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Artur Rosenstern 1 Fan
Herkunft: Kasachstan
Webseite: Offizielle Homepage von Artur Rosenstern
Twitter: @arosenstern
Facebook: a.rosenstern
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Artur Rosenstern vom 13.03.2016
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Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 13.03.2016
Vor einem Vierteljahrhundert kam Artur Rosenstern selbst von Kasachstan nach Deutschland, vor nicht allzu langer Zeit hat er ein Buch geschrieben, in dem zwei Männer namens Andrej und Murat den gleichen Weg beschreiten. Im Interview mit Leserkanone.de sprach der Autor über seinen Roman »Planet Germania«, über kasachische Vorurteile gegenüber Deutschen und über glückliche Bratpfannen.

– Herr Rosenstern, vor einigen Wochen hat der Hildesheimer Verlag »Monika Fuchs« Ihr Buch »Planet Germania« neu aufgelegt. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von dem Werk genommen, könnten Sie es daher unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Die Geschichte handelt von zwei ungleichen Freunden, Andrej und Murat. Die beiden kommen nach Deutschland Anfang 90er Jahre und haben zunächst einmal das Ziel, hier so schnell wie möglich heimisch zu werden. Jeder von ihnen hat allerdings seine eigene Vorstellung davon, was Integration bedeutet. Jeder erkundet auf seine Weise das fremde Land, obschon sie meist zusammen unterwegs sind. Murat und Andrej sind bewusst als zwei sehr unterschiedliche Charaktere angelegt. Murat meint, mit der Integration ist es getan, wenn man gutes Geld verdient und einen dicken Benz fährt. Er will so schnell wie möglich Millionär werden und dann später Präsident in Kasachstan (dort konnte man damals ja angeblich alles und jeden kaufen ... ) Andrej hingegen macht sich viel mehr Gedanken über das Leben und die Menschen in Deutschland. Ihm ist es wichtig, die deutsche »Spezies« zu verstehen, sich anzupassen, sprich, die Lebensweise der Deutschen zu übernehmen. Das bedeutet für ihn das Ankommen. Er merkt allerdings nicht, dass er übertreibt und Integration quasi mit Assimilation verwechselt. Wiederholt kommt es zu Missverständnissen und Zusammenstößen mit den Wessis (also sozusagen mit den »waschechten« Deutschen), welche nach Meinung der beiden Protagonisten die besten Brötchen auf der Welt backen und die schnellsten Autos fahren. Immer wieder tapsen die beiden in Fettnäpfchen. Mal missverstehen sie, was die Ankündigung »textilfrei« in einem Schwimmbad bedeutet und geraten deshalb in einen handfesten Konflikt mit dem Bademeister, mal finden sie sich plötzlich auf einer deutschen Chips-und-Bier-Party wieder, die sie in wenigen Minuten aufmischen und in eine wilde russische Party verwandeln.

– Sie selbst kamen 1990 von Kasachstan nach Deutschland. Wie viel von Ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen steckt in Ihrem Buch?

Ich wanderte tatsächlich am 3. Oktober 1990 nach Deutschland ein. Im Buch »Planet Germania« kommt Andrej ebenso an diesem Tag nach Deutschland. Doch mir ging es nicht darum, das Erlebte eins zu eins wiederzugeben. Wichtiger erschien es mir, die Stimmung von damals, die Naivität der beiden Helden und das Komische beim Erleben des Fremden und der für sie fremdartigen Sitten und Bräuche, ihre Perspektive auf das Land einzufangen. Hier prallten ja zwei Welten aufeinander. Im Grunde sind nur zwei oder drei Kapitel autobiographisch gefärbt. Der Rest ist Phantasie. Ein Puzzle aus indirekt Erlebtem, aus Erzählungen von Freunden und Bekannten und eine gute Portion künstlerische Freiheit. Ich habe aus gutem Grund keine Ich-Perspektive gewählt. Es sollte keine Autobiographie werden, sondern eine dramaturgisch durchdachte, bewusst - teilweise mit Verwendung von filmischen Mitteln wie z.B. Collage – angelegte Story, mit Konflikten und deren Auflösungen, mit einleitenden Szenen und Höhepunkten, in denen es sozusagen »knallt«. Erst durch derartige bewusste Verfremdung des Lebens entsteht gewöhnlich eine spannende Geschichte, entsteht Literatur.

