Diese Website nutzt Cookies, nähere Infos finden Sie hier. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. 
40.824 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »tino259«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
BUCH @ AMAZON
 
BUCH @ AMAZON
 
BUCH @ AMAZON
 
Oliver Driesen 1 Fan
Herkunft: Deutschland
Webseite: Offizielle Homepage von Oliver Driesen
Twitter: @oliver_driesen
Facebook: oliver.driesen
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Oliver Driesen vom 02.07.2016
 
Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 02.07.2016
In seiner Gesellschaftssatire »Wattenstadt« entführt Autor Oliver Driesen seine Leser an die Nordsee. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über seinen Roman, über unvernünftige Investoren und über das scharfzüngige Schreiben.

– Herr Driesen, womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Roman »Wattenstadt« genommen. Könnten Sie Ihr Werk unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen?

In diesem satirischen Roman geht es auf witzig-anarchische Weise um die Nordsee-Hallig Langeneß mit ihren rund 100 sturmfesten Einwohnern, die sich plötzlich einer ganz anderen Art von »Sturmflut« gegenüber sehen: Der Industriebaron Konrad Klapp aus Wattenscheid im Ruhrgebiet will im Schlick vor ihrer Hallig den ersten tauchfähigen »Gezeiten-Erlebnispark« bauen, die »Wattenstadt« – einen kommerziellen Rummelplatz mitten im strengsten Naturreservat. Und weil er ebenso clever wie skrupellos ist, gelingt ihm das mit Hilfe politischer Freunde auch zunächst. Doch mit dem kreativen Widerstand der Halligleute hat Klapp nicht gerechnet, und schon gar nicht mit der unterschätztesten Spezies im Wattenmeer, der Wellhornschnecke. Die hat nämlich auch was gegen die Störung ihres Lebensraums.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich würde es zum Beispiel Lesern von Feridun Zaimoglu empfehlen, auch wenn ich mich natürlich in keiner Weise mit ihm vergleichen will oder kann. Aber die Art, wie er Elemente der Fabel einsetzt, um die Weltlage oder allgemeine menschliche Schwächen zu kommentieren, das ist toll und eröffnet ganz neue Fenster auf die Welt. Und was das Karikieren menschlicher Schwächen im Großen wie im Kleinen angeht, ist Eckhard Henscheid ein altes Vorbild für mich. Obwohl in den siebziger Jahren geschrieben, treffen seine Bücher bis heute den Nagel auf den Kopf. Nicht zuletzt empfehle ich den Blogger Andreas Glumm für seine präzisen und liebevollen Beobachtungen von Helden des Alltags, die sich auch durch Niederlagen nie endgültig unterkriegen lassen.

– Ihr Buch trägt das Wattenmeer nicht nur im Titel, es dreht sich auch inhaltlich alles um Norddeutschland und die deutsche Küste. Denken Sie, dass Ihr Buch dennoch auch für Leser außerhalb dieser Region geeignet ist?

Merkwürdigerweise hatte ich bereits zwei Anrufe von mir völlig unbekannten Menschen aus Bayern, die wissen wollten, wann das Ebook denn endlich auch als »richtiges Buch« erscheint. Offenbar lockte sie das Exotische dieser fernen, maritimen Welt.

– Gab es spezielle realwirtschaftliche oder politische Geschehnisse oder Auslöser, die Ihrem Buch vorausgegangen sind und Sie darauf gebracht haben, sie in einem satirischen Kontext zu verarbeiten?

Sagen wir so: Ich lebe in der Stadt der Elbphilharmonie, also wie viel Vernunft wollen Sie erwarten? Und ich habe als Wirtschaftsjournalist viele Jahre lange große Unternehmer ebenso wie kleine Leute zu Sinn und Unsinn von Investitionsprojekten befragen dürfen. Ein kleiner konkreter Anlass für das Buch war dann die reale Baustelle für den neuen Lorendamm von der Hallig hinüber zum Festland. Da begann die Phantasie auf Schienen zu laufen...

– Im Gegensatz zum »normalen« Autor, der allenfalls die ein oder andere Schreibblockade überbrücken muss, besteht beim Schreiben einer Satire ein zusätzlicher Druck: Man ist gezwungen, immer möglichst scharfsinnige und scharfzüngige Töne zu treffen. Wie schaffen Sie es, während des Schreibprozesses auf Knopfdruck pointiert und bissig zu klingen? Wie erhalten Sie während eines wochen- oder monatelangen Schreibprozesses die dafür notwendige Stimmung?

Das verstehe ich selber nicht. Wenn ich schreibe, stellt sich das von selbst ein. Vielleicht ist es wie mit dem Träumen: Man arbeitet da fast automatisch Sachen ab, die sich lange, lange angestaut haben.

– Sie haben Ihr Buch in Eigenregie veröffentlicht. Schaut man sich die Verkaufslisten bei Amazon & Co. an, bekommt man schnell den Eindruck, dass die Käuferschaft der Bücher von Selfpublishern - mit Ausnahme des Thrillerbereichs - fast ausschließlich sehr jung und sehr weiblich ist. Ist es unter diesen Voraussetzungen nicht sehr riskant, es mit einer Wirtschaftssatire ganz allein zu versuchen? Oder erwägen Sie, Ihr Buch nachträglich einem Verlag anzubieten?

»Sehr weiblich« ist natürlich eine anziehende Formulierung! Leider wäre das, wenn es zuträfe, für mich wohl ein Wettbewerbsnachteil, denn junge Leserinnen dürften sich von Stichwörtern wie »Unternehmer«, »Investition« oder »Gesellschaftssatire« eher nicht so zuhause fühlen. Aber was soll ich machen? Ich habe ein Jahr lang intensiv versucht, das Buch bei Dutzenden von Verlagen unterzubringen. Die Absagen, die ich erhalten habe, böten schon wieder Stoff für eine neue Satire. Inzwischen finde ich es gut so, wie es ist: In diesem Buch ist jedes Wort von mir.

– Was können wir von dem Autor Oliver Driesen in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Oh ja, es gibt einen nächsten Roman! Da fehlen aber noch etwa 120 Seiten, und die sind leider sehr recherche-intensiv. Was ich sagen kann, ist: Es wird etwas ganz anderes sein als »Wattenstadt«. Damit ich auch weiterhin die Verlage in den Wahnsinn treibe, die mich nur dann für vermarktbar halten, wenn sie mich in eine passende Schublade stecken können.

Das Team von Leserkanone.de dankt Oliver Driesen für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Oliver Driesen
Oliver Driesen bei Twitter
Oliver Driesen bei Facebook
»Wattenstadt« bei Leserkanone.de
»Wattenstadt« bei Amazon
Interview aus- und Bücherliste einblenden
 
Texteigentümerin des Interviews: Daniela Peine  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz