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Hans-Dieter Kreuzhof 4 Fans
Herkunft: Deutschland
Geboren: 1950
Webseite: Offizielle Homepage von Hans-Dieter Kreuzhof
Facebook: profile.php?id=100010303571343
Interview: Leserkanone.de-Interview mit Hans-Dieter Kreuzhof vom 29.12.2015
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Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 29.12.2015
In seiner »Karpatensaga« bringt Autor Hans-Dieter Kreuzhof seine Leser nicht nur mit einem Volk zusammen, das ansonsten nur selten zum Gegenstand von Büchern wird, er vermischt obendrein reale und mystische Elemente und entführt die Leserschaft in die Welt des »Magischen Realismus«. Im Interview mit Leserkanone.de sprach Kreuzhof über sein Buch, über seine Verbindungen zum Volk der Roma und über ein Kinderbuch aus seiner Feder.

– Herr Kreuzhof, womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem aktuellen Roman genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Karpatensaga - In der Ferne« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Die Karpatensaga erzählt die Geschichte zweier Romabrüder und ihrer Familie. Der gewalttätige Baro und sein feinsinniger Bruder Kalo machen sich nach einem heftigen Familienstreit auf den Weg über die Karpaten, um in der Ferne ihr Glück zu suchen. Auf ihren Wegen durch die sagenumwobene Bergwelt treffen sie auf blutrünstige Wiedergänger, liebeshungrige Frauen, Totengeister, handfeste Gegner und einen geheimnisvollen Gnom, den Phuvusch Cosmin. Sie stellen sich der Angst, dem Tod - und ihren eigenen Dämonen. Es ist ein mystischer Roman über Ohnmacht und Macht, Angst und Vertrauen, Gewalt und Tod, die Kraft der Liebe - und ein geheimnisvolles Volk, die Roma.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich würde das Buch den Lesern von Markus Heitz, Joanne K. Rowling, J.R.R. Tolkien, George R.R. Martin, Paolo Coelho, Patrick Dunne und allen Autoren ans Herz legen, die im weitesten Sinne Fantastik und moderne Märchen schreiben. Leser, die sich ein wenig an kindlicher Neugier auf die Entdeckung des Undenkbaren und Unerklärlichen bewahrt haben und die Freude an fremden geheimnisvollen Kulturen haben, sind bei der Karpatensaga gut aufgehoben.

Meine literarische Vorbilder sind in erster Linie Mateo Maximoff, der wohl bekannteste Roma-Schriftsteller, aber auch moderne Autoren wie Dan Brown, der es ebenfalls schafft, Realität und Mythen unter einen Hut zu bringen. Der eine tut das aus einer inneren Position heraus, der andere aus einer forschenden, außenstehenden Haltung. Prägend für mich war aber aber auch der Einfluss des Drehbuch-Autoren M. Night Shyamalan, der die Dramaturgie des Unheimlichen perfekt beherrscht.

Meine Lieblingsromane? Das ist schwer, zu sagen, da meine Leseinteressen sehr vielfältig sind: Matheo Maximoff - Die Uristory, Dan Brown - Illuminati, John Steinbeck - Jenseits von Eden, Peter Ustinov - der alte Mann und Mr. Smith, Alles von George R.R. Martin ….

– Sie haben Ihr Buch in die Literaturform des »Magischen Realismus« eingeordnet. Was kann man sich darunter vorstellen? Wie kam es dazu, dass Sie ausgerechnet in diesem Bereich gelandet sind?

Ich wollte die Geschichte aus dem Blickwinkel und in den Denkmustern eines Rom, eines Angehörigen des Volkes der Roma im Hier und Heute schreiben. Da für die traditionell lebenden Roma allerdings die physisch erfahrbare Welt und das Unsichtbare gleichrangig Wirklichkeit sind, erschien mir diese Literaturform als die beste.

Der magische Realismus entstand in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Er vermengt »reale« Elemente mit mystischen und bereitet seine Leser auf diesen Akt vor, indem er die Untauglichkeit unserer wissenschaftlichen Betrachtungsweise zum Erfassen der gesamten Realität voranstellt. Die Welt wird gezeigt aus der Sicht eines realen Volkes im Hier und Jetzt, das die Beziehung zur mystischen Wirklichkeit noch nicht verloren hat. Die Handlung spielt bei den bekanntesten Autoren dieser Form, Miguel Angel Asturias und Alejo Carpentier, unter indigenen Völkern, bei mir wie bei Matheo Maximoff, dessen Stoff auch etwas Märchenhaftes hat, sind es die Roma. Der Leser wird eingeladen, sich auf die Welt dieser Menschen einzulassen und das Unerklärliche und Unheimliche in Erlebnissen, Metaphern und Bildern als erweiterte Wirklichkeit mit zu erfahren.