– Existieren in Kasachstan Vorurteile und Klischees, wenn dort über Deutschland oder Deutsche gesprochen wird? Wenn ja, haben sich diese bestätigt, nachdem Sie nach Deutschland gekommen sind? Oder findet Deutschland in Kasachstan gar keine Beachtung?

Oh ja. Vorurteile und Klischees existieren dort in Bezug auf die Deutschen ebenso wie in Deutschland die Klischees hinsichtlich der Russen bzw. der Kasachen. Aber ich kann natürlich nur über die 70er bis 80er Jahre sprechen, als ich dort noch zur Sowjetzeiten aufgewachsen bin. Das Bild von den Deutschen in dieser Zeit war zwiespältig. Auf der einen Seite liefen jeden Abend Kriegsfilme im Fernsehen, in denen die Deutschen immer aufs Neue als Feinde dargestellt wurden. Auf der anderen Seiten (das war dann eher ab Mitte der 80er Jahre) idealisierte man zunehmend das kapitalistische Leben im Westen bzw. in der BRD. Diese überzeichnete Berichterstattung über den Westen führte dann zum Kippen der Stimmung, zum Umbruch und letztlich wie bekannt zu dem Auseinanderfallen der SU. Doch die Deutschen gelten dort zugleich als durchaus ordentlich, zuverlässig und fleißig. Sie genießen weiterhin im Allgemeinen Ansehen sowohl in Kasachstan als auch in Russland. Es gibt allerdings auch Kritiker, die gerade diese Charakterzüge anprangern. In Kasachstan werden besonders im Privaten spontane Entschlusse gefasst. Den Deutschen scheint die Spontanität nicht immer zu liegen (mir übrigens inzwischen auch nicht mehr ... ;-) ). Ein ganz praktisches Beispiel: Freunde und Verwandte besuchte man dort des Öfteren spontan, wenn man dazu Lust und Laune hatte. Einen Termin vereinbaren musste man dafür nicht unbedingt, wie das in Deutschland üblich ist.

– Was ist aus Sicht eines Kasachen, der in Deutschland ankommt und die Leute hier einige Zeit beobachtet, die wunderlichste Eigenart der Deutschen?

Hm... eine schwierige Frage. Ich versuche es mal ganz ohne Wertung. Warum das eine oder andere so und nicht anders ist, verstand ich teils erst im Nachhinein. Es gab einiges, was mir eigenartig vorkam. Aber am befremdlichsten fand ich die doch ein bisschen übertriebene Emanzipation von ... ich würde sagen, des Weiblichen an sich. Speziell meine ich die ganzen Vorgaben in Bezug auf die Schreibweise mancher Berufe und Eigennamen, die auf Teufel komm raus neue weibliche Endungen bekamen. Im Alltag empfang ich als sehr befremdlich, dass es selbst beim ersten Rendezvous im Restaurant bei manchen Paaren üblich war (und ist), getrennt zu zahlen. In Russland bzw. Kasachstan ist das ein absolutes No-Go. Geht man dort mit einer Frau aus – selbst wenn es einfach nur eine gute Freundin ist –, dann zahlt der Mann. Und zwar immer!

– Denken Sie, dass ein Deutscher in Almaty oder Astana ähnlich viele berichtenswerte Erfahrungen machen würde wie Ihr Andrej, so dass auch dessen Erlebnisse ein ganzes Buch füllen könnten?

Ich gehe fest davon aus! Es ist übrigens ein interessanter Gedanke für eines meiner nächsten Bücher ... Ich schicke mit Sicherheit mal einen meiner Helden nach Kasachstan und setze ihn dort ohne Proviant am Aralsee aus. Mal sehen, wie er sich schlägt.

– Eigentlich waren Sie in den vergangenen Jahren vornehmlich im Bereich der Musik tätig, arbeiteten als Privatmusiklehrer und freiberuflich für einen Musikverlag. Wie kamen Sie auf die Idee, die Erlebnisse eines in Deutschland angekommenen Kasachen in Buchform festzuhalten?

