht bewirtschaftet. Die Menschen hausten in Ruinen, in Kellerlöchern, sie hatten kaum etwas zu heizen, sie hungerten. In diesem besonderen Winter begegnen wir meinen Heldinnen Anna und Marie, die ums nackte Überleben kämpfen. Und darum, ihre kleine Bäckerei in der Kölner Altstadt wieder aufzubauen.

– Sie selbst treten im Rahmen des Romans mit einem anderen Namen auf als vor einem Jahr. Wie kam es dazu?

Das war ein Wunsch des Verlags. »Trümmermädchen« ist mein viertes Buch, ich hatte vorher ein Sachbuch, einen Krimi und einen Roman geschrieben – drei verschiedene Genres. Nun kam ein viertes Genre hinzu, der historische Roman. Um das besser voneinander abzugrenzen, haben wir den Autorennamen »Lilly Bernstein« erfunden, ein offenes Pseudonym. Übrigens eine Hommage an meine beiden alten, wundervollen Katzen: Die eine heißt Lilly, der andere ist bernsteinfarben.

– Wie kamen Sie auf die Idee, gerade Köln zu Kriegs- und Nachkriegszeiten zum Schauplatz Ihres Buches werden zu lassen? Haben Sie selbst einen Bezug zum Köln jener Zeit? Und wie haben Sie es geschafft, das damalige Köln in Worten lebendig werden zu lassen?

Ich lebe in Köln, die Stadt ist mir sehr vertraut. Im letzten Winter bin ich jeden Tag nach der Arbeit durch die Altstadt gestreift und habe überlegt, wo Anna und Marie leben könnten, welches Haus ihre Bäckerei beherbergt, welche Gassen sie entlang gehen. Ich muss einen Ort erlaufen, um ihn fühlen und beschreiben zu können. Und je mehr ich las und recherchierte über das Köln der Nachkriegszeit, desto mehr wuchs es mir ans Herz. Die Stadt war nach dem Krieg so zerstört, dass der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer überlegte, sie erst gar nicht wieder aufzubauen, sondern woanders eine neue Stadt zu errichten. Die Kölner aber lieben ihre Stadt so sehr – kaum, dass die Waffen schwiegen, kehrten sie zurück. Es war eine Abstimmung mit den Füßen. Die Wiederaufbauleistung, über die wir Nachgeborenen gerne lächeln, wenn die Älteren uns davon erzählen, war wirklich sagenhaft. Und so bin ich tief in diese Zeit eingetaucht, habe gelesen und gelesen, alte Filme geguckt, alte Bildbände angeschaut, mit Zeitzeugen gesprochen. Was ich hingegen gar nicht recherchieren musste, war, wie es ist, in einer Bäckerei aufzuwachsen – ich bin nämlich selber Bäckerstochter. Und so weht durch das »Trümmermädchen« der Duft meiner Kindheit.

– Weshalb sollte man Ihre Protagonistin Anna und deren Tante unbedingt kennenlernen? Was macht die beiden zu besonders außergewöhnlichen Romanheldinnen?

Sie sind starke Frauen und damit beispielhaft für viele Frauen und Mädchen jener Zeit. Meine Mutter war ein Trümmerkind, sie erzählt bis heute davon. Und so sind Anna und Marie sehr authentisch, viele meiner Leser*innen berichten mir, dass sie das »Trümmermädchen« ihren Müttern und Großmüttern geschenkt haben, und dass die nach der Lektüre sagen »ja, so war es«. Das rührt mich zutiefst. Aber natürlich ist das Buch auch für jüngere Leser*innen geschrieben. Die schreiben mir, dass sie so sehr mit Anna und Marie mitfiebern, dass sie das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Manche schaffen die 500 Seiten in anderthalb Tagen, da bin ich schon platt.

– Warum kann es auch ein Dreivierteljahrhundert nach Kriegsende, zahllosen Fernsehdokus und noch mehr Büchern nicht genug Geschichten wie die Ihre zu lesen geben?

Weil diese Zeit uns geprägt hat wie keine andere. Weil es uns hilft, die Generation unserer Eltern und Großeltern besser zu verstehen, vielleicht sogar, uns einander anzunähern, uns zu versöhnen. Was die Kriegskinder erlebt haben ist eigentlich unbeschreiblich, was sie an uns weitergegeben haben oft unverständlich. Deshalb schreibe ich darüber. Es ist der Versuch, über die Generationen hinweg etwas nachempfindbar zu machen, was sich mit Worten kaum fassen, wohl aber nachspüren lässt.

– Was können wir von der Autorin Lilly Bernstein oder von Lioba Werrelmann in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Der Erfolg des »Trümmermädchens« hat mich total überrascht. Und er beflügelt mich, weiterzumachen. Deshalb kann ich schon verraten: Das »Trümmermädchen« bekommt eine Nachfolgerin :-)

Das Team von Leserkanone.de dankt Lioba Werrelmann für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Lilly Bernstein
Lilly Bernstein bei Twitter
Lilly Bernstein bei Facebook
Lilly Bernstein bei Instagram
»Trümmermädchen« bei Leserkanone.de
»Trümmermädchen« bei Amazon
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Ein Interview von: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz