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Engelsflug
Verfasser: Robert Baur (2)
Verlag: Gmeiner (205)
VÖ: 3. Februar 2016
Genre: Kriminalroman (4164)
Seiten: 407
Themen: Berlin (616), Jungen (491), Kommissare (741), Mord (3429), Zeugen (196), Zirkus (74), Zwanziger Jahre (92)
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Spionage, Kinopaläste, Varietés, Kokain ... Während die Hauptstadt ihren Aufschwung feiert, hat sich Exkommissar Grenfeld in einem Dachatelier verschanzt. Er will seine Ruhe. Doch als Zeuge eines brutalen Mordes gerät er unaufhaltsam in einen Strudel von Ereignissen, die ihm alles abverlangen. Sein einziger Verbündeter scheint ein Straßenjunge zu sein. Mit ihm kriecht er durch unterirdische Tunnels und klettert über die Dächer der Stadt. Er ermittelt in Flüchtlingslagern, der ersten Moschee auf deutschem Boden und landet zuletzt im Zirkus - immer auf der Suche nach dem Täter.
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In der Vergangenheit angesiedelte Kriminalromane erfreuen sich seit längerer Zeit großer Beliebtheit. Auch die (scheinbar) Goldenen Zwanziger bilden da keinen vergessenen Zeitraum. So gelang es beispielsweise Volker Kutscher schon wiederholt, seinen Kommissar Gereon Rath bis in die Spiegel-Bestsellerliste zu befördern. Noch nicht ganz so bekannt sind die Bücher von Autor Robert Baur, die in der gleichen Zeit und am gleichen Ort spielen. Wir haben uns seinen aktuellen Roman »Engelsflug« einmal etwas näher angeschaut, um zu überprüfen, ob er in der gleichen Liga spielt - und wir wurden positiv überrascht.

Der 1963 geborene Robert Baur hat allerhand Dinge studiert, machte als Personalentwickler über viele Jahre gute Führungskräfte zu noch besseren Führungskräften und promovierte später zum Thema sprachlicher Methoden in Psychotherapie und Beratung. Der Krimidoktor legte vor zwei Jahren mit »Mord in Metropolis« seinen ersten Roman vor, der - wie es der Titel bereits andeutet - rund um den monumentalen Stummfilm von Fritz Lang konstruiert wurde. »Engelsflug« ist Baurs zweites Buch. Das rund 400 Seiten starke Werk erschien im Februar diesen Jahres im Gmeiner Verlag und kann entweder für 12,99 Euro als broschiertes Taschenbuch oder für drei Euro weniger als E-Book erworben werden.

Der Roman markiert den zweiten Auftritt von Exkommissar Robert Grenfeld, der bereits in »Mord in Metropolis« die Hauptrolle spielte. Beide Romane sind in sich abgeschlossen, weswegen es nicht zwingend notwendig ist, das andere Buch zuvor gelesen zu haben - ich hatte es auch nicht. Dennoch bereitet es keinerlei Probleme, sich mit den Figuren und dem Szenario, das in diesem Fall in drei Wochen des Monats Jahr 1927 angesiedelt ist, zurechtzufinden. Und gerade Grenfeld entpuppt sich als facettenreicher Charakterkopf, der auf jeden Fall geeignet ist, einen Roman (oder eine Romanreihe) auf den Schultern tragen zu können. Kein gänzliches Wrack, wie die Skandinavier gerne ihre Heldenfiguren zeichnen, aber auch definitiv kein heroischer Haudrauf, sondern eine stachelige interessante Figur mit einer gehörigen Tendenz zum Sonderling. Und auch andere Figuren wirken äußerst ausgefallen, bei der Charakterwahl gibt es definitiv eine spürbare Tendenz zum Speziellen.

Was die eigentliche Handlung angeht, so gibt sich der Verlag in seiner Inhaltsangabe relativ verschlossen und kryptisch, weswegen ich auch nicht allzu viel vorwegnehmen möchte, da ich davon ausgehe, dass dies so gewollt ist. Grenfeld, der in einem ehemaligen Atelier eines Kunstmalers haust, das wie ein Turm aus seinem Eckhaus herausragt, wird als Zeuge eines Mordes nach und nach in ein komplexes Handlungsgeflecht verstrickt, das ihn (und damit die Leser) durch ein - entgegen dem Spitznamen des Jahrzehnts - unter seiner Oberfläche nicht wirklich goldenes, sondern eher vielfarbiges Berlin führt. Ein Berlin gar, in dem es nicht wenige düstere Flecken gibt. So geht es dann von Hotel zu Hotel, von Polizeipräsidium zum Friedhof, und vor allem zum »Circus Carl Sternheim«, der mit seinem riesigen Fuhrpark und seiner Ansammlung von Tieren auf dem Messegelände unter dem damals frisch errichteten Funkturm gastiert und eine gewichtige Rolle spielt.

Robert Baur ist es gelungen, eine vielschichtige Geschichte zu konstruieren, die durchgängig unvorhersehbar bleibt und den Leser an den richtigen Stellen immer wieder zu überraschen weiß. Der Fall, dem Grenfeld nachgeht, wächst mit fortschreitender Seitenzahl immer weiter an und gewinnt an Dimension - und der Spannungsbogen tut es ihm gleich. Dabei benötigt Baur weder besondere Effekthascherei, noch verliert er sich in blumigen und übertrieben detailreichen Beschreibungen. Stattdessen erzählt er seine Geschichte in angenehmen Tempo, ohne großen Schnörkel und angenehm direkt. Es verbleibt aus Lesersicht immer eine gewisse Distanz, aber eine angenehme, da sich Baur auch nicht zu stark mit der psychologischen Ebene seiner Figuren aufhält. Stattdessen vertraut er der Wirkung und Kreativität seiner Handlung, etwas, das ich mir von viel mehr Autoren wünschen würde. Zumal es in diesem Fall hervorragend gelingt, da die Story hervorragend entblättert und schließlich nach und nach zusammengefügt wird. Als großer Pluspunkt fungiert dabei die Atmosphäre von Stadt und Zeit, denn obwohl Bauer seine Schilderungen nicht exzessiv über dem Leser ausgießt, sondern sich auf das Nötigste beschränkt, ergibt sich ein lebendiges und pulsierendes Bild des Berlins der damaligen Epoche.

Dass dies klappt, dürfte der exzellenten Recherchearbeit zu verdanken sein. Natürlich lässt es sich für mich nicht überprüfen, da ich mich sonst selbst so sehr mit den damaligen Zuständen beschäftigen müsste wie es der Autor getan hat, aber zumindest überkommt einem beim Lesen der Eindruck, dass sich Baur aus einem reichhaltigen Füllhorn an Informationen bedient hat und diese gezielt an den richtigen Stellen eingewoben hat ... und sei es manchmal auch nur in einem Halbsatz. Wer »Engelsflug« liest, der bekommt nicht nur eine hervorragende Geschichte serviert, er nimmt auch einiges an zeitgeschichtlichem Wissen mit. Absolut vorbildlich ist dabei Baurs Umgang mit historischen Fakten und der Abgrenzung zwischen Fiktion und Realität, denn im Anschluss an die eigentliche Geschichte widmet er sich in aller Ausführlichkeit der Frage, welche Komponenten seines Buches den tatsächlichen Ereignissen entsprachen, und wo er seinen eigenen Ideen freien Lauf gelassen hat.

So lesen sich die fünfzehn Kapitel rasant, und man wird zum Gefangenen des Falles, vor allem aber der damaligen deutschen Hauptstadt. Gewisse Tendenzen, auf extrem lange Absätze zu setzen, die auch schon mal mehrere Seiten umfassen, was mich bei anderen Büchern bisweilen sehr anstrengt, fallen deshalb ganz und gar nicht ins Gewicht - und ansonsten kann man stilistisch an keiner Stelle meckern. »Engelsflug« ist sicher kein Buch, das das Herz pausenlos am Rande des Blastbeats dahinschmettern lässt - und das will es auch gar nicht sein -, sondern ein getragen daherkommender Roman, der von seiner klugen Durchstrukturierung, seiner umfassenden Recherche und der stets greifbaren Atmosphäre lebt. Kurzum, ein Roman, der sich weder vor Volker Kutscher Krimis noch vor anderen vergleichbaren Werken verstecken muss, sondern einer, der die Seele eines jeden Fans von Historienkrimis zufrieden hüpfen lässt.
– geschrieben von MirjamH (19. April 2016)
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