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Heidi Möhker 0 Fans
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Heidi Möhker
Facebook: heidi.moehker
Instagram: moehkerschmoeker
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Heidi Möhker vom 11.01.2019
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 11.01.2019
In ihrem aktuellen Roman macht Heidi Möhker ihre Leser mit dem »Fräulein Broich« bekannt. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über das Bonn des Jahres 1900 und über starke Frauen.

– Frau Möhker, vor Kurzem erschien Ihr neuer Roman »Fräulein Broich«. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Buch genommen, könnten Sie es unseren Lesern daher kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Fräulein Broich ist ein historischer Kriminalroman. Er spielt im Bonn von 1900. Henni Broich ist die Tochter eines Bonner Hoteliers. Wenn es nach dem Willen ihres Vaters geht, wird sie mit dem Sohn seines Geschäftspartners verheiratet. Das wäre gut für das Hotel. Doch Henni erwartet mehr von ihrem Leben, als schmückendes Beiwerk zum Leben eines Mannes zu sein. Sie hat Krankenpflege gelernt und damit möchte sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begegnet Henni so manchen Unannehmlichkeiten, aber auch dabei macht sie die ein odere andere erfreuliche Bekanntschaft. Zum Beispiel Oskar Moosfeld, dem Dienstmann der Stadt Bonn, mit dem gemeinsam es ihr gelingt eine Mordserie an Bonner Hoteliers aufzuklären.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Wer historische Stoffe mag, insbesondere aus dem ausklingenden 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert, der mag schon einmal den Klappentext lesen. Wenn der Leser oder die Leserin sich dann noch insbesondere für die Stellung der Frau zu dieser Zeit und deren aufkeimendes Selbstbewusstsein interessiert, dann darf er/sie auch gerne weiter in den Seiten blättern. Dabei hatte ich bisher die größten Rückmeldungen von Männern, deren Steckenpferd die Stadtentwicklung von Bonn ist - zu meiner großen Erleichterung waren sie mit meiner Darstellung zufrieden. Zudem sind für mich die Frauenrechte ohnehin kein Thema allein für die Frau. Schon immer, hatten die Frauen bei der Einforderung ihrer Gleichstellung Männer an ihrer Seite. Männer, die eine ebenbürtige Partnerin für sich als große Erleichterung und Gewinn und nicht als Bedrohung empfinden.
Bei den historischen Romanen aus unserere Region sind für mich Andrea Schacht und Petra Schier große Vorbilder. Es gelingt ihnen wunderbar das historische Setting in die Romanhandlung zu integrieren, dass es ein stimmiges Ganzes wird.
Ich liebe die Serie um die Kölner Begine von Andrea Schacht. Immer wieder gerne lese ich auch Tod und Teufel von Frank Schätzing. Generell bewege ich mich aber quer durch die Bücherregale und finde mal ein wunderbares Buch unter Fantasy-Romanen, Krimis, historischen Romanen oder Jugend- und sogar Kinderbüchern. Astrid Lindgren lese ich noch heute gern und weine und lache mit den Brüdern Löwenherz. Mein All-Time-Favorite aber zu dem ich regelmäßig zurückkehre ist Lucas von Kevin Brooks. Er hat wunderbar großartige Figuren aus dem Jugendalltag ohne Schnörkel und Zuckerwatte geschaffen.

– In Ihrem Buch führen Sie Ihre Leser ins Bonn des Jahres 1900. Was macht den Schauplatz und die damalige Zeit zu einer solch interessanten Kombination, dass Sie gleich ein ganzes Buch dort spielen lassen?

Ursprünglich wollte ich einen Krimi zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland schreiben. Dazu hatte ich vorrecherchiert und schon einiges über die Frauen während des Wechsels vom 19. ins 20. Jahrhundert gelesen. Mein Verleger, Winrich Clasen, war es dann, der auch den Krimi in diese Zeit legen wollte. Je mehr ich dann im Bonner Stadtarchiv gegraben habe, umso interessanter wurde die Zeit auch für mich. Im Stadtmuseum gibt es sogar orgnialeingerichtete Zimmer aus der Epoche, einen Kaufmannsladen und einen Friseursalon. Es war faszinierend zu erfahren, welch große Veränderungen in kürzester Zeit umgesetzt worden sind. Elektrisches Licht, Bauwerke, Fabriken. Erschreckend, wie dies alles auf dem Rücken der kleinen Arbeiter in kürzester Zeit umgesetzt worden ist. Zudem gibt es viele Paralellen zur heutigen Zeit, über abgehängte Geschäftsleute, die nicht rechtzeitig in die modernen Errungenschaften investierten (konnten). Viele Denkweisen sind heute noch in den Köpfen verankert, auch wenn es nicht mehr offen um Standesdünkel geht, geht es eben doch in vielen Bereichen genau darum.
Schön ist es auch, noch einmal ins Bewusstsein zu rufen, aus welchen Ursprüngen sich der Kampf um die Gleichberechtigung aufgemacht hat. 1900 durften Frauen gerade einmal als Gasthörerin an Uni-Vorlesungen teilnehmen. Weitverbreitete Ansicht war, dass sich ihr Kopf gar nicht für solche Gedankenleistungen eignete. Und diese Ansicht wurde nicht nur von Männern vertreten. Die Crux an der Sache ist, das ein Patriachat nur funktioniert, wenn es von den weiblichen Mitgliedern ihrer Gesellschaft mitunterstützt und gefördert wird. Frauen also nicht nur die »Opfer« sondern gleichzeit auch die »Täter« sind. Das ist heute noch genauso. Nicht nur Männer müssen umdenken, wir Frauen genauso. Diese Thematik in der Vergangenheit spielen zu lassen, nimmt dem Roman also ein wenig von der Strenge des erhobenen Zeigefingers und lädt hoffentlich zum Nachdenken an.