– Sie widmen sich in Ihrem Buch dem Volk der Roma - eine ungewöhnliche und unverbrauchte Idee. Was hat Sie dazu inspiriert? Was verbindet Sie selbst mit dem Volk der Roma?

Ich war viele Jahre mit einer Angehörigen des Volkes der Sinti und Roma verheiratet. Daraus ergeben sich viele verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen. Diese Menschen betrachten mich als einen der ihren. Ich habe ihre Verhaltenskodizes, Gesetze und Geheimnisse angenommen und verhalte mich danach, wenn wir zusammen sind. Ich denke und lebe wie sie. Das ist eine sehr spannende Kultur, zu der die meisten Menschen keinen Zugang bekommen, da Sinti und Roma nicht gern zu viel von sich preisgeben - aus Angst, es könne ausgenutzt und gegen sie verwendet werden. Darin lag aber auch eine besondere Herausforderung beim Schreiben des Romans: ich durfte nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig über ihre Lebensweise verraten. Roma wurden über Jahrhunderte verfolgt und geknechtet. In Rumänien gab es erst 1864 ein Edikt, das sie aus der Sklaverei entließ. Fast ein Jahrhundert später fielen sie dem Holocaust zum Opfer. Heute vegetieren die meisten Roma Osteuropas am Rande der Städte vor sich hin, bekommen keinen Zugang zu Schulen, Arbeit oder medizinischer Versorgung. Sie sind die Schwarzen Europas. Ich war viele Jahre in Osteuropa beruflich tätig und habe ihre Not miterlebt. Ich möchte den Leser unterhalten und ihm dabei gleichzeitig einen Wechsel des Blickwinkels anbieten. Ich möchte ihn dazu verführen, die Welt für ein paar Lesestunden aus der Sicht dieses Volkes zu wahrzunehmen, ohne falsches Mitleid, ohne Tränendrüsen, statt dessen im Miterleben ihrer Ängste, Sorgen, ihres Wissens über die unsichtbare Welt und dem Staunen über den Reichtum ihrer Mythen, ihres Familiensinns und ihres Glauben.

– Die »Karpatensaga« ist nicht das einzige Buch aus Ihrer Feder, das 2015 erschien: In Eigenregie veröffentlichten Sie das Kinderbuch »Zusammen können wir fliegen«. Was erwartet die Leser in dem Buch? Haben Sie dabei Wert auf eine spezielle Aussage gelegt, oder ging es Ihnen ausschließlich darum, Kinder zu unterhalten?

Wir haben zuhause eine Mopsdame namens Amy. Im vorigen Jahr hat mein Sohn Kevin eine Taube gerettet, die nach dem Angriff eines Raubvogels aus dem Nest gefallen war. Bei dem Angriff hatte sie ein Auge verloren. Wir nannten sie Noah. Kevin hat sie mit der Flasche großgezogen. Amy reagierte zunächst extrem eifersüchtig. Später setzte Kevin ihr den Vogel auf den Rücken und sie stolzierte ganz wichtig mit ihm durch den Garten. Eigentlich habe ich nur aufgeschrieben, was ich beobachtet habe - und es natürlich mit etwas Fantasie gewürzt. Die Allegorie zum Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen drängte sich förmlich auf. Franzi Smolarek, eine befreundete Bühnenbildnerin, hat dann das Buch ganz entzückend illustriert. Ich habe den Text in leichter Sprache kindgerecht verfasst. Das Buch sollte Kinder unterhalten, bei Erwachsenen ein »nein, wie süß …« erzeugen und dadurch unterschwellig die Aussage kommunizieren, dass die Annahme des Anderen ein Zugewinn ist, egal in welcher Form er sich von uns unterscheidet.

– Wie kam es dazu, dass Sie in zwei solch unterschiedlichen Gefilden unterwegs sind? Gab es sehr große Unterschiede bei der Herangehensweise an das Schreiben eines mystischen Romans und eines Kinderbuchs? Welcher Aufwand steckt in einem Roman wie der »Karpatensaga«, welcher in Ihrem Kinderbuch?

Letztendlich geht es in beiden Büchern neben dem unterhaltenden Aspekt um die Veränderung des Blickwinkels auf Minderheiten, wobei »Zusammen können wir fliegen« ein Zufallsprodukt war, das mir vom Leben diktiert wurde.