Ich lese relativ viel. Einer meiner Lieblingsautoren ist der französische Autor Francois Lelord. Er schickte in einem seiner Bücher einen Eskimo als Botschafter nach Paris. Das Buch »Das Durcheinander der Liebe« hat mich sehr fasziniert. Ich habe mich an einigen Stellen selbst wiedererkannt und mich dabei köstlich amüsiert. Ich war ja in einer ähnlichen Situation sozusagen, obschon leider kein kasachischer Botschafter gewesen. Dennoch brachte mich das auf die Idee, den Protagonisten Andrej nach Deutschland zu schicken und das Leben in Deutschland aus seinem - anfänglich relativ naiven - Blickwinkel zu beschreiben.

– Neben Ihrem Buch haben Sie in der Vergangenheit Prosa- und Lyrikbeiträge zu diversen Anthologien beigesteuert, in Literaturzeitschriften veröffentlicht und Wettbewerbe gewonnen. Beschäftigen sich diese Arbeiten auch mit dem Kontrast von Deutschland und Kasachstan, oder gibt es vielfältige andere Themen? In welche Artikel sollten unsere Besucher am ehesten hineinschnuppern, um sich ein Bild von Ihrer Arbeit zu machen? Und was in aller Welt ist eine glückliche Bratpfanne?

Ja, ich beschäftige mich in meinen Arbeiten oft mit derart konfliktbeladenen Motiven, in denen das Fremdsein oder die Suche nach seinem Platz in der Welt, nach der wahren Heimat eine große Rolle spielen. Doch in manchen kurzen Prosastücken versuchte ich mich, von dieser Thematik abzukoppeln, und zwar der Vielschichtigkeit willen. Nicht selten sind meine Stücke komischer oder satirischer Natur. So zum Beispiel die Kurzgeschichte »Mein Agent« in der Anthologie »Autorenträume« (hrsg. von Monika Fuchs und Petra Hartmann). In der Story verarbeite ich meine anfänglichen, zuweilen haarsträubenden Erfahrungen mit Verlagen und Agenten auf eine satirische Weise. Es gibt ja viele schwarze Schafe in der Branche, die nur darauf hinaus sind, einen unerfahrenen Autor auszunehmen. Wenn man anfangs nicht viel Ahnung hat, dann fällt man eben schnell rein. Und über die »glückliche Bratpfanne« verrate ich lieber nichts. Die Geschichte ist online abrufbar auf der Internetseite der Literaturzeitschrift etcetera Nr. 55 (Thema »Verloren«). Ich sage nur eins: Es ist ein Satirestück. Ob gut oder schlecht, muss der Leser selbst entscheiden.

– Was können wir von dem Autor Artur Rosenstern in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Stehen außerdem Termine für Messen, Lesungen & Co. fest, bei denen man Sie live erleben können wird?

Ich arbeite zurzeit an einem Buch mit der nächsten wunderlichen Protagonistin namens Oma Gerda. Sie stammt auch aus Kasachstan und ist zugleich eine Schwäbin, die es während des Zweiten Weltkriegs in dieses mittelasiatische Land verschlagen hat. Sie pflegt recht altertümliche Ansichten und Gewohnheiten. Als sie nach Deutschland um 1990 einreist, ist sie schon 71 J. alt und verwitwet ... also wieder zu haben sozusagen. Sie rechnet natürlich nicht damit, dass es in Deutschland Männer gibt, die sie durchaus attraktiv finden. Und so kommt es, wie es kommen muss ... Mehr darf ich in Moment leider auch nicht erzählen. Zu sehen bin ich auf der nächsten Leipziger Messe am Stand des Verlags Monika Fuchs, am 19. März spät nachmittags. Dort kann man mich sprechen und (wer es möchte) das Buch »Planet Germania« von mir signieren lassen.
Übrigens, wenn jemand in dieses Buch reinschnuppern möchte, dann findet er die Leseprobe unter dem folgenden Link: http://www.book2look.com/book/yMhPrgl9Zx (oder auf AMAZON. Einfach auf das Cover klicken!)

Das Team von Leserkanone.de dankt Artur Rosenstern für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Artur Rosenstern
Artur Rosenstern bei Twitter
Artur Rosenstern bei Facebook
»Planet Germania - Über die Chance, fremd zu sein« bei Leserkanone.de
»Planet Germania - Über die Chance, fremd zu sein« bei Amazon
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