– Wie gelang es Ihnen, das damalige Bonn in Szene zu setzen? Waren für Ihr Buch beispielsweise viele Recherchen notwendig? Welcher Aufwand steckt generell in einem Roman wie »Fräulein Broich«?

Unter all meinen Recherchefunden gab es den Originalnachdruck des Stadtführers Bonn 1900. Da in diesem Jahr der 47. Katholikentag in Bonn stattfinden sollte, hat der Verleger Hauptmann das kleine Büchlein herausgegeben. Für mich war dieser Fund ein wahrer Glücksgriff. Detailgenau wird hier ein Rundgang durch Bonn beschrieben, die historischen (damals morderne) Gebäude werden erklärt und die Besonderheiten der Stadt werden hervorgehoben. Zum Beispiel die Trajektbahn, die damals und heute fast einmalig ist. Die Eisenbahnlinie querte in Bonn den Rhein per Fähre. Ausgerechnet dieses Jahr hat das extreme Niedrigwasser die Fundamente des Trajektanlegers freigelegt.
Neben Kenntnissen zum historischen Bonn galt es aber auch noch, die damalige Polizeiarbeit, die Rolle und Aufgaben einer Krankenschwester, die historischen Transportmitteln und vieles mehr zu korrekt darzustellen. In Bonn gab es nicht nur die Eisenbahn, es gab die Trajektbahn, die Dampftram, die Pferdebahn und eine Elektrische. Es fuhren Droschken und Innerorts nutzten nicht nur die Dienstmänner Handkarren. Nach und während der Recherche wird die Handlung geplottet. Dann erst kann mit dem Schreiben begonnen werden. Anschließend ist das Lektorat noch unerlässlich. Da werden Logikfehler aufgedeckt, Überflüssiges gestrichen und Fehlendes eingefordert. Ich hätte nie darüber nachgedacht, ob es 1900 schon Buttercreme gegeben hat, wenn ich beim Lektorat nicht gefragt worden wäre.

– Was macht Henni Broich zu einer solch »besonderen« Romanfigur, dass man sie unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihr persönlich?

Henni Broich ist in ihrer Zeit weich gebettet. Sie könnte sich zurücklehnen und das Leben genießen, andere für sich arbeiten lassen. Sie aber erwartet mehr von sich und vom Leben. Sie hat einen ernorm großen Wissensdurst und will ihre gemachten Erfahrungen auch anwenden. Dafür nimmt sie auch die Konfrontation mit den Eltern und schwierigere Lebensverhältnisse in Kauf, weil Henni an sich und ihre Sicht auf die Dinge glaubt. Ich hätte gerne etwas von ihrer Zuversicht, dass am Ende alles gut werden wird, egal wie ungemütlich das Leben gerade ist. Dazu ist sie eine Frau, über deren Freundschaft man sich glücklich schätzen dürfte. Meta Moosfeld zumindest ist sich dessen bewusst.

– Schon in Ihrem Roman »Zwiebelangst« schickten Sie mit Sabine Gruber eine Dame auf Ermittlungstour. Was ist aus Autorinnensicht das Spannende am Erschaffen starker Frauenfiguren?