Die Karpatensaga gab es als »In der Ferne« schon seit einigen Jahren als Kurzgeschichte. Meine Kurzgeschichten über Sinti und Roma hatte ich aber nie veröffentlicht. Im Sommer 2014 habe ich mich dann aber hingesetzt und begonnen, »In der Ferne" ausführlicher zu gestalten, mit mehr Spannungselementen und Hintergründigkeit zu versehen und die Charaktere, Erlebnisse und Landschaften auszuarbeiten. Nach vier Monaten stand das Rohmanuskript. Die druckfähige Version war im August 2015 fertig, weil es inclusive Lektorat noch einiges zu tun gab.

Die Herangehensweise an ein solches Buch ist eine ganz andere als bei einem Kinderbuch. Bei der Karpatensaga musste ich als Rom denken, aber so schreiben, dass die nicht immer auf unserem Kausalitätsprinzip basierenden Verhaltensmuster der Roma für den Leser nachvollziehbar sind. Ich musste in die Rolle der Protagonisten schlüpfen, um mit ihnen zu fühlen und recherchieren, wo ich mir über kulturelle Feinheiten, Mentalitäten oder Glaubensinhalte noch nicht ganz sicher war. Für die Schmiedeszene habe ich einen Messerschmiedekurs belegt. Darüber hinaus interviewte ich in Bulgarien alte Roma ( mit Übersetzer ) und las unzählige Bücher mit Sammlungen von »Zigeunermärchen". Ich habe die Sprache der Protagonisten überarbeitet und mein »Romanes" korrigieren lassen. Eine große Hilfe waren mir dabei meine Sintifamilie und mein Freund Branislav Nikolic, Romaktivist und Macher von Gipsy Radio in Wien. Hinzu kamen die Studien der Wege der Brüder und der Klöster, damit der Handlungsrahmen authentisch ist. Die ganze Arbeit war wesentlich komplexer als die am Kinderbuch, nicht nur wegen des Umfanges, sondern auch deshalb, weil ich mehrere Erzählebenen eingearbeitet habe, die auf der Handlungsoberfläche nicht gleich erkennbar sein sollten. Auch die mussten stimmig sein.

Für »Zusammen können wir fliegen« lernte ich, mich in das Denken und Handeln von Kindern zurück zu versetzen. Eine große Hilfe waren mir dabei mein Sohn und meine Schwiegertochter, die beide Regisseure sind und sich auf Kinder- und Jugendtheater spezialisiert haben. Der Grundtext stand sehr früh fest, haben doch Noah und Amy ihre Geschichte selbst erzählt. Länger dauerten die Bilder, denn Franziska hat die Originale im A3 Format in Acryl nach dem Text gemalt. Das Projekt lief neben dem Verfassen der Karpatensaga her, nahm aber bei weitem nicht deren Raum ein. Die Netto-Arbeitszeit schätze ich auf ein bis zwei Monate.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie seit ihrer ersten Veröffentlichung Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Ich wünsche mir, dass die Verlage mehr Mut entwickeln, Außergewöhnliches und Neues zu publizieren und - dass es viele Menschen gibt, die Lust haben, sich auf die spannende Mythenwelt dieses geheimnisvollen Volkes der Roma einzulassen. Meine Eindrücke und die Leserresonanz waren bisher durchweg positiv, wie auch die bisherigen Rezensionen. Selbst eine Rezensentin, die anfangs nicht besonders gut mit den Perspektivwechseln zurecht kam ( es gibt ja zwei »Helden«, die unterschiedliche Wege gehen ), hat der Karpatensaga immer noch vier Sterne gegeben, weil sie das Buch extrem spannend und erfrischend anders fand.

– Was können wir von dem Autor Hans-Dieter Kreuzhof in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Einige Leser möchten gern wissen, wie es mit Baro und Kalo weitergeht. Es kann also durchaus sein, dass ich mich in 2016 an einen zweiten Teil der Karpatensaga mache. Im Moment bin ich dabei, einen tauglichen Plot und eine Kernaussage zu entwickeln. Eine Trilogie ist auch nicht ausgeschlossen. Ansonsten habe ich noch zwei weitere unheimliche Projekte in der Schublade. Die bleiben aber vorerst mein Geheimnis.

Das Team von Leserkanone.de dankt Hans-Dieter Kreuzhof für die Zeit, die er sich genommen hat!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Hans-Dieter Kreuzhof
Hans-Dieter Kreuzhof bei Facebook
»Karpatensaga - In der Ferne« bei Leserkanone.de
»Karpatensaga - In der Ferne« bei Amazon
»Zusammen können wir fliegen« bei Leserkanone.de
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