Nun sind gerade diese beiden nicht gerade Damen, starke Frauen aber ja. Zunächst einmal sind mir als Frau Frauenfiguren näher. Ihre Alltagsprobleme ähneln meinen schon eher als die männlicher Figuren. Dann geht es auch um die Sichtbarkeit von Frauen in der Literatur. Noch immer ist die literarische Sicht auf die Dinge eine stark männlich dominierte, wie im klassischen Märchen sind Frauen oft die Opfer, die vom Helden gerettet werden sollen. Diese Sicht- und Denkweise aufzubrechen haben sich die Mörderischen Schwestern (Vereinigung von Krimi-affinen Frauen zur Förderung der von Frauen verfassten, deutschsprachigen Kriminalromane) intern zum Ziel gemacht. Wir möchten Frauen in unseren Romanen so vielschichtig darstellen, wie sie in der Wirklichkeit auch sind. Sie sind Opfer und Täterinnen, Heldinnen, Angsthäsinnen, stark und schwach und oft alles auf einmal und in einer Person - ganz so wie Männer, die dürfen auch mal schwach sein und Hilfe benötigen, Täter oder Opfer sein.

– Ihr neues Buch ist bis dato nur auf Papier erschienen. Kann ein Buch im Jahre 2019 noch ohne E-Book-Ausgabe bestehen? Was halten Sie selbst vom »digitalen« Lesen? Ist für die Zukunft noch eine E-Book-Ausgabe Ihres Romans geplant?

Nach einer E-Book-Ausgabe wurde ich auch von LeserInnen bereits mehrfach gefragt. Tatsache ist, dass ein gerade veröffentlichtes E-Book sehr schnell als Raubkopie erhältlich ist und so Einnahmen daraus dem Verlag und dem Autor entgehen. Meine Zwiebelangst gab es z. B. bereits am Tag der Veröffentlichung als Raubkopie zum kostenlosen Download. Da hätte ich gar nicht mit gerechnet, als unbekannte Autorin bei einem Kleinverlag auf dem Schirm von solchen Portalen zu sein. Mein neuer Verlag ist auch ein kleiner Verlag, der nun versucht, diesen Verlust zu minimieren, indem ein E-Book erst später erscheint.
Ob ein Buch generell ohne E-Book bestehen kann, vermag ich so nicht zu beantworten. Es kommt in erster Linie hoffentlich immernoch auf die Qualitiät eines Buches an ( alles andere wäre schrecklich) und dann leider auch darauf, wieviel Geld Verlag und Autor in Werbung stecken können.
Ich selbst lese Romane nur gedruckt, da der Alltag bereits mit Emails, Internetforen etc. soviel digitales Lesen mit sich bringt, dass ich gerne bewusst zum Buch greife, um dieses Lesen als Auszeit zu genießen.

– Was können wir von der Autorin Heidi Möhker in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Zum Fräulein Broich soll es 2020 eine Fortsetzung geben. Hierfür geht es Anfang 2019 wieder ins Stadtarchiv der Stadt Bonn. Ganz neu möchte ich mich hier in die Geschichte des historischen Bonner Frauengefängnisses einlesen.
Für Leserinnen, die nicht nur dem (historischen) Krimi verbunden sind, gibt es bereits im Februar ein neues Buch von mir. Emma in Jeans wird im Verlagshaus El Gato erscheinen. Es ist ein Jugendroman (+14). Emma ist der Geist eines 16 jährigen Mädchen. Sie hat als Geist schon Erfahrung mit der Ewigkeit gesammelt, also habtauch noch ein klein wenig Geduld, bevor mehr erzählt wird über ihre Begegnung mit Tim. Er ist der einzige der Emma sehen kann, aber wenn man ohnehin ein Außenseiter in der neuen Stadt ist, dann verbessern Gespräche mit einem toten Mädchen die Lage nicht besonders. (Ihr sagt, es gibt keine Geister. Vielleicht. Aber Menschen wie Tim gibt es. Sie leiden wie er. Ihr Geist heißt nicht Emma. Er heißt Depression.)
Dieses Buch ist mein Herzensprojekt. Jetzt freue ich mich unglaublich, nicht nur einen Verlag mit großartigem Lektorat gefunden zu haben. Auch die Aufklärungsarbeit zum Thema wird sehr ernst genommen.
Mit Lesungen geht es im Januar gleich zum Fräulein Broich los. Am 20.01. lese ich in Bonn im Haus der FrauenGeschichte, ein sehr passender Veranstaltungsort, am 02.02. in Rheinbach im Café Silberlöffel, am 10.02. im Knusperhäuschen in Bonn und am 17.02. in Düsseldorf in der Buchhandlung Werstenbuch. Weitere Termine sind in Planung und stehen immer, sobald sie fest sind, auf meiner Webseite www.heidimöhker.de. Für Emma sind Schullesungen in Planung.
Wer mich auf der Leipziger Buchmesse treffen möchte, kann gerne Kontakt aufnehmen. Meine Mailadresse steht auf der Webseite.

Das Team von Leserkanone.de dankt Heidi Möhker für die Zeit, die sie sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Heidi Möhker
Heidi Möhker bei Facebook
»Fräulein Broich« bei Leserkanone.de
»Fräulein Broich« bei Amazon